Das menschliche Gehirn ist ein unglaublich komplexes Organ, das Denken, Fühlen, Lernen und vieles mehr ermöglicht. Wenn jedoch etwas schiefgeht, können psychische und neurologische Erkrankungen die Folge sein. Dieser Artikel untersucht, was im Gehirn passiert, wenn psychische Erkrankungen auftreten, welche Ursachen Störungen des Gehirns und Nervensystems haben können und welche Spuren diese Erkrankungen im Gehirn hinterlassen.
Fehlregulationen im Gehirn bei psychischen Störungen
Psychische Störungen wie Depressionen oder Schizophrenie werden oft als Fehlregulationen des Gehirns betrachtet. Bei diesen Störungen funktionieren die Schaltkreise des Gehirns anders als sie sollten. Das Gehirn besteht aus etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die durch Hunderte von Billionen von Verbindungen miteinander verbunden sind. Bei psychischen Erkrankungen ist die Informationsvermittlung von einer Nervenzelle zur nächsten durch spezifische Botenstoffe beeinträchtigt.
Ursachen von Störungen des Gehirns und Nervensystems
Die Ursachen für Störungen des Gehirns und Nervensystems sind vielfältig. Dazu gehören:
- Genetische Faktoren: Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit einer affektiven Störung genetisch bedingt ist. Es wird davon ausgegangen, dass affektive Störungen durch krankhafte Veränderungen auf verschiedenen Genen verursacht werden und dass sich diese in verschiedenen Familien und bei den jeweils erkrankten Individuen unterschiedlich kombinieren. Einige wenige Krankheiten des Gehirns sind direkt auf eine genetische Anlage zurückzuführen, wie zum Beispiel die Huntington-Erkrankung.
- Psychosoziale Faktoren: Psychosoziale Faktoren wie Verluste, Trennungen, berufliche Enttäuschungen, Überforderung, Beziehungskrisen und mangelnde soziale Unterstützung können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Äußere Einflüsse: Äußere Einflüsse wie Suchtmittelkonsum der Mutter während der Schwangerschaft, Komplikationen bei der Geburt, Infektionen, Verletzungen, Fehlbildungen, neurodegenerative Erkrankungen oder Schädigungen des das Gehirn versorgenden Gefäßsystems können ebenfalls zu Störungen führen.
- Erfahrungen in der frühen Kindheit: Belastende Erfahrungen in der frühen Kindheit, wie beispielsweise eine gestörte Eltern-Kind-Bindung, gelten als Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter.
Spuren psychischer Erkrankungen im Gehirn
Psychische Erkrankungen können vielfältige Spuren im Gehirn hinterlassen. Ein Beispiel ist die Beeinträchtigung der Funktion bestimmter Gehirnzellen durch frühkindliche Stresserfahrungen.
Auswirkungen von Behandlungen auf das Gehirn
Sowohl medikamentöse Behandlungen als auch Psychotherapie können die Vorgänge im Gehirn verändern. Psychopharmaka wirken auf die chemische Signalübertragung am synaptischen Spalt ein und beeinflussen dadurch Funktionen des Gehirns. Psychotherapie kann neue positive Beziehungserfahrungen ermöglichen und neue Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen anregen und bestärken.
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Häufige neurologische Erkrankungen und ihre Ursachen
Neurologische Erkrankungen sind weit verbreitet und können verschiedene Ursachen haben. Einige häufige Erkrankungen sind:
- Alzheimer-Krankheit: Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten führt. Ursachen sind Veränderungen im Gehirn, wie die Ansammlung von Amyloid-beta und Veränderungen des Tau-Proteins.
- Grüner Star (Glaukom): Das Glaukom umfasst eine Reihe von Augenerkrankungen, die zum Verlust von Nervenfasern führen und Gesichtsfeldausfälle verursachen können. Ursächlich ist ein erhöhter Augeninnendruck oder ein ungünstiges Verhältnis zwischen Augeninnendruck und Durchblutung des Sehnervs.
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Eine Verletzung des Gehirns durch traumatische Krafteinwirkung kann zu Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisverlust, Übelkeit, Kopfschmerzen und anderen Symptomen führen. Die Schädigung erfolgt in zwei Phasen: einer direkten Schädigung durch den Unfall und sekundären Schädigungen durch pathophysiologische Prozesse im Gehirn.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Bei den neurodegenerativen Erkrankungen sterben nach und nach Neurone des ZNS ab. Die häufigsten Erkrankungen sind Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Ursachen können genetisch oder sporadisch sein und umfassen Störungen der Proteinhomöostase, erhöhten oxidativen Stress, Störungen der Mitochondrien oder des intrazellulären Transports und Entzündungsreaktionen.
- Schlaganfall: Beim Schlaganfall kommt es zu einer plötzlich auftretenden Störung des Blutflusses im Gehirn und dadurch zur Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ursache kann die Verstopfung eines Blutgefäßes oder eine Hirnblutung sein.
- Multiple Sklerose (MS): Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Myelinschicht der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark angreift.
Neurodegeneration im Alter
Im Alter gehen oft Nervenzellen und Zellfunktionen verloren. Neurodegenerative Erkrankungen gelten daher als wichtige medizinische Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Ursachen für Neurodegeneration können genetische Besonderheiten, Zusammenlagerung von Eiweißstoffen in den Nervenzellen, Auswirkungen des Immunsystems und andere Faktoren sein.
Synaptische Plastizität und Depression
Die synaptische Plastizität, die Fähigkeit des Gehirns, die Übertragung zwischen Nervenzellen an neue Reize anzupassen, ist bei depressiven Menschen gemindert. Dies könnte eine Ursache der Depression sein und zur Entwicklung objektiverer Diagnoseverfahren beitragen.
Die Rolle der Gliazellen
Neben den Nervenzellen spielen auch die Gliazellen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Gehirnerkrankungen. Gliazellen schützen und unterstützen die Nervenzellen und sind an der Immunabwehr und der Nährstoffversorgung des Gehirns beteiligt.
Forschung und Behandlung
Die Forschung arbeitet daran, die Ursachen von Gehirnerkrankungen besser zu verstehen und neue Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege zu entwickeln.
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