Gemmotherapie: Die Kraft der Knospen für das Gehirn und den Körper

Die Gemmotherapie, abgeleitet vom lateinischen Wort „gemma“ für Knospe, ist ein faszinierender Zweig der Phytotherapie, der sich die Lebenskraft und das Potenzial von Pflanzenknospen zunutze macht. In der Gemmotherapie wird die Knospe, als der lebendigste Teil einer Pflanze, zur Arznei. Sie wird als Teil der Phytotherapie immer beliebter. Die Therapie nutzt die in den Knospen enthaltene Kraft, die es einer Pflanze ermöglicht zu wachsen, sich zu regenerieren und sich zu verjüngen. Diese Kraft überträgt sich durch das Mittel auf den Menschen. Diese Therapieform, die in Belgien, Frankreich und der Schweiz seit Jahren Anwendung findet, gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

Was ist Gemmotherapie?

Die Gemmotherapie nutzt die in den Knospen enthaltene Kraft, die es einer Pflanze ermöglicht zu wachsen, sich zu regenerieren und sich zu verjüngen. Dieses spezielle Extraktionsverfahren fand 1965 Eingang in die Pharmacopée francaise und später auch in die Vorschriften der homöopathischen Herstellungsverfahren des Europäischen Arzneibuches. Als Begründer gilt der Belgier Dr. Pol Henry (1918-1988), der Glycerin-Alkohol-Mazerate aus Pflanzenknospen und Wurzelspitzen von Birken und Ulmen anfertigte. Henry ging davon aus, dass das embryonale Bildungsgewebe der Pflanzen (Meristem) besondere, von adulten Pflanzen oder Pflanzenteilen abweichende Wirkungen auf den Menschen hat.

Die Knospe symbolisiert die Kraft des Lebens und die Konzentration der Information für die Entwicklung der Pflanze. Tatsächlich enthalten frische Pflanzenknospen im Frühling andere Inhaltsstoffe als die Wurzeln und Triebe der Pflanze im Sommer und Herbst. Zu Beginn der Vegetationsperiode, dem Zeitpunkt der Ernte, sind besonders viele sekundäre Inhaltsstoffe enthalten. Die Konzentration der Wachstumshormone (Cytokinine, Auxine und Gibberelline) ist im Frühjahr am höchsten und nimmt im Laufe des Jahres ab. Weitere Inhaltsstoffe der Knospen sind Isoflavone, Polyphenole, Abscisinsäure und verschiedene Enzyme, daneben Mineral- und Eiweißstoffe.

Die Herstellung von Gemmotherapeutika

Nach der Ernte erfolgt die Mazeration der zerkleinerten Knospen mit einem Wasser-Glycerol-Alkohol-Gemisch, das die Inhaltsstoffe so vollständig wie möglich extrahiert. Danach verdünnt man den Extrakt mit einer Mischung aus Glycerol und Alkohol im Verhältnis 1:10, was einer homöopathischen Potenz D1 entspricht.

Die Gemmotherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der Extrakte aus frischem, wachsendem vegetativem Gewebe verwendet werden. Diese Gewebe, die als meristematisch bezeichnet werden, enthalten viel mehr Substanzen und Wirkstoffe als die erwachsene Pflanze. Zunächst werden die pflanzlichen Rohstoffe zur richtigen Zeit geerntet, d. h. Nachdem das gesammelte Material gründlich gereinigt wurde, wird es zerrieben, um die Extraktion durch das Lösungsmittel zu erleichtern. Anschließend erfolgt die Mazeration in einem Gemisch aus Wasser, Alkohol und Glyzerin, dessen Menge so berechnet wird, dass ein konstantes Verhältnis von Droge zu Lösungsmittel von 1:20, bezogen auf das Trockengewicht des verwendeten Pflanzenteils, erreicht wird. Die Alkohol-Wasser-Glycerin-Lösung ist in der Lage, alle in den Knospen oder embryonalen Geweben enthaltenen Eigenschaften und Wirkstoffe zu extrahieren. Die Mazeration in dieser Lösung dauert drei Wochen, danach wird das Produkt gefiltert, um das Basis-Glycerin-Mazerat zu erhalten.

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Anwendungsgebiete der Gemmotherapie

Mit der Gemmotherapie können akute und chronische Erkrankungen oder Beschwerden behandelt werden. Gemmoextrakte werden aus Bäumen, Sträuchern und einigen ausdauernden Kräutern gewonnen. Dabei ist es nach Ansicht von Henry entscheidend, für die Therapie Extrakte aus Pflanzen zu kombinieren, die auch in der Natur in einem gemeinsamen Biotop wachsen, also zum Beispiel Waldbewohner wie Esche, Heckenrose und Heidelbeere. Dabei steht der Baum an der Spitze des Therapieregimes, gefolgt von den Sträuchern und zuletzt den Kräutern. Die Gemmotherapie postuliert vier Biotope, deren Leitpflanzen Esche und Birke, Eiche, Rotbuche sowie die Besenheide sind.

Die Indikationsgebiete für die Gemmoextrakte entsprechen in einigen Fällen denen der Phytotherapie, so unterstützt Birkenextrakt die Ausscheidung, regt Wacholder die Nierenfunktion an und wirkt Preiselbeerextrakt stabilisierend auf die Harnwege. Andere Gemmoextrakte beanspruchen jedoch Indikationsgebiete, die in der Phytotherapie nicht belegt sind, so beispielsweise die anregende Wirkung der Eiche bei Erschöpfungszuständen, die vitalisierende Kraft des Mammutbaumes oder die Anregung des Lymphflusses durch die Esskastanie. Weinrebe soll die Gelenke unterstützen, Silberlinde seelisch ausgleichend wirken, Haselnuss das Gewebe von Leber und Lunge kräftigen, Schwarze Johannisbeere Allergien lindern.

Beispiele für Gemmotherapeutika und ihre Anwendung

  • Schwarze Johannisbeere: Sie ist ein untersuchtes und am häufigsten angewendetes Gemmotherapeutikum und gilt als Akutmittel schlechthin. Die Schwarze Johannisbeere wird von kultivierten Pflanzen geerntet und enthält sehr viele Aminosäuren, Flavonoide, Vitamin C und Phenolderivate. Sie wirkt unterstützend und ist in der Lage, „freie Radikale“ unschädlich zu machen. Zudem besitzt sie antibakterielle oder antivirale Eigenschaften.
  • Walnuss: Der Walnussbaum liefert die Vitamine A bis E und unterstützt Gehirn, Herz und Nervensystem. Bei chronischen Infektionen, Hautentzündungen oder nicht heilenden Wunden kann die Anwendung des Walnuss Gemmomazerat hilfreich sein. Die Kombination aus Walnuss- und Wacholderknospenextrakten kann den Stoffwechsel anregen und den Körper bei der Entgiftung unterstützen. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit chronischen Erkrankungen.
  • Wacholder: Der von Pfarrer Kneipp bekannte Wacholder fördert die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und kann in Kombination mit dem Schüssler Salz Nr. 10 eingenommen werden.
  • Feige (Ficus carica L.): Die Knospen von F. Sie erweisen sich als nützlich in allen Fällen von Magenbeschwerden, die auf nervöse und ängstliche Zustände zurückzuführen sind.
  • Brombeere: Auch dieses Gemmomazerat wird mit den Knospen der Brombeere hergestellt. Je nach Region sind die frischen Knospen der Brombeere zwischen Ende Februar und April zum Sammeln bereit. Brombeerblättertee wird bereits seit der Antike gegen Durchfallerkrankungen eingesetzt, mit dem Sud aus Brombeerblättern werden Aphten im Mund behandelt oder die Geschlechtsteile gebadet bei Geschlechtskrankheiten.

Gemmotherapie und das Gehirn

Die Gemmotherapie bietet auch im Bereich der Gehirnfunktion interessante Möglichkeiten. So erkannte bereits Paracelsus die heilende Wirkung der Walnuss auf das Gehirn. Walnüsse sind reich an Salicylaten, Vitaminen (B, C, E) und Mineralstoffen. Sie helfen bei Hautproblemen und aktivieren die Selbstheilungskräfte.

Worauf ist bei der Anwendung zu achten?

Bekannte Allergien gegen die entsprechende Pflanze. Auch wenn viele Therapeuten und Quellen davon ausgehen, dass das Allergiepotential von Knospen extrem gering sein soll, raten wir von der Benutzung von Gemmomazeraten der Pflanze, gegen die eine Allergie bekannterweise auftritt dringend ab! Ebenso raten wir von der Herstellung von Gemmomazeraten aus giftigen Pflanzen bzw. Pflanzenteilen ab.

Auch sollte immer bedacht werden, dass in den so zart aussehenden Knospen sprichwörtlich die geballte Kraft der Pflanze enthalten ist. Viel ist hier in jedem Fall zu viel.

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Fazit

Die Gemmotherapie ist eine sanfte und natürliche Heilmethode, die das Potenzial der Pflanzenknospen nutzt, um die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Ob zur Stärkung des Immunsystems, zur Unterstützung der Organfunktionen oder zur Behandlung von spezifischen Beschwerden - die Gemmotherapie bietet ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten. Es ist jedoch ratsam, sich vor der Anwendung von einem erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen, um die individuell passende Therapie zu finden.

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