Die Frage, ob Handystrahlung schädliche Auswirkungen auf das Gehirn hat, ist seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung und öffentlicher Diskussionen. Hochfrequente elektromagnetische Felder (HEF), die von Mobiltelefonen und anderen Kommunikationssystemen ausgesendet werden, stehen im Verdacht, verschiedene biologische Prozesse im Körper zu beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschungslage, insbesondere im Hinblick auf Hirntumore, und gibt Empfehlungen für einen bewussten Umgang mit Mobiltelefonen.
Aktuelle Studienlage zu Hirntumoren und Handystrahlung
Zahlreiche Studien haben die Frage untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Handystrahlung und dem Auftreten von Hirntumoren besteht. Aktuelle Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit von Hirntumoren durch Handystrahlung nicht erhöht ist. Diese Aussage basiert auf umfassenden Datenanalysen und berücksichtigt verschiedene Faktoren wie die Nutzungsdauer und -intensität von Mobiltelefonen.
Die COSMOS-Studie: Eine multinationale Kohortenstudie
Ein wichtiger Beitrag zur Forschung in diesem Bereich ist die COSMOS-Studie (Cohort Study on Mobile Communication, Brain and Health), eine große multinationale Kohortenstudie, die seit 2008 läuft und voraussichtlich bis 2037 andauern wird. Die Studie umfasst 264.000 Personen aus Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien. Ziel der COSMOS-Studie ist es, langfristige Auswirkungen der Handynutzung auf die Gesundheit zu untersuchen, insbesondere im Hinblick auf Hirntumore.
Anfang März wurden die COSMOS-Daten zum Risiko für Hirntumoren veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass Handys auch bei starker Nutzung nicht häufiger zu Gliomen, Meningeomen oder Akustikusneurinomen führen. Diese Erkenntnisse basieren auf einer Datengrundlage von über 1,8 Millionen Personenjahren und berücksichtigen sowohl Angaben zur persönlichen Handynutzung als auch objektivierbare Verbindungsdaten.
Analyse der COSMOS-Daten
Die Forscher analysierten die Daten, indem sie die Zeitspanne ermittelten, in der Handys regelmäßig genutzt wurden, und die Gesamtstunden der Handynutzung berücksichtigten. Sie verglichen das Auftreten von Hirntumoren bei Personen mit längerer und intensiverer Handynutzung mit dem Auftreten bei Personen mit kürzerer und geringerer Nutzung. Dabei wurden auch mögliche Störfaktoren berücksichtigt.
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Die Ergebnisse zeigten, dass eine intensive Handynutzung nicht mit einem statistisch signifikant erhöhten Risiko für die untersuchten Hirntumor-Typen verbunden war. Die Hazard Ratio (HR) pro 100 Stunden Handynutzung betrug 1,0 für Gliome, 1,01 für Meningeome und 1,02 für Akustikusneurinome. Dies bedeutet, dass pro 100 Stunden, die das Handy länger genutzt wurde, das Risiko für die untersuchten Tumoren nicht statistisch signifikant anstieg.
In Nutzungsjahren ausgedrückt lag die Hazard Ratio für Akustikusneurinome bei mehr als 15 Jahren Nutzung im Vergleich zu unter 15 Jahren bei 0,76. Für Gliome und Meningeome ergaben sich im Vergleich zum Zeitraum von 0 - 9 Jahren folgende Hazard Ratios:
- Für 10 - 14 Jahre: 0,81 (Gliome) bzw. 1,22 (Meningeome)
- Für mehr als 15 Jahre: 0,97 (Gliome) bzw. 1,24 (Meningeome)
Auch hier war das Risiko in keinem Fall statistisch signifikant unterschiedlich.
Einschränkungen und Unsicherheiten
Trotz der beruhigenden Ergebnisse der COSMOS-Studie und anderer Forschungsarbeiten gibt es weiterhin Unsicherheiten und Einschränkungen, die berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören:
- Längere Untersuchungszeiträume: Die langfristigen Auswirkungen der Handynutzung, insbesondere über Jahrzehnte hinweg, sind noch nicht vollständig geklärt.
- Seltene Hirntumoren: Die Studienpopulationen sind möglicherweise nicht groß genug, um seltene Hirntumoren ausreichend zu erfassen.
- Exzessive Handynutzung in der Kindheit: Die Auswirkungen der Handynutzung im Kindesalter, wenn sich das Gehirn noch entwickelt, sind noch nicht ausreichend untersucht.
- Andere Krebserkrankungen: Es gibt Hinweise darauf, dass Handystrahlung möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für andere Krebserkrankungen in Verbindung stehen könnte, obwohl hierzu noch weitere Forschung erforderlich ist.
Weitere Forschungsergebnisse und Erkenntnisse
Neben den Studien zu Hirntumoren gibt es auch Forschungsergebnisse, die sich mit anderen potenziellen Auswirkungen von Handystrahlung auf das Gehirn befassen.
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Einfluss auf Gehirnstoffwechsel und Nahrungsaufnahme
Wissenschaftler der Universität zu Lübeck haben den Einfluss von Handystrahlung auf den Gehirnstoffwechsel und die Nahrungsaufnahme untersucht. Eine Studie mit jungen Männern zeigte, dass Handystrahlung zu einer Erhöhung der Gesamtkalorienzufuhr um 22 bis 27 Prozent führte, vor allem durch eine vermehrte Kohlenhydrat-Aufnahme. Die Messungen des Energiestoffwechsels im Gehirn ergaben eine Steigerung unter Einfluss der Handystrahlung.
Die Forscher schlossen daraus, dass Handystrahlen nicht nur einen potenziellen Faktor für übermäßiges Essen beim Menschen darstellen, sondern dass sie auch die Energiehomöostase des Gehirns beeinflussen. Diese Erkenntnisse könnten neue Wege für die Adipositas- und andere neurobiologische Forschung eröffnen.
Auswirkungen auf kognitive Leistungsfähigkeit und Verhalten
Die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Verhalten werden seit den 1950er Jahren diskutiert. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum untersuchte die Auswirkungen von UMTS-Strahlung auf neuronales Lernen und synaptische Gedächtnisbildung bei Ratten.
Die Ergebnisse zeigten, dass starke elektromagnetische Felder (SAR 10 W/kg) das Lernen und die Gedächtnisbildung signifikant beeinflussen, während schwache elektromagnetische Felder (SAR 0 und 2 W/kg) zu keiner messbaren Beeinträchtigung führen. Die Forscher betonten jedoch, dass diese Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen werden können.
Empfehlungen für einen bewussten Umgang mit Mobiltelefonen
Auch wenn die aktuelle Forschungslage eher beruhigend ist, ist es dennoch ratsam, einen bewussten Umgang mit Mobiltelefonen zu pflegen, um die individuelle Belastung durch elektromagnetische Felder zu minimieren. Hier sind einige Empfehlungen:
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- Gespräche kurz halten: Nutzen Sie das Smartphone, wenn möglich, nur für kurze Gespräche.
- Guten Empfang nutzen: Telefonieren Sie bei gutem Empfang, da das Handy bei schlechtem Empfang stärker strahlt.
- Headset verwenden: Verwenden Sie ein Headset, um das Handy nicht direkt am Ohr halten zu müssen.
- Textnachrichten als Alternative: Nutzen Sie Textnachrichten anstelle von Anrufen, wenn möglich.
- Strahlungsfreie Zeit: Schalten Sie das Smartphone nachts aus oder lassen Sie es außerhalb des Schlafzimmers liegen. Aktivieren Sie den Flugmodus, um die Strahlung zu reduzieren.
- Festnetztelefon bevorzugen: Greifen Sie zum Festnetztelefon, wenn Sie die Wahl haben.
- SAR-Wert beachten: Achten Sie auf den SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) Ihres Geräts. Als Obergrenze gelten 2 Watt pro Kilogramm. Die Angaben finden Sie in der Gebrauchsanweisung Ihres Geräts.
- Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Aktivität, um chronische Entzündungsvorgänge im Körper so gering wie möglich zu halten und das Immunsystem zu stärken.
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