Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das jedoch oft unterschätzt wird. Viele Betroffene greifen schnell zu Schmerztabletten, was jedoch bei übermäßigem Gebrauch zu noch stärkeren Kopfschmerzen führen kann. Die Sendung "Visite" in der Mediathek widmet sich dem Thema Migräne und Kopfschmerzen und beleuchtet Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und innovative Therapieansätze.
Kopfschmerzen: Ein Ernstzunehmendes Problem
Kopfschmerzen werden oft als Bagatelle abgetan, doch sie können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Wer häufig zu Schmerzmitteln greift, um die Beschwerden zu lindern, riskiert einen Teufelskreis.
Der Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz
Wer an mehr als zehn Tagen im Monat zu Medikamenten gegen Kopfschmerzen greift, riskiert den sogenannten Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz. Daraus kann im schlimmsten Fall ein chronischer Kopfschmerz entstehen. Die Symptome sind denen der Migräne oder des Spannungskopfschmerzes ähnlich und deshalb schwer von den ursprünglichen Schmerzen zu unterscheiden. Es ist daher wichtig zu erkennen, ob man darunter leidet und wie man aus diesem Teufelskreis wieder herauskommt.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland rund 10 bis 15 Prozent der Menschen betroffen sind, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Migräne zeichnet sich durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken aus, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Die Dauer der einzelnen Anfälle beträgt drei bis 72 Stunden, also bis zu drei Tage. Körperliche Belastung verstärkt die Symptome. Betroffene müssen in der Regel Bettruhe einhalten, am besten in einem kühlen, abgedunkelten Raum. Etwa ein Viertel der Menschen mit Migräne haben bereits vor der Kopfschmerz-Attacke neurologische Symptome, was als sogenannte Aura bezeichnet wird. Unter vestibulärer Migräne verstehen Fachleute Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen. Der Schwindel hält meist für wenige Minuten bis viele Stunden an.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die Ursachen von Migräne sind noch nicht restlos geklärt. Die Veranlagung ist genetisch bedingt. Viele Betroffene scheinen eine besonders hohe Aufmerksamkeit für verschiedenste Reize und eine schnelle Reizverarbeitung zu haben, was das Nervensystem irgendwann überlastet. Insgesamt handelt es sich um eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns. Im Verlauf einer Attacke kommt es wahrscheinlich zu entzündlichen Vorgängen an den Blutgefäßen im Gehirn. Bei manchen Menschen können Anfälle durch sogenannte Trigger ausgelöst werden. Trigger beschreiben Situationen, in denen es wahrscheinlicher ist, dass Betroffene eine Attacke erleiden. Ein Migränetagebuch kann helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren. Spezielle Nahrungsmittel sind nur selten Auslösefaktoren für Migräne. Früher glaubte man, dass zum Beispiel Schokolade und Käse potente Auslöser der Migräne sind. Heute weiß man, dass der Heißhunger auf hoch kalorienhaltige Speisen oft ein Frühsymptom der Migräne darstellt, also bereits zum Anfall gehört.
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Diagnose von Migräne
Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
Therapie von Migräne
Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung.
Akuttherapie
Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.
Prophylaxe
Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.
Alternative Therapien und Vorbeugung
Wer Tagebuch über seine Migräneattacken führt, kommt so möglicherweise den individuellen Triggern auf die Spur - und kann sie meiden. Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Für viele Patientinnen und Patienten hilfreich ist Regelmäßigkeit. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
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Daith-Piercing gegen Migräne?
In den sozialen Medien kursieren Gerüchte, dass ein Ohr-Piercing (Daith-Piercing) gegen Migräne helfen soll. Es wird im Bereich des Ohrknorpels an einem der Akupunkturpunkte, die zur Migränebehandlung genutzt werden, gesetzt. Hilft das wirklich? Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont: "Das Verfahren beruht auf keiner nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlage." Außerdem gebe es keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit belegen. Mehr noch: Das Piercing könne sich entzünden und gerade im Bereich des Ohrknorpels sei das Risiko für eine gestörte Wundheilung höher.
Spezialisierte Hilfe bei Kopfschmerzen und Migräne
Für Betroffene, die unter chronischen Kopfschmerzen oder Migräne leiden, gibt es spezialisierte Kliniken und Therapiezentren. Ein Beispiel ist die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel. Die Klinik bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz und Rückenschmerz an.
Aufnahmeformalitäten in der Schmerzklinik Kiel
Zur Planung eines Aufnahmetermins in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.
Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.
Schmerzkonferenzen
Im Zusammenhang mit der Einweisung sowie der prä- oder poststationären Behandlung können sich individuelle Fragen ergeben. Diese werden in Schmerzkonferenzen beantwortet, die montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8:30 Uhr bis 9:15 Uhr und mittwochs von 17:00 Uhr bis 17:45 Uhr im Konferenzraum der Schmerzklinik Kiel stattfinden.
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Barfußlaufen: Ein Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden
Abseits der medikamentösen und therapeutischen Ansätze gibt es auch einfache Maßnahmen, die zur Gesundheit und zum Wohlbefinden beitragen können. Dazu gehört das Barfußlaufen.
Die Vorteile des Barfußlaufens
Unsere Füße sind wahre Alleskönner, doch im Alltag zwängen wir sie oft in zu enge Schuhe. Beim Barfußlaufen bekommen die Zehen endlich genug Platz, um sich auszubreiten, ohne eingeengt zu werden. Ganz nebenbei wird dabei die Muskulatur in Füßen und Waden gestärkt. Das ist nicht nur gut für das Wohlbefinden, sondern auch für die Gesundheit. Gut trainierte Muskeln können nämlich Fehlstellungen wie den Ballenzeh (Hallux valgus) positiv beeinflussen. Dabei neigt sich der große Zeh nach innen und der Ballen tritt hervor, was häufig zu Schmerzen führt. Wer regelmäßig barfuß läuft, sorgt dafür, dass die vielen Rezeptoren an unseren Fußsohlen wichtige Informationen über den Untergrund direkt an das Gehirn weitergeben.