Was tun, wenn dich Menschen nerven: Strategien für einen gelassenen Umgang

Nervige Menschen scheinen allgegenwärtig zu sein. Ob im privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz, wir alle kennen Personen, die uns mit ihrem Verhalten auf die Nerven gehen. Die Frage ist: Wie geht man am besten damit um? Ignorieren, ertragen oder sich abgrenzen? Dieser Artikel bietet verschiedene Strategien, um mit nervigen Menschen besser klarzukommen und die eigene Gelassenheit zu bewahren.

Einführung

Jeder kennt die Situation: Ein Kollege erzählt zum wiederholten Mal dieselbe Geschichte, eine Freundin korrigiert ständig die Aussprache oder ein Familienmitglied übt unaufhörlich Kritik. Solche Verhaltensweisen können sehr belastend sein und den Umgang miteinander erschweren. Oftmals hat man jedoch keine Wahl, als mit diesen Personen zu interagieren. Daher ist es wichtig, Strategien zu entwickeln, um die Situation zu entschärfen und die eigene innere Ruhe zu bewahren.

Verständnis und Perspektivenwechsel

1. Verständnis-Vorschuss gewähren

Gerade im Arbeitsumfeld kann es vorkommen, dass Mitarbeiter aufgrund privater Probleme gereizt oder unkonzentriert sind. Führungskräfte sollten in solchen Fällen versuchen, einen Verständnis-Vorschuss zu gewähren. Wenn beispielsweise eine Mitarbeiterin im Meeting schlecht gelaunt ist oder ein Kollege ständig zu spät kommt, kann es hilfreich sein, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen und zunächst die Gründe dafür zu hinterfragen. Dies ermöglicht es, gelassener zu reagieren und den Stress zu reduzieren. Natürlich bedeutet das nicht, ungebührliches Verhalten dauerhaft zu entschuldigen, aber es erlaubt, die Situation zunächst abzuwarten.

2. Grenzen setzen

Neugierige Menschen oder solche, die ungefragt Privates preisgeben, können unsere persönlichen Grenzen überschreiten. In solchen Fällen ist es wichtig, höflich, aber bestimmt Grenzen zu setzen. Ein nachvollziehbarer Grund hilft dabei, die Abgrenzung zu erleichtern. Zum Beispiel: „Privates bespreche ich grundsätzlich nicht mit Kollegen, das kannst du sicher verstehen.“ Oder: „Danke für das Angebot, aber meine Freizeit ist für die Familie reserviert.“

3. Emotionale Distanz und Perspektivenwechsel

Sich in Selbstmitleid zu verlieren, hilft nicht, mit nervigen Menschen besser umzugehen. Stattdessen sollte man versuchen, emotionale Distanz zu gewinnen und die Perspektive auf das Gegenüber zu lenken. Anstatt sich zu fragen, warum sich jemand immer nur einem selbst gegenüber so verhält, kann man sich fragen, was derjenige wohl für einen schlechten Tag hatte. Diese Distanzierung hilft, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen und gelassener zu reagieren.

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4. Gemeinsamkeiten suchen

So unterschiedlich Menschen auch sein mögen, es gibt immer etwas, das sie verbindet. Vor der nächsten Begegnung mit einer nervigen Person kann es hilfreich sein, bewusst nach einer Gemeinsamkeit zu suchen. Vielleicht teilt man den gleichen Lieblingsfußballverein, die Begeisterung fürs Reisen oder ähnliche Erfahrungen mit einem Hausbau. Das Finden einer Gemeinsamkeit kann die Basis für ein entspannteres Gespräch schaffen.

5. Unterschiede akzeptieren

Oftmals finden wir Menschen anstrengend, die anders sind als wir. Wenn uns das Gegenüber ähnelt, fällt es unserem Gehirn leichter, mit ihm umzugehen. Wer sich dessen bewusst ist, kann leichter einen Weg finden, um mit nervigen Menschen umzugehen. Wenn einen beispielsweise neugierige Menschen nerven, könnte man überlegen, ob das Gegenüber nicht einfach nur extrovertierter ist als man selbst. Sich Unterschiede in den Persönlichkeiten klarzumachen, hilft also, vermeintliche Nervensägen von echten zu unterscheiden.

Strategien im Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen

6. Gespräch lenken

Abschweifende Erzähler können im Alltag sehr anstrengend sein. Hier hilft es, das Gespräch auf den ursprünglichen Anlass zurückzuführen. Mit Worten wie: „Entschuldige, dass ich dich unterbreche, mir fällt gerade etwas zu unserer Strategie ein, über die wir eben gesprochen hatten“, kann man das Gespräch in eine produktive Richtung lenken. Eine weitere wirkungsvolle Taktik gegen Vielredner ist, sie nach ihrer Meinung zu fragen.

7. Mini-Auszeiten nehmen

Wenn man merkt, dass man kurz davor ist, die Geduld zu verlieren, sollte man sich eine Mini-Auszeit gönnen. Dies kann ein kurzer Spaziergang, ein paar tiefe Atemzüge oder einfach nur ein Moment der Stille sein. Diese Auszeit hilft, die Situation zu entschärfen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

8. Spiegeln

Wenn jemand einem ständig ins Wort fällt, die Arme verschränkt oder unverschämt ist, kann man ausprobieren, es dieser Person einfach nachzutun. Sobald man eine Irritation bei der Nervensäge bemerkt, kann man sein Verhalten erklären: „Das war unverschämt von mir, oder?“. Diese Technik kann dem Gegenüber sein eigenes Verhalten bewusst machen.

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9. Humor

Nervige Menschen sind oft unfreiwillig komisch. Wenn man die Situation aus einer humorvollen Perspektive betrachtet, kann man Distanz gewinnen und gelassener mit der Situation umgehen. Man kann sich die Szene vorstellen, als wäre sie einem Sketch von Loriot entsprungen. Diese Distanzierung hilft, eine angemessene Reaktion zu überlegen.

Die Psychologie hinter schwierigen Menschen

Kausalität vs. Finalität

Der österreichische Psychotherapeut Alfred Adler unterscheidet zwischen Kausalität und Finalität. Anstatt nach den Ursachen für ein bestimmtes Verhalten zu suchen (kausale Betrachtungsweise), kann man sich fragen, welchen Zweck das Verhalten erfüllt (finale Perspektive). Anstatt zu denken: „Er ist einfach ein anstrengender Typ“, könnte man sich fragen: „Was möchte er mit seinem Verhalten erreichen?“.

Ziele und Bedürfnisse erkennen

Das Verhalten jedes Menschen ist im Kern darauf ausgerichtet, Freude zu erhöhen und Schmerz zu verringern. Auch vermeintlich unvernünftiges Verhalten wird nachvollziehbar, wenn man die zugrunde liegenden Ziele und Bedürfnisse erkennt. Oftmals sind unsere Verhaltensmuster jedoch unbewusst und veraltet. Was in der Kindheit eine Lösungsstrategie war, ist im Erwachsenenleben möglicherweise nicht mehr sinnvoll.

Bewertung vermeiden

Es sollte nicht darum gehen, jemanden in seinem Verhalten zu korrigieren oder umzuerziehen, sondern ihm dabei zu helfen, sein gewünschtes Zielgefühl zu identifizieren und gemeinsam zu überlegen, wie er es mit passenderem Verhalten erreichen könnte. Auf diese Weise handelt man aus einer liebevollen, wertschätzenden Perspektive und trägt dazu bei, dass sich die Beziehung zueinander verbessern kann.

Sich selbst reflektieren

Eigene Verhaltensmuster erkennen

Auch wir selbst können Verhaltensweisen haben, die andere nerven. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und zu überlegen, ob man damit auf ungünstige Weise Ziele erreichen möchte, die man besser auf anderem Wege anstreben könnte. Ein Beispiel: Jemand kommt oft zu spät und lässt andere warten. Unbewusst geht es ihm vielleicht darum, dass er sich häufig fremdbestimmt und zu wenig autonom fühlt. Statt sich seine „Macht“ zurückzuholen, indem er sich nicht an Verabredungen hält, könnte er sich mehr Zeit für sich selbst freischaufeln, in der er sich frei entfalten kann.

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Triggerpunkte identifizieren

Oftmals sind es bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die uns an anderen besonders stören. Diese Eigenschaften sind oft unsere eigenen Triggerpunkte, also Eigenschaften, die wir zwar anderen zuschreiben, aber eigentlich unseren eigenen geheimen Wünschen und Bedürfnissen entstammen. Deshalb sollten wir uns immer wieder fragen, ob gerade die Eigenschaften, die uns an schwierigen Menschen am meisten nerven, nicht vielleicht unsere eigenen ungelösten Konflikte widerspiegeln.

Sofortmaßnahmen in schwierigen Situationen

Ärger abperlen lassen

Anstatt sich über das Verhalten anderer zu ärgern, kann man versuchen, den Ärger abperlen zu lassen. Dies gelingt, indem man die Situation objektiv beschreibt, kommentiert und nicht auf sich bezieht. Zum Beispiel: „Die Chefin hat mich angerufen und XY gesagt.“ - „Sie war dabei sehr laut und hat abgehackt gesprochen.“ - „Wenn sie verärgert ist, dann macht sie das so.“.

Zauberspruch anwenden

Wenn man merkt, dass man sich über eine Situation ärgert, kann man sich fragen: „Ist das in einem Jahr noch wichtig?“. Meistens lautet die Antwort: Nein. Diese Frage hilft, die Situation zu relativieren und den Ärger loszulassen.

Gegenfragen stellen

Arrogante und vielschwätzende Menschen rauben einem mit einem dummen Spruch die Sprache? Schüttle die Sticheleien oder Beleidigungen souverän ab. Im Meeting stellt ein Kollege eine unsachliche Behauptung auf? Nagle den Gesprächspartner mit einer Gegenfrage fest und lass die unsachlichen Äußerungen nicht im Raum stehen. Zeige, dass du Angriffe abwehren kannst.

Langfristige Strategien für mehr Gelassenheit

Schwierigen Menschen aus dem Weg gehen

Sofern möglich, sollte man versuchen, schwierigen Menschen aus dem Weg zu gehen oder den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Dies ist eine einfache und effektive Methode, um das eigene Wohlbefinden zu schützen.

Verhalten ignorieren

In Situationen, in denen man den Kontakt nicht vermeiden kann, ist es ratsam, das nervige Verhalten des Gegenübers zu ignorieren und nicht darauf einzugehen. Wichtig ist, dass man auch in emotional schwierigen Situationen versucht, einen kühlen Kopf und Ruhe zu bewahren.

Empathie zeigen

Auch wenn es schwerfällt, sollte man versuchen, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen. Wenn man Mitgefühl und Empathie zeigt, hilft das, auch schwieriges Verhalten zu tolerieren. Einem Menschen, der zum Beispiel andauernd jammert, kann man antworten: „Ich verstehe, dass für dich alles sehr schwierig erscheint, wenn das und das passiert …“.

Sachlich bleiben

Um eine verfahrene Gesprächssituation nicht eskalieren zu lassen, ist es wichtig, dass man ruhig und sachlich bleibt. Man sollte die Person nicht angreifen, keine Vorwürfe machen und sie nicht beschimpfen. Auch die Gestik und Mimik sollte man versuchen, unter Kontrolle zu bringen.

Ich-Botschaften senden

Wenn man jemanden auf sein Verhalten ansprechen möchte, sollte man dies in Form von Ich-Botschaften tun. Zum Beispiel: „Ich fand das gerade echt unpassend, dass Sie sich vorgedrängelt haben.“ Nach einer solchen Aussage sollte man aber nicht in eine Diskussion einsteigen, sondern sich aus der Situation entfernen.

Die Rolle von Angst und Stress

Angststörungen

Wenn man generell gereizt und leicht aus der Fassung zu bringen ist, könnte eine Angststörung dahinterstecken. Menschen mit Angststörungen sind oft sensibler gegenüber Geräuschen und Reizen. Bei einer chronischen Angststörung ist das Nervensystem immer in höchster Alarmbereitschaft.

Schlafmangel und Langeweile

Auch Schlafmangel und Langeweile können zu erhöhter Gereiztheit führen. Je weniger Schlaf man bekommen hat, desto bedrohlicher erscheint die Umgebung. Wenn die Gedanken viel hin und her wandern, stößt man womöglich auf Dinge, die man sonst gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Rigide Persönlichkeit

Wenn man eine rigide Person mit hohen Standards ist, kann es einem so vorkommen, als wäre der Rest der Welt nicht immer im Einklang mit diesen Standards. Dies kann zu Frustration und Gereiztheit führen.

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