Lichen Sclerosus (LS) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vor allem den Genitalbereich betrifft und mit belastenden Symptomen wie Juckreiz, Brennen, Rötungen und Schmerzen einhergeht. Die Erkrankung kann bei Frauen, Männern und Kindern auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen, Beschwerden zu lindern und schwerwiegende Komplikationen wie Vernarbungen oder die Entstehung von Karzinomen zu verhindern.
Was ist Lichen Sclerosus?
Lichen Sclerosus ist eine chronische, nicht-infektiöse und nicht heilbare entzündliche Hauterkrankung. Typische Symptome sind Juckreiz, Brennen, Rötungen und feine Risse im Genitalbereich. Im späteren Verlauf können sich elfenbeinfarbene Papeln und Plaques bilden, die Haut wird dünner, verletzlicher und vernarbt. Bei Frauen kann sich der Scheideneingang verengen, bei Männern häufig die Vorhaut. Dies führt zu Schmerzen, sexuellen Funktionsstörungen und psychischer Belastung.
Die Ursachen von Lichen Sclerosus sind bislang ungeklärt. Schätzungen zur Verbreitung der Krankheit variieren, wobei die Prävalenz bei Kindern und postmenopausalen Frauen zwischen 0,1 und 3 Prozent liegt. Expertinnen und Experten betonen, dass Lichen Sclerosus nicht selten sei, aber oft nicht erkannt werde.
Aktuelle S3-Leitlinie für Deutschland
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) haben die aktuelle europäische S3-Leitlinie für Lichen Sclerosus für Deutschland angepasst. Ziel der Leitlinie ist es, Fachleute und Betroffene für die chronische Erkrankung im Genitalbereich zu sensibilisieren und die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Ein wichtiger Aspekt der Leitlinie ist die Empfehlung zur interdisziplinären Betreuung der Patientinnen und Patienten. Spezialisierte LS-Zentren, in denen Dermatologie, Gynäkologie, Urologie, Kinderchirurgie, Psychotherapie, Physiotherapie und Sexualmedizin eng kooperieren, können eine optimierte Versorgung gewährleisten.
Lesen Sie auch: Schädigung der Ohrläppchennerven
Therapie mit Glukokortikoiden
Zentraler Bestandteil der neuen Leitlinie ist die Behandlung mit hochpotenten topischen Glukokortikoiden wie Clobetasolpropionat oder Mometasonfuroat. Diese Wirkstoffe werden in der Regel als Salbe angewendet, da Salben fettreicher sind und den Wirkstoff länger auf der Haut verfügbar machen.
Die frühzeitige Therapie mit Glukokortikoiden kann das Fortschreiten der Krankheit stoppen und Beschwerden lindern. Es ist wichtig, die Therapie konsequent durchzuführen, um Vernarbungen, die Entstehung von Karzinomen und Einbußen der Lebensqualität zu verhindern.
„Mit der Behandlung können wir das Fortschreiten der Krankheit stoppen und Beschwerden lindern. Allerdings soll diese möglichst früh einsetzen, um Folgen wie Vernarbungen, die Entstehung von Karzinomen aufgrund der chronischen Entzündung und Einbußen der Lebensqualität zu verhindern“, erläutert Linn Wölber, Koordinatorin der Leitlinie und Leiterin des Dysplasiezentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Bedeutung von Emollientien
Zusätzlich zur Behandlung mit Glukokortikoiden können Emollientien, also feuchtigkeitsspendende und hautpflegende Substanzen, eine zusätzliche Linderung der Symptome bewirken. Emollientien stärken die Hautbarriere und tragen zur Verbesserung der Symptomkontrolle bei.
„Wir empfehlen unseren Patientinnen und Patienten mindestens zweimal täglich Emollientien aufzutragen, um die Hautbarriere zu stärken“, ergänzt Gudula Kirtschig, Dermatologin am Medbase Gesundheitszentrum Frauenfeld in der Schweiz.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz
Operative Maßnahmen
Bei Jungen und Männern mit Lichen Sclerosus kann eine Entfernung der Vorhaut (Zirkumzision) in Betracht gezogen werden, wenn die topische Therapie mit Glukokortikoiden nicht ausreichend wirksam ist. In Fällen, in denen sich der Scheideneingang bei Frauen stark verengt hat, können operative Maßnahmen erforderlich sein, um die Beschwerden zu lindern.
Patientenschulungen und Selbsthilfe
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Leitlinie liegt auf Patientenschulungen. Eine umfassende Aufklärung zur Anatomie und zum klinischen Erscheinungsbild des LS ist wichtig, um die Patientinnen und Patienten in die Lage zu versetzen, ihre Erkrankung besser zu verstehen und den Verlauf aktiv zu beobachten.
Auch für Betroffene selbst enthält die Leitlinie praktische Hinweise:
- Reizende Substanzen wie Seife sollten vermieden werden.
- Zweimal täglich ist eine parfümfreie, fetthaltige Salbe aufzutragen.
- Kratzen verschlimmert die Symptomatik erheblich und sollte daher unbedingt unterlassen werden.
- Locker sitzende Kleidung, Baumwoll- oder Seidenwäsche sowie eine angepasste Sitzposition beim Sport wie Radfahren oder Reiten können Beschwerden lindern.
- Ergänzend kann der Austausch mit Patientinnen- und Patientenorganisationen hilfreich sein.
Lasertherapie als neue Behandlungsoption
Neben der klassischen Therapie mit Glukokortikoiden und Emollientien gibt es auch neue Behandlungsansätze wie die CO2-Lasertherapie. In einer Studie am Marien Hospital Herne wurde die CO2-Soft-Touch-Lasertherapie im Vergleich zur Kortisontherapie zur Behandlung von Lichen Sclerosus getestet. Das Ergebnis: Lasern ist effektiver als Kortison, besonders wirksam ist die Kombination aus beiden Methoden.
Bei der CO2-Lasertherapie werden punktförmige CO2-Lichtimpulse auf die betroffenen Stellen angewendet. Die Laserbehandlung regt die Neubildung von Kollagen in der Haut an und verbessert die Durchblutung. In der Studie reagierten 70 % der Probandinnen positiv auf die Lasertherapie, während es bei der Kortisontherapie nur 60 % waren.
Lesen Sie auch: Funktionsweise hemmender Synapsen
Eine weitere Form der Lasertherapie ist die abrasive Lasertherapie mit dem Co2-Laser. Hierbei wird durch die Laserbehandlung die Neubildung von Kollagen in der Haut angeregt und eine verbesserte Durchblutung erzielt.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Lasertherapie bei Lichen Sclerosus in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird und eine vorherige Kostenübernahme-Erklärung der Kasse erforderlich ist.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Neben den genannten Therapien können auch weitere Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen:
- Entspannungsverfahren wie Hypnose oder Yoga
- Dehnen des Scheideneingangs mit Dilatatoren
- Übungen zur Entspannung des Beckenbodens
- Eine Ernährung, die für weichen Stuhlgang sorgt
tags: #gibt #es #neue #behandlungsmethoden #lichen #skleroses