Gestörter Regelkreis des Nervensystems: Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das für die Steuerung und Koordination nahezu aller Körperfunktionen verantwortlich ist. Ein reibungsloser Informationsfluss innerhalb dieses Systems ist essenziell für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Wenn dieser Informationsfluss gestört ist, kann dies zu einer Vielzahl von Problemen führen.

Die Rolle des Nervensystems und des Hormonsystems

Bei der Regulation von Lebensprozessen wirken Hormon- und Nervensystem zusammen. Das Nervensystem, bestehend aus Gehirn, Rückenmark und einem Netzwerk von Nerven, ermöglicht eine schnelle Kommunikation durch elektrische und chemische Signale. Das Hormonsystem hingegen nutzt Hormone, die über das Blut transportiert werden, um langsamere, aber länger anhaltende Effekte zu erzielen.

Zusammenspiel von Hypothalamus und Hypophyse

Im Hormonsystem hat die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) eine übergeordnete Rolle. Sie hat ungefähr die Größe eines Kirschkerns, wiegt etwa 0,5 g, ist bohnenförmig, liegt unter dem Großhirn und ist über einen Stiel mit einem Bereich des Zwischenhirns - dem Hypothalamus - verbunden. Über den Hypothalamus besteht die Verbindung des Hormonsystems mit dem Nervensystem. Die Hypophyse aber steht wiederum unter Kontrolle des Hypothalamus. Dieser beeinflusst die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse. In Abhängigkeit von den durch die Erregungen in den Nerven übermittelten Informationen werden im Hypothalamus Hormone ausgeschüttet, die die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse hemmen oder in Gang setzen. Die vom Zwischenhirn (Hypothalamus) ausgeschütteten Hormone wirken also auf die Hirnanhangsdrüse. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse wiederum regulieren die Hormonausschüttung des Zwischenhirns. Die Hirnanhangsdrüse produziert nur wenige mg Hormone pro Tag. Diese geringe Menge genügt, um sowohl direkt Prozesse im Körper auszulösen (z. B. durch das Hormon Somatropin das Wachstum) als auch andere Hormondrüsen zur Tätigkeit anzuregen, z. B. Nebennieren, Schilddrüse oder Keimdrüsen. Das ist notwendig, weil es für die Gesundheit und Funktionsfähigkeit unseres Körpers enorm wichtig ist, dass die Konzentration vieler Stoffe nur in ganz engen Grenzen schwankt. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse bewirken die Abgabe derjenigen Hormone ins Blut, die der Konzentrationsänderung entgegenwirken, z. B. einer zuckerreichen Nahrungszufuhr die Ausschüttung von Insulin zur Blutzuckersenkung. Zwischen den Hormondrüsen und der Hirnanhangsdrüse besteht außerdem eine negative Rückkopplung, d. h., wenn die erforderliche Konzentration wieder eingestellt wurde, wird die Hormonproduktion der Hirnanhangsdrüse zur Anregung der Hormondrüsen wieder reduziert. Durch diese Regelkreise ist es möglich, Stoffgleichgewichte im Blut zu realisieren und die Anpassung des Körpers an die jeweiligen aktuellen Bedingungen zu erreichen.

Beispiel: Regulation des Schilddrüsenhormonspiegels

Ein Beispiel für das Zusammenwirken von Hormon- und Nervensystem ist die Regulation des Schilddrüsenhormonspiegels im Blut. Sinkt der Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert ab, so nehmen Sinneszellen in den Blutgefäßen diese Veränderungen wahr (1), über Nerven gelangen die Erregungen ins Zwischenhirn (Hypothalamus, 2). Dort werden Hormone freigesetzt, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion von Hormonen anregen (3), die wiederum die Schilddrüse anregen, Thyroxin zu produzieren (4) und es ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Thyroxinspiegel wieder an (5). Die Zellen des Zwischenhirns (Hypothalamus) registrieren über Nerven diesen Anstieg und stellen die Produktion von Freisetzungshormonen zur Anregung der Hirnanhangsdrüse ein (6). Steigt der Thyroxinspiegel im Blut sehr hoch (5), werden vom Hypothalamus (2) Hemmungshormone gebildet (7), die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion solcher Hormone anregen (8), die der Schilddrüse „befehlen“, die Thyroxinausschüttung zu reduzieren (9). Dadurch sinkt der Thyroxinspiegel im Blut (10) wieder.

Die Nebennieren und ihre Hormone

Jeder Mensch hat 2 Nebennieren. Die Nebennieren liegen am oberen Ende der Nieren. Eine Nebenniere ist etwa 3 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit und wiegt 5-15 Gramm. Die Nebenniere ist umgeben von einer Kapsel und besteht aus der außen liegenden Nebennierenrinde und dem inneren Nebennierenmark. Die Nebennierenrinde produziert viele verschiedene Steroidhormone. Man unterscheidet 3 Hauptgruppen: Kortisol (Glukokortikoid), Aldosteron und Androgene. Menge und Zeitpunkt der Hormonproduktion regelt vor allem das Nebennierenrinden-stimulierende Hormon (adrenocortikotropes Hormon, ACTH) aus der Hypophyse. Die Hormonproduktion unterliegt einem Regelkreis: Soll die Nebennierenrinde mehr Hormone produzieren und ausschütten, produziert der Hypothalamus mehr Corticotrope-releasing Hormon, das die Hypophyse zur Bildung von Nebennierenrinden-stimulierendem Hormon anregt. Dieses stimuliert dann die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde. Die Bildung von Aldosteron wird zusätzlich durch die Menge an Natrium und Kalium im Blut und durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System kontrolliert: Sinkt der Natriumwert im Blut oder steigen der Renin- oder Kaliumwert, ist das ein Reiz für die Nebennierenrinde, mehr Aldosteron zu bilden.

Lesen Sie auch: Enterisches Nervensystem vs. Vegetatives Nervensystem: Ein detaillierter Vergleich

Funktion der Nebennierenrindenhormone

Glukokortikoide: Kortisol wirkt vor allem auf den Stoffwechsel. Es erhöht die Zuckerneubildung, baut Fett ab und erhöht den Abbau von Eiweiß. Zusätzlich wirkt es entzündungshemmend und unterdrückt das Immunsystem. Kortisol ist neben den Katecholaminen ein wichtiges Stresshormon. Es reagiert allerdings langsamer als die Katecholamine Adrenalin oder Noradrenalin. Aldosteron: Aldosteron und andere Mineralokortikoide kümmern sich um den Salz- und Wasserhaushalt. Sie sorgen dafür, dass die Konzentrationen von Natrium und Kalium konstant gehalten werden. Sie bewirken, dass in der Niere und im Darm mehr Natrium in das Blut aufgenommen wird. Da Natrium Wasser bindet, steigt gleichzeitig das Blutvolumen. Der Körper kann so den Blutdruck erhöhen. Androgene: Androgene sind Sexualhormone, die im Körper in das Geschlechtshormon Testosteron umgewandelt werden. Nur etwa 5% der Androgene beim Mann stammen aus der Nebennierenrinde, der Rest wird in den Hoden gebildet. Testosteron fördert das Wachstum und die Funktion von Penis und Hodensack, es reguliert die Produktion der Spermien, fördert die Körperbehaarung, steigert das sexuelle Verlangen und die Potenz und fördert den Muskelaufbau. Bei der Frau äußert sich ein Androgenüberschuss durch Akne und Anzeichen für eine Vermännlichung wie tiefe Stimme, Ausbleiben der Regel, Vermännlichung der Körperproportionen und Vergrößerung der Klitoris. Wie viele Androgene produziert werden, regelt das adrenocortikotropes Hormon (ACTH) aus der Hirnanhangsdrüse.

Stress als Beispiel für die Zusammenarbeit von Hormon- und Nervensystem

Hormon- und Nervensystem wirken auch bei Stresssituationen eng zusammen. Der Begriff „Stress“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch fast täglich verwendet und ist meist mit sehr negativen Vorstellungen verbunden. Eigentlich ist damit eine plötzliche körperliche oder seelische Belastung gemeint. Beispielsweise kennt sicher jeder die folgende Situation: Man hat einen wichtigen Termin, und es ist schon ziemlich spät. Man läuft Gefahr, den letzten Bus, der ein pünktliches Erscheinen ermöglicht, zu verpassen - eine typische Stresssituation. Darauf reagiert unser Organismus. Diese äußeren Umstände bezeichnet man als Stressoren. Die Informationen der Stressoren werden über das Nervensystem aufgenommen und verarbeitet. Durch das vegetative Nervensystem wird das Nebennierenmark aktiviert. Dadurch werden schlagartig Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin) freigesetzt und in das Blut abgegeben. Sie sorgen dafür, dass das Herz schneller schlägt, der Blutdruck steigt und sich die Atemfrequenz erhöht. Durch diese erhöhte Aktivität der Organe kann mehr Sauerstoff aufgenommen und transportiert werden. Gleichzeitig nehmen Zucker- und Fettgehalt im Blut zu. Dadurch werden auch die Brennstoffe zur Energiefreisetzung bereitgestellt. Der Körper hat in kürzester Zeit auf volle Leistungsbereitschaft geschaltet. Die Beinmuskeln können aktiv werden, und mit einem Sprint erreicht man den Bus doch noch. Die erhöhte Adrenalinkonzentration bewirkt außerdem die Ausschüttung eines bestimmten Hormons (ACTH-adeno-corticotropes Hormon) in der Hypophyse, das wiederum zur Freisetzung von Glukokortikoiden (z. B. Kortisol) aus der Nebenniere anregt. Diese Kortikoide beschleunigen die Wundheilung und haben entzündungshemmende Eigenschaften. Der Stress hat unseren Körper also zu Höchstleistungen herausgefordert und sogar zur Steigerung der Widerstandskraft beigetragen. Aus diesen zunächst positiven Stresssituationen können sich nervliche Störungen und Überlastungssymptome entwickeln. Negativ wird Stress erst dann, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt, die körperlichen „Reserven“ nicht „abgerufen“ werden, z. B. durch Bewegung. Dann „kreisen“ die Brennstoffe Zucker und Fett ungenutzt in der Blutbahn. Dauerhaft erhöhte Blutfettwerte können zur Arterienverkalkung beitragen. Durch einen ständig erhöhten Adrenalinspiegel und damit verbunden durch eine erhöhte Konzentration eines bestimmten Hormons der Hirnanhangsdrüse (ACTH-adeno-corticotropes Hormon) kann es bei Dauerstress zu Erschöpfungszuständen kommen.

Ursachen für Störungen im Regelkreis des Nervensystems

Die Ursachen für einen gestörten Regelkreis im Nervensystem können vielfältig sein:

  • Genetische Faktoren: Genetische Defekte können die Entwicklung oder Funktion von Nervenzellen beeinträchtigen.
  • Entzündungen: Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark können Nervenzellen schädigen und die Signalübertragung stören.
  • Traumata: Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks können zu direkten Schäden an Nervenzellen oder zu Unterbrechungen der Nervenbahnen führen.
  • Tumore: Tumore im Gehirn oder Rückenmark können Druck auf Nervenzellen ausüben und deren Funktion beeinträchtigen.
  • Infektionen: Infektionen des Nervensystems, wie z.B. Meningitis oder Enzephalitis, können Nervenzellen schädigen.
  • Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen, wie z.B. Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen, können die Funktion von Nervenzellen beeinträchtigen.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Nervenzellen angreift, können zu Schädigungen und Funktionsstörungen führen.
  • Toxine: Der Kontakt mit bestimmten Toxinen, wie z.B. Schwermetallen oder Pestiziden, kann Nervenzellen schädigen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen.
  • Stress: Intensiver Stress in der frühen Kindheit kann die Arbeitsweise von Genen, die an der Stressreaktion beteiligt sind, so beeinflussen, dass Stresshormone schneller und intensiver ausgeschüttet werden. Das wiesen Neurowissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München an Tieren nach. Dieser Effekt bleibt lebenslang bestehen. Ähnliche Ergebnisse scheint es unter bestimmten genetischen Bedingungen auch bei Menschen zu geben, die ein Trauma erlebt haben, etwa durch eine Naturkatastrophe, durch Missbrauch oder durch Gewalt.
  • Wirbelfehlstellungen: Eine der häufigsten Ursachen für Beeinträchtigungen des Nervensystems ist eine Fehlstellung des Körpers - zum Beispiel bei dauerhaften Fehlbelastungen der Wirbelsäule oder aber bei Verletzungen durch einen Unfall oder Ähnlichem. Wirbelfehlstellungen können den Nerv beispielsweise stark irritieren, sodass ein abgeschwächter oder falscher nervaler Impuls gesendet wird. Eine weitere ist die, dass der Nerv nur sehr geringe Impulse sendet, die nicht ausreichend verarbeitet werden. Sprich: Die Patienten spüren keine Schmerzen oder Beschwerden, obwohl dies eigentlich sinnvoll wäre. Die Folge sind hier häufig Spätfolgen wie mögliche Organfehlfunktionen, die oft erst Jahre später bemerkt und so als Alterserscheinungen abgetan werden.

Morbus Addison als Beispiel für eine Störung der Nebennierenfunktion

Durch verschiedene Erkrankungen kann die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde gestört werden. Durch verschiedene Krankheiten kann es dazu kommen, dass die Nebennierenrinde zu viel Kortisol herstellt. Dieses Krankheitsbild heißt Morbus Cushing. Eine mögliche Ursache ist z. B. ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse, der adrenocortikotropes Hormon produziert, das die Kortisol-Bildung in der Nebennierenrinde fördert. Auch andere bösartige Tumore (z. B. Lungenkrebs) können adrenocortikotropes Hormon bilden und so einen Morbus Cushing auslösen. Die Kortisol-Produktion kann auch durch einen Tumor in der Nebennierenrinde oder durch beidseitig vergrößerte Nebennierenrinden angekurbelt werden und zu einem Morbus Cushing führen. Kranke mit einem voll ausgebildeten Morbus Cushing haben ein ganz typisches Aussehen: Sie haben ein großes, rundes Gesicht, Fettansammlungen im Bauchbereich und im Nacken und dünne Beine und Arme. Die Patienten neigen zu Akne und haben eine dünne, pergamentartige Haut. Es kommt zu Störungen im Zuckerstoffwechsel, manche Patienten entwickeln einen Diabetes. Um einen Morbus Cushing zu behandeln, muss der Arzt zunächst die Ursache finden. Ein Tumor wird - wenn möglich - entfernt oder bestrahlt. Die Aldosteron-produzierenden Zellen in der Nebennierenrinde können sich aus ungeklärten Gründen vermehren. Auch ein Tumor der Nebennierenrinde kann zu einer Aldosteron-Überproduktion führen. Wichtiges Krankheitszeichen einer Aldosteron-Überproduktion ist Bluthochdruck. Außerdem sinken durch Aldosteron die Kaliumwerte im Blut. Der Kaliummangel macht sich durch Muskelschwäche, Verstopfung, häufiges Wasserlassen und großen Durst bemerkbar. Die Krankheit wird entweder mit Medikamenten behandelt oder die auslösende Ursache, z. B. der Tumor, operiert. Produziert die Nebenniere nicht genügend Kortisol, nennen Mediziner dies auch Nebennierenrindeninsuffizienz. Man unterscheidet eine primäre von einer sekundären Form. Bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz liegt die Ursache in der Nebennierenrinde selbst: Die häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Die Hormonzellen können aber auch durch Tumore sowie durch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose zerstört werden. Dabei werden die hormonbildenden Zellen der Nebennierenrinde zerstört, so dass sie keine Hormone mehr bilden können. Diese Krankheit nennt man Morbus Addison. Bei der sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz findet sich die Ursache der Unterfunktion in der Hirnanhangsdrüse oder im Hypothalamus. Ist die Hormonproduktion im Hypothalamus oder in der Hirnanhangsdrüse durch einen Tumor, Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder nach einer Strahlenbehandlung gestört, können die Organe nicht mehr genügend Corticotropin-releasing Hormon (CRH) bzw. Nebennierenstimulierendes Hormon (ACTH) bilden. Fehlen diese beiden Hormone, stellt die Nebennierenrinde nicht mehr genügend Kortisol her. Menschen mit einem Kortisol-Mangel sind müde und antriebslos, verlieren Gewicht und haben einen niedrigen Blutdruck und wenig Appetit. Bei Frauen setzt die Monatsblutung aus, sie verlieren die Schambehaarung. Beim Morbus Addison, sind die Haut (insbesondere Brustwarzen), frische Narben und das Nagelbett dunkler als gewöhnlich. Bei Menschen mit einer Störung im Bereich der Hirnanhangsdrüse ist die Haut blass. Häufig haben die Betroffenen im Alltag keine Beschwerden. Erst wenn der Körper bei körperlichem oder psychischem Stress mehr Kortisol braucht, kann sich die Krankheit plötzlich mit Blutdruckabfall, Schock, Durchfall und Erbrechen äußern. Mediziner nennen diese lebensgefährliche Notsituation „Addison-Krise". Eine Nebennierenrindeninsuffizienz wird mit Kortisol behandelt.

Symptome eines gestörten Regelkreises

Die Symptome eines gestörten Regelkreises im Nervensystem können je nach Ursache und betroffenem Bereich des Nervensystems sehr unterschiedlich sein. Einige häufige Symptome sind:

Lesen Sie auch: Wie das vegetative Nervensystem die Blase beeinflusst

  • Schmerzen: Chronische Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen, können ein Zeichen für eine Störung des Nervensystems sein.
  • Muskelschwäche: Muskelschwäche oder Lähmungen können auf Schädigungen von Nervenzellen hindeuten, die für die Steuerung der Muskeln verantwortlich sind.
  • Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen, wie z.B. Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen, können auf Schädigungen von Nervenzellen hindeuten, die für die Übertragung von sensorischen Informationen zuständig sind.
  • Bewegungsstörungen: Bewegungsstörungen, wie z.B. Zittern, unkoordinierte Bewegungen oder Schwierigkeiten beim Gehen, können auf Schädigungen von Nervenzellen hindeuten, die für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich sind.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Kognitive Beeinträchtigungen, wie z.B. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Sprachstörungen, können auf Schädigungen von Nervenzellen hindeuten, die für kognitive Funktionen verantwortlich sind.
  • Psychische Probleme: Psychische Probleme, wie z.B. Depressionen, Angstzustände oder Stimmungsschwankungen, können mit Störungen im Nervensystem zusammenhängen.
  • Schwindel: Anlass sind meist lokale und/oder ausstrahlende („referred pain“) Schmerzen an der Wirbelsäule, aber auch Symptome wie Schwindel (besser: Dizziness), Tinnitus oder abdominelle Beschwerden können von einer manuellen Intervention profitieren.

Diagnose

Um die Ursache für einen gestörten Regelkreis im Nervensystem zu finden, sind verschiedene diagnostische Verfahren erforderlich. Dazu gehören:

  • Anamnese: Eine ausführliche Befragung des Patienten nach seinen Beschwerden, seiner Krankengeschichte und seinen Lebensumständen.
  • Körperliche Untersuchung: Eine umfassende körperliche Untersuchung, bei der die neurologische Funktion des Patienten überprüft wird.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren, wie z.B. MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie), können helfen, Schädigungen des Gehirns oder Rückenmarks sichtbar zu machen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen, wie z.B. EEG (Elektroenzephalographie) oder EMG (Elektromyographie), können die elektrische Aktivität des Gehirns oder der Muskeln messen und so Funktionsstörungen aufdecken.
  • Laboruntersuchungen: Laboruntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Autoimmunerkrankungen als Ursache für die Beschwerden zu identifizieren.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines gestörten Regelkreises im Nervensystem richtet sich nach der Ursache der Störung. Einige mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren, Stoffwechselstörungen zu behandeln oder die Funktion von Nervenzellen zu verbessern. Gegen den Katecholamin-Mangel verschreibt der Arzt blutdrucksteigernde Medikamente.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelschwäche zu verbessern, Bewegungsstörungen zu reduzieren und die Koordination zu fördern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen,Alltagsaktivitäten wieder selbstständig ausführen zu können.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, psychische Probleme zu bewältigen, die mit der Störung des Nervensystems zusammenhängen.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Tumore zu entfernen, Verletzungen zu beheben oder Druck auf Nervenzellen zu reduzieren.
  • Manuelle Medizin: Damit eine manuelle Therapie zu einer Reduktion der Beschwerden führt, muss eine adäquate manualmedizinische Diagnose vorliegen, denn behandelt wird nicht ein Symptom, sondern immer eine sogenannte Dysfunktion [4]. Das heißt, die Beschwerden müssen Folge einer Dysfunktion sein. Auflösen der Dysfunktion bessert dann mittelbar die Symptome. Beispielsweise wäre eine Behandlung an der Halswirbelsäule bei Drehschwindel wegen Kreislaufschwäche bei AV-Block grundlegend fehlindiziert und kann selbstredend nicht von Erfolg gekrönt sein. Wesentlich ist hierbei, dass ohne korrekte Information über den aktuellen Gelenkwinkel und Muskellänge/-spannung kein gutes Bewegungsprogramm abgerufen werden kann. Je genauer das betroffene Segment mit propriozeptiven Reizen erreicht wird, desto besser ist meist der Therapieerfolg. Ob diese propriozeptiven Reize nun aus Gelenkstrukturen, Muskulatur, Faszien oder Haut und Subkutis kommen, ist zunächst zweitrangig. Entscheidend sind vielmehr die Summe der propriozeptiven Reize und ihre segmentale Zuordnung.

Therapie bei Morbus Addison

Morbus Addison lässt sich nur selten ursächlich behandeln und heilen; die Symptome und Folgen sind aber mit der richtigen Therapie gut kontrollierbar. Die Betroffenen nehmen lebenslang jeden Tag Hormone in Form von Tabletten ein. Am wichtigsten ist Kortison - meist Hydrokortison - als Ersatz für Cortisol. Die jeweilige Dosis ist individuell und wird stetig angepasst. Ein Mangel an Aldosteron lässt sich mit dem Wirkstoff Fludrocortison ausgleichen. Das ist normalerweise nur bei Morbus Addison notwendig, nicht bei einer sekundären Nebenniereninsuffzienz. In bestimmten Situationen benötigt der Körper deutlich mehr Cortisol, etwa bei körperlichem oder psychischem Stress und bei akuten Infektionskrankheiten. In einem gesunden Körper läuft die Nebennierenrinde vorübergehend auf Hochtouren. Menschen mit Morbus Addison müssen ihre Medikation in Absprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin anpassen. Bei Infektionskrankheiten mit moderatem Fieber unter 39 °C erhöht sich in der Regel die benötigte Dosis, bei höherem Fieber steigt sie noch weiter. In Extremfällen kann sich der Bedarf verzehnfachen. Bei Magen-Darm-Erkrankungen kann es notwendig sein, die Hormone in Form einer Spritze zu verabreichen. Halten Sie im Zweifelsfall enge ärztliche Rücksprache! Ist der Hormonmangel nicht oder unzureichend behandelt oder die Diagnose noch nicht gestellt, kann sich als Komplikation eine sogenannte Addison-Krise entwickeln. Dazu kommt es meist in anhaltenden Stresssituationen, nach Operationen oder einer schweren körperlichen Belastung. Die Cortisol- und Aldosteron-Werte sinken rapide ab. Typische Symptome sind: plötzlicher Blutdruckabfall, Schock mit Kreislaufversagen, Durchfall, Erbrechen und Bewusstseinsverlust. Eine Addison-Krise ist eine lebensgefährliche Notfallsituation, bei der eine sofortige Behandlung wichtig ist!

Lesen Sie auch: Sympathikus und Parasympathikus detailliert erklärt

tags: #gestohrter #regelkreis #nervensystem