Parkinson-Patienten erleben im Laufe ihrer Erkrankung oft ungewollte Veränderungen des Körpergewichts. Während viele Betroffene eher unter Gewichtsverlust leiden, kann es auch zu einer Gewichtszunahme kommen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für eine Gewichtszunahme bei Parkinson und gibt Hinweise zu Ernährung und Lebensstil, die helfen können, ein gesundes Gewicht zu halten.
Einführung
Eine ausgewogene Ernährung ist für Menschen mit Parkinson von großer Bedeutung. Sie dient nicht nur der Energieversorgung, sondern auch der Zufuhr wichtiger Nährstoffe, die den Körper unterstützen und das Wohlbefinden steigern. Im Idealfall verbindet eine gute Ernährung Genuss und Freude am Essen.
Ursachen für Gewichtszunahme bei Parkinson
Eine Gewichtszunahme bei Parkinson kann verschiedene Ursachen haben:
- Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente, insbesondere L-Dopa, können den Appetit steigern und zu einer Gewichtszunahme führen.
- Bewegungsmangel: Motorische Symptome wie Steifigkeit und Unbeweglichkeit führen oft zu einem Bewegungsmangel. Dadurch sinkt der Kalorienverbrauch, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann.
- Veränderter Stoffwechsel: Bei manchen Parkinson-Patienten verändert sich der Stoffwechsel, was zu einer geringeren Kalorienverbrennung und somit zu einer Gewichtszunahme führen kann.
- Depressionen: Depressionen treten bei Parkinson häufig auf und können zu verändertem Essverhalten führen. Einige Betroffene kompensieren ihre negative Stimmung durch vermehrtes Essen, was eine Gewichtszunahme zur Folge haben kann.
- Ernährungsumstellung: Die Diagnose Parkinson kann zu einer veränderten Wahrnehmung von Essen und Ernährung führen. Einige Betroffene versuchen, ihre Ernährung "besonders gesund" zu gestalten, was aber ungewollt zu einer erhöhten Kalorienzufuhr führen kann.
- Eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn: Viele Parkinson-Patienten leiden unter einem verminderten Geruchs- und Geschmackssinn. Dies kann dazu führen, dass sie Speisen stärker würzen oder zu süßen bzw. fettreichen Lebensmitteln greifen, um den Geschmack zu intensivieren.
Die Rolle der Ernährung bei Parkinson
Es gibt zwar keine spezielle Diät, die Parkinson heilen kann, aber eine zielgerichtete Ernährung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen und den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen.
Ausgewogene Ernährung als Schlüssel
Eine ausgewogene Ernährung ist das A und O. Sie sollte sich aus Gemüse, Obst und tierischen Produkten zusammensetzen, um dem Körper die notwendige Energie zu liefern und gleichzeitig den Genuss am Essen zu erhalten.
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Mediterrane Ernährung als Vorbild
Die mediterrane Küche bietet eine gute Grundlage für eine ausgewogene Ernährung bei Parkinson. Sie zeichnet sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln, die schonend zubereitet werden, aus.
Wichtige Nährstoffe für Parkinson-Patienten
- Vitamin D: Menschen mit Parkinson haben oft niedrigere Vitamin-D-Spiegel, da sie sich weniger im Freien aufhalten. Ein Vitamin-D-Mangel kann zu Osteoporose und einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche führen.
- Vitamin B12: Ein Vitamin-B12-Mangel kann Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, gedrückte Stimmungslage und Reizbarkeit auslösen. Er kann auch zu Schädigungen der kleinen Nervenendigungen in Füßen und Händen führen.
- Ballaststoffe: Ballaststoffe verbessern die Verdauung und wirken Verstopfung entgegen, einem häufigen Problem bei Parkinson.
Ernährungstipps für Parkinson-Patienten
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten, um den Magen-Darm-Trakt nicht zu überlasten und eine gleichmäßige Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
- Ballaststoffreiche Ernährung: Integrieren Sie Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte in Ihre Ernährung, um die Verdauung zu fördern.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich mindestens 2,5 Liter Wasser, um die Verdauung zu unterstützen und Verstopfung vorzubeugen.
- Eiweißzufuhr beachten: Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr, da Eiweiß ein wichtiger Baustein für Zellen und Muskeln ist. Verteilen Sie die Eiweißmenge jedoch auf mehrere kleine Portionen über den Tag, um die Wirkung von L-Dopa nicht zu beeinträchtigen.
- L-Dopa-Einnahme optimieren: Nehmen Sie L-Dopa idealerweise auf nüchternen Magen und mindestens 30 Minuten vor der nächsten Mahlzeit ein. Vermeiden Sie die Einnahme von L-Dopa mit eiweißhaltigen Getränken.
- Genussvoll essen: Nehmen Sie sich Zeit für die Zubereitung der Speisen, essen Sie bewusst und genießen Sie Ihre Mahlzeiten.
- Kochen als Therapie: Nutzen Sie das Kochen als Therapie, um sich abzulenken und Ihre Feinmotorik zu trainieren.
- Gewürze und Kräuter: Verwenden Sie Kräuter und Gewürze, um den Geschmack der Speisen zu verbessern und den Appetit anzuregen.
- Salzkonsum reduzieren: Vermeiden Sie übermäßiges Salzen der Speisen, da dies zu weiteren Ernährungs- und Verdauungsstörungen führen kann.
- Ernährungsberatung: Lassen Sie sich von einer Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater beraten, um eine individuelle Ernährungsstrategie zu entwickeln.
Umgang mit spezifischen Herausforderungen
Parkinson-Patienten stehen oft vor besonderen Herausforderungen in Bezug auf ihre Ernährung. Hier sind einige Tipps, wie Sie mit diesen Herausforderungen umgehen können:
Schluckstörungen
- Passen Sie die Konsistenz der Nahrung an, indem Sie Speisen weich kochen, zerkleinern oder pürieren.
- Verwenden Sie Verdickungsmittel, um Getränke und Suppen anzudicken.
- Nehmen Sie kleine Bissen und kauen Sie gründlich.
- Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung beim Essen.
- Konsultieren Sie eine Logopädin oder einen Logopäden, um Schluckübungen zu erlernen.
Verstopfung
- Erhöhen Sie die Ballaststoffzufuhr durch Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.
- Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, um die Darmtätigkeit anzuregen.
- Verwenden Sie bei Bedarf milde Abführmittel.
Mangelndes Geschmacksempfinden
- Verwenden Sie Kräuter und Gewürze, um den Geschmack der Speisen zu verbessern.
- Experimentieren Sie mit verschiedenen Aromen und Texturen.
- Achten Sie auf eine ansprechende Präsentation der Speisen.
Übelkeit und Erbrechen
- Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.
- Vermeiden Sie fettreiche und stark gewürzte Speisen.
- Trinken Sie Ingwertee oder nehmen Sie Ingwerkapseln ein.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Medikamente gegen Übelkeit.
Gewichtskontrolle und Bewegung
Eine regelmäßige Gewichtskontrolle ist wichtig, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Als Faustregel gelten 25 bis 30 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht. Bewegung ist ebenfalls entscheidend, um den Kalorienverbrauch zu erhöhen und die Muskelmasse zu erhalten.
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