Geräte zur Stimulation von Nerven: Eine umfassende Übersicht

Die Stimulation von Nerven ist ein vielversprechendes Feld in der modernen Medizin, das bei einer Vielzahl von Beschwerden Linderung verschaffen kann. Von der Schmerztherapie bis hin zur Rehabilitation von Muskeln bieten Geräte zur Nervenstimulation innovative Lösungen für Patienten und medizinisches Fachpersonal. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Nervenstimulation, einschließlich der Funktionsweise, Anwendungsbereiche, Vorteile und potenziellen Risiken.

Einführung in die Nervenstimulation

Die Nervenstimulation ist eine Technik, bei der elektrische Impulse verwendet werden, um Nerven zu aktivieren oder zu beeinflussen. Diese Impulse können Schmerzen lindern, Muskelkontraktionen auslösen oder andere therapeutische Effekte erzielen. Es gibt verschiedene Arten von Nervenstimulationsgeräten, die jeweils auf spezifische Anwendungen zugeschnitten sind.

Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS)

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine konservative Methode zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen. Bei dieser Technik werden elektrische Impulse über Oberflächenelektroden auf die Haut appliziert.

Funktionsweise von TENS

Der elektrische Reiz unterbricht die Schmerzübertragung der Nerven zwischen Gehirn und Schmerzursprungsort. Die elektrischen Impulse, die durch die Haut in die betroffenen Körperregionen geleitet werden, können gezielt zur Schmerzlinderung beitragen. Einzelne Parameter wie Frequenz, Impulsbreite und Stromstärke sowie verschiedene Stimulationsmuster (kontinuierliche, Burst-, amplituden- oder frequenzmodulierte Stimulation) bestimmen die unterschiedliche Wirkweise und die daraus resultierenden schmerzlindernden Effekte.

Es gibt zwei Haupttheorien zur Wirkungsweise von TENS:

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  • Gate-Control-Effekt: Eine kontinuierliche Impulsfolge stimuliert sensible Nerven und blockiert so die Schmerzübertragung zum Gehirn.
  • Endorphin-Freisetzung: Der Burst-Modus stimuliert mit Impulsblöcken und setzt zentral β-Endorphine frei, die eine schmerzlindernde Wirkung haben.

Anwendung von TENS

Die TENS-Behandlung erfolgt in der Regel zu Hause in Selbstanwendung mit handlichen, mobilen Geräten. Vor der ersten Anwendung erfolgt eine Erprobung und Einweisung durch den Arzt, der die korrekte Platzierung der Elektroden und die Funktionsweise des Geräts erklärt.

  • Behandlungsdauer und -häufigkeit: Patienten beginnen in der Regel mit 20- bis 30-minütigen Anwendungen drei- bis viermal täglich. Je nach individueller Situation und Verträglichkeit können Dauer und Häufigkeit auf fünf- bis sechsmal eine Stunde pro Tag gesteigert werden. Es ist jedoch wichtig, auf Verhärtungen des Gewebes zu achten und im Zweifelsfall den behandelnden Arzt zu konsultieren.
  • Indikationen: Das TENS-Verfahren eignet sich zur Therapie von akuten und chronischen Schmerzen verschiedenster Ursachen. Die besten Erfolge sind bei akuten und subakuten Schmerzen zu erwarten. Bei chronischen Schmerzen ist die Wirksamkeit anfangs oft gut, lässt jedoch nicht selten nach einigen Wochen nach. TENS kann den Schmerzmittelbedarf bei Arthroseschmerzen (z. B. im Knie) deutlich senken oder sogar ganz ersetzen.
  • Vorteile: Im günstigsten Fall können Patienten nach einer TENS-Behandlung ihre Schmerzmitteleinnahme reduzieren oder sogar ganz absetzen. Besonders bei Schmerzmittelunverträglichkeiten kann TENS eine gute Alternative in der Schmerzbehandlung bieten.
  • Nachteile und Risiken: Die Schmerztherapie durch TENS ist nicht ganz frei von unerwünschten Nebenwirkungen und muss - ebenso wie die medikamentöse Schmerztherapie - genau erwogen werden. Eine dauerhafte TENS-Behandlung darf eine kausale Klärung von Schmerzursachen nicht ersetzen. Langfristig kann die TENS-Behandlung zu Verspannung und Verhärtung von Geweben und Muskulatur führen. In seltenen Fällen kann es zum sogenannten Überstimulationssyndrom kommen, bei dem das TENS-Gerät aufgrund einer schlecht eingestellten Intensität die Schmerzen verstärkt.

Wichtige Hinweise zur TENS-Anwendung

  • TENS sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.
  • Als Wellness-Gerät für den Freizeitbereich ist ein TENS-Reizstromgerät nicht zu empfehlen.
  • Bei Symptomen eines Überstimulationssyndroms sollte der Arzt konsultiert werden, um die Stimulationsparameter anzupassen.

Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine verwandte Technik der TENS, die zur Stimulation von Muskeln eingesetzt wird.

Anwendung von FES

Ein Beispiel für die Anwendung von FES ist die Behandlung einer Fußheberschwäche. Hierbei stimuliert FES den nicht mehr angesprochenen Nerven, wodurch es zu einer Muskelkontraktion des Wadenmuskels kommt. Das Gerät wird dabei in Form einer Manschette um das betroffene Bein gelegt. So verhindert es Stürze und trägt zu einem normalen Gangbild bei.

Elektrostimulationsgeräte im Hilfsmittelverzeichnis

Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes listet verschiedene Geräte zur Elektrostimulation auf, die sich für den Hausgebrauch eignen. Die Produkte sind nach Einsatzort aufgeführt und können von Versicherten mit entsprechender Diagnose und ärztlicher Verordnung über die Krankenkasse bezogen werden.

Arten von Elektrostimulationsgeräten im Hilfsmittelverzeichnis

  • Tragbare Defibrillatorweste: Für Menschen mit Risiko eines plötzlichen Herzstillstandes.
  • Gerät zur Erzeugung von TTFields: Für die Behandlung von Krebstumoren im Gehirn.
  • Leitungswasser-Iontophoresegerät: Zur Behandlung von übermäßiger Schweißbildung (Hyperhidrosis).
  • Nerven- und Muskelstimulationsgeräte: Zur Schmerzlinderung, Muskelaufbau und Reduktion von Inkontinenz.
  • Elektrostimulationsgeräte zur funktionellen Elektrostimulation (FES): Zur Verbesserung des Gangbildes bei Fußheberschwäche.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse

  • Eine entsprechende Diagnose, die den Einsatz des Geräts begründet.
  • Eine ärztliche Verordnung.

TENS- und EMS-Geräte

TENS- (Transkutane elektrische Nervenstimulation) und EMS-Geräte (Elektro-Myo-Stimulation) sind Hilfsmittel, die selbstständig zur Schmerztherapie oder Muskelstimulation eingesetzt werden können. Hierbei werden Behandlungselektroden auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt. TENS-Geräte setzen Reize über die Nerven zur Schmerzlinderung, EMS-Geräte stimulieren Muskeln mit dem Ziel des Muskelaufbaus.

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Kostenübernahme durch die Krankenkasse (Beispiel Barmer)

Liegt ein ärztliches Rezept vor, übernimmt die Barmer in der Regel die Kosten für das TENS- oder EMS-Gerät und für das medizinisch notwendige Zubehör - gegebenenfalls abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten - mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro je Hilfsmittel, sofern der Patient über 18 Jahre alt und nicht von der Zuzahlung befreit ist.

Ablauf zur Erlangung eines TENS- oder EMS-Geräts

  1. Beratung durch den Arzt bezüglich der Versorgungssituation und den Behandlungsmöglichkeiten.
  2. Ausstellung eines Rezepts durch die Arztpraxis.
  3. Auswahl eines Anbieters unter den Vertragspartnern der Krankenkasse.
  4. Einweisung in das Hilfsmittel durch fachkundiges Personal des Hilfsmittelanbieters oder den behandelnden Arzt.

Zertifizierte TENS-Geräte und Zubehör

Es gibt eine Vielzahl von zertifizierten TENS-Geräten auf dem Markt, die sich in ihren Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten unterscheiden. Einige Geräte bieten spezielle Programme zur Linderung von rheumatischen Gelenkbeschwerden, Muskelschmerzen und Muskelverspannungen, Knieschmerzen, Menstruationsbeschwerden sowie Migräne. Kombinierte EMS- und TENS-Geräte ermöglichen sowohl die Schmerzlinderung als auch den Muskelaufbau.

Wichtige Hinweise vor der Verwendung eines TENS-Gerätes

In einigen Fällen sollte vor dem Kauf bzw. der Verwendung eines TENS-Gerätes ein Arzt konsultiert werden. Dazu raten wir beispielsweise Schwangeren, Personen mit Herzschrittmachern oder Herzrhythmusstörungen.

Elektrostimulation bei Polyneuropathien

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) wird oft zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt - so auch für Polyneuropathien, zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes.

Wirkungsweise bei Polyneuropathien

Die Wirkung der elektrischen Signale wird teils mit der sogenannten Gate-Control-Theorie erklärt: Die Impulse stimulieren Nervenfasern, die eigentlich Berührungsreize weiterleiten und im Rückenmark mit den Schmerzfasern verschaltet sind. „Das Signal der Berührungsnerven kann so die Weiterleitung der Schmerzen an das Gehirn hemmen“, erläutert Schmerzmedizinerin und Neurochirurgin Dr. Kristin Kieselbach.

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Verträglichkeit und Nebenwirkungen

Die Behandlung mit TENS ist in der Regel gut verträglich. In seltenen Fällen kann es zu Hautreizungen an der Klebstelle kommen. Bei sensibler Haut können antiallergene Elektroden die Reizungen lindern.

Wissenschaftliche Evidenz

Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Wirkung der TENS-Behandlung bisher nicht vollständig. Es gibt vorwiegend kleinere Untersuchungen, die eine Schmerzlinderung feststellen, aber nur bedingt aussagekräftig sind. Eine besonders große Meta-Analyse von 2022 mit insgesamt 381 randomisierten, kontrollierten Studien legt jedoch eine Wirksamkeit nahe.

Kontraindikationen

Von einer TENS-Behandlung abraten würde Christina Haubrich Menschen mit einem Herzschrittmacher oder einer Epilepsie. „In Deutschland ist sie auch für Schwangere nicht empfohlen“, so die Neurologin.

Weitere Anwendungsbereiche von Elektrostimulationsgeräten

  • Schmerztherapie: TENS-Geräte können bei verschiedenen Schmerzzuständen eingesetzt werden, darunter Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Arthrose, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen.
  • Muskelstimulation: EMS-Geräte können zum Muskelaufbau, zur Rehabilitation nach Verletzungen oder Operationen und zur Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit eingesetzt werden.
  • Inkontinenzbehandlung: Elektrostimulationsgeräte können zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und zur Behandlung von Inkontinenz eingesetzt werden.
  • Durchblutungsförderung: Elektrostimulation kann die Durchblutung fördern und bei Durchblutungsstörungen eingesetzt werden.

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