Ein Piercing zur Verschönerung von Nasenflügel oder Bauchnabel ist ein beliebtes modisches Accessoire und verkörpert Freiheit und Einzigartigkeit. Viele lassen sich heute ein Piercing stechen, weil sie es schön finden. Bauchnabel, Zunge, Lippe, Nase, Ohr oder Augenbraue - Sie können sich fast jedes Körperteil mit Piercing-Schmuck verschönern. Doch nicht jedes Körperteil ist für ein Piercing geeignet. Wer Schmerzen oder Entzündungen vermeiden will, sollte sich nicht an Körperstellen piercen lassen, an denen Nervenbahnen verlaufen.
Die Entscheidung für ein Piercing ist aufregend, birgt aber auch Fragen und Unsicherheiten. Besonders wenn es um das Thema Nerven geht, ist es wichtig, gut informiert zu sein. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Risiken zu verstehen, die richtige Entscheidung zu treffen und im Falle von Problemen richtig zu handeln.
Nerven und Piercings: Eine Einführung
Im Ohr verlaufen genauso Nervenendigungen wie am Rest des Körpers aus. Es gibt an der gesamten Ohrmuschel jedoch keine Nervenbündel oder -hauptstränge wie zB die an der Wange und Gesichtsknochen verlaufende Gesichtsnerven. Jeder Piercing-Einstich in der Nähe einer Nervenbahn könnte ihre Funktion beeinträchtigen. Damit sind auch die aufeinander abgestimmten Abläufe im Körper betroffen.
Ein Piercing ist immer mit einem Einstich am Körper angebracht wird. Ähnlich wie bei einer Spritze wird die Oberfläche der Haut bis in die tieferen Schichten verletzt. Die kleine Wunde heilt nach einigen Wochen vollständig aus. Dennoch eignet sich aufgrund dieses Stichs nicht jede Körperstelle für ein Piercing.
Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das unseren gesamten Körper durchzieht und alle wichtigen Körperfunktionen steuert. Es besteht aus Nervenzellen (Neuronen) und Stützzellen (Gliazellen). Nervenfasern, die aus Zellkörpern der Neuronen entspringen, bilden zusammen einen Nerv, der von einer schützenden Hülle aus Bindegewebe umgeben ist.
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Unser Körper ist von einem verzweigten Dickicht an Nervenbahnen durchzogen. Sie teilen sich auf in das zentrale Nervensystem - das ZNS - und in das periphere Nervensystem, kurz PNS genannt. Das ZNS setzt sich aus dem Gehirn und den Rückenmark zusammen. Alle anderen Nerven zu den Muskeln und den Organen sind Teil des PNS.
Mögliche Risiken beim Piercen
Beim Durchschießen der Helix können Nerven verletzt werden und heftige Entzündungen auftreten, sodass das Piercing nicht selten nach kurzer Zeit wieder herausgenommen werden muss.
Beim Piercen handelt es sich um eine Körperverletzung. Es entsteht eine Wunde, die sich trotz hygienischer Vorgehensweise infizieren kann. Die häufigste Komplikation beim Piercen ist eine Entzündung der Wunde. Ist die durchstochene Stelle erst einmal entzündet, besteht das Risiko, dass Viren, Bakterien oder Pilze in den Körper eindringen. Außerdem kann es zur Verletzung tieferliegender Strukturen kommen. Das heißt, dass Blutgefäße verletzt werden können und sich besipielsweise Blutergüsse bilden. Es ist aber auch möglich, dass ein nerv getroffen wird und das sogar eine Lähmung zur Folge haben kann.
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Körper allergisch auf den Piercing-Schmuck reagieren kann. Eine allergische Reaktion bewirkt, dass die Haut rot wird, juckt und sich Bläschen bilden. Schuld dafür ist häufig ein Inhaltsstoff namens Nickel. Oft verwenden Piercer Schmuck aus Titan. Das leichte und feste Metall Titan ist absolut nickelfrei.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie an einer Nickelallergie leiden oder das Risiko gar nicht erst eingehen wollen, fragen Sie Ihren Piercer, ob er nickelfreien Schmuck hat, den er Ihnen einsetzten kann. Sollten Sie eine allergische Reaktion entdecken, nehmen Sie das Piercing umgehend heraus.
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Nervverletzungen
Obwohl Nervenverletzungen selten sind, stellen sie eine ernstzunehmende Komplikation dar. Um den gesamten Mund/Lippen sind sehr viele Nervenausläufer des unteren und obenren dreiästigen Gesichtnerves. Die Gefahr einen Ausläufer davon zu erwischen ist sehr hoch. Folgen davon sind Schmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle, welche auch nach der Entfernung des Schmuckes nicht weg gehen, Schmerzen ja, aber Taubheit bleibt.
Symptome einer Nervverletzung können sein:
- Starke, anhaltende Schmerzen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Bereich des Piercings
- Bewegungseinschränkungen
- Lähmungen (sehr selten)
Entzündungen
Zwar ist ein leicht gereiztes Piercing noch kein Beinbruch, der Heilungsverlauf verzögert sich auch bei einer leichten Infektion der Wunde erheblich. Damit kein Piercing Fail daraus wird, ist es wichtig, dein Piercing vor allem dann, wenn es schon gereizt ist mit Priono Piercing Spray zu pflegen und es den Rest des Tages nicht zu berühren und in Ruhe zu lassen.
Entzündungen sind eine häufige Komplikation bei Piercings. Sie entstehen, wenn Bakterien in die Wunde gelangen.
Anzeichen einer Entzündung sind:
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- Rötung
- Schwellung
- Schmerzen
- Eiterbildung
- Überwärmung
Allergische Reaktionen
Schätzungsweise jeder zehnte Deutsche leidet unter einer Nickelallergie und weiss es oft nicht einmal. Gemäss der EU-Verordnung 94 / 27 / EG (der so genannten "Nickeldirektive") darf der Nickelgehalt in Schmuckstücken eine Freisetzungsrate von maximal 0,5 µg Nickel pro Quadratzentimeter zwar nicht mehr überschreiten; dafür allerdings darf Schmuck auch dann als "nickelfrei" beworben werden, wenn sich lediglich in der oberen Schicht eines Schmucks kein Nickel befindet.
Allergische Reaktionen auf Piercingschmuck sind ebenfalls möglich, insbesondere bei Nickelallergie.
Symptome einer allergischen Reaktion sind:
- Juckreiz
- Rötung
- Ausschlag
- Bläschenbildung
Was tun, wenn ein Nerv getroffen wurde?
Wenn Ich ein Labret gestochen bekomme und der Piercer einen Nerv trifft, kann ich dann die Lähmung rückgängig machen, indem ich den Stab wider entfernen lasse? um den gesamten Mund/Lippen sind sehr viele Nervenausläufer des unteren und obenren dreiästigen Gesichtnerves. Die Gefahr einen Ausläufer davon zu erwischen ist sehr hoch. Folgen davon sind Schmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle, welche auch nach der Entfernung des Schmuckes nicht weg gehen, Schmerzen ja, aber Taubheit bleibt.
Wenn Sie vermuten, dass beim Piercen ein Nerv getroffen wurde, ist schnelles Handeln gefragt:
- Entfernen Sie das Piercing sofort: Das Piercing sollte entfernt werden, um weiteren Druck auf den Nerv zu vermeiden.
- Konsultieren Sie einen Arzt: Suchen Sie umgehend einen Arzt auf, um die Verletzung beurteilen und behandeln zu lassen.
- Behandlungsoptionen: Abhängig von der Schwere der Verletzung können verschiedene Behandlungen in Frage kommen, z. B. Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder in seltenen Fällen eine Operation.
Die richtige Wahl des Piercingstudios
Einen gewissen Eindruck kann man bereits durch das optische Erscheinungsbild des Piercing-Studios und des Piercers gewinnen. Man erkennt, ob es ordentlich oder eher schmuddelig aussieht. Aber Vorsicht: Das kann auf den ersten Blick auch täuschen", sagt Asch, „Die Erfahrung eines Piercers spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Für mich ist das 'Handling' entscheidend. So sind bei uns alle Piercings sterilisiert und steril verpackt, gepierct wird mit sterilen Einmalhandschuhen, das Vorgehen sollte so hygienisch wie möglich sein", sagt Asch. Auch wenn Sie nicht auf den ersten Blick erkennen können, ob das Piercing-Studio nun sauber ist oder nicht, spätestens wenn der Piercer zu Handschuhen und Nadel greift, haben Sie Gewissheit: Alle Materialien, die der Piercer benutzt, sollten steril verpackt und die Handschuhe frisch sein.
Ein guter Piercer sollte Sie immer von sich aus über Risiken aufklären, ohne Extra-Aufforderung. Außerdem sollte er abklären, ob Sie Allergien oder Krankheiten haben. Und zu guter Letzt sollte er Sie ausführlich über die Nachsorge Ihres Piercings aufklären. Ihr Piercer erfüllt all diese Vorgaben? Dann haben Sie den richtigen gefunden!
Die Wahl des richtigen Piercingstudios ist entscheidend, um Risiken zu minimieren. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Hygiene: Das Studio sollte sauber und ordentlich sein. Der Piercer sollte sterile Einmalhandschuhe tragen und alle Instrumente sterilisieren.
- Erfahrung: Wählen Sie einen Piercer mit langjähriger Erfahrung und guten Referenzen.
- Beratung: Ein guter Piercer wird Sie umfassend über die Risiken aufklären und Ihre Fragen beantworten.
- Qualifikation: Ärzte sind keine Piercer! Ok ein Arzt weiss dir eine Spritze mit der richtigen Nadel zu geben. Jedoch kennt er sich trotz seines umfassenden anatomischen Wissens nicht mit der korrekten Piercingtechnik bzw Voraussetzungen dazu aus.
Die richtige Pflege nach dem Piercen
Ob es nach Ihrem Termin beim Piercer letztlich zu gesundheitlichen Problemen kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Vor allem davon, wie gut Sie die Wunde Ihres Piercings pflegen und reinigen. Achten Sie auf die Empfehlungen Ihres Piercers nach dem Piercen, was Sie in den folgenden Tagen machen und nicht machen dürfen, und wie die richtige Pflege Ihres Piercings aussieht. Im Idealfall bekommen Sie ein Informationsblatt zur richtigen Pflege der Wunde und des Piercing-Schmucks mit nach Hause.
Der Heilungsprozess des Piercings hängt stark von der jeweiligen Stelle ab, an der es gestochen wurde. Auch verläuft die Heilung bei jedem Menschen individuell schneller oder langsamer, reibungslos oder schmerzhaft. Mit der richtigen Reinigung und Pflege Ihres Piercing und der Wunde kann man jedoch viele Komplikationen vermeiden.
Die richtige Pflege ist entscheidend für eine problemlose Heilung. Beachten Sie folgende Tipps:
- Hände waschen: Waschen Sie Ihre Hände gründlich, bevor Sie das Piercing berühren.
- Reinigung: Reinigen Sie das Piercing zweimal täglich mit einer milden, ph-neutralen Seife und lauwarmem Wasser.
- Desinfektion: Desinfizieren Sie die Haut 2-mal täglich, zum Beispiel mit Octenisept.
- Vermeiden Sie unnötiges Berühren: Fassen Sie das Piercing nur an, wenn es unbedingt notwendig ist. Kein unnützes Herumfummeln und keine Spielereien. Jedes Zupfen, Drehen oder Verschieben beleidigt den Stichkanal und du ziehst dir damit Bakterien ein.
- Vermeiden Sie Druck und Reibung: Tragen Sie lockere Kleidung, um Druck und Reibung auf das Piercing zu vermeiden.
- Orale Piercings: Bei oralen Piercings, also im Mund gestochenen Piercings, sollten Sie eine Woche auf das Rauchen verzichten und andere orale Kontakte vermeiden. "Bei Zungen-Piercings sollten Sie auf jeden Fall eine Mundspülung anwenden und Ihre Zunge mit einer weichen Bürste reinigen", rät Asch.
Piercing-Alternativen
Wer sich nicht traut, sich ein Piercing stechen zu lassen, kann auf Fake-Piercings zurückgreifen. Sie finden das Septum optisch total toll, wollen sich aber dafür kein Loch durch die Haut bohren lassen? Kein Problem, denn es gibt etliche Fake-Varianten des Trend-Piercing. Dafür klemmt man das Fake-Piercing an die Stelle der Nase, wo es normalerweise auch gestochen würde und schon hat man auch ein Septum - oder besser gesagt ein Fake-Septum. Man kann es mit Klipp-Ohrringen vergleichen, die Menschen nutzten, wenn Sie keine gestochenen Ohrlöcher haben.
Fazit
Ein Piercing kann ein schönes Schmuckstück sein, birgt aber auch Risiken. Informieren Sie sich gründlich, wählen Sie ein erfahrenes Piercingstudio und pflegen Sie Ihr Piercing sorgfältig, um Komplikationen zu vermeiden. Wenn Sie Anzeichen einer Nervverletzung, Entzündung oder allergischen Reaktion bemerken, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.