CT-Gehirn: Altersbedingte Veränderungen und ihre Bedeutung

Einführung

Das menschliche Gehirn unterliegt im Laufe des Lebens zahlreichen Veränderungen. Während einige dieser Veränderungen als normaler Alterungsprozess betrachtet wurden, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass viele dieser Veränderungen eher auf Begleiterkrankungen und Risikofaktoren zurückzuführen sind als auf das Alter selbst. Dieser Artikel beleuchtet die altersbedingten Veränderungen im Gehirn, insbesondere im Kontext von CT-Gehirn-Untersuchungen, und diskutiert die Unterscheidung zwischen normalen altersbedingten Veränderungen und solchen, die durch Krankheiten verursacht werden.

Altersbedingte Veränderungen im Gehirn: Ein differenzierter Blick

Traditionell wurden bestimmte Veränderungen im Gehirnvolumen und in der Struktur der weißen Substanz dem Alterungsprozess zugeschrieben. Allerdings argumentieren Experten zunehmend, dass diese Veränderungen oft durch zugrunde liegende Erkrankungen und externe Faktoren beeinflusst werden.

Veränderungen des Gehirnvolumens

Früher ging man davon aus, dass die Anzahl der Neuronen im Gehirn nach der Adoleszenz mit dem Alter abnimmt. Bildgebende Studien zeigen jedoch, dass sich das Volumen der grauen Substanz mit zunehmendem Alter nicht wesentlich verändert, während das Volumen der weißen Substanz abnehmen kann.

Hyperintensitäten in der weißen Substanz

Ein weiteres Merkmal, das oft mit dem Alter in Verbindung gebracht wird, ist die Entwicklung von Hyperintensitäten in der weißen Substanz. Diese kleinen Bereiche mit hoher Signalintensität können mit bestimmten MRT-Sequenzen identifiziert werden. Bildgestützte Bevölkerungsstudien haben gezeigt, dass diese Läsionen in der weißen Substanz mit verschiedenen Risikofaktoren wie kardiovaskulären Risikofaktoren, Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes assoziiert sind.

Veränderungen der Mikrostruktur

Dank diffusionsgewichteter MRT ist es möglich, die Integrität von Mikrostrukturen oder Schäden in der weißen Substanz zu diagnostizieren. Studien haben gezeigt, dass selbst bei nicht beeinträchtigter weißer Hirnsubstanz, die bei konventionellen MRT-Aufnahmen normal aussieht, eine Veränderung der Diffusionswerte zu erkennen ist, lange bevor eine Läsion der weißen Substanz sichtbar wird.

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Der Einfluss von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren

Die Forschung betont zunehmend, dass viele der Veränderungen, die traditionell dem Altern zugeschrieben wurden, tatsächlich auf Begleiterkrankungen und Risikofaktoren zurückzuführen sind.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes können zu einer Zunahme der Läsionen in der weißen Substanz führen. Diese Läsionen sind Indikatoren für bestimmte Diagnosen wie Demenz und Schlaganfall.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Studien zeigen, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, eine Demenz zu entwickeln.

Begleiterkrankungen bei Demenz

Eine Demenz ist komplex und geht häufig mit anderen gesundheitlichen Problemen einher. Diese Begleiterkrankungen können sowohl eine Folge der Demenz sein als auch deren Verlauf beeinflussen. Zu den häufigen Begleiterkrankungen gehören:

  • Depressionen: Der Verlust der Unabhängigkeit kann bei Demenzerkrankten Depressionen auslösen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern sind bei Demenzpatienten verbreitet.
  • Infektionskrankheiten: Demenzpatienten leiden häufiger an Infektionen, insbesondere an Harnwegsinfekten und Lungenentzündungen.
  • Mangelernährung und Dehydration: Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit oder das Vergessen der Nahrungsaufnahme können zu Mangelernährung und Dehydration führen.
  • Stürze: Beeinträchtigte motorische Koordination und Gleichgewichtssinn erhöhen das Sturzrisiko.

Mild Cognitive Impairment (MCI)

Mild Cognitive Impairment (MCI) beschreibt eine leichte Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, die über normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht, aber noch keine Demenz darstellt. Menschen mit MCI können sich zum Beispiel schlechter erinnern, sich weniger gut konzentrieren oder mehrere Dinge gleichzeitig erledigen - sind im Alltag aber meist noch selbstständig.

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Symptome von MCI

Typische Symptome sind Gedächtnislücken, Schwierigkeiten beim Abrufen bekannter Informationen, verminderte Konzentration und Probleme beim Multitasking. Diese Anzeichen werden oft zuerst von Angehörigen oder Freunden bemerkt.

Ursachen von MCI

Die Ursachen für MCI sind vielfältig. Sie kann durch eine beginnende Alzheimer-Erkrankung ausgelöst werden - aber auch durch Durchblutungsstörungen, Depressionen oder Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder Medikamente. Genetische Faktoren und Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes spielen ebenfalls eine Rolle.

Diagnose von MCI

Die Diagnose stützt sich immer auf eine gründliche Anamnese, neuropsychologische Tests und körperliche Untersuchungen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT helfen, Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen. Wichtig ist die Abgrenzung zu altersbedingter Vergesslichkeit und zu anderen Demenzformen.

Behandlung von MCI

Es gibt bisher keine spezifischen Medikamente zur Behandlung von MCI. Stattdessen stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund, wie gezieltes Gedächtnistraining, körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung. Wichtig ist auch die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes, um das Fortschreiten der kognitiven Beeinträchtigung zu verlangsamen.

MCI und das Demenzrisiko

Nicht jede leichte kognitive Störung (MCI) muss sich zu Alzheimer oder einer anderen Demenz entwickeln. Studien zeigen: Etwa 10 bis 15 von 100 Menschen, bei denen eine MCI diagnostiziert wird, erkranken innerhalb eines Jahres an einer Demenz. Langfristig steigt das Risiko: Nach fünf Jahren entwickelt rund die Hälfte der erkrankten Personen eine Demenz. Deshalb ist eine regelmäßige ärztliche Begleitung wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

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Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die häufigste Demenzerkrankung. Sie wird durch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht, die das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen.

Ursachen der vaskulären Demenz

Zu den typischen Ursachen einer vaskulären Demenz gehören:

  • Schlaganfälle: Verschließen eine Hirnarterie und können eine vaskuläre Demenz verursachen.
  • Stille Schlaganfälle: Verlaufen ohne spürbare Symptome, erhöhen aber ebenfalls das Demenzrisiko.
  • Arteriosklerose und Bluthochdruck: Führen meist eher schleichend zu Beschwerden.

Symptome der vaskulären Demenz

Die Symptome der vaskulären Demenz können sehr unterschiedlich sein und hängen von der Art der Schädigung im Gehirn ab. Je nach Ursache können die Symptome plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten. Zu Beginn können vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund.

Diagnose der vaskulären Demenz

Für eine Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Am Anfang steht das ärztliche Gespräch über die persönliche Krankengeschichte. Besonders wichtig sind dabei frühere oder aktuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße, Bluthochdruck und Diabetes. Mit bildgebenden Verfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) können Veränderungen im Gehirn festgestellt werden.

Behandlung der vaskulären Demenz

Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, weiteren Schäden vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Beschwerden aufzuhalten, beziehungsweise zu verlangsamen. Bei der vaskulären Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt. So kann weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutzucker können ebenfalls medikamentös behandelt werden. Es gibt auch verschiedene Ansätze, eine vaskuläre Demenz ohne Medikamente zu behandeln. Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen.

Altersvergesslichkeit vs. Demenz

Im Alltag ab und zu etwas vergessen ist ganz normal und kommt in jeder Lebensphase vor. Je älter man wird, desto größer ist die Sorge, dass hinter regelmäßigem Vergessen eine beginnende Demenz steckt.

Altersvergesslichkeit

Altersvergesslichkeit ist ein natürlicher Prozess, bei dem die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch den altersbedingten Abbau von Hirnzellen allmählich abnimmt. Dies liegt daran, dass die Neubildung von Gehirnzellen reduziert wird und die Nervenfasern, die verschiedene Bereiche des Gehirns verbinden, weniger werden.

Demenz

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei Demenz um eine ernsthafte Erkrankung, die zu einem erheblichen und irreversiblen Verlust kognitiver Fähigkeiten führt. Während bei altersbedingter Vergesslichkeit die Nervenzellen in geringerer Anzahl nachgebildet werden, sterben bei Demenz die Gehirnzellen ab. Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zwischen Altersvergesslichkeit und Demenz ist das Fortschreiten der Vergesslichkeit: Demenz ist unumkehrbar und schreitet kontinuierlich voran, während altersbedingte Vergesslichkeit behandelt und verbessert werden kann.

Erste Anzeichen von Demenz

Wie sich eine beginnende Demenz bemerkbar macht, ist individuell unterschiedlich. So können bei Betroffenen eines oder mehrere der folgenden Symptome in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten:

  • Gedächtnisverlust
  • Sprachprobleme
  • Schwierigkeiten bei der Planung und Organisation
  • Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens
  • Räumliche und zeitliche Desorientierung

Risikofaktoren für Demenz

Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko im Alter an Demenz zu erkranken, senken kann. Dabei gilt: Was dem Herz guttut, tut auch dem Hirn gut. Hinzu kommt, dass man Risikofaktoren nach Möglichkeit meiden sollte. Darüber hinaus können Schwerhörigkeit, Diabetes, Depressionen und ein erhöhter Blutdruck das Demenzrisiko erhöhen.

Prävention und Intervention

In den letzten 50 Jahren hat sich die Lebenserwartung deutlich erhöht, weil wir die genannten Risikofaktoren inzwischen viel besser verstehen und bekämpfen können und deshalb eine bessere Prävention betreiben. Ein gesunder Lebensstil, die Kontrolle von Risikofaktoren und die frühzeitige Behandlung von Begleiterkrankungen können dazu beitragen, das Risiko für altersbedingte Veränderungen im Gehirn und den Ausbruch von Demenz zu verringern.

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