Chemotherapie und ihre Auswirkungen auf das Gehirn: Ein umfassender Überblick

Chemotherapeutika, auch Zytostatika genannt, sind Medikamente, die das Wachstum von Zellen hemmen und deren Vermehrung verhindern. Sie werden häufig zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt, da sie besonders effektiv gegen sich schnell teilende Tumorzellen wirken. Allerdings machen Zytostatika keinen Unterschied zwischen bösartigen Krebszellen und gesunden Körperzellen, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.

Wie Chemotherapie wirkt

Zytostatika wirken im Inneren der Zellen und greifen meist direkt am Erbmaterial, der DNA, oder an anderer Stelle im Zellteilungszyklus an. Dadurch wird die Vermehrung der Zellen gebremst oder gestoppt und das Tumorwachstum wird verlangsamt oder kommt im besten Fall sogar ganz zum Erliegen. Es gibt über 50 verschiedene Zytostatika in verschiedenen Wirkstoffklassen, die an unterschiedlichen Punkten des Zellteilungszyklus ansetzen. Deswegen kann es häufig sinnvoll sein, verschiedene Zytostatika miteinander zu kombinieren, um die Tumorzellen über unterschiedliche Mechanismen gleichzeitig anzugreifen.

Häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie

Da sich Körperzellen besonders oft erneuern, werden sie durch die Chemotherapie stark geschädigt. Während der Chemotherapie mit 5-FU/FA kommt es häufig zum Ausdünnen der Haare, bei einer Behandlung mit Irinotecan ist ein kompletter Haarausfall möglich. Die Medikamente reizen das Brechzentrum im Gehirn und lösen so die unangenehmen Empfindungen aus. Die Folgen gehen vom häufigen Brechreiz bis hin zu wiederholtem Erbrechen. Die Zellen aller Körperschleimhäute erneuern sich regelmäßig, so dass die Chemotherapie häufig Nebenwirkungen an den Schleimhäuten verursacht. Durch eine Chemotherapie können Nerven geschädigt werden. Dies kann zu entsprechenden Beschwerden führen. Die belastende Ermüdung kann durch Schlaf und Erholung nur bedingt oder auch gar nicht gelindert werden. Eine seltene Nebenwirkung der Chemotherapie mit 5-FU/FA ist die Bindehautentzündung der Augen. Schwitzen und vermehrte Speichel- oder Tränenproduktion beobachtet man insbesondere bei einer Chemotherapie mit Irinotecan. Zusätzlich können Magenkrämpfe auftreten. Eine seltene Nebenwirkung ist die Mundtrockenheit.

Auswirkungen auf das Blutbild

Im Knochenmark findet die Bildung wichtiger Zellen und Bestandteile des Blutes statt. Ein Abfall der Blutzellen im Blut hat verschiedene Nebenwirkungen zur Folge. Sinkt die Zahl der roten Blutzellen, werden die Organe nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt. Ärzte bezeichnen dies als Blutarmut oder Anämie. Man fühlt sich beispielsweise müde, erschöpft und ist körperlichen Anstrengungen nicht mehr so gut gewachsen. Bei einem Mangel an weißen Blutzellen (Leukopenie) ist man anfälliger für Infektionen. Sinkt die Leukozytenzahl im Blut unter einen kritischen Wert ab (meistens 1000 Zellen pro Mikroliter), verabreichen Ärzte in der Regel bestimmte Wachstumsfaktoren, die das Knochenmark dazu anregen, vermehrt weiße Blutzellen zu bilden. Die Blutplättchen sind dafür zuständig, Blutungen nach einer Verletzung zum Stillstand zu bringen und spontane Blutungen zu vermeiden. Ist ihre Zahl vermindert (Thrombozytopenie), beobachtet man eine verlängerte Blutungsdauer nach Verletzungen, stärkeres Nasen- und Zahnfleischbluten oder verstärkte Menstruationsblutungen.

Auswirkungen auf Haare und Haut

Unsere Haare werden von einem Muskelring in den Haarzellen festgehalten. Da diese Zellen sich sehr schnell erneuern, werden sie durch die Chemotherapie stark geschädigt. Während der Chemotherapie mit 5-FU/FA kommt es häufig zum Ausdünnen der Haare, bei einer Behandlung mit Irinotecan ist ein kompletter Haarausfall möglich. Bei Patienten, die mit einer länger dauernden (kontinuierlichen) Infusion mit dem Zytostatikum 5-FU oder Capecitabin behandelt werden, kann es zum so genannten Hand-Fuß-Syndrom kommen. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühl, schmerzlosen Schwellungen oder Rötung der Handinnenflächen und/oder Fußsohlen bis hin zu Geschwür- und Blasenbildung und starken Schmerzen an Händen und/oder Füßen.

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Auswirkungen auf das Nervensystem

Durch eine Chemotherapie können Nerven geschädigt werden. Dies kann zu entsprechenden Beschwerden führen. Besonders Platin-haltige Chemotherapeutika, Taxane und Vinca-Alkaloide sind dafür bekannt. Aber auch zielgerichtete Medikamente können solche Nebenwirkungen verursachen. Diese Substanzen schädigen die Nerven so, dass Reize nicht mehr richtig übertragen werden: Normale Berührungen oder auch Kälte werden als unangenehm und schmerzhaft empfunden. Auch Missempfindungen wie Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Pelzigkeitsgefühl oder Taubheit können auftreten. Betroffen sind häufig die Hände und Füße.

Eine häufige Folge der Krebsbehandlung ist die Tumor-assoziierte Fatigue. Darunter versteht man eine anhaltende Müdigkeit oder Erschöpfung. Dieser Zustand wirkt sich sowohl körperlich, emotional als auch geistig aus. Die belastende Ermüdung kann durch Schlaf und Erholung nur bedingt oder auch gar nicht gelindert werden. Aufgrund der Fatigue fällt es zunehmend schwer, Alltagsaktivitäten nachzugehen.

Auswirkungen auf die Schleimhäute

Die Zellen aller Körperschleimhäute erneuern sich regelmäßig, so dass die Chemotherapie häufig Nebenwirkungen an den Schleimhäuten verursacht. Bei Entzündungen an der Mundschleimhaut (Stomatitis) kann es zu hellen Belägen oder kleinen Geschwüren in der Mundhöhle kommen. Veränderungen an der Darmschleimhaut können zu Durchfall führen. Starker Durchfall schwächt den Körper durch den großen Wasser- und Mineralstoffverlust.

Umgang mit Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten, das ist von Mensch zu Mensch oft unterschiedlich. Je zügiger der Körper nämlich ein Medikament abbaut, umso geringer sind die Nebenwirkungen. Jeder Patient reagiert anders auf ein Zytostatikum, so dass es für den behandelnden Arzt besonders wichtig ist, dass Sie ihm als Patient über Ihre besonderen Beschwerden berichten. Es kann auch innerhalb der laufenden Therapie passieren, dass sich von einem auf den nächsten Zyklus die Nebenwirkungen verringern oder neue hinzutreten. Ihr Arzt wird - wenn möglich - den Chemotherapieplan entsprechend Verträglichkeit und Ihrer Situation anpassen.

Vorbeugende Maßnahmen

Mit Hilfe einer Laboruntersuchung kann man feststellen, ob bei Ihnen eine genetisch bedingte Unverträglichkeit gegen das bei Darmkrebs am häufigsten eingesetzte Zytostatikum 5-Fluorouracil (5-FU) vorliegt. Dazu wird bei dem betreffenden Patienten der Zustand des Gens für das DPD-Enzym (DPD = Dihydropyrimidin-Dehydrogenase) bestimmt (DPD-Genotypisierung).

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Während der Therapie sollte man die Haare nach dem Waschen nur trocken tupfen, nicht rubbeln. Beim Fönen ist eine milde Wärme am besten. Es ist möglich, bereits vor der Therapie eine Perücke zu beantragen. Besprechen Sie dieses Thema rechtzeitig mit ihrem Arzt, der Ihnen auch ein Rezept ausstellen kann. Man sollte vor der Chemotherapie nur leichte Mahlzeiten zu sich nehmen und vor jedem Zyklus etwas anderes essen und trinken, um den Reflex zu vermeiden. Manchmal kann es auch helfen, sich zum Beispiel durch Musik, Gespräche oder Lesen abzulenken. Auch angenehme Düfte wie Anis und Lavendel können den Brechreiz mindern. Sie sollten eine weiche Zahnbürste benutzen, um die Mundschleimhaut oder das Zahnfleisch nicht versehentlich zu verletzen. Achten Sie dann beim Essen besonders darauf, dass Sie ausreichend trinken. Durch das Vitamin B6 lässt sich diese Nebenwirkung häufig mildern.

Behandlung von Nebenwirkungen

Ist dieser Wert erniedrigt, kann mit Bluttransfusionen geholfen werden. Alternativ ist eine Therapie mit Erythropoetin (EPO) möglich. Dabei handelt es sich um einen Wachstumsfaktor für die roten Blutzellen. Wenn Ihr Arzt einen Abfall der weißen Blutzellen feststellt, sollten Sie größere Menschenansammlungen meiden und nach Möglichkeit keinen Kontakt zu Personen haben, die momentan an Infektionen leiden, wie etwa Schnupfen, Husten oder Grippe. Wenn Sie während einer Chemotherapie an sich selbst Fieber, Schüttelfrost, Grippesymptome oder Brennen beim Wasserlassen beobachten, sollten Sie Ihrem Arzt oder Onkologen davon berichten. Ihr Arzt kann Ihnen eine Mundspüllösung verordnen, die Sie mehrmals täglich anwenden können. Zudem lässt sich der Durchfall mit Medikamenten eindämmen. Wenn dadurch keine ausreichende Besserung erzielt werden kann, muss die Dosierung von 5-FU bzw.

Wenn bei Ihnen während der Krebsbehandlung Empfindungsstörungen oder schmerzhafte Missempfindungen auftreten, sprechen Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, um zu verhindern, dass sich die Beschwerden verschlimmern. Möglicherweise wird die Dosierung der Medikamente verringert oder die Behandlung verändert. Derzeit ist es leider nicht möglich, Nervenschäden medikamentös vorzubeugen. Nach Abschluss der Krebsbehandlung verringern sich nach einer gewissen Zeit die neuropathischen Beschwerden allmählich. Auch in dieser Situation kann durch Bewegungstherapie versucht werden, das Zusammenspiel von Nerven, Muskeln und Gelenken zu verbessern. Zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen stehen Medikamente zur Verfügung. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die belastende Müdigkeit sprechen, wenn Sie von Fatigue betroffen sind. Es können weitere Untersuchungen notwendig sein, um Ursachen auszuschließen, die einer speziellen Behandlung bedürfen. Ansonsten stehen bei der Therapie der Fatigue eher nicht-medikamentöse Behandlungen im Vordergrund.

Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN)

Krebspatient*innen kennen das unangenehme Gefühl, wenn Hände oder Füße kribbeln. Solche Erkrankungen des peripheren Nervensystems, auch Neuropathie genannt, können als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten oder einer Strahlentherapie auftreten. Aber auch der Tumor selbst kann eine Nervenschädigung hervorrufen. Besonders Nerven an Händen sowie Füßen, die für das Tastempfinden, die Schmerzweiterleitung und das Temperaturempfinden zuständig sind, sind von der nervenschädigenden Wirkung der Krebstherapien betroffen. Verantwortlich für Symptome wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen sind meist Chemotherapie-Medikamente. Diese zerstören Nervenenden, Nervenzellen oder auch die isolierende Hülle um die Nervenzellfortsätze herum und behindern den Stoff- und Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe.

Risikofaktoren für CIPN

Es gibt einige individuelle Faktoren, die das Risiko erhöhen, an Neuropathie zu erkranken. Neben der onkologischen Erkrankung können das auch Begleiterkrankungen wie Diabetis mellitus oder Niereninsuffizienz sein. Sehr wahrscheinlich ist ebenfalls, das Patient*innen mit einem hohen Alkoholkonsum ein größeres Erkrankungsrisiko haben. Auch genetische Faktoren beeinflussen den Schweregrad der Chemotherapie-induzierten Neuropathie.

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Vorbeugung und Behandlung von CIPN

Zumeist ist der sicherste Weg, Beschwerden vorzubeugen, die Dosis des nervenschädigenden Medikaments zu verringern. An dieser Stelle muss jedoch sorgfältig zwischen Nutzen und Schaden abgewogen werden, denn eine Verringerung des Medikaments geht häufig mit Einbußen bei den Heilungschancen einher. Standardisierte prophylaktische Maßnahmen existieren bislang nicht. Einzig ein regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, wird von Expertinnen empfohlen. Sehr wichtig ist darüber hinaus, bereits vor der Einleitung der Chemotherapie bestehende neurologische Beschwerden ernst zu nehmen und demder behandelnden Arzt*Ärztin davon zu berichten.

Momentan ist die Wissenschaft noch nicht so weit, dass Medikamente zum Schutz der Nerven entwickelt werden konnten. Es ist weitere Forschung nötig, um von den Erfahrungen aus dem Bereich der Nervenschädigungen bei Diabetes Mellitus profitieren und diese auf die Chemotherapie-bedingten Nervenschäden anwenden zu können. Bei zunehmender Schädigung der Nerven nehmen Betroffene an Händen und Füßen oft keine Schmerzen, Wärme oder Kälte mehr wahr.

Diagnose und Therapie von CIPN

Wie lange und wie oft eine Neuropathie auftritt, ist unterschiedlich. Laut einer finnischen Studie berichteten 76% der Patientinnen über Neuropathie-assoziierte Beschwerden, die Intensität wurde jedoch als gering angegeben. Auch nach zwei Jahren haben über 80% der Patientinnen noch neuropathische Symptome, allerdings sind diese dann vom Schweregrad eindeutig rückläufig. In schweren Fällen kann es sein, dass die Neuropathie noch mehrere Jahre nach der Therapie zu Problemen führt. Es gibt verschiedene Diagnosemethoden bei Neuropathie.

Die Behandlung von geschädigten peripheren Nerven infolge einer Krebstherapie ist momentan nur bedingt möglich. Ob eine medikamentöse Behandlung möglich ist, hängt davon ab, welche Beschwerden bei den Betroffenen im Vordergrund stehen. Krebspatient*innen mit Taubheitsgefühlen an Füßen und Händen können mithilfe von Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie oder Bädern behandelt werden. Besonders wichtig ist ausreichende Bewegung, wobei das Gewebe wird unterschiedlichen Reizen ausgesetzt wird, sodass sich die Nervenfunktion in den Gliedern erholen kann. Das so genannte Funktionstraining, welches Balanceübungen, sensomotorisches Training, Koordinationstraining, Vibrationstraining und auch Feinmotorikertraining umfasst, hat sich Studien zwecks Symptomlinderung positiv hervorgetan.

Tipps für den Alltag mit CIPN

  • Kälte vermeiden: Patient*innen, die mit Probleme mit Kältereizen haben, sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen.
  • Für einen guten Stand sorgen: Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden.
  • Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist.
  • Ohrgeräusche minimieren: Wer bei lauten Geräuschen an Tinnitus leidet, sollte laute Umgebungen meiden.

Chemotherapie und Demenzrisiko

Menschen, die gegen Brustkrebs behandelt werden, berichten auch oft von Gedächtnisstörungen, die mit einer Demenz aber nichts zu tun haben. Im Gegenteil: Die Therapien könnten sogar das Demenzrisiko senken. Forschende aus Südkorea haben sich das Demenzrisiko für Brustkrebspatientinnen angesehen und es mit dem krebsfreier Kontrollpersonen verglichen. Dabei zeigte sich: Medikamente, die gegen Brustkrebs eingesetzt werden, und auch Strahlentherapien können das Demenzrisiko senken. Und das, obwohl die Behandlungen oft mit Gedächtnisstörungen, umgangssprachlich „Chemo brain“ genannt, einhergehen.

Mögliche Mechanismen

Warum das Demenzrisiko durch eine Krebsbehandlung sinkt, wird noch untersucht. Besonders bei einer Strahlentherapie gab es diesen positiven Effekt, aber auch bei Anthracyclinen, einer häufig eingesetzten Gruppe von Medikamenten gegen Brustkrebs. Andere Substanzen wie Taxane, Antikörpertherapien, Tamoxifen oder Aromatasehemmer zeigten keine Auswirkungen auf das Demenzrisiko.

Bei der Strahlentherapie erklärt man sich das sinkende Demenzrisiko mit niedrig dosierter Streustrahlung, die möglicherweise die Selbstreinigungsfunktionen des Gehirns unterstützt und gleichzeitig immunmodulierend wirkt. Bei den Anthracyclinen wie Doxorubicin, die häufig eingesetzte Medikamente zur Chemotherapie bei Brustkrebs sind, vermuten die Forschenden neuroprotektive Effekte und so eine Reduktion des Demenzrisikos. Die Substanzen hemmen die Zusammenlagerung fehlgefalteter Tau-Proteine im Gehirn Demenzkranker. So verhindern oder verzögern sie die Bildung der berüchtigten Amyloid-Plaques.

Chemobrain

Zytostatika können bei Brustkrebs Leben retten. Als scheinbare Nebenwirkung beschreiben einige Patientinnen kognitive Defizite, ein Phänomen, das auch als sogenanntes Chemobrain bekannt ist. Studien zeigen jedoch, dass die Störungen schon vor der Behandlung bestehen. Moderne Therapien ermöglichen es, dass immer mehr Frauen Brustkrebs überleben. Trotz körperlicher Rehabilitation fühlen sich viele von ihnen lange Zeit nicht voll einsatzfähig. Die Betroffenen können sich schlecht konzentrieren, vergessen vieles, leiden an Wortfindungsstörungen und anderen kognitiven Einschränkungen.

Ursachen und Risikofaktoren für Chemobrain

Zytostatika wie Anthrazykline, Taxane oder Cisplatin erschienen zunächst als Auslöser naheliegend. Zwar beziehen sich die beschriebenen Giftwirkungen in der Regel auf die peripheren Nerven und äußern sich etwa als Störungen des Tast- oder Berührungssinns oder der Feinmotorik; eine schädigende Wirkung auf das Zentralnervensystem lässt sich aber nicht ausschließen. Neben Zytostatika stehen auch andere Behandlungen als mutmaßliche Ursache in Verdacht, etwa endokrine Therapien (Antihormontherapien) gegen hormonell bedingte Krebsarten. Eine ausbleibende Estrogenwirkung im Gehirn könnte hier möglicherweise die kognitiven Einschränkungen auslösen.

Vermutlich erhöht die Chemotherapie bei einigen Frauen das Risiko für die kognitiven Defizite. Ein Hinweis auf psychologische Faktoren lässt sich vielleicht auch aus ländervergleichenden Daten zur Häufigkeit des Chemobrain ableiten. Extremer Stress wirkt sich wegen der hohen Cortisol-Ausschüttung messbar auf das Gehirn aus.

Umgang mit Chemobrain

Ärzte sollten Klagen über kognitive Defizite dennoch ernst nehmen. Frauen, bei denen diese Störungen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auftreten, könnten beispielsweise eher zu Depressionen neigen. Auch negative Gefühle wie Scham und Schuld, Ärger oder Feindseligkeit scheinen bei ihnen häufiger aufzutreten. Dies alles sind klinisch relevante Störungen, die einer psychologischen Behandlung bedürfen und grundsätzlich therapierbar sind. Ein Chemobrain könnte ein Hinweis sein, dass eine Frau hier Hilfe braucht.

Die Bedeutung der Früherkennung und des Gesprächs mit dem Arzt

Es ist wichtig, Ihrem Behandlungsteam bei den ersten Anzeichen einer Neuropathie Bescheid zu geben, damit es schnell reagieren kann. Denn es gibt einige Behandlungen und Strategien, um einer Neuropathie entgegenzusteuern. Informieren Sie sich daher gut, auf welche Symptome Sie unbedingt achten sollten. Sagen Sie Ihrem Behandlungsteam umgehend Bescheid, falls Sie erste Anzeichen einer peripheren Nervenschädigung wahrnehmen.

Vor jedem Chemotherapie-Zyklus sollte mit den behandelnden Onkologinnen und Onkologen besprochen werden, ob es Hinweise gibt, die für eine Polyneuropathie sprechen könnten. Das sind Missempfindungen vor allem in Händen und Füßen, Schmerzen, Muskelkrämpfe, Unsicherheit bei vielen motorischen Tätigkeiten.

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