Gehirne im Wandel: Eine Reise durch die Ursachenforschung

Die faszinierende Welt des menschlichen Gehirns hat die Menschheit seit Jahrtausenden in ihren Bann gezogen. Von den antiken Philosophen bis zu den modernen Neurowissenschaftlern versuchen wir, die Geheimnisse dieses komplexen Organs zu entschlüsseln. Die Fortschritte in der Hirnforschung haben uns nicht nur ein tieferes Verständnis der Gehirnfunktion ermöglicht, sondern auch neue Einblicke in die Ursprünge des menschlichen Geistes und Verhaltens eröffnet.

Die Rolle des Fleischkonsums in der Evolution des Gehirns

Ein entscheidender Faktor in der Entwicklung des menschlichen Gehirns war die Umstellung auf eine energiereichere Ernährung, insbesondere den Konsum von Fleisch. Charles Egeland betont, dass die frühen Homininen vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren in erster Linie Primaten waren, deren Verhalten sich durch die gelegentliche Jagd und den Verzehr kleiner Tiere entwickelte. Dieser Wandel war kein plötzliches Wunder, sondern die Weiterentwicklung eines Verhaltens, das auch heute noch bei Schimpansen zu beobachten ist: die Delikatesse Fleisch zu ergattern, wenn sie verfügbar ist.

William Leonard erklärt, dass der Energiebedarf von Gehirngewebe etwa 16-mal so hoch ist wie der von Skelettmuskulatur. Die Evolution größerer Menschengehirne konnte daher nur durch den Umstieg auf eine ausreichend hochwertige Ernährung stattfinden - mit energiereichen Früchten und mit Fleisch. Der Mensch investiert einen viel größeren Teil seines täglich verfügbaren Energiebudgets in die Versorgung seines Gehirns als irgendein anderes Säugetier.

Loris Cordain argumentiert, dass ein wachsendes Denkorgan ausreichend mit bestimmten Schlüsselfettsäuren wie Docosahexaen- und Arachidonsäure (DHA und AA) versorgt werden muss, damit überhaupt neues Gehirngewebe entstehen kann. Diese Fettsäuren sind in Wildpflanzen kaum vorhanden, aber in Muskel- und Organgewebe von Wildwiederkäuern in mittleren bis hohen Mengen gespeichert, insbesondere in Gehirn und Leber der Tiere.

Die Trockenheit und der Existenzkampf als Triebkräfte der Evolution

Die große Trockenheit vor zwei Millionen Jahren führte zu einem verschärften Existenzkampf, der ständig neue innovative Lösungen von den ums Überleben kämpfenden Homininen forderte: verbesserte Werkzeuge, Anpassungen im Sozialverhalten (Aufteilen von Aufgaben und Ressourcen innerhalb der Gruppe, verstärkte Kooperation), Entwicklung von Sammelstrategien für Knollen und Wurzeln, Entwicklung von Jagdstrategien. Charles Egeland erläutert: „Es war die Zeit der Selektion immer größerer Gehirne, und die wachsenden Gehirne wollten gefüttert werden.“

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Die älteste Fundstelle, an der Frühmenschen massenhaft Tiere zerlegt haben, ist auf 1,85 Millionen Jahre datiert und liegt in der Olduvai-Schlucht in Tansania. Selbst bei Homo erectus, dem aller Wahrscheinlichkeit nach ersten Großwildjäger der Menschheitsgeschichte, dürften es durchschnittlich gerade mal 10 bis 20 Prozent der Gesamt-Kalorienzufuhr gewesen sein, haben Anthropologen geschätzt.

Anpassungen im Körperbau und Stoffwechsel

Im Vergleich zu anderen Säugetieren haben Menschen einen geringeren Anteil an Muskelmasse und einen höheren Anteil an Körperfett. William Leonard und seine Arbeitsgruppe erkennen darin gleich zwei evolutionäre Vorteile: Weil Fettgewebe weniger Energie verbraucht als das aktivere Muskelgewebe, steht beim Menschen mehr Nahrungsenergie für das Gehirn zur Verfügung. Und: Das Fett schafft in Zeiten knapper Nahrung Versorgungssicherheit fürs Gehirn.

Besonders sichtbar ist dieser Zusammenhang bei Babys. Bei Neugeborenen fließen stolze 87 Prozent des Grundumsatzes in den Hirnstoffwechsel - und die überdimensionierten Gehirne der Gattung Homo vertragen keinen Ausfall der Energieversorgung. Aus diesem Grund sind Menschenbabys viel fetter als die Jungen anderer Säugetierarten: Sie sollen kurze Notzeiten überbrücken können, ohne dass ihr Gehirnwachstum ins Stocken gerät.

Homo erectus besaß nach dem Stand des Wissens den kleinen, kurzen Dickdarm des heutigen Menschen. Das signalisiert das 1,5 Millionen Jahre alte, fast vollständige Skelett von „Turkana Boy“, eines etwa neun Jahre alten Homo-erectus-Jungen, der an der kenianischen Fundstelle Nariokotome entdeckt wurde: In seinen kurzen Rumpf hätte nie und nimmer ein Gorilla-Darm gepasst. Der Erectus-Mensch trug zwar einen archaischen knöchernen Überaugenwulst und hatte eine relativ flache Stirn, aber in seiner Statur war er dem modernen Menschen bereits sehr ähnlich.

Die Bedeutung von Werkzeugen und sozialer Kooperation

Die Tatsache, dass fleischfressende Raubtiere kein vergleichbares Hirnwachstum wie die Gattung Homo aufweisen, liegt daran, dass ihre Jagdwerkzeuge biologische Lösungen sind - Reißzähne, klauenbewehrte Pranken, Spurtstärke. Dazu brauchen sie keine größeren Gehirne, als sie haben. Bei der Gattung Homo, körperlich schwach gerüstet, hat sich eine kulturelle Lösung durchgesetzt: kooperierende, arbeitsteilige Gruppen mit Werkzeugherstellung und Werkzeuggebrauch.

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Die älteste Werkzeugkultur („Oldowan“) datiert 2,5 Millionen Jahre zurück und wurde in Ostafrika gefunden, wo auch vor 2,5 bis 1,9 Millionen Jahren Homo rudolfensis lebte. Außer Hammersteinen haben die Archäologen scharfkantige Abschläge gefunden. Irgendwann jedoch durchschnitt der erste dieser Steinsplitter die Haut einer verendeten Antilope oder eines Okapis, trennte eine Partie Muskelfleisch vom Knochen, säbelte mundgerechte Happen vom rohen Fleisch. Von da an hatten sich die Homininen eine neue Ressource erschlossen.

Moderne Hirnforschung: Einblicke in die Komplexität des Gehirns

Die moderne Hirnforschung hat enorme Fortschritte bei der Kartierung und dem Verständnis des Gehirns gemacht. Wissenschaftler wie Van Wedeen erstellen detaillierte 3D-Bilder von Gehirnen, die die komplizierten Netzwerke von Nervenfasern zeigen, die verschiedene Teile des Gehirns miteinander verbinden. Jeff Lichtman und Narayanan Kasthuri untersuchen die Feinstruktur einzelner Nervenzellen und Synapsen, um die Organisation und Komplexität des Gehirns besser zu verstehen.

Der „Allen Brain Atlas“ ist ein weiteres wichtiges Werkzeug für die Hirnforschung. Er enthält detaillierte Informationen über die Genaktivität in verschiedenen Gehirnregionen und ermöglicht es Forschern, die molekularen Grundlagen der Gehirnfunktion zu untersuchen. Karl Deisseroth hat ein Verfahren entwickelt, um das Gehirn transparent zu machen, so dass Wissenschaftler die Struktur und Funktion von Neuronen und Schaltkreisen im Detail untersuchen können.

Herausforderungen und Kontroversen in der Hirnforschung

Trotz der beeindruckenden Fortschritte in der Hirnforschung gibt es auch Herausforderungen und Kontroversen. Neuroskeptiker weisen immer wieder auf die Grenzen der neurowissenschaftlichen Erkenntnisfähigkeit hin und warnen vor überzogenen Interpretationen von Forschungsergebnissen. Die Komplexität des Gehirns macht es schwierig, einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu identifizieren und zu verstehen.

Es gibt auch ethische Fragen im Zusammenhang mit der Hirnforschung, insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Gehirn-Computer-Schnittstellen und die Möglichkeit, das Gehirn zu manipulieren. Es ist wichtig, dass die Hirnforschung verantwortungsvoll und ethisch vertretbar durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass sie zum Wohle der Menschheit eingesetzt wird.

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Die Zukunft der Hirnforschung

Die Hirnforschung ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, das das Potenzial hat, unser Verständnis des menschlichen Geistes und Verhaltens grundlegend zu verändern. Zukünftige Forschungsarbeiten werden sich wahrscheinlich auf die Entwicklung neuer Technologien und Methoden konzentrieren, um das Gehirn noch detaillierter zu untersuchen. Dazu gehören die Entwicklung von leistungsfähigeren Bildgebungstechniken, die Verwendung von künstlicher Intelligenz zur Analyse großer Datensätze und die Entwicklung von neuen Therapien für neurologische und psychiatrische Erkrankungen.

Die Hirnforschung wird auch eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen des Alterns spielen. Wissenschaftler arbeiten an intelligenten Hilfsmitteln, die das Altern erleichtern und die Lebensqualität älterer Menschen verbessern können. Dazu gehören Geräte, die an die Einnahme von Medikamenten erinnern, und Bildtelefone mit GPS, die sich bestimmte Abläufe merken und den Besitzer zum Friseur führen oder daran erinnern, die Tochter anzurufen.

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