Epilepsie: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte unprovozierte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn, die zu einer elektrischen Übererregbarkeit führt. Die Diagnose und Behandlung von Epilepsie erfordert eine umfassende Herangehensweise, um die Ursachen zu identifizieren, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn, bei der eine elektrische Übererregbarkeit vorliegt. Diese Übererregbarkeit kann sich auf eine kleine Nervengruppe beschränken oder sich über das ganze Gehirn ausbreiten. Je nachdem, welche Nervenzellen betroffen sind, äußern sich die Anfälle unterschiedlich.

Fallbeispiele:

  • Fall 1: Klaus, ein 43-jähriger Brauereimeister, erlebt Zuckungen im rechten Arm, die sich von der Hand auf den gesamten Arm ausbreiten. Diese Anfälle dauern wenige Sekunden bis Minuten und führen zu Kraftlosigkeit im Arm.
  • Fall 2: Fabian, ein 22-Jähriger mit bekannter Epilepsie, wird nach mehreren Anfällen in die Klinik gebracht. Er schreit auf, atmet schwer, verliert das Bewusstsein und zeigt starke Muskelanspannungen und rhythmische Zuckungen.

Ursachen von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen:

  • Akut-symptomatischen Anfällen: Diese Anfälle treten aufgrund vorübergehender Auslöser oder Ursachen auf, wie z.B. Schwangerschaft (Eklampsie), Fieberkrämpfe im Kindesalter, Alkohol- oder Drogenkonsum, Medikamenteneinnahme oder Elektrolytstörungen.
  • Unprovozierten Anfällen: Treten Anfälle wiederholt ohne erkennbaren Auslöser auf, besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Anfälle. In diesem Fall muss geprüft werden, ob eine Therapie mit anfallsunterdrückenden Medikamenten erforderlich ist.

Epilepsie: Wiederholte unprovozierte Anfälle

Von einer Epilepsie spricht man, wenn sich wiederholt unprovozierte epileptische Anfälle ereignen. Dies kann im Rahmen verschiedener Gehirnstörungen auftreten, wie z.B.:

  • Schlaganfall
  • Hirnhaut- oder Gehirnentzündung
  • Hirntumor
  • Narbige Veränderungen nach einer Hirnverletzung
  • Missbildungen/Fehlanlagen des Gehirns bei der Geburtsentwicklung
  • Stoffwechselstörungen

Vielfalt der Anfallsformen

Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Einige sind kaum wahrnehmbar, während andere mit Bewusstseinsverlust und heftigen Muskelkrämpfen einhergehen. Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) teilt die Anfälle grob in folgende Kategorien ein:

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  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle werden von einer Funktionsstörung in einer bestimmten Region des Gehirns ausgelöst. Sie können sich z.B. durch unwillkürliche Zuckungen an einem Arm bei erhaltenem Bewusstsein äußern. Oft verspüren die Betroffenen ein Vorgefühl (Aura).
  • Fokale Anfälle mit Übergang zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen: Diese Anfälle beginnen fokal und breiten sich dann auf das gesamte Gehirn aus, was zu Bewusstseinsverlust und Zuckungen an beiden Armen und Beinen führt.
  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen von Anfang an das gesamte Gehirn und gehen mit einer Bewusstseinsstörung ohne Vorgefühl einher.

Diagnostik bei Verdacht auf Epilepsie

Bei einem ersten Anfall ist es wichtig, möglichst viele Informationen zu sammeln. Die Beschreibung des Anfalls (Semiologie) kann bereits Hinweise auf die betroffene Hirnregion geben. Wichtige Aspekte sind:

  • Anfallsphase (iktale Phase)
  • Unmittelbar folgende Phase (postiktale Phase)
  • Zwischenanfallsphase (interiktale Phase)

Viele Patienten berichten von einer Aura, einem Vorgefühl, das sich z.B. als Sehstörung, Missempfindung, Geruchs- oder Geschmacksstörung, emotionale Erregung oder Déjà-vu-Erlebnis äußern kann. Bei Bewusstseinsverlust ist die Beobachtung durch Dritte sehr hilfreich, um den Anfall zu beurteilen. Auch Handy-Videoaufnahmen können bei der Einordnung des Ereignisses helfen.

Zusätzliche diagnostische Maßnahmen:

  • Blut- und Nervenwasseranalyse
  • Elektroenzephalographie (EEG): Hirnstrommessung zur Aufdeckung von Funktionsstörungen der Hirnrinde
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebung zur Darstellung der Hirnstruktur

Therapie der Epilepsie

Die Therapie der Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu unterdrücken und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Anfallsunterdrückende Medikamente (Anfallssuppressiva): Diese Medikamente werden in der Regel verordnet, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle aufgetreten sind. In Einzelfällen kann bereits nach dem ersten Anfall eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein.
  • Regelmäßige Betreuung durch einen Neurologen: Eine lebenslange Betreuung ist oft notwendig, um den Behandlungserfolg sicherzustellen.
  • Anfallskalender: Das Führen eines Anfallskalenders hilft, Auslöser für Anfälle zu identifizieren und die Häufigkeit des Auftretens besser abzuschätzen.
  • Epilepsiechirurgie oder elektrische Stimulationsverfahren (Vagusstimulator): Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, können diese Verfahren in Betracht gezogen werden.

Komplikationen und Gefahren

Die meisten epileptischen Anfälle dauern nur wenige Sekunden bis Minuten und klingen folgenlos ab. Bei Bewusstseinsverlust besteht jedoch die Gefahr von Verletzungen durch Stürze oder heftige Entäußerungen. In seltenen Fällen kann es zu Knochenbrüchen durch Muskelanspannungen kommen. Während eines Anfalls sollte nicht versucht werden, Gegenstände in den Mundraum einzubringen, um Zahnverletzungen oder Ersticken zu vermeiden. Es ist wichtig, die Atemwege freizuhalten.

Status epilepticus:

Anfälle von längerer Dauer (Status epilepticus) können lebensgefährlich sein und zu Hirnschäden führen. In diesem Fall ist eine sofortige medikamentöse Behandlung erforderlich.

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Epilepsie im Alter

Epilepsie kann in jedem Alter auftreten, auch im höheren Alter. Bei älteren Menschen ist die Diagnose oft schwieriger zu stellen, da die Anfälle sich anders äußern können als bei jüngeren Patienten. Zudem können Begleiterkrankungen und Medikamenteneinnahme die Behandlung erschweren.

Seltene Erkrankungen im Zusammenhang mit Epilepsie

Es gibt einige seltene Erkrankungen, die mit Epilepsie in Verbindung stehen können. Dazu gehören beispielsweise genetische Stoffwechselerkrankungen wie Phenylketonurie (PKU) oder genetische Syndrome wie das Roberts-Syndrom oder das Treacher-Collins-Syndrom. In diesen Fällen ist eine umfassende Diagnostik und interdisziplinäre Behandlung erforderlich.

Psychosoziale Aspekte

Epilepsie kann sich stark auf das soziale Leben der Betroffenen auswirken. Einschränkungen im Beruf, beim Autofahren oder bei Freizeitaktivitäten können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Viele Patienten leiden auch unter psychischen Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Daher ist es wichtig, auch die psychosozialen Aspekte der Erkrankung zu berücksichtigen und den Patienten entsprechende Unterstützung anzubieten.

Forschung und neue Therapieansätze

Die Forschung im Bereich der Epilepsie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es gibt viele neue Ansätze in der Entwicklung, sowohl für neue Medikamente als auch für innovative Therapieverfahren wie z.B. gentherapeutische Ansätze. Auch in der Neurochirurgie hat sich viel getan, so dass komplexere Fälle heute besser operiert werden können. Die Diagnostik hat sich durch invasive Methoden wie das Einsetzen von Elektroden ins Gehirn verbessert. Ein weiteres spannendes Gebiet ist die Genetik, in der immer mehr genetische Ursachen für Epilepsien entdeckt werden.

Selbsthilfe und Unterstützung

Für Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Unterstützung und Informationen anbieten. Spezialisierte Epilepsiezentren bieten eine umfassende Betreuung und Beratung zu allen Fragen rund um die Erkrankung.

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