Reanimation des Kuhgehirns nach dem Tod: Eine Untersuchung der Grenzen der Wiederbelebung

Der Traum von der Unsterblichkeit und der Überwindung des Todes ist so alt wie die Menschheit selbst. In den letzten Jahren haben Fortschritte in der Medizin und Technologie zu neuen Wegen geführt, diesen Traum zu verfolgen, darunter die Kryonik, die Konservierung von Körpern oder Gehirnen bei extrem niedrigen Temperaturen in der Hoffnung auf zukünftige Wiederbelebung. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Grundlagen, ethischen Überlegungen und praktischen Herausforderungen der Reanimation des Gehirns nach dem Tod, insbesondere im Kontext der Kryonik und verwandter Forschung.

Nahtoderfahrungen und das Bewusstsein

Viele Menschen, die außergewöhnliche Situationen meist in Todesnähe erlebten, berichten von übernatürlichen Erfahrungen. Um solche Nahtoderfahrungen besser zu verstehen, hatte sich ein Forscherteam dem rätselhaften Phänomen angenommen. Die „AWARE“-Studie (AWArness during REsuscitation: Bewusstsein während der Wiederbelebung) interviewte mehr als 100 Patienten nach einem Herzstillstand. Während die meisten sich nicht erinnern konnten, waren fast 40 Prozent überzeugt, eine Art Bewusstsein verspürt zu haben. Nur wenige gaben an, eine typische Nahtoderfahrung gemacht zu haben. Sie glaubten, ein helles Licht, Tiere und Pflanzen gesehen zu haben oder Familienangehörige getroffen zu haben. Für einen Patienten konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass er offenbar das Geschehen in einem Zeitraum bewusst wahrgenommen hatte, in dem diese es nicht erwartet hätten. Denn zu diesem Zeitpunkt stand sein Herz mehrere Minuten lang still. Das sei paradox, teilte Sam Parnia mit, einer der führenden Wissenschaftler der Studie. Denn das Gehirn höre normalerweise 20 bis 30 Sekunden nach dem Herzstillstand auf, zu arbeiten. Es wird erst wieder aktiv, wenn das Herz wiederbelebt worden sei.

Kryonik: Eine Reise in die Zukunft?

Die Kryonik ist eine umstrittene Praxis, bei der der Körper oder das Gehirn einer Person nach dem Tod in flüssigem Stickstoff bei -196 °C konserviert wird. Die Idee dahinter ist, dass zukünftige Technologien möglicherweise in der Lage sein werden, den Körper zu reparieren, die Todesursache zu beheben und die Person wiederzubeleben.

Die Kryonik-Bewegung

Der amerikanische Physikprofessor Robert T. W. Ettinger gilt als Vater der Kryonik. 1964 veröffentlichte er das Buch "The Prospect of Immortality", in dem er die Idee der Kryokonservierung als Möglichkeit zur Überwindung des Todes vorstellte. Seine Ideen erschienen Fred Chamberlain, einem Raumfahrtingenieur, so vernünftig, dass er sich sicher war, irgend jemand werde schon bald die notwendigen Techniken entwickeln", sagt Chamberlain. "Ich war zu beschäftigt, um mich selbst drum zu kümmern." Der Ingenieur half, "Mariner"- und "Voyager"-Raumsonden zu bauen. Als jedoch 1970 seine Mutter starb und auch sein Vater kränkelte, dämmerte ihm, dass die Zeit drängte und niemand die kryonische Praxis vorantrieb. 1972 gründete Fred Chamberlain daher mit ein paar Gleichgesinnten im kalifornischen Riverside die Stiftung Alcor. Fred Chamberlain entwarf Gerätschaften zur Tiefkühlung kryonautischer Patienten, wie sie - technisch verbessert - immer noch in Gebrauch sind. 1976 kam es dann zu Alcors erster Suspension, an der Chamberlain auch persönlich teilnahm: "Es war mein Vater, er wollte nicht sterben, niemand will sterben. Ich war ihm das schuldig."

Die Kryonik-Bewegung hat seitdem Anhänger auf der ganzen Welt gewonnen, darunter Wissenschaftler, Technologen und Einzelpersonen, die an die Möglichkeit der zukünftigen Wiederbelebung glauben. "Wir müssen nur dafür sorgen, dass unsere Körper nach unserem Tod in entsprechenden Kühltruhen gelagert werden, bis eine Zeit gekommen ist, in der die Wissenschaft uns helfen kann", heißt es im Tiefkühl-Kultbuch "The Prospect of Immortality": "Was immer uns heute tötet, sei es das Alter oder eine Krankheit, und auch wenn die Gefriertechniken zur Zeit unseres Todes noch sehr primitiv sein sollten, früher oder später werden unsere Freunde in der Zukunft der Aufgabe gewachsen sein, uns wieder zu beleben und zu heilen."

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Die Kryokonservierung

Der Prozess der Kryokonservierung beginnt idealerweise kurz nach dem Tod. Das Blut des Patienten wird durch Viaspan ersetzt, eine Lösung, die sonst zur Konservierung von Körperteilen für Transplantationen benutzt wird. Ein effektiverer Blutkreislauf wird so direkt vom Herz zum Gehirn etabliert, und Frostschutzmittel auf Glycerol-Basis tröpfelt in die Adern. Durch ein Guckloch, das der Chirurg in den Schädel bohrt, beobachtet das Team die Trockenlegung, bis zwischen Schädeldecke und Gehirn eine Kluft von zwei, drei Zentimetern klafft. Anschließend wird der Körper auf extrem niedrige Temperaturen abgekühlt, um den Verfall zu stoppen. Selbst überzeugteste Kryoniker leugnen allerdings nicht die gewaltigen Gefrierschäden, die beim gegenwärtigen Verfahren entstehen. Viele wollen daher die Menge der reparaturbedürftigen Humanität gering halten. Im Gegensatz zu Professor Epstein ersparte sich FM-2030 etwa die Einlagerung des kranken Körpers. Ihm ging es wie den meisten allein um die Konservierung des Gehirns; der neue Körper zum alten Kopf soll dereinst nachgeklont oder komplett neu konstruiert werden.

Herausforderungen und Kritik

Die Kryonik steht vor zahlreichen wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen. Eine der größten Herausforderungen ist die Verhinderung von Eiskristallbildung während des Einfrierprozesses, die die Zellstruktur des Gehirns schädigen kann. Durch den hohen Wassergehalt im Apfel bilden sich beim Einfrieren Eiskristalle (das Wasser dehnt sich aus), was seine Zellen gewissermaßen platzen lässt. Die Folge: nach dem Auftauen schmeckt er nicht mehr gut und ist matschig. Zudem führt die extreme Außenkühlung bei größeren Objekten zu makroskopischen Gefrierbrüchen im Gewebe, dem sogennanten Cracking.

Ein weiteres Problem ist die Toxizität der Frostschutzmittel, die verwendet werden, um die Eiskristallbildung zu verhindern. Derzeit existiert keine Technik, um dieses Gift beim Auftauen wieder zu entfernen. Die Kryoniker sind sich der Giftigkeit der Mittel voll bewusst, allerdings konzentrieren sie sich vor allem darauf, die Schäden beim Einfrieren zu minimieren und besonders das Gehirn zu erhalten.

Darüber hinaus gibt es keine Garantie dafür, dass zukünftige Technologien in der Lage sein werden, die Schäden zu reparieren, die während des Einfrierprozesses entstanden sind, oder die Todesursache zu beheben. "Der Glaube, Kryonik könne jemanden wieder beleben, der eingefroren wurde", stellte daher Arthur C. Rowe, einst Direktor des kryobiologischen Rote-Kreuz-Instituts in New York fest, "ist so ziemlich dasselbe wie die Idee, aus einem Hamburger wieder eine Kuh zu machen."

Kritiker der Kryonik argumentieren auch, dass es sich um eine teure und unbewiesene Technologie handelt, die falsche Hoffnungen weckt. Sie weisen darauf hin, dass es ethisch fragwürdig ist, Ressourcen für die Kryonik zu verwenden, während es dringendere medizinische Bedürfnisse gibt.

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Erfolge und Fortschritte

Trotz der Herausforderungen hat die Kryonik in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt. So hat man es beispielsweise schon geschafft eine Kaninchenniere einzufrieren und nach dem Auftauen wieder erfolgreich zu implantieren. Tschechischen Forschern ist es gelungen Larven der kälteempfindlichen Fruchtliege einzufrieren und nach mehr als einer Stunde ohne Beschädigung wieder aufzutauen. Auch im Tierreich findet man Beispiele. So können die Larven des Alaska-Käfers “Cucujus clavipes puniceus” Temperaturen von Minus 150 Grad ohne Probleme unbeschadet überstehen. Sowieso ist es in Labors seit Jahren Standard Zellen oder Embryonen einzufrieren, um sie für medizinische Zwecke wieder aufzutauen.

Die Kryobiologie und Kryogenik, die sich mit dem Einfrieren und Auftauen von biologischem Material bzw. der Erzeugung und Anwendung sehr tiefer Temperaturen beschäftigen, haben ebenfalls erhebliche Fortschritte gemacht. So werden Haut und Augenhornhaut routinemäßig eingefroren. Und längst leben Menschen unter uns, die schon mal tiefgekühlt waren - als Embryos.

Modellbasierte Lehre in der Tiermedizin

Obwohl sich der Artikel hauptsächlich mit der Reanimation des menschlichen Gehirns befasst, ist es interessant, einen Blick auf die modellbasierte Lehre in der Tiermedizin zu werfen, da sie Einblicke in die Entwicklung von Modellen und Simulationen für medizinische Zwecke gibt.

An der tierärztlichen Hochschule wird ein besonderes Konzept ausgedacht: Zwei Wochen lang trainieren 160 Studierende eines Jahrgangs intensiv die häufigsten Notfälle der Tiermedizin. Dazu gehört ein von einem Auto angefahrener Hund ebenso wie ein Rind mit komplizierter Geburt, ein Huhn mit Verdacht auf Salmonellen oder ein Pferd mit Kolik. „Insgesamt haben wir rund 90 Modelle im Einsatz“, sagt die Tierärztin Vera Losansky, die an Konzept und Umsetzung des Kurses mitgearbeitet hat. Nur einige wenige Übungen müssten an Tierkadavern durchgeführt werden. „Uns ist wichtig, dass die Studierenden Notfallwissen für verschiedene Tierarten erwerben, bevor sie sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung auf Kleintiere, Pferde oder Nutztiere spezialisieren“, sagt Jörg Aschenbach. Der „CPR-Dummy“, ein Hundemodell, an dem unter anderem die Wiederbelebung nach einem Herzstillstand geübt wird, ist sogar interaktiv: Am Monitor können die Studierenden während der Herzmassage verfolgen, ob sie alles richtig machen und das Herz wieder schneller zu schlagen beginnt. Wer etwa am Modellpferd die Rückenklappe öffnet, kann gut nachvollziehen, wie Koliken entstehen: „Der Pferdedarm liegt relativ frei in der Bauchhöhle und kann sich in alle Richtungen verdrehen und verknoten“, sagt Ann Kristin Barton und zieht einen rosafarbenen Plastikschlauch hervor. Eine Kolik könne viele Ursachen haben: zu wenig Bewegung etwa oder wenn Pferde im Stall nur zwei- bis dreimal am Tag gefüttert werden, anstatt den ganzen Tag zu weiden.

Diese modellbasierte Lehre zeigt, wie Modelle und Simulationen verwendet werden können, um medizinische Verfahren zu erlernen und zu üben, ohne auf lebende Tiere oder Kadaver zurückgreifen zu müssen. Dies könnte in Zukunft auch für die Kryonik relevant sein, um die Wiederbelebung von kryokonservierten Körpern oder Gehirnen zu simulieren und zu optimieren.

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Die Rolle der Technologie in der Zukunft der Wiederbelebung

Die Fortschritte in der Nanotechnologie, Gentechnik und künstlichen Intelligenz könnten in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Wiederbelebung von kryokonservierten Körpern oder Gehirnen spielen.

Nanotechnologie

Die Nanotechnologie, die Zellreparatur Atom für Atom verspricht, könnte verwendet werden, um die Schäden zu reparieren, die während des Einfrierprozesses entstanden sind. Nanobots könnten in das Gehirn injiziert werden, um beschädigte Zellen zu reparieren und die Verbindungen zwischen den Neuronen wiederherzustellen.

Gentechnik

Die Gentechnik könnte verwendet werden, um die Todesursache zu beheben und den Körper auf die Wiederbelebung vorzubereiten. Zum Beispiel könnten Gene manipuliert werden, um das Wachstum neuer Zellen und Gewebe zu fördern oder um altersbedingte Schäden zu reparieren.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz könnte verwendet werden, um das Bewusstsein und die Persönlichkeit der Person wiederherzustellen. Durch die Analyse des Gehirns vor dem Einfrieren könnten Informationen über die neuronalen Verbindungen und die Gehirnstruktur gesammelt werden. Diese Informationen könnten dann verwendet werden, um eine Simulation des Gehirns zu erstellen und das Bewusstsein der Person wiederherzustellen.

Ethische und gesellschaftliche Implikationen

Die Reanimation des Gehirns nach dem Tod wirft eine Reihe ethischer und gesellschaftlicher Fragen auf.

Das Konzept des Todes

Die Kryonik und die Möglichkeit der zukünftigen Wiederbelebung stellen das traditionelle Konzept des Todes in Frage. Wenn der Tod nicht mehr als ein irreversibler Zustand angesehen wird, sondern als ein Zustand, der möglicherweise umgekehrt werden kann, könnte dies unsere Sichtweise auf das Leben und den Tod verändern.

Gerechtigkeit und Zugang

Wenn die Kryonik und die zukünftige Wiederbelebung Realität werden, stellt sich die Frage, wer Zugang zu diesen Technologien haben wird. Wenn die Kryonik teuer und unzugänglich ist, könnte dies zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen, in der die Reichen die Möglichkeit haben, dem Tod zu entkommen, während die Armen sterben müssen.

Identität und Kontinuität

Wenn eine Person nach dem Tod wiederbelebt wird, stellt sich die Frage nach ihrer Identität und Kontinuität. Wird die wiederbelebte Person dieselbe sein wie die Person, die gestorben ist? Werden sie ihre Erinnerungen, ihre Persönlichkeit und ihre Werte behalten?

Überbevölkerung und Ressourcen

Wenn die Menschen in der Lage sind, dem Tod zu entkommen, könnte dies zu Überbevölkerung und Ressourcenknappheit führen. Die Erde hat nur begrenzte Ressourcen, und wenn die Menschen länger leben, könnte dies zu Konflikten um Ressourcen und Lebensraum führen.

Persönliche Erfahrungen und Perspektiven

Die Auseinandersetzung mit Themen wie Tod und Wiederbelebung kann auch sehr persönliche Erfahrungen und Perspektiven hervorrufen. Der bereitgestellte Text enthält die Geschichte eines Autors, der nach einem Herzstillstand wiederbelebt wurde.

Eine persönliche Geschichte

2018 lief gut für mich. Nachdem ich mehrere Jahre als freiberuflicher Journalist gearbeitet hatte, hatte ich regelmäßige Auftritte und verdiente gutes Geld. Aber am 2. An diesem Tag ging ich wie jeden Morgen joggen. Als ich vom Laufen hereinkam, hatte ich Atembeschwerden. Bevor meine Frau ging, bat ich sie um ihren Asthma-Inhalator und klagte darüber, dass ich mich „neben mir“ fühlte. Es gab keine anderen Anzeichen dafür, was passieren würde. „Dein Gesicht färbte sich lila oder blau und du gabst ein Geräusch von dir, das wie eine Kuh klang“, erzählte mir meine Tochter Willow. Nina antwortete, aber Willow war zu hysterisch, um zu erklären, was vor sich ging. Willow rannte zum Nachbarhaus, aber niemand war da. Sie rief meine Frau zurück und fragte, ob sie den Notruf wählen sollte. Minuten später trafen Rettungssanitäter im Haus ein und versuchten, mich mit einem Defibrillator wiederzubeleben. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Herz aufgehört zu schlagen, und mein Gehirn verlor Sauerstoff. Nach einigen Minuten brachten die Sanitäter mein Herz endlich wieder zum Schlagen. Aber die vielleicht größte Veränderung ist meine Einstellung zum Tod.

Diese persönliche Geschichte verdeutlicht die Bedeutung der Wiederbelebung und die Auswirkungen, die sie auf das Leben der Betroffenen und ihrer Familien haben kann. Sie zeigt auch, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod zu einer veränderten Perspektive auf das Leben führen kann.

Meinungen und Perspektiven

Die Meinungen über die Kryonik und die Möglichkeit der zukünftigen Wiederbelebung sind geteilt. Einige Menschen sehen darin eine große Chance für die Menschheit, den Tod zu überwinden und ein längeres, gesünderes Leben zu führen. Andere sind skeptisch und sehen darin eine unbewiesene Technologie, die falsche Hoffnungen weckt.

Katharina Sichelbeck, die im fünften Semester in Regensburg studiert, steht der Kryonik hingegen sehr skeptisch gegenüber:„ Ob es irgendwann mal funktioniert oder nicht sei dahingestellt - ich finde, das wird nicht ganz zu Ende gedacht. Angenommen ich lasse mich kryokonservieren. In 100 Jahren wecken sie mich dann wieder auf. Die Situation wäre dann: meine ganzen Freunde und Verwandten sind tot, ich kenne niemanden, mein Wissen ist veraltet, ich finde keinen Job oder werde als Versuchskaninchen missbraucht, mein Vermögen ist wertlos, mein Besitz ist verfallen oder ich muss mir anschauen, was meine Erben aus meinem Vermächtnis im schlimmsten Fall gemacht haben. Ich finde, man muss es auch mal gut sein lassen. Der Mensch stirbt, das ist so. Ich möchte nicht, dass irgendwann mal Platz und Energie für die “Untoten” verwendet wird, wo es die Lebenden viel dringender brauchen. Irgendwann ist einfach Schluss. Abgesehen davon wird es hier durch Überbevölkerung sowieso zunehmend eng, da kann keiner aufgetaute 150-Jährige brauchen. Wie soll außerdem die Verwaltung ablaufen? Muss man dann den Besitz und die Finanzen auch einfrieren? Muss man alles erhalten, weil eventuell mal einer aufgetaut wird? Meine Meinung dazu ist, dass man sich irgendwann mit seiner eigenen Sterblichkeit abfinden sollte. Das Leben ist umso schöner und wertvoller, weil es eben nicht ewig dauert. Jeder Moment kommt nicht wieder und man sollte nicht vieles aufschieben, weil man nie weiß, wann man die nächste Gelegenheit bekommt. Für mich ist Kryonik der Versuch der Menschen zu verdrängen, dass das Leben nun einmal endlich ist.

Julius Hermann studiert im sechsten Semester Medizin in München. Er hält die Kryonik für eine große Chance der Menschheit:„ Sich einfrieren zu lassen ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit eventuell einmal weiterleben zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in absehbarer Zeit tote, eingefrorene Menschen wieder zum Leben erwecken kann, ist zwar gering, aber als toter Eingefrorener hat man ja auch alle Zeit der Welt. Auf jeden Fall kann ich als Naturwissenschaftler diesem Konzept mehr abgewinnen als dem Leben nach dem Tod, das die Kirche verspricht - daran glaube ich schlicht und ergreifend nicht, weil es dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt gibt. Außerdem packt mich schon eine gewisse Neugier beim Gedanken an die Zukunft. Wer würde nicht gerne wissen wie es in hunderten von Jahren auf unserem Planeten aussieht und als Zeitzeuge einer alten Generation berichten. Ich kann verstehen, dass das vielen Leuten Angst macht.

Es ist wichtig, diese unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven zu berücksichtigen, wenn man sich mit der Kryonik und der Möglichkeit der zukünftigen Wiederbelebung auseinandersetzt.

Die Bedeutung der Ersten Hilfe und der Laienreanimation

Unabhängig davon, ob die Kryonik in Zukunft Realität wird oder nicht, ist es wichtig zu betonen, dass die Erste Hilfe und die Laienreanimation lebensrettende Maßnahmen sind, die jeder erlernen kann.

Die Rolle der Ersten Hilfe

Jährlich sterben bundesweit 100.000 Menschen am so genannten plötzlichen Herztod. Viele wären zu retten, wenn Anwesende buchstäblich beherzter eingreifen würden. In Schleswig-Holstein sorgt der Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in einem Modellversuch dafür, dass Ersthelfer schnell zum Einsatzort gelangen. Dabei hilft eine App. Schon 6000 Freiwillige haben sich den digitalen Alarmknopf heruntergeladen.

Deutschland steht bei der Zahl so genannter Laienrettungen im europäischen Vergleich weit hinten: Nur in rund 30 Prozent der begonnenen Reanimationen trauen sich Nicht-Profi s zu helfen. In Holland und den skandinavischen Ländern sind es 60 bis 80 Prozent. „Hier setzt unser Projekt an“, sagt Stephan Andersen, Referent für Notfallversorgung beim ASB Schleswig-Holstein. Denn die mangelnde Hilfsbereitschaft entstehe nicht aus bösem Willen, sondern aus Unsicherheit.

Die "Saving Life"-App

Die Paritätische Mitgliedsorganisation hat eine App entwickeln lassen, mit der ausgebildete Ersthelfer über die Leitstelle informiert und zu einem Bewusstlosen geleitet werden. Die „Saving Life“-Smartphone- Applikation ähnelt der Ersthelfer-App „Meine Stadt rettet“ der Münchener Firma Ecorium. Kein Zufall, erklärt Andersen: Tatsächlich arbeiten der ASB-Landesverband und Ecorium zusammen. Dritter Partner ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit dem Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) in Kiel.

Das Verfahren ist für die Beteiligten einfach: Freiwillige installieren die App auf ihrem Smartphone. Sie geben dabei an, ob sie eine medizinische Ausbildung besitzen oder jüngst einen Lebensrettungskursus absolviert haben. Erhält die Leitstelle einen Notruf, sehen die Disponenten die eingeschalteten Smartphones als Signale auf ihrem Bildschirm. Helfer, die in der Nähe des Bewusstlosen sind, werden automatisch über die App angefragt.

Die Bedeutung des Handelns

Bedenken habe die Leitstelle nicht, wenn sie Wildfremde zum Retten schickt, schließlich führt Nichthandeln immer zum Tod - jede Hilfe ist besser als keine. „Die Angehörige, die uns anrufen, sind meist emotional belastet und freuen sich, wenn schnell jemand kommt“, sagt Wenk. „Und wer sich die App herunterlädt, muss einen aktuellen Lebensrettungskursus nachweisen, ist also fähig zu helfen.“ Die Helfer dürfen jederzeit ohne Angabe von Gründen einen Ruf ablehnen, betont Stephan Andersen vom ASB: „Man muss sich nicht rechtfertigen, ob man gerade unter der Dusche steht, seine Kinder betreut oder arbeitet. Es geht nur darum, ob man schnell vor Ort sein kann.“

Im Idealfall werden drei Ersthelfer zu einem Bewusstlosen geschickt: Der erste beginnt mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Der zweite holt einen Defibrillator, der dritte kann Angehörige beruhigen oder dem Notarzt den Weg zeigen. Denn der Rettungswagen wird natürlich gleichzeitig in Bewegung gesetzt.

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