Die Alzheimer-Krankheit (AD) ist die häufigste Ursache für Demenz und betrifft schätzungsweise mehr als 1,4 Millionen Menschen in Deutschland. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Alzheimer-Medizin, einschließlich diagnostischer Verfahren, genetischer Aspekte, bildgebender Verfahren und therapeutischer Ansätze. Ziel ist es, sowohl Fachleuten als auch Laien ein fundiertes Verständnis der komplexen Aspekte dieser Erkrankung zu vermitteln.
Einführung
Demenz ist ein Syndrom, das durch den Abbau von Gedächtnis sowie anderer kognitiver, sozialer und emotionaler Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Die Alzheimer-Krankheit, die etwa 60 % aller Demenzfälle ausmacht, ist durch einen fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Die Symptome müssen über mindestens 6 Monate bestanden haben, um eine Demenz nach ICD zu diagnostizieren.
Diagnostische Verfahren
Klinische Kriterien und neuropsychologische Tests
Die Diagnose einer Alzheimer-Demenz stützt sich auf klinische Kriterien und neuropsychologische Tests. Ein wichtiges klinisches Kriterium ist eine über sechs Monate anhaltende Störung des episodischen Gedächtnisses. Neuropsychologische Tests helfen bei der Beurteilung kognitiver Funktionen und können zur Differenzialdiagnose eingesetzt werden. Zu diesen Tests gehören:
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): zur orientierenden Einschätzung und Schwergradbestimmung.
- DemTect: zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung.
- Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA): zur umfassenderen Beurteilung kognitiver Funktionen.
- Uhren-Test: als ergänzendes Instrument.
Bildgebung
Die Bildgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Differenzierung von Demenzformen.
Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT)
MRT und CT werden standardmäßig eingesetzt, um nicht-neurodegenerative Ursachen auszuschließen. Die MRT ist der CT überlegen, da sie verschiedene Demenzformen besser abgrenzen kann. Eine mediale Temporallappen-Atrophie spricht für M. Alzheimer, während bei frontotemporaler Demenz auch die Frontallappen betroffen sind. Vaskuläre Demenz zeigt oft periventrikuläre Veränderungen oder ungewöhnliche Befunde der weißen Substanz.
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Nuklearmedizinische Bildgebung
Die nuklearmedizinische Bildgebung umfasst verschiedene Methoden, die physiologische und pathophysiologische Prozesse abbilden. Zu den wichtigsten Verfahren gehören:
FDG-PET (Fluordesoxyglucose-Positronenemissionstomographie): Quantifiziert den Glukoseverbrauch im Gehirn. Bestimmte Demenzformen zeigen im Gruppenvergleich typische Muster. Die FDG-PET hat ihre größte Trennschärfe in der initialen Beurteilung des Mild Cognitive Impairment (MCI) und in der Differenzialdiagnostik zwischen M. Alzheimer und frontotemporaler Demenz.
Amyloid-PET: Visualisiert Amyloid-Plaques im Gehirn. Eine negative Amyloid-PET schließt Krankheitsbilder mit vermehrter neuritischer β-Amyloid-Anreicherung aus, z.B. M. Alzheimer und z.T. Levy-Body-Demenz (LBD).
SPECT (Single-Photonen-Emissionscomputertomographie): Misst die zerebrale Perfusion und Dopamintransporter-Verfügbarkeit. Die SPECT mit dem Dopamintransporter(DAT)-Liganden [123I]FP-CIT dient der Visualisierung und Quantifizierung der Integrität des nigrostriatalen dopaminergen Systems. Sie spiegelt die präsynaptische striatale DAT-Dichte wider und ist besonders hilfreich in der Differenzialdiagnose zwischen DLK und AD.
Liquordiagnostik
Die Liquordiagnostik dient zum Ausschluss akuter oder chronisch entzündlicher Hirnerkrankungen. Bei Alzheimer-Patienten ist der Wert für das Beta-Amyloid-Peptid Aß42 erniedrigt, während der Wert für Gesamt-Tau und für Phospho-Tau (pTau) erhöht ist. Besonders aussagekräftig ist das Verhältnis von Aß42 zu Aß40.
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Genetische Aspekte
Die Alzheimer-Krankheit hat eine erbliche Komponente, wobei Mutationen auf verschiedenen Genen die Entwicklung der Krankheit begünstigen können. Der Gesamtanteil der erblichen Fälle unter allen Alzheimer-Erkrankten beträgt weniger als 5 %. Das APOE-ɛ4-Allel ist ein bekannter Risikofaktor für die AD.
Differenzialdiagnose
Die Differenzialdiagnose ist entscheidend, um Alzheimer von anderen Demenzformen und Erkrankungen abzugrenzen. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:
- Vaskuläre Demenz: Entsteht durch vaskuläre Hirnschädigungen.
- Frontotemporale Lobärdegeneration: Gekennzeichnet durch Verhaltensauffälligkeiten und/oder Veränderungen der Sprache.
- Lewy-Körperchen-Demenz (DLK): Nach dem Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Demenz.
- Parkinson-Krankheit mit Demenz: Demenz tritt mehr als ein Jahr nach der Parkinson-Symptomatik auf.
Therapieansätze
Die Behandlungsoptionen bei einer Alzheimererkrankung sind nach wie vor begrenzt. Die zugelassenen Medikamente zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Medikamentöse Therapie
Cholinesterasehemmer: Donepezil, Galantamin und Rivastigmin sind bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zugelassen. Sie wirken dosisabhängig und sollten unter Beachtung der Verträglichkeit möglichst auf die maximale zugelassene Dosierung aufdosiert werden.
Memantin: Wirkt positiv auf Alltagsfunktionen, Kognition und Gesamteindruck.
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Ginkgo biloba (EGb 761): Es gibt Hinweise auf die Wirksamkeit von Ginkgo biloba auf die Kognition bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz sowie auf nicht-psychotische Verhaltenssymptome.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Kognitive Verfahren: Kognitive Stimulation und Reminiszenzverfahren können sich positiv auswirken.
- Ergotherapie: Kann bei leichter und mittelschwerer Demenz unter Einbeziehung der Bezugspersonen zum Erhalt von Alltagsfunktionen beitragen.
- Körperliche Aktivierung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senken.
- Musiktherapie: Vor allem bei psychischen und Verhaltenssymptomen.
- Kunsttherapie und Tanztherapie: Können ebenfalls positive Effekte haben.
- Sensorische Verfahren: Können beruhigend wirken.
Psychotrope Medikamente
Bei unzureichender Wirkung verfügbarer psychosozialer Interventionen und Therapie mit Antidementiva ist gelegentlich die Anwendung psychotroper Medikamente (Antipsychotika, Antidepressiva, Antikonvulsiva, Tranquilizer) erforderlich. Dabei ist zu beachten, dass die Anwendung psychotroper Medikamente mit anticholinerger Wirkung die Kognition verschlechtern und Delirien auslösen kann. Sedierende Medikamente sollten aufgrund negativer Auswirkungen auf die Kognition und erhöhter Sturzgefahr ebenfalls vermieden werden.
Innovative Ansätze und Forschung
Die Forschung im Bereich der Alzheimer-Medizin ist intensiv und zielt darauf ab, neue Therapieansätze zu entwickeln, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Dazu gehören:
- Amyloid-Antikörper: Die Zulassung des Amyloid-Antikörpers Aducanumab in den USA hat gemischte Gefühle erzeugt, da die Wirksamkeit umstritten ist.
- Tau-Inhibitoren: Substanzen, die die Bildung von Tau-Fibrillen verhindern sollen.
- Genetische Studien: Identifizierung von Suszeptibilitätsfaktoren und Risikogenen.
- Früherkennung: Entwicklung von Methoden zur Früherkennung der Alzheimer-Krankheit, um den Zerstörungsprozess im Gehirn frühzeitig zu erkennen und zu stoppen.
Bedeutung der Früherkennung
Die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit ist entscheidend, da nur dann die Chance besteht, den Krankheitsprozess zu stoppen. Moderne Verfahren zur Diagnostik, wie z.B. die molekulare Bildgebung mit PET und SPECT, ermöglichen eine genauere Diagnose und Differenzierung von Demenzformen.
Herausforderungen und Perspektiven
Trotz der Fortschritte in der Alzheimer-Medizin gibt es noch viele Herausforderungen. Die Entwicklung wirksamer Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können, bleibt ein wichtiges Ziel. Die Früherkennung und Differenzierung von Demenzformen sowie die Berücksichtigung genetischer und umweltbedingter Risikofaktoren sind entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.