Der Ratten-Lungenwurm auf Mallorca: Eine Gefahr für den Menschen?

Mallorca, die beliebte Urlaubsinsel, ist nicht nur für ihre Strände und ihr Nachtleben bekannt. In letzter Zeit hat die Insel auch aufgrund des Fundes eines Parasiten namens Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) für Schlagzeilen gesorgt. Dieser Wurm, der sich ins Gehirn fressen und seinen Wirt töten kann, wurde in der mallorquinischen Delikatesse „Caracoles“, einem Schneckengericht, entdeckt. Erstmals wurde der Parasit 2018 bei zwei Igeln auf Mallorca entdeckt.

Was ist der Ratten-Lungenwurm?

Der Ratten-Lungenwurm ist ein Parasit, der ursprünglich in der Lunge von Ratten lebt. Seinen Namen verdankt er dieser Tatsache. Die Hauptwirte des Wurms sind Ratten, in deren Lungen sich der Parasit aufhält. Der mit Larven versehene Rattenkot wird dann von Schnecken gefressen, die somit zu Zwischenwirten werden.

Ursprünglich stammt der Parasit aus dem asiatischen und pazifischen Raum, hat sich aber im Laufe der Jahre in einigen Regionen in Australien und Amerika verbreitet. Im US-Bundesstaat Hawaii starben 2017 neun Menschen in Folge einer Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm. Auf vier hawaiianischen Inseln hatte man infizierte Schnecken gefunden.

Wie infizieren sich Menschen mit dem Ratten-Lungenwurm?

Menschen können sich infizieren, wenn sie rohe oder nicht ausreichend gekochte Schnecken oder andere Zwischenwirte wie Krebstiere oder Gemüse, das mit Larven des Wurms kontaminiert ist, verzehren. Die Biologen der Balearen-Universität in Palma de Mallorca warnen daher vor dem Verzehr von rohen und nicht ganz durchgekochten Schnecken.

Welche Symptome verursacht eine Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm?

Eine Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm kann zu einer Gehirnhautentzündung (Meningitis) führen, die mitunter tödlich enden kann. Zu den Symptomen zählen starke Kopfschmerzen, Meningismus (Nackensteifheit) und neurologische Ausfälle. Gefährdet sind vor allem Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise aufgrund eines hohen Alters, einer Schwangerschaft oder einer HIV-Erkrankung.

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Im vergangenen Jahr verstarb ein 29-Jähriger, der aufgrund einer Mutprobe im Jahr 2010 eine rohe Schnecke aß und daraufhin für über ein Jahr ins Koma fiel. Der Australier war nach dem Erwachen vom Hals ab gelähmt. Der Parasit hatte sich in sein Gehirn gefressen, weshalb er an einer seltenen Form von Meningitis erkrankt war.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Um sich vor einer Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm zu schützen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Verzehr von rohen oder nicht ausreichend gekochten Schnecken vermeiden.
  • Gemüse und andere Lebensmittel gründlich waschen, um mögliche Larven des Wurms zu entfernen.
  • Hände nach dem Kontakt mit Schnecken oder Erde gründlich waschen.
  • Schnecken im Garten oder in der Umgebung des Hauses bekämpfen.

Toxoplasmose: Ein weiterer Parasit, der das Verhalten beeinflussen kann

Neben dem Ratten-Lungenwurm gibt es noch einen weiteren Parasiten, der das Verhalten von Menschen beeinflussen kann: Toxoplasma gondii. Dieser Einzeller wird von Katzen auf den Menschen übertragen und kann Verhaltensänderungen auslösen.

Wie Toxoplasma gondii das Verhalten beeinflusst

Mit Toxoplasmose infizierte Lebewesen fallen einer Katze leichter zur Beute. So verlieren Mäuse ihre Scheu und laufen leichtsinnig im Freien umher, sobald sie mit Toxoplasmose infiziert sind. Für Affen und Menschen wurden ähnliche Verhaltensweisen gefunden: Sie werden nach einer Infektion deutlich risikobereiter und impulsiver, verlieren sogar ihre ursprüngliche Abneigung gegen den Geruch von Katzenurin.

Forscher der Universität Magdeburg und des Leibniz-Instituts für Neurobiologie haben jetzt auch herausgefunden, wie der Parasit das Verhalten seiner Zwischenwirte manipuliert: Er besetzt deren Gehirn und verändert dort die molekulare Zusammensetzung der Synapsen, also der Kontakteinheit zwischen den Neuronen. Besonders schwer wiegt, dass sich daran nichts mehr ändert, die vom Parasiten eingeleiteten Verhaltensänderungen sind dauerhafter Natur.

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Toxoplasmose und Unternehmertum

Ein internationales Forscherteam ist der Frage nachgegangen, ob es nur Zufall ist, dass man sich im großen Wirtschaftsbusiness ähnlich verhält wie die Mäuse, Affen und Menschen, die mit Toxoplasmose infiziert sind. Dazu führte man mehrere Studien durch. So untersuchte man den Speichel von knapp 1300 Studenten auf Toxoplasmose-Antikörper und setzte den Befund in Relation zum Studienfach der Probanden.

Dabei ergab sich folgendes Bild: Wer sich auf Buchhaltung und Finanzen spezialisiert hatte, war in 29 Prozent der Fälle mit Toxoplasmose infiziert; bei denjenigen hingegen, die ins Management und Unternehmertum wollten, lag die Quote bei 42 Prozent. Für eine weitere Studie verließen die Wissenschaftler den Uni-Campus, um auf Business-Tagungen die Blutproben von erfolgreichen Unternehmern zu nehmen und sie mit den Proben von denjenigen zu vergleichen, die zwar etwas Eigenes auf die Beine stellen wollen, aber es noch nicht getan haben. Das Ergebnis: Die Infektionsquote der etablierten Firmenbesitzer war um das 1,8-fache höher.

Toxoplasmose-Infektionsraten weltweit

Die weltweite durchschnittliche Infektionsquote liegt bei 34 Prozent, aber dabei gibt es offenbar eine weite Streuung. So findet man die niedrigste Quote, gerade mal 8,6 Prozent, in Norwegen, also in einem Land mit bekanntemäßem starkem Sozialsystem. Deutschland liegt mit knapp 42 Prozent im gehobenen Mittelfeld, auf einer Stufe mit der Türkei und Belgien. Besonders interessant ist jedoch, wer die Toxoplasmose-Liste anführt: Nämlich Brasilien mit 60,4 Prozent, dicht gefolgt von Ungarn, Indonesien, Jamaika und Kolumbien.

Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass die Toxoplasmose-Spitzenreiter eine ausgeprägt patriarchalische Gesellschaft haben, was zu einem weiteren Effekt des Parasiten passen würde: Er treibt nämlich den Testosteronpegel nach oben. Eine andere Erklärung wäre aber auch, dass der Einfluss des Parasiten doch nicht so groß ist, um ganze Gesellschaftssysteme zwangsläufig in den „Homo homini lupus“-Kapitalismus kippen zu lassen.

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