Getönte Brillen gegen Migräne: Erfahrungen und Wirksamkeit

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit etwa 10 bis 15 % der Bevölkerung betroffen sind. Starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind typische Symptome, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Eine häufige Begleiterscheinung ist die Photophobie, eine Überempfindlichkeit gegenüber Lichteinwirkung. Getönte Brillen, insbesondere solche mit speziellen Filtern, werden zunehmend als eine Möglichkeit zur Linderung dieser Beschwerden in Betracht gezogen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit getönten Brillen gegen Migräne, die verschiedenen Arten von Filtergläsern und ihre Wirkungsweise.

Migräne und Lichtempfindlichkeit

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den am stärksten beeinträchtigenden Kopfschmerzformen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber eine Theorie besagt, dass eine Übererregbarkeit bestimmter Hirnregionen eine Rolle spielt.

Viele Migräniker suchen bei einer Attacke die Dunkelheit auf, da ihre Lichtempfindlichkeit deutlich erhöht ist. Studien haben gezeigt, dass sie besonders sensibel auf Licht zwischen den Wellenlängen 480 nm und 520 nm reagieren.

Die Rolle von getönten Brillen bei Migräne

Getönte Brillen können bei Migräne aus verschiedenen Gründen hilfreich sein:

  • Reduktion der Lichtintensität: Eine allgemeine Tönung reduziert die Menge des einfallenden Lichts und kann so die Augen entlasten.
  • Filterung bestimmter Wellenlängen: Spezielle Filtergläser können bestimmte Wellenlängen des Lichts herausfiltern, die als besonders unangenehm empfunden werden.
  • Korrektur von Sehfehlern: Viele Migränebrillen sind auch mit individueller Sehstärke verglasbar, um Sehfehler zu korrigieren, die möglicherweise zu den Beschwerden beitragen.

Arten von Filtergläsern

Es gibt verschiedene Arten von Filtergläsern, die bei Migräne eingesetzt werden können:

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  • FL-41 Filter: Diese Filter haben eine rosane Tönung und blockieren etwa 50 % des Lichts, insbesondere im blau-grünen Bereich. Studien haben gezeigt, dass sie bei Migräne und Blepharospasmus helfen können.
  • MIGRÄNE-Comfort Filter von Schweizer-Optik: Diese Filter sind in zwei Tönungsstufen erhältlich (22 % und 37 % Absorption) und sollen die Belastung durch Licht- und Blendempfindlichkeit, Bildschirmlicht sowie Leuchtstoffröhrenlicht verringern.
  • Acunis Gläser von Eschenbach Optik: Diese Gläser sind in den Tönungen 25 %, 50 % und 75 % erhältlich und filtern vor allem das blaugrüne Spektrum des Lichts.
  • Kantenfiltergläser: Diese Gläser haben eine Farbgebung von Gelb über Rot und Orange bis Braun und filtern das kurzwellige blaue Licht heraus, wodurch der Kontrast erhöht und das Streulicht reduziert wird. Sie werden häufig bei Augenerkrankungen mit Sehverlust eingesetzt.

Detailbetrachtung der FL-41 Filter

Die rosane Farbgebung der FL-41 Filter mag zunächst ungewohnt erscheinen, aber viele Anwender berichten von einer deutlichen Linderung ihrer Beschwerden. Die Filter blockieren bis zu 50 % des Lichts und reduzieren so die Intensität, die auf die Augen trifft. Es wird jedoch davon abgeraten, normale Sonnenbrillen über einen längeren Zeitraum in Innenräumen zu tragen, da dies die Augen noch empfindlicher auf helles Licht machen kann. FL-41 Filter sind jedoch für den Gebrauch in Innenräumen ausgelegt und sorgen dementsprechend nur für moderate Abdunkelung im Raum.

Schweizer-Optik MIGRÄNE-Comfort Filter

Schweizer-Optik bietet mit MIGRÄNE-Comfort zwei Tönungsstufen für seine Migräne-Brillen an: MIGRÄNE-Comfort 22 sowie MIGRÄNE-Comfort 37. Die Zahlen geben die Auskunft über die Absorption in Prozent des oben genannten Lichtspektrums an. Die Migräne-Brillengläser sind hell genug, um in Innenräumen getragen werden zu können und gleichzeitig kaum farbverfälschend. Mit beiden Filtern ist man zudem tagsüber voll verkehrstauglich - mit dem MIGRÄNE-Comfort 22 sogar nachts.

Acunis Gläser von Eschenbach Optik

Acunis Gläser von Eschenbach Optik filtern verstärkt den Lichtanteil, der von Betroffenen als besonders unangenehm empfunden wird. Je nach Verwendungszweck und Stärke des Blendempfindens sind die roséfarbenen Gläser in den Tönungen 25 %, 50 % oder 75 % erhältlich. acunis® filtert vor allem das blaugrüne Spektrum des Lichts, welches bei Lichtempfindlichkeit, wie sie auch bei Migräne häufig vorkommen kann, von Betroffenen als besonders unangenehm empfunden wird. Die Konzentration auf diesen Wellenlängenbereich hat viele Vorteile: So vermeiden acunis® Gläser, dass sich das Auge aufs “Dunkelsehen” einstellt und die Blendung beim Absetzen noch verstärkt wird. Außerdem können die Komfortgläser sowohl in Innenräumen als auch draußen getragen werden. Ihre Eintönung wirkt sich nur geringfügig auf die Farbwahrnehmung (bei 25% Tönung) im Alltag aus. acunis® Komfortgläser für migränebedingte Lichtempfindlichkeit schützen zudem vor UV-Strahlung und sind verkehrstauglich nach DIN EN ISO 12312.

Kantenfiltergläser

Die Farbgebung der Kantenfiltergläser reicht von Gelb über Rot und Orange bis Braun. Diese Farben filtern das kurzwellige blaue Licht heraus, wodurch der Kontrast erhöht und das Streulicht reduziert wird. Die Hersteller stellen Musterkoffer zur Verfügung, die verschiedene Farbvarianten als Glas oder Vorhalter enthalten. Nicht alle Gläser sind dabei verkehrstauglich.

Selbsttest mit Migräne-Gläsern

Ein Selbsttest einer Augenoptikermeisterin mit Acunis-Gläsern zeigte, dass die Gläser die Wahrnehmung während der Migräne, die von einer erhöhten Blendempfindlichkeit begleitet wurde, stärker veränderten als bei normalen Kopfschmerzen ohne Blendungsempfinden. Die 50-prozentige Tönung wurde als angenehm empfunden, da sie das Licht stärker dämpfte und die Umwelt in wärmeren Farbtönen erscheinen ließ. Die 75-prozentige Tönung war in manchen Situationen zu dunkel und verfälschte die Farben zu stark, während die leichteste Variante (25 %) in den meisten Fällen keine Wirkung zeigte.

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Die Wahrnehmung von Schildern, Ampeln oder auch die anderer Fahrzeuge wurde nicht gravierend verändert oder gestört - auch wenn sich die Farben ins Pink-violette veränderten. Schilder mit helleren Farben wie Gelb oder Weiß wirken mit den beiden starken Tönungen dunkler und kräftiger, waren aber weiterhin gut zu identifizieren. Bei der leichtesten Tönung fand wieder nur eine minimale Veränderung statt. Wichtig ist, dass nur die Gläser der Firma Schweizer mit der 22 prozentigen Tönung nachtfahrtauglich sind. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass das Migräne-Comfort-Glas 37 von Schweizer sowie die drei Acunis-Gläser von Eschenbach Optik in 25, 50 und 75 Prozent ausschließlich bei Fahrten am Tag genutzt werden dürfen.

Weitere Aspekte bei der Auswahl von Migränebrillen

  • Individuelle Bedürfnisse: Die Wahl der richtigen Filtergläser hängt von den individuellen Bedürfnissen und der Stärke der Lichtempfindlichkeit ab. Es ist ratsam, die Gläser vor dem Kauf ausgiebig zu testen, idealerweise zu Hause und im Alltag.
  • Sehfehlerkorrektur: Es ist wichtig, einen eventuellen Sehfehler zu korrigieren, bevor man verschiedene Filter zur Bekämpfung der Migräne ausprobiert. Dadurch wird sichergestellt, dass beide Augen bestmöglich zusammenspielen können.
  • Zusammenarbeit mit Fachleuten: Eine enge Zusammenarbeit mit einem Augenarzt oder Augenoptiker ist wichtig, um die richtige Diagnose zu stellen und die optimale Lösung zu finden.

Was man bei der Auswahl von getönten Brillen beachten sollte

Beim Kauf einer getönten Brille, insbesondere zur Migräneprophylaxe, sollten einige wichtige Punkte beachtet werden:

  • UV-Schutz: Achten Sie auf das Gütezeichen "UV400" und das "CE-Zeichen", die einen zuverlässigen UV-Schutz bescheinigen.
  • Tönungsgrad: Die Tönung sollte dem Sehkomfort bei grellem Tageslicht dienen, aber nicht zu dunkel sein, um die Farbwahrnehmung nicht zu stark zu beeinträchtigen.
  • Material der Gläser: Der UV-Schutz kommt vor allem durch das Material der Gläser zustande, nicht nur durch die Tönung.
  • Qualität: Günstige Modelle verfügen oft über keinen oder nur einen geringen UV-Filter.

Zusätzliche Faktoren, die Migräne beeinflussen können

Neben Lichtempfindlichkeit können auch andere Faktoren Migräne auslösen oder verschlimmern:

  • Stress und Übermüdung: Stress und Schlafmangel sind häufige Auslöser von Migräneattacken.
  • Ernährung: Eine falsche Ernährung oder bestimmte Nahrungsmittel können ebenfalls Migräne begünstigen.
  • Wetterumschwung: Wetteränderungen können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
  • Ungleichgewichte in den Augenmuskeln: Viele Menschen haben Ungleichgewichte in den Augenmuskeln, die oft nicht durch eine Brille korrigiert werden.

Forschung und Entwicklung

Ein Team aus Jena forscht aktuell an den Ursachen von Migräne und an neuen Therapieoptionen. Sie planen, Migränepatienten speziell eingefärbte Kontaktlinsen anzupassen, da sie vermuten, dass die Filterwirkung dieser Linsen, ähnlich wie bei einer Sonnenbrille, zu einer „Entspannung“ der überreizten Hirnareale beitragen kann. Andere Forschergruppen benutzten in früheren Studien speziell getönte Brillengläser, welche durchaus positive Effekte auf die Migräne zeigten.

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