Hallux Valgus (Ballenzeh): Ursachen, Symptome und Behandlungen

Der Hallux valgus, umgangssprachlich auch Ballenzeh genannt, ist eine häufige Fußfehlstellung, bei der sich der große Zeh (Hallux) zur Fußmitte hin (valgus) neigt. Diese Abweichung führt zu einer Vorwölbung des Ballens an der Innenseite des Fußes. Viele Menschen haben einen Hallux valgus, der aber nicht immer Beschwerden verursacht. Bei anderen kann er jedoch zu Schmerzen, Druckstellen und Einschränkungen im Alltag führen.

Was ist Hallux Valgus?

Der Begriff "Hallux valgus" setzt sich aus den lateinischen Wörtern "Hallux" (Großzeh) und "valgus" (Abweichung von der Körpermittellinie) zusammen. Er beschreibt die Schiefstellung des Großzehs zur Fußmitte hin. Diese Fehlstellung führt dazu, dass sich der erste Mittelfußknochen allmählich nach außen verschiebt, wodurch der Vorfuß breiter wird und der Ballen sich vorwölbt. Der große Zeh biegt sich zu den anderen Zehen, was zu weiteren Verformungen führen kann, wie z.B. Hammerzehen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung eines Hallux valgus ist oft multifaktoriell bedingt. Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu beitragen können:

  • Genetische Veranlagung: Eine gewisse Neigung für diese Problematik wird in Familien gehäuft beobachtet, wenn auch die Fehlstellung strenggenommen nicht erblich ist. Eine vererbte Bindegewebsschwäche kann ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Fußform: Bei der Entstehung der Fehlstellung des Großzehs spielt die Fußform eine entscheidende Rolle, denn wer an Hallux valgus leidet, weist meistens auch ein abgeflachtes Längsgewölbe des Fußes auf und hat einen relativ breiten Vorfuß. Dieser „Senk-Spreiz-Fuß“ oder auch „Plattfuß“ begünstigt durch das Breiterwerden des Vorfußes und die daraus resultierende Veränderung der Zugrichtung der Sehnen die Entstehung von Zehenfehlstellungen.
  • Schuhwerk: Häufige Fehlbelastung in zu engen Schuhen oder in Pumps kann den Fuß derart überlasten, dass eine bleibende Fehlstellung resultiert. Schuhe mit hohen Absätzen verlagern das Körpergewicht auf den Vorfuß und erhöhen den Druck auf die Großzehengrundgelenke. Das jahrelange Tragen zu enger Schuhe mit hohen Absätzen fördert die Entstehung des Hallux valgus.
  • Bandlaxität: Menschen mit sehr weichen Bändern, die deshalb auch hypermobil genannt werden, da sie ihre Gelenke besser bewegen können als andere, neigen ebenfalls zum Ballenzeh. Unser Bandapparat ist, wie alle unsere Gewebe im Körper, einem stetigen Wasserverlust unterworfen. Dieser unschöne Umstand, den wir der allgemeinen Alterung zuschreiben müssen, führt dazu, dass unser Bandapparat im Laufe des Lebens an Spannkraft verliert.
  • Weitere Faktoren: Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, neurologische Erkrankungen und verkürzte Achillessehnen und Wadenmuskeln können ebenfalls zur Entstehung eines Hallux valgus beitragen.

Symptome

Nicht jeder Hallux valgus verursacht Beschwerden. Die Symptome können von leichten Beschwerden bis hin zu starken Schmerzen reichen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Sichtbare Fehlstellung: Der große Zeh weicht seitlich in Richtung der anderen Zehen ab.
  • Vorwölbung des Ballens: An der Innenseite des Fußes bildet sich eine deutliche Vorwölbung.
  • Schmerzen: Schmerzen treten häufig am Ballen, an den Zehen oder unter dem Mittelfuß auf, insbesondere bei Druck durch Schuhe. Der Ballen kann gerötet, geschwollen und entzündet sein.
  • Druckstellen und Schwielen: Durch die Fehlstellung und den Druck der Schuhe können sich Druckstellen und Schwielen bilden. Nicht selten beklagen Patienten mit einem Ballenzeh auch Schmerzen oder gar Schwielen unter dem Vorfuß.
  • Bewegungseinschränkungen: Der große Zeh kann unbeweglicher werden.
  • Fehlstellungen der anderen Zehen: Es können sich Hammer- oder Krallenzehen entwickeln. Die Schwielen bilden sich übrigens regelmäßig nach einer Korrektur der Großzehenfehlstellung zurück.
  • Taubheitsgefühl: Infolge der Verformung können Nerven am großen Zeh geschädigt werden, was zu Taubheit führen kann.

Diagnose

Um festzustellen, ob ein Hallux valgus hinter Fußproblemen steckt, wird die Ärztin oder der Arzt den Fuß untersuchen und folgende Aspekte beurteilen:

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  • Sichtprüfung: Beurteilung der Stellung des großen Zehs, der Vorwölbung des Ballens und der Beweglichkeit der Zehen.
  • Palpation: Abtasten des Großzehengrundgelenks, um den Zustand des Gelenks zu beurteilen.
  • Untersuchung im Stehen, Gehen und Sitzen: Beurteilung der Fußstellung und der Beinachse in verschiedenen Positionen.
  • Röntgenaufnahme: An einem Röntgenbild des Fußes im Stehen lassen sich bestimmte Winkel vermessen, die die Fehlstellung des Großzehs beschreiben und den Ausprägungsgrad festlegen. Sie sind hilfreich für die Einschätzung der weiteren Entwicklung der Fehlstellung und dienen der Therapieplanung. Eine Abweichung des Großzehs von der Achse des ersten Mittelfußknochens im Röntgenbild des Fußes im Stehen von mehr als zwanzig Grad gilt als Hallux valgus.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung des Hallux valgus richtet sich sehr stark nach dem individuellen Leidensdruck des Betroffenen und nach dem Ausmaß der Fehlstellung. An erster Stelle steht die Empfehlung, ausreichend weites Schuhwerk zu tragen und längeres Tragen von engen oder hochhackigen Schuhen zu meiden. Wenn der Ballen dann keine Beschwerden mehr verursacht, ist eine weitere Therapie nicht notwendig.

  • Schuhwerk: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk ist entscheidend. Empfohlen werden flache Schuhe, die allen Zehen genug Platz lassen. Bei Beschwerden können die Zehen oder der Ballen gepolstert werden. Bei Schmerzen am Mittelfuß kommen stützende Einlagen oder auch eine Ballenrolle an der Schuhsohle infrage, um die Zehen zu entlasten.
  • Einlagen: Das Tragen von orthopädischen Maßeinlagen kann bei Kindern helfen, die Ausbildung einer Fußfehlstellung zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Das Prinzip hierbei ist meistens, dass eine Pelotte, ein stützendes Polster, unter dem Vorfuß, eine Unterstützung unter dem inneren Fußrand oder auch eine Umfassung des Rückfußes den Fuß unter Belastung in der korrigierten Form halten, wodurch vermieden wird, dass der Fuß „plattgetreten“ wird. Klar ist jedoch, dass eine Einlage gerade auch beim Erwachsenen Schmerzen am Fuß lindern kann. Daher ist der Einsatz von Maßeinlagen auch beim Ballenzeh gerechtfertigt. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass das Schuhwerk ausreichend Platz bieten sollte, um die Einlage und den verbreiterten und fehlgestellten Fuß bequem aufzunehmen. Sneaker sind hierzu grundsätzlich besser geeignet als Slipper oder Ballerinas.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik, manuelle Therapie, Fußreflexzonenmassage etc. können zur Lösung von Verspannungen der Fußmuskulatur oder Gelenkblockaden beitragen. Übungen, die die freie Beweglichkeit der Großzehe in alle Richtungen fördern, beugen dem Entstehen des Hallux valgus wirksam vor.
  • Schienen und Zehenspreizer: Hallux valgus-Schienen und Zehenspreizer, die zwischen den ersten und zweiten Zeh gesteckt werden, um passiv eine Korrektur der Fehlstellung herbeizuführen, dienen ebenfalls lediglich dem Zweck der zeitweisen Schmerzlinderung.
  • Medikamente: Bei Entzündungen und Schmerzen können entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente eingenommen werden. Tabletten sollten wegen der möglichen Nebenwirkungen aber nur für kurze Zeit genommen werden.

Operative Behandlung

Alle oben beschriebenen Maßnahmen vermögen aber nicht, die Schiefstellung des Großzehs dauerhaft und nachhaltig zu korrigieren. Macht der Fuß also immer wieder Beschwerden und hält er den Betroffenen davon ab, die gewünschte Sportart, Freizeitbeschäftigung oder gar Beschäftigungen des Alltags zu verrichten, ist die Indikation zu einem operativen Korrektureingriff am Ballenzeh gegeben. Dabei ist erst einmal nicht die Schwere der Fehlstellung entscheidend; manchmal ist nur eine geringe Fehlstellung des Zehs vorhanden, aber trotzdem kommt es zu quälenden Schmerzen am Ballen.

  • Indikation: Ein operativer Eingriff wird in Betracht gezogen, wenn konservative Behandlungen keine ausreichende Linderung der Beschwerden bringen und die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigt ist.
  • Operationsverfahren: Es gibt über hundert gebräuchliche Operationsverfahren zur Korrektur des Hallux valgus. Neue Verfahren werden auch heute noch entwickelt. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der Art und Schwere der Fehlstellung, aber auch von den Vorlieben des Operateurs ab. Dabei haben sich in den letzten Jahren zunehmend wissenschaftliche Kriterien durchgesetzt, nach denen Korrekturoperationen erfolgen sollten. Unterschiedliche Operateure können aber trotzdem das gleiche Ziel über unterschiedliche Operationsverfahren erreichen.
  • Ziele der Operation: Die Ziele einer Hallux valgus-Operation sind die Korrektur der Fehlstellung, die Beseitigung der Schmerzen, die Wiederherstellung der normalen Funktion des Fußes und die Vorbeugung von Folgeschäden wie Arthrose.
  • Nachbehandlung: Nach der Operation ist eine konsequente Nachbehandlung wichtig, um den Heilungsprozess zu fördern und Komplikationen zu vermeiden. Dazu gehören das Tragen eines Spezialschuhs, Physiotherapie und die Vermeidung von Belastungen.

Prävention

Einem Hallux valgus kann vorgebeugt werden, indem man folgende Maßnahmen beachtet:

  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie bequeme Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen. Vermeiden Sie enge, spitz zulaufende Schuhe und Schuhe mit hohen Absätzen.
  • Fußmuskulatur stärken: Regelmäßige Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur können helfen, die Stabilität des Fußes zu verbessern und Fehlstellungen vorzubeugen.
  • Barfußlaufen: Laufen Sie so oft wie möglich barfuß, um die natürliche Funktion des Fußes zu fördern.
  • Einlagen: Bei Bedarf können orthopädische Einlagen getragen werden, um den Fuß zu unterstützen und Fehlbelastungen zu vermeiden.

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