Das menschliche Gehirn, ein faszinierendes Organ, das unser Denken, Fühlen und Handeln steuert, wird oft als eine Blackbox wahrgenommen. Um dieses komplexe Organ zu verstehen, greifen Wissenschaftler und Künstler auf unterschiedliche Methoden zurück. Eine davon ist die Darstellung von Gehirnzellen und neurologischen Prozessen in Cartoons. Dieser Artikel beleuchtet, wie Cartoons dazu beitragen können, das Verständnis des Gehirns zu erleichtern, und analysiert das Buch "Neurocomic" als ein Beispiel dafür.
Einführung in die Welt der Gehirnzellen-Cartoons
Cartoons und Comics sind ein effektives Mittel, um komplexe wissenschaftliche Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Durch die Kombination von Text und Bild können sie abstrakte Konzepte veranschaulichen und Informationen auf unterhaltsame Weise vermitteln. Im Bereich der Neurowissenschaften können Cartoons helfen, die Struktur und Funktion von Gehirnzellen, die Mechanismen der Signalübertragung und die verschiedenen Hirnareale zu erklären.
"Neurocomic": Eine Reise durch das Gehirn
Ein bemerkenswertes Beispiel für die Vermittlung neurowissenschaftlicher Inhalte durch Cartoons ist "Neurocomic" von Dr. Matteo Farinella, einem Neurowissenschaftler und Illustrator, und seiner Kollegin Dr. Hana Roš, einer Neurowissenschaftlerin. Das Buch nimmt den Leser mit auf eine fantastische Expedition ins menschliche Gehirn, in dem verschlungene Neuronenwälder und die Tiefen einer Synapse erkundet werden.
Inhalt und Struktur von "Neurocomic"
Die Geschichte beginnt mit einem Mann, der unverrichteter Dinge seines Weges geht und plötzlich in ein Buch gesaugt wird. Er landet in einer Umgebung, die an einen dichten Wald erinnert, voller feingliedrig verzweigter, kahler Bäume. Dort trifft er auf Santiago Ramón y Cajal, dem Vater der Neurowissenschaften, der ihn aufklärt, dass die Bäume Neuronen sind und er sich im Dschungel des Nervensystems befindet.
Während der namenlose Protagonist durch Nervenzellen katapultiert wird und immer weiter in die Tiefen der Gehirnwindungen eindringt, übernehmen historische Kapazunder der Hirnforschung den Erklärpart. So schicken die Neurophysiologen Charles Scott Sherrington und Bernard Katz den Gehirnreisenden, ausgerüstet mit einem Fallschirm und eingesperrt in ein Vesikel aus Neurotransmittern, durch eine Synapse - natürlich erst, nachdem sie ihm deren Funktionsweise erklärt haben.
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Die Protagonisten in "Neurocomic"
- Santiago Ramón y Cajal: Der spanische Nobelpreisträger gilt als Vater der Neurowissenschaften und erklärt dem Protagonisten den Aufbau und die Funktion von Neuronen.
- Camillo Golgi: Der italienische Nobelpreisträger hatte eine Methode gefunden, um Neuronen überhaupt zum ersten Mal unter dem Mikroskop sichtbar zu machen.
- Charles Scott Sherrington und Bernard Katz: Die Neurophysiologen erklären dem Protagonisten die Funktionsweise einer Synapse.
- Eric Kandel: Der Medizinnobelpreisträger klärt den Protagonisten über die verschiedenen Arten des Gedächtnisses auf, unterstützt von einer Gitarre spielenden Nacktschnecke und einem Seepferdchen, das den Hippocampus darstellt.
- Hans Berger: Der deutsche Neurologe erfand 1924 das Elektroenzephalogramm (EEG), mit dem er erstmals Gehirnwellen messen konnte.
Die Verwebung von Fiktion, Fakten und Illustrationen
Die Stärke von "Neurocomic" liegt in der Verwebung von Fiktion, Fakten und Illustrationen. Die Autoren nehmen Grauzonen als Sprungbrett, um ihre Fantasie spielen zu lassen und nehmen dabei Anleihen bei so verschiedenen Künstlern wie Hieronymus Bosch, M. C. Escher und Jim Woodring. Im Vergleich zu Wissenschaftscomics wie "Das Geheimnis der Quantenwelt" oder "Economix" geht "Das Gehirn" allerdings deutlich weniger in die Tiefe.
Die Vorteile von Cartoons für das Verständnis des Gehirns
Cartoons bieten eine Reihe von Vorteilen für das Verständnis des Gehirns:
- Visualisierung komplexer Prozesse: Cartoons können abstrakte Prozesse wie die Signalübertragung zwischen Neuronen oder die Funktion verschiedener Hirnareale veranschaulichen.
- Unterhaltsame Vermittlung von Informationen: Cartoons können Informationen auf unterhaltsame Weise vermitteln und so das Interesse des Lesers wecken.
- Leichtere Zugänglichkeit: Cartoons können komplexe wissenschaftliche Themen einem breiteren Publikum zugänglich machen, auch Menschen ohne Vorkenntnisse.
- Einprägsamkeit: Die Kombination von Text und Bild kann dazu beitragen, dass Informationen besser im Gedächtnis bleiben.
- Emotionale Verbindung: Cartoons können eine emotionale Verbindung zum Thema herstellen und so das Verständnis und die Wertschätzung des Gehirns fördern.
Die Rolle von Comicfiguren
Comicfiguren spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Wissen über das Gehirn. Eine Studie der Universität Bielefeld hat gezeigt, dass Menschen kurzfristig emotionale Beziehungen zu Comicfiguren empfinden können. Die Forscher fanden heraus, dass das menschliche Gehirn unterschiedlich auf realistische und stilisierte Darstellungen von Gesichtern reagiert. Bei der Wahrnehmung von Comicfiguren gibt es eine Verzögerung von 170 Millisekunden, die als N170 bezeichnet wird. Diese Verzögerung tritt auf, weil das Gehirn die stilisierte Darstellung zunächst als solche erkennt, bevor es sie als Gesicht interpretiert.
Die Uncanny-Valley-Theorie
Die Studie der Universität Bielefeld steht im Zusammenhang mit der Uncanny-Valley-Theorie, die besagt, dass menschenähnliche Roboter oder Computeranimationen bei Beobachtern ein Gefühl der Unheimlichkeit oder des Ekels auslösen können, wenn sie einem menschlichen Wesen zu ähnlich sind, aber dennoch nicht perfekt identisch. Die Forscher untersuchen, wie realistisch virtuelle Avatare sein dürfen, um von Menschen positiv wahrgenommen zu werden.
Künstliche Intelligenz und Cartoons
Künstliche Intelligenz (KI) ist zu einem weltweit beherrschenden Thema geworden. In der öffentlichen Diskussion wird auf die Chancen hingewiesen, etwa auf die wahrscheinlich sehr zuverlässige Früherkennung von Krankheiten. Die Ängste reichen bis hin zu dystopischen Szenarien eines Untergangs der Menschheit zugunsten eines selbstlernenden Systems, das womöglich ein von menschlicher Kontrolle unabhängiges Bewusstsein und schließlich auch die Macht erlangen könnte, eigene Motive zu verfolgen.
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In der virtuellen Ausstellung "Mensch und KI - Die beiden Kronen der Schöpfung" präsentierte der schauraum: comic+cartoon 52 Cartoons aus aller Welt rund um Künstliche Intelligenz. Die Künstler*innen spiegeln die Befindlichkeiten und Vorbehalte in der öffentlichen Meinung wider - auf den Punkt gebracht mit den Mitteln der gezeichneten Satire.
Zur Ausstellung gehörten auch fünf Cartoons, die von einer Grafik-KI geschaffen und mit den Namen fiktiver Künstlerinnen gekennzeichnet wurden. Die Betrachterinnen waren aufgefordert, die synthetisch erstellten Cartoons zu identifizieren und ihre grafische Qualität und Originalität zu bewerten.
Das Gehirn im Alltag
Das Gehirn steuert unseren Körper. Mit den fünf Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) nehmen wir alles wahr, was um uns herum geschieht. Über dünne weiße "Kabel", die Nervenleitungen, werden die Informationen ans Gehirn gesendet und dort in Gedanken und Gefühle umgewandelt.
Das Sprechen und Denken übernimmt das Großhirn, der obere und größte Teil unseres Gehirns direkt unter der Schädeldecke. Für Bewegungen ist das Kleinhirn im Hinterkopf zuständig. Und all das Lebenswichtige, was nebenbei abläuft, ohne dass wir daran denken müssen - atmen, das Blut durch den Körper schicken, auch husten und niesen -, das regelt der Hirnstamm zwischen Großhirn und Rückenmark.
Die zwei Hälften des Großhirns
Unser Großhirn besteht aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Die linke Hirnhälfte steuert die rechte Körperseite und umgekehrt. Menschen, bei denen die rechte Gehirnhälfte stärker ist, sind eher kreativ und emotional. In ihrem Kopf überwiegen die Bilder. Bei wem die linke Gehirnhälfte stärker ist, der gehört eher zu den Denkern. Besonders klug sind die Menschen, bei denen beide Hälften gut zusammenarbeiten und sich ergänzen.
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Knoten im Hirn
Wie wir etwas lernen, kann man sich so vorstellen: Es gibt einen losen Wollfaden, an dem hängt ein Zettel mit 2+2. Und es gibt einen Wollfaden, an dem hängt ein Zettel mit der Zahl 4. Durch Wiederholung schafft es unser Gehirn die beiden Wollfäden zu verknoten und wir wissen dann 2+2 ist 4. Je mehr solcher Knoten in unserem Gehirn entstehen, desto schlauer werden wir. Wenn wir aber die Verbindungen länger nicht mehr gebrauchen, dann werden sie immer lockerer und gehen wieder verloren. Das Gehirn besteht natürlich nicht aus Wolle, sondern aus Gehirnzellen.