K.I.Z., bestehend aus Maxim Drüner, Nico Seyfried und Tarek Ebéné, sind seit ihren Anfängen eine feste Größe im deutschen HipHop. Bekannt für ihre provokanten Texte, den schwarzen Humor und die Fähigkeit, gesellschaftliche Tabus zu brechen, haben sie mit Alben wie "Hahnenkampf" und "Urlaub fürs Gehirn" ein ganzes Genre geprägt. Doch gerade "Urlaub fürs Gehirn" sorgte nicht nur für musikalische Kontroversen, sondern auch für einen der wohl cleversten Promostunts der Deutschrap-Geschichte.
Der geniale Promo-Leak
Am 1. Juni 2011 inszenierte Marcus Staiger, damals Chefredakteur von rap.de, einen vermeintlichen Leak des Albums "Urlaub fürs Gehirn". Tatsächlich war der Leak abgesprochen. Staiger veröffentlichte eine bewusst minderwertige Version des Albums mit dem Kommentar: „liebe diana,wie besprochen: das neue KIZ album. please handle with care. nicht sharen oder posten." Diese Version zeichnete sich durch anstrengende Beats, einen schlechten Soundmix und unfassbar sinnlose Texte aus.
Der Witz dahinter: Es handelte sich um eine gezielte Promoaktion. Das vermeintlich geleakte Album war eine bewusst schlecht produzierte Fake-Version, die die Erwartungen der Fans bewusst unterlaufen sollte. Der Download enthielt ein komplettes Album mit Titeln wie "Küss mir den Schwanz", "Urlaub fürs Gehirn", "Doitschland schafft sich ab" und "Abteilungsleiter der Liebe".
Die Reaktionen auf den Promo-Leak
Die Reaktionen auf den Promo-Leak waren gemischt. Einige feierten die Aktion als unterhaltsames Stück Deutschrap, während andere von den "hirnlosen Blödeleinen" enttäuscht waren. Gelobt wurde vor allem die Idee hinter dem Leak, die die Fans in Aufruhr versetzte und die Neugier auf das eigentliche Album steigerte.
Einige Hörer erkannten den Fake sofort, während andere sich fragten, ob es sich tatsächlich um das offizielle Album handelte. Die Verwirrung war perfekt, und genau das war das Ziel der Promoaktion. Durch das Streuen des Fake-Albums wurden Filesharing-Plattformen und Tauschbörsen gefüllt, was es zunächst erschwerte, das echte Album zwischen den Fakes zu finden.
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Das eigentliche Album "Urlaub fürs Gehirn"
Das tatsächliche Album "Urlaub fürs Gehirn" erschien wenige Tage später und offenbarte die ganze Bandbreite von K.I.Z.. Die Band blieb ihrem Stil treu und präsentierte eine Mischung aus provokanten Texten, schwarzem Humor und gesellschaftskritischen Kommentaren.
Inhaltlich bedienten sich K.I.Z. wieder zahlreicher Tabubrüche und Provokationen. Sie nahmen Bezug auf die Sarrazin-Debatte ("Doitschland schafft sich ab"), thematisierten Geschlechterrollen und spielten mit Zitaten aus der Musik- und Filmgeschichte. Dabei überzeichneten sie Stammtischparolen bis ins Comichafte und zogen den Bierernst der Hip-Hop-Kultur ins Lächerliche.
Musikalisch präsentierte sich das Album vielfältig. DJ Craft mischte Drum n Bass, Dancehall und Klezmer, während die MCs über dreckige, harte Synthie-Beats sanggröhlten. Gelegentlich sampelte Sil-Yan Bori US-Helden wie Dead Prez.
Kritik am Album
Trotz des gelungenen Promostunts und der gewohnten K.I.Z.-Qualitäten stieß das Album auch auf Kritik. Einige bemängelten, dass die Platte erheblich nerve, Geschrei, ewige aufgesetzte Berlinerei und überstrapazierte Haudrauf-Attitüde im Verbund erheblich am Geduldsfaden zerren. Auch der über die Maßen anstrengende Sound wurde kritisiert.
Einige Tracks wie "Mr. Sonderbar" mit seinem Vocoder-Alarm wurden als Tiefpunkte des Albums bezeichnet. Insgesamt wurde "Urlaub fürs Gehirn" als höchst durchwachsen bewertet und nicht als Höhepunkt der Diskografie der Band angesehen.
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Fazit
"Urlaub fürs Gehirn" von K.I.Z. bleibt ein zwiespältiges Werk. Einerseits zeugt der Promo-Leak von der Genialität der Band und ihrem Gespür für mediale Aufmerksamkeit. Andererseits konnte das Album selbst nicht alle Erwartungen erfüllen und wurde von einigen Kritikern als anstrengend und überfrachtet empfunden.
Dennoch bleibt "Urlaub fürs Gehirn" ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des deutschen HipHop. Das Album hat die Grenzen des Genres erweitert, Tabus gebrochen und eine Diskussion über Provokation und Satire in der Musik angestoßen. K.I.Z. haben mit diesem Album bewiesen, dass sie nicht nur provozieren, sondern auch intelligent und humorvoll sein können.
K.I.Z. heute
Auch nach "Urlaub fürs Gehirn" blieben K.I.Z. aktiv und veröffentlichten weitere Alben, darunter "Görlitzer Park", das ebenfalls mit einem "Album zum Album" erschien. Die Band ist weiterhin für ihre provokanten Texte und ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Themen aufzugreifen, bekannt.
Maxim Drüner engagiert sich mittlerweile auch politisch und kandidierte für die Partei des ehemaligen Titanic-Chefs Martin Sonneborn in Berlin. K.I.Z. bleiben eine relevante Stimme im deutschen HipHop und sorgen weiterhin für Kontroversen und Diskussionen.
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