Knieschmerzen können sich durch Brennen, Ziehen und Ausstrahlen äußern und jeden Schritt zur Qual machen. Selbst in Ruhe kann das Pochen im Gelenk anhalten, was die Beweglichkeit im Alltag stark einschränkt. Das Knie ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und verbindet den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein. Es ermöglicht Beugung, Streckung und Drehung des Beins, unterstützt durch Bänder und Sehnen, einschließlich des bekannten Kreuzbandes.
Aufbau und Funktion des Kniegelenks
Das Kniegelenk ist ein komplexes System, das aus verschiedenen Komponenten besteht, die zusammenarbeiten, um Bewegung und Stabilität zu gewährleisten.
Knochen und Kniescheibe
Im Knie treffen der Oberschenkelknochen (Femur), die Kniescheibe (Patella) und das Schienbein (Tibia) aufeinander. Die Kniescheibe, eine Mischung aus Knorpel und Knochen, vergrößert den Winkel zwischen Oberschenkel und Schienbein.
Seitenbänder
Das Innenband (Ligamentum collaterale mediale) und das Außenband (Ligamentum collaterale laterale) stabilisieren das Kniegelenk seitlich und verhindern ein Aufklappen des Gelenks.
Kreuzbänder
Das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius) und das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius) verlaufen schräg gegensätzlich und stabilisieren das Kniegelenk bei Bewegungen des Beins auf einer horizontalen Achse.
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Menisken
Die Menisken (Meniscus medialis und Meniscus lateralis) sind Zwischengelenksscheiben, die die Gelenkfläche des Knies vergrößern und den Druck auf das Gelenk verteilen. Sie dienen als Stoßdämpfer und gleichen Formunterschiede zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein aus.
Schienbein und Wadenbein
Das Wadenbein (Fibula) ist nicht direkt am Kniegelenk beteiligt, aber Bänder, Sehnen und Muskeln, die am Wadenbein ansetzen, sorgen für Beweglichkeit und Stabilität des Kniegelenks.
Gelenkknorpel
Der Knorpel dient als Gelenkpuffer, der eine schmerzfreie Bewegung des Knies ermöglicht, indem er verhindert, dass die Knochen direkt aufeinanderliegen und sich reiben.
Ursachen von Knieschmerzen
Die Ursachen für Knieschmerzen sind vielfältig und hängen von Faktoren wie Lokalisation, Art und Intensität der Schmerzen ab.
Überlastung
Sport stärkt Bänder, Sehnen und Knochen, aber bei unausgewogenem Verhältnis von Belastung und Regeneration können Überlastungserscheinungen auftreten.
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Arthrose
Arthrose bezeichnet den übermäßigen Verschleiß des Gelenkknorpels, wodurch die Knochen bei Bewegung direkt aufeinander reiben und Schmerzen verursachen.
Entzündliche Erkrankungen
Rheuma und andere entzündliche Krankheiten können Entzündungsherde im Kniegelenk hervorrufen.
Stoffwechselerkrankungen
Krankheitsbilder wie Hämophilie, Gicht, Eisenspeicherkrankheit oder Pseudogicht können Knieschmerzen begünstigen und das Knie sogar verformen.
Fehlstellungen und Verletzungen
Fehlstellungen wie X- oder O-Beine können Knieschmerzen verstärken. Akute Verletzungen wie Bänderrisse, Meniskusschäden oder Knochenbrüche können ebenfalls zu plötzlichen Knieschmerzen führen.
Nervenreizung
Brennende Schmerzen können durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden.
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Symptome von Knieschmerzen
Knieschmerzen können sich auf verschiedene Weisen äußern und an unterschiedlichen Stellen im Knie lokalisiert sein.
Art der Schmerzen
- Stechende Schmerzen: Können auf einen Bänder- oder Meniskusriss hindeuten und treten oft plötzlich nach Belastungen auf.
- Dumpfe Schmerzen: Können auf eine Knochennekrose, einen unbehandelten Meniskusriss oder eine Fehlform der Kniescheibe hinweisen.
- Brennende Schmerzen: Sind typisch für einen eingeklemmten Nerv.
Lokalisation der Schmerzen
- Vorderer Knieschmerz: Kann durch eine Patelladysplasie, das Patella-Spitzen-Syndrom oder eine Bursitis verursacht werden.
- Äußere Knieschmerzen: Können auf Probleme mit den Kollateralbändern, ein Runners-Knee (ITBS) oder eine Außenmeniskus-Verletzung hindeuten.
- Innere Knieschmerzen: Sind oft auf Probleme mit den inneren Seitenbändern oder Strukturen im inneren Bereich des Kniegelenks zurückzuführen.
- Knieschmerzen in der Kniekehle: Können durch eine Baker-Zyste oder eine Venenthrombose verursacht werden.
Schmerzen bei bestimmten Bewegungen
- Knieschmerzen nach Lauftraining: Können durch Überlastung, Knorpelschäden oder eine Schleimbeutelentzündung verursacht werden.
- Knieschmerzen nach dem Aufstehen: Können auf Kniearthrose oder das Patellaspitzensyndrom hindeuten.
- Knieschmerzen beim Treppensteigen: Können durch Knorpelschäden, Schleimbeutelentzündung oder einen Kreuzbandriss verursacht werden.
- Knieschmerzen beim Hocken oder Knie beugen: Können auf Probleme mit der Kniescheibe oder dem Gelenk zwischen Oberschenkel und Kniescheibe hindeuten.
- Knieschmerzen nach Zusammenprall beim Sport oder Sturz: Können auf Kreuzband- oder Meniskusriss, Seitenbandriss, Tibiakopffraktur oder Fraktur der Kniescheibe hindeuten.
Begleitende Symptome
- Schwellung und Überwärmung: Deuten auf eine Entzündung hin.
- Bewegungseinschränkung: Kann durch Schmerzen oder Blockaden verursacht werden.
- Knackgeräusche: Können auf eine Schädigung der Knorpelfläche hindeuten.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Knieschmerzen langanhaltend und stark sind.
- Die Schmerzen schubweise auftreten.
- Die Ursache der Schmerzen unklar ist.
- Die Knieschmerzen mit Rötung, Schwellung, Überwärmung, Blutergüssen, eingeschränkter Beweglichkeit oder Fieber einhergehen.
- Der Verdacht auf eine Verletzung von Menisken, Bändern oder Knorpel besteht.
Diagnose von Knieschmerzen
Die Diagnose von Knieschmerzen umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach der Krankengeschichte, einschließlich der Art, Lokalisation und des Verlaufs der Schmerzen sowie möglicher Auslöser und Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beweglichkeit des Knies, tastet Sehnen und Bänder ab und führt Funktionstests durch, um die Stabilität des Knies zu beurteilen.
- Bildgebende Untersuchungen: Ultraschall, Röntgen, MRT oder CT können eingesetzt werden, um die Ursache der Knieschmerzen zu identifizieren.
Erste Hilfe und Behandlung von Knieschmerzen
PECH-Regel
Die PECH-Regel ist eine bewährte Methode zur Erstversorgung bei akuten Knieschmerzen:
- Pause: Entlasten Sie das akut schmerzende Knie sofort.
- Eis: Kühlen Sie das Knie, um Schwellungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.
- Compression: Legen Sie einen Verband oder eine Bandage an, um das Gelenk zu stabilisieren und Schwellungen zu reduzieren.
- Hochlagern: Legen Sie das Knie hoch, idealerweise über Herzhöhe, um den Abtransport von Gewebsflüssigkeit und Entzündungsstoffen zu fördern.
Weitere Maßnahmen
- Kühlen: Verwenden Sie Eiswürfel in einem Plastikbeutel oder Gelpads aus dem Tiefkühlfach.
- Wickel: Quark- oder essigsaure Tonerde-Wickel können Schwellungen und Entzündungen reduzieren.
- Pflanzenauszüge: Lösungen mit ätherischen Ölen oder antientzündlichen Pflanzenauszügen können schmerzlindernd wirken.
- Bandagen und weiche Sohlen: Ein Verband oder vorgeformte Bandagen können das Kniegelenk stützen. Schuhe mit weichen, federnden Sohlen dämpfen harte Stöße auf das Kniegelenk.
- Muskeln stärken: Regelmäßige Bewegung baut Muskeln auf und erhält die Beweglichkeit des Gelenkes. Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aqua-Gymnastik, Nordic Walking, Fahrradfahren und Skilanglauf sind empfehlenswert.
Ärztliche Behandlung
Die ärztliche Behandlung von Knieschmerzen hängt von der Ursache ab und kann Folgendes umfassen:
- Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können als Tabletten oder schmerzlindernde Gels eingesetzt werden, um Entzündungen zu hemmen, Schwellungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Kann helfen, die Muskeln rund um das Knie zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Injektionen: Kortikosteroide oder Hyaluronsäure können in das Kniegelenk injiziert werden, um Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu verbessern.
- Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Knieschmerzen zu beheben, z. B. bei einem Meniskusriss, einem Kreuzbandriss oder einer schweren Arthrose.
Vorbeugung von Knieschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Knieschmerzen vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung: Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Walking helfen, die Muskeln rund um das Knie zu stärken und die Gelenke beweglich zu halten.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht belastet die Kniegelenke zusätzlich. Eine Gewichtsreduktion kann helfen, Knieschmerzen vorzubeugen.
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und vermeiden Sie langes Arbeiten in der Hocke oder auf den Knien.
- Aufwärmen vor dem Sport: Wärmen Sie sich vor dem Sport gründlich auf, um die Muskeln und Gelenke auf die Belastung vorzubereiten.
- Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie Schuhe mit guter Dämpfung und Unterstützung, um die Kniegelenke zu entlasten.
- Vermeidung von Überlastung: Steigern Sie die Trainingsintensität langsam und vermeiden Sie abrupte Bewegungen und Richtungswechsel.
Nervenreizung in der Kniekehle
Eine Nervenreizung in der Kniekehle kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wie z.B. Meniskusschäden, Sehnenentzündungen, Fehlbelastungen, Überlastungen oder muskuläre Verhärtungen. Symptome können Schmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen sein. Die Diagnose umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann Massagen, orthopädische Schuheinlagen, entzündungshemmende Salben, Eispack-Behandlungen, Cortison oder Schmerzmittel umfassen. Dehnübungen und Faszienbehandlungen können ebenfalls hilfreich sein.
Sehnenentzündung im Knie
Eine Sehnenentzündung im Knie (Tendinitis) kann durch chronische Überbeanspruchung, Achsfehlstellungen oder eintönige Bewegungsabläufe entstehen. Typische Symptome sind zunehmende Schmerzen bei Belastung des Knies. Die Diagnose umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. Die Behandlung umfasst Entlastung, Kühlung, Schmerzmittel, Physiotherapie und in einigen Fällen eine Operation.