Schulter-Nacken-Schmerzen sind ein weit verbreitetes Problem in der heutigen Gesellschaft. Fast jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit diesen Schmerzen konfrontiert. In den meisten Fällen verschwinden die Schmerzen von selbst, aber es kann einige Zeit dauern. Wenn die Schulter- und/oder Nackenschmerzen länger als zwölf Wochen andauern, gelten sie als chronisch.
Ursachen von Schulter- und Nackenschmerzen
Die Halswirbelsäule (HWS) ermöglicht eine große Bewegungsfreiheit. Wir können den Kopf nach rechts und links, nach oben und unten drehen und neigen, um zu sehen, zu hören oder zu riechen, ohne den ganzen Körper in Richtung des Sinnesreizes drehen zu müssen. Darüber hinaus trägt das bewegliche Wirbelsystem unser Körpergewicht - allein der knöcherne Schädel ist ein schwerer Körperteil. Längeres Verharren in einer suboptimalen Kopfhaltung sowie zu schnelle, heftige und/oder unkontrollierte Bewegungen können zu Muskelverspannungen führen, die Schmerzen verursachen können.
Beim Verharren in einer (möglicherweise ungünstigen) Position werden die Muskeln lange angespannt, während abrupte Bewegungen zu einer Überdehnung führen können.
Mögliche Ursachen für Schulter- und Nackenschmerzen sind:
- Fehlstellungen der Wirbelsäule und/oder des Beckens
- Zerrungen durch unkontrollierte, abrupte Bewegungen
- Stress und/oder seelische Belastung
- Muskuläre Verspannungen
Das Schulter-Arm-Syndrom
Das Schulter-Arm-Syndrom, auch Zervikobrachialgie oder Zervikobrachial-Syndrom genannt, ist ein Komplex verschiedener Symptome im Bereich von Nacken, Schultern und Armen. Es handelt sich nicht um eine klar definierte Krankheit oder Verletzung, sondern um einen Symptomkomplex, bei dem Schulterschmerzen das Leitsymptom sind. Die Schmerzen können in den Oberarm ausstrahlen und das Anheben des Arms über den Kopf oder bestimmte Rotationsbewegungen erschweren. Oftmals treten die Schmerzen auch nachts auf.
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Ursachen des Schulter-Arm-Syndroms
Die häufigste Ursache für das Schulter-Arm-Syndrom sind muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule, wie z.B. knotige, schmerzende Verspannungen, eine zu hohe Spannung in den Faszien oder ein muskuläres Ungleichgewicht. Wenn diese Spannungen oder Dysbalancen ein bestimmtes Maß überschreiten, können sie auch Auswirkungen auf die Wirbelkörper und die Bandscheiben haben. Die Faszien verbinden alle Strukturen im Körper miteinander. Im schlimmsten Fall können die Bandscheiben die einwirkende Kraft nicht mehr abdämpfen, so dass sich der Gallertkern gegen den äußeren Ring drückt. Bleiben Fehlhaltung oder Fehlstellung bestehen, kann der Faserring der Belastung irgendwann nicht mehr standhalten und reißt ein.
Symptome des Schulter-Arm-Syndroms
- Schulterschmerzen, die in den Arm ausstrahlen
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter
- Schmerzen bei bestimmten Bewegungen
- Nackenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Arm und Hand
- Muskelschwäche in Arm und Hand
Weitere mögliche Ursachen für Schulterschmerzen
- Impingement-Syndrom: Hierbei kommt es zu einer schmerzhaften Engstelle in der Schulter, bei der der Oberarmknochen Teile der Rotatorenmanschette und den Schleimbeutel unter dem Schulterdach einklemmt.
- Frozen-Shoulder-Syndrom: Die Ursachen hierfür sind noch nicht abschließend geklärt. Es treten Entzündungen in der Schulter auf, und Durchblutung und Stoffwechsel sind verschlechtert. Auch andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus können eine Frozen Shoulder begünstigen.
- Kalkschulter: Hierbei kommt es zu Ablagerungen von Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschette. Betroffene haben oft starke Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen.
- Schulterarthrose: Hierbei verschleißt der Knorpel in einem der Gelenke der Schulter.
Nackenschmerzen durch eingeklemmte Nerven
Nackenschmerzen können auch durch eingeklemmte Nerven verursacht werden, die in die Schulter und den Arm ausstrahlen. Dies kann durch muskuläre Verspannungen oder degenerative Verschleißprozesse entstehen.
Bandscheibenprobleme
- Bandscheibenprotrusion: Hierbei wölbt sich der Gallertkern der Bandscheibe in den Wirbelkanal vor. Der feste Faserring ist noch intakt, aber aufgrund von Verschleißprozessen geschädigt.
- Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps): Hierbei durchbricht der Gallertkern den Faserring und tritt nach außen. Das Bandscheibenmaterial kann einen Spinalnerv oder das Rückenmark einengen.
Spondylarthrose
Bei einer Spondylarthrose verschleißt die dünne Knorpelschicht der Gelenkflächen zwischen den einzelnen Halswirbeln. Es handelt sich um eine der häufigsten Erkrankungen der menschlichen Wirbelsäule. Die Ursache liegt in einer verminderten Höhe eines Wirbelsäulenabschnittes aufgrund einer degenerierten Bandscheibe.
Spinalkanalstenose
Bei einer Spinalkanalstenose ist der zentrale Spinalkanal bzw. das Zwischenwirbelloch verengt. Dies kann durch einen Bandscheibenvorfall oder knöcherne Anbauten (Spondylophyten) verursacht werden. Die Verengung sorgt für eine Kompression des Rückenmarks oder des Spinalnerven.
Wirbelbrüche
Bei einem instabilen Wirbelkörper aufgrund von Osteoporose können harmlose Alltagssituationen zu einem Wirbelkörperbruch führen. Brüche im Bereich der Halswirbel entstehen entweder durch Unfälle, Gewalteinwirkung oder durch eine Erkrankung, die die Knochensubstanz schädigt. Aufgrund der Nähe zum Rückenmark sind Wirbelbrüche immer ein medizinischer Notfall und bedürfen sofort einer ärztlichen Untersuchung.
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Diagnose von Nervenschmerzen im Schulter- und Nackenbereich
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Schulter- und Nackenbereich umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Nacken abtastet und die Beweglichkeit von Kopf, Hals und Schultern prüft. Zudem werden Muskelkraft, Sensibilität sowie Reflexe geprüft.
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln.
Behandlung von Nervenschmerzen im Schulter- und Nackenbereich
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Schulter- und Nackenbereich richtet sich nach der Ursache der Schmerzen.
Konservative Behandlungen
- Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden. In hartnäckigen Fällen kann auch ein Schmerzmittel in die Umgebung der gereizten Nerven injiziert werden.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, die Muskulatur zu lockern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme (z. B. Wärmekissen, Rotlicht, Wärmesalbe) kann bei Muskelverspannungen helfen, während Kälte (z. B. Kühlpads, Eiskompressen) bei Entzündungen lindernd wirken kann.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen.
- Manuelle Therapie: Erfahrene Physiotherapeuten, Osteopathen, Chiropraktoren und Chiropraktiker können mit einigen wenigen Griffen Blockaden lösen.
Operative Behandlungen
In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beheben. Dies kann beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose der Fall sein.
Was Sie selbst tun können
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie bei Ihrem Büro-Arbeitsplatz auf ergonomisches Arbeiten. Die Position von Stuhl, Tisch, Monitor, Tastatur und Maus sollten ein rückengesundes Arbeiten ermöglichen.
- Regelmäßige Pausen: Vergessen Sie regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen nicht.
- Bewegung: Sorgen Sie für ausreichend Bewegung im Alltag. Dies fördert eine allgemeine Muskelkräftigung und beugt muskulären Ungleichgewichten vor.
- Stressmanagement: Reduzieren Sie Stress, z. B. durch Entspannungstechniken oder Sport.
- Richtiges Schlafen: Achten Sie auf eine für Sie geeignete Matratze und ergonomisch geformte Nackenkissen oder Nackenrollen.
- Vermeiden Sie Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, insbesondere beim Sitzen und bei der Nutzung von Smartphones.
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