Lumbalpunktion zum Nachweis von Krebsarten: Ein umfassender Überblick

Die Lumbalpunktion, auch bekannt als Nervenwasseruntersuchung oder Liquordiagnostik, ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Medizin, insbesondere bei Verdacht auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Dabei wird Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) aus dem Lendenbereich der Wirbelsäule entnommen und anschließend im Labor untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Lumbalpunktion im Zusammenhang mit dem Nachweis von Krebsarten, einschliesslich der Durchführung, Anwendungsbereiche, möglichen Komplikationen und alternativen Analysemethoden.

Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Die Nervenwasseruntersuchung wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks eingesetzt. Zu den häufigsten Indikationen gehören:

  • Entzündliche Erkrankungen: Akute Entzündungen wie Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Enzephalitis (Gehirnentzündung) sowie chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose.
  • Blutungen: Nachweis oder Ausschluss einer Hirnblutung oder Rückenmarksblutung.
  • Andere Hirnerkrankungen: Diagnostik von Demenzen, Autoimmunerkrankungen und unklaren neurologischen Symptomen.
  • Verdacht auf Krebserkrankungen: Bei Verdacht auf einen Gehirntumor, eine lymphatische Leukämie oder das Vorliegen von Hirnmetastasen.
  • Abklärung von Infektionen: Bakterielle, virale, parasitäre oder Pilz-bedingte Erkrankungen des Nervensystems.

Was ist Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis)?

Gehirn und Rückenmark sind von einer klaren Flüssigkeit umgeben, dem Liquor cerebrospinalis. Diese Flüssigkeit, auch Nervenwasser genannt, dient als eine Art "Wasserkissen", das das empfindliche Nervengewebe vor Stössen und Verletzungen schützt. Darüber hinaus spielt der Liquor eine wichtige Rolle bei der Versorgung des Gehirns mit Nährstoffen und dem Abtransport von Stoffwechselprodukten. Die Menge des Liquors beträgt etwa 125 ml, wobei eine vollständige Erneuerung alle 6 Stunden stattfindet. Täglich werden circa 300 bis 700 Milliliter neu gebildet.

Durchführung der Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion wird in der Regel von einem Arzt durchgeführt und dauert inklusive Vorbereitung etwa 10 bis 15 Minuten. Der Eingriff erfolgt meist im Sitzen, kann aber auch im Liegen durchgeführt werden, insbesondere wenn der Liquoreröffnungsdruck gemessen werden soll.

  1. Vorbereitung: Der Patient wird aufgefordert, den Rücken frei zu machen und einen "Katzenbuckel" zu bilden, um die Wirbelzwischenräume zu erweitern. Die Punktionsstelle im Lendenbereich der Wirbelsäule (zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbelkörper) wird desinfiziert und gegebenenfalls örtlich betäubt. Vor der Entnahme des Liquors überzeugt sich der Arzt anhand von CT-Bildern (Schädel-Computertomographie) oder durch Spiegelung des Augenhintergrundes, dass kein Hirndruck vorhanden ist.
  2. Punktion: Mit einer dünnen, sterilen Nadel wird zwischen zwei Wirbeln in den Rückenmarkskanal eingestochen. Da das Rückenmark oberhalb der Punktionsstelle endet, besteht keine Gefahr einer Verletzung. Die Nadelspitze kommt zwischen den Rückenmarksnerven im Liquor zu liegen, den man langsam von selbst abtropfen lässt.
  3. Entnahme: Es werden etwa 5 bis 10 Milliliter Liquor entnommen, was nur einen Bruchteil der gesamten vorhandenen Flüssigkeit darstellt.
  4. Nachsorge: Nach der Punktion wird die Nadel entfernt und ein steriler Verband angelegt. Der Patient sollte anschliessend für einige Zeit (ca. 2 Stunden) in Kopftieflage liegen, um Kopfschmerzen zu vermeiden.

Analyse des Liquors

Die entnommene Liquorprobe wird im Labor auf verschiedene Parameter untersucht, die Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben können:

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  • Zellzahl: Bestimmung der Anzahl von roten und weißen Blutkörperchen sowie von Tumorzellen.
  • Proteingehalt: Erhöhte Eiweißwerte können auf Entzündungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems hindeuten. Spezielle Untersuchungen des Liquoreiweißes sind wesentlich für die Diagnose der Multiplen Sklerose, aber auch für die Unterscheidung verschiedener Demenzerkrankungen.
  • Glukose- und Laktatwerte: Veränderungen dieser Werte können auf Infektionen oder Stoffwechselstörungen hinweisen.
  • Erreger: Nachweis von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten bei Verdacht auf eine Infektion.
  • Antikörper: Bestimmung von Antikörpern gegen bestimmte Erreger oder körpereigene Strukturen bei Autoimmunerkrankungen.
  • Tumorzellen: Zytologische Untersuchung auf das Vorhandensein von Tumorzellen bei Verdacht auf einen Gehirntumor oder Hirnmetastasen.
  • Zellfreie DNA: Selbst wenn im Liquor keine Tumorzellen zu sehen sind, lasse sich zellfreie DNA nachweisen. Das funktioniere allerdings nicht mit einer standardmäßigen Sanger-Sequenzierung, sondern nur mit modernen Next-Generation-Sequencing-Methoden (NGS). So kann die Hybrid-Capture-NGS auch unterschiedliche ALK- und ROS-Translokationen erkennen. Gerade Patienten mit Lungenkrebs und solchen genetischen Veränderungen haben häufig bereits bei Diagnosestellung Hirnmetastasen.

Lumbalpunktion zum Nachweis von Krebsarten

Die Lumbalpunktion spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Überwachung von Krebserkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen können.

Hirnmetastasen

Bei Patienten mit Krebserkrankungen, insbesondere Lungenkrebs, malignem Melanom oder Mammakarzinom, können sich Metastasen im Gehirn oder den Hirnhäuten (Leptomeningen) bilden. Die Lumbalpunktion ermöglicht den Nachweis von Tumorzellen im Liquor und kann so zur Diagnose von Hirnmetastasen beitragen.

Liquor-Biopsie

Die "Liquor-Biopsie" ist eine spezielle Form der Lumbalpunktion, bei der der Liquor auf zellfreie DNA von Tumorzellen untersucht wird. Diese Methode ist besonders sensitiv und kann auch dann Tumorzellen nachweisen, wenn diese mikroskopisch nicht sichtbar sind. Für die „Liquor Biopsy“ Verfahren benötigt, die sensitiver sind als bei der Liquid Biopsy. Laut dem Referenten ist die Lumbalpunktion des Liquors in der Regel ausreichend für die Liquor-Biopsie, es muss nicht hirnah punktiert werden. Wichtig sei die Verwendung von speziellen Abnahmesystemen, bei denen der Liquor direkt in das Probenröhrchen läuft, um nicht aus einer Spritze in ein anderes System umleiten zu müssen und dabei eine Hämolyse zu riskieren. Geeignet für die Liquor-Biopsie sind Streckröhrchen oder andere Röhrchen, mit denen auch Proben für eine Liquid Biopsy abgegeben werden.

Leukämie

Bei manchen Leukämie-Patienten können die Tumorzellen bis in das zentrale Nervensystem (ZNS) eindringen. Dies kann sich in starken Kopfschmerzen, Schwindel, Missempfindungen oder sogar Lähmungen äußern. Durch eine Lumbalpunktion kann festgestellt werden, ob Leukämiezellen im Liquor vorhanden sind. Dies ist insbesondere bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) von Bedeutung.

Primäre ZNS-Tumoren

In seltenen Fällen können Tumoren direkt im Gehirn oder Rückenmark entstehen (primäre ZNS-Tumoren). Auch hier kann die Lumbalpunktion zur Diagnose beitragen, indem Tumorzellen im Liquor nachgewiesen werden.

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Vorteile der Lumbalpunktion

  • Minimalinvasiv: Die Lumbalpunktion ist ein relativ einfacher und risikoarmer Eingriff.
  • Direkter Zugang zum ZNS: Der Liquor steht in direktem Kontakt mit dem Gehirn und Rückenmark, sodass eine Analyse des Liquors wertvolle Informationen über Erkrankungen des ZNS liefern kann.
  • Schnelle Ergebnisse: Die Ergebnisse der Liquoruntersuchung liegen in der Regel innerhalb weniger Tage vor.

Mögliche Komplikationen

Obwohl die Lumbalpunktion ein sicheres Verfahren ist, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten:

  • Kopfschmerzen: Vorübergehende Kopfschmerzen sind die häufigste Nebenwirkung und treten bei unter 5 Prozent der Patienten auf. Sie entstehen durch den Liquorverlust und verschwinden meist innerhalb weniger Tage von selbst.
  • Rückenschmerzen: Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle sind ebenfalls möglich.
  • Blutungen: In seltenen Fällen kann es zu einer Blutung im Bereich der Punktionsstelle kommen.
  • Infektionen: Das Risiko einer Infektion ist gering, da der Eingriff unter sterilen Bedingungen durchgeführt wird.
  • Nervenverletzungen: Sehr selten kann es zu einer Verletzung von Nervenwurzeln kommen, was zu vorübergehenden oder dauerhaften neurologischen Ausfällen führen kann.

Alternative Analysemethoden

Neben der Lumbalpunktion gibt es auch andere Methoden, um Informationen über Erkrankungen des ZNS zu gewinnen:

  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) können Veränderungen im Gehirn und Rückenmark sichtbar machen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektroenzephalographie (EEG) und evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP) messen die elektrische Aktivität des Gehirns und der Nervenbahnen.
  • Blutuntersuchungen: In einigen Fällen können Blutuntersuchungen Hinweise auf Erkrankungen des ZNS liefern.

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