Gicht und Nervenschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Gicht ist eine Stoffwechselstörung, die durch einen erhöhten Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) im Blut gekennzeichnet ist. Dieser Überschuss führt zur Bildung von Harnsäurekristallen, die sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, Haut und sogar in den Nieren ablagern können. Die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken verursacht Entzündungen und starke Schmerzen, die als Gichtanfälle bekannt sind. Obwohl Gicht primär als Gelenkerkrankung gilt, können die zugrunde liegenden Stoffwechselstörungen und Entzündungsprozesse auch Nervenschmerzen verursachen oder verstärken.

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselstörung, bei der sich zu viel Harnsäure im Körper ansammelt. Dies führt zur Bildung von Harnsäurekristallen, die sich insbesondere in den Gelenken ablagern. Eine mögliche Folge sind schmerzhafte Gelenkentzündungen. Der erste Gichtanfall betrifft oft die große Zehe, genauer das Großzehen-Grundgelenk (Podagra).

Ohne geeignete Therapie können sich Harnsäurekristalle in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ablagern und Gelenkschäden entstehen. Auch in der Niere setzen sich die Kristalle ab, was zu Nierensteinen und Nierenschäden führen kann.

Oft besteht eine angeborene Neigung zu einem erhöhten Harnsäurespiegel. Verschiedene Auslöser begünstigen den Ausbruch der Gicht, darunter Krankheiten, Medikamente, aber auch eine ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, wobei Frauen üblicherweise erst nach den Wechseljahren erkranken.

In Blutuntersuchungen lassen sich erhöhte Harnsäurespiegel aufdecken. Allerdings schließen normale Spiegel eine Gicht nicht aus.

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Ursachen der Gicht

Die Voraussetzung für die Entwicklung von Gicht ist ein Zuviel an Harnsäure im Blut - eine Hyperurikämie. Diese entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen Bildung und Ausscheidung der Harnsäure im Körper gestört ist. Harnsäure wird vor allem über die Nieren, und nur zu einem kleinen Teil über den Darm ausgeschieden.

Harnsäure entsteht im Körper aus dem Abbau von Purinen. Diese stammen aus zwei Quellen:

  • Nahrung: Purine sind in der Nahrung enthalten, besonders in Innereien, Fleisch und Wurst.
  • Körperzellen: Purine sind ein normaler Baustein von Körperzellen und werden beim Abbau oder Zerfall von Zellen freigesetzt.

Ein Harnsäureüberschuss im Blut kann folgende Ursachen haben:

  • Zu viele Purine in der Nahrung: Sie werden zu Harnsäure abgebaut.
  • Verstärkte Harnsäurebildung im Körper: Zum Beispiel durch vermehrten Zellzerfall.
  • Verminderte Harnsäureausscheidung durch die Nieren.

Häufig finden sich Kombinationen dieser Ursachen. Genetische Veränderungen spielen ebenfalls eine Rolle, da bei Verwandten von Gichtkranken oft erhöhte Harnsäurespiegel festgestellt werden.

Fachleute unterscheiden verschiedene Formen der Gicht:

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  • Primäre Form: Ursache ist ein angeborener Stoffwechseldefekt, bei dem die Niere weniger Harnsäure ausscheidet.
  • Sekundäre Form: Die Hyperurikämie wird durch andere Krankheiten oder Störungen hervorgerufen, wie Leukämie, Nierenerkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Diuretika).

Auslöser von Gichtanfällen

Äußere Faktoren können eine bestehende Neigung zu Gicht verstärken oder einen Anfall auslösen. Dazu gehören:

  • Purinreiche Lebensmittel
  • Alkoholische Getränke
  • Stoffwechselschwankungen (z. B. bei strengen Diäten oder Diabetes mellitus)
  • Körperlicher Stress (z. B. durch Verletzungen, Anstrengungen oder Infektionen)

Symptome der Gicht

Der erste Gichtanfall zeigt sich meist an einem einzigen Gelenk (akute Gichtarthritis), oft am Grundgelenk der großen Zehe (Podagra). Andere betroffene Gelenke sind Mittelfuß-, Sprung- und Kniegelenke sowie Daumengrundgelenke.

Ein akuter Gichtanfall tritt plötzlich und ohne Vorwarnung auf, meist nachts oder in den frühen Morgenstunden. Das betroffene Gelenk ist extrem berührungsempfindlich, bewegungsschmerzhaft, geschwollen, gerötet oder bläulich verfärbt und heiß. Fieber kann ebenfalls auftreten.

Ohne Behandlung können sich die akuten Attacken wiederholen, häufiger auftreten, länger anhalten und auf andere Gelenke übergreifen.

Harnsäurekristalle können sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, Haut, Ohrknorpel und Nieren ablagern und zu Knötchen (Gicht-Tophi) führen. Unbehandelt kann die Krankheit zu chronischen Gelenkentzündungen und -deformierungen mit Knochenschäden, Schleimbeutelentzündungen, Nierensteinen und Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen (Gichtniere) führen.

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Diagnose der Gicht

Die Diagnose basiert oft auf den charakteristischen Beschwerden und Zeichen des akuten Gichtanfalls.

Weitere Untersuchungen können sinnvoll sein, wenn die Symptome nicht eindeutig sind:

  • Blutuntersuchung: Feststellung des Harnsäurewertes. Allerdings können die Werte während eines Anfalls niedriger sein. Wiederholte Harnsäure-Untersuchungen sind aussagekräftiger.
  • Entzündungszeichen im Blut: Oft beim Gichtanfall nachweisbar.
  • Gelenkpunktion: Untersuchung der Gelenkflüssigkeit auf Harnsäurekristalle unter dem Mikroskop.
  • Röntgenbild: Zeigt eventuell typische Gelenkveränderungen bei fortgeschrittener Gicht.

Menschen mit Gicht haben überdurchschnittlich häufig auch Übergewicht, Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) - Risikofaktoren für Herz- und Kreislaufkrankheiten (metabolisches Syndrom).

Therapie der Gicht

Die Therapie zielt darauf ab, akute Gichtanfälle zu behandeln und langfristig weitere Anfälle zu verhindern.

Akutbehandlung:

  • Entzündungshemmende kortisonfreie Antirheumatika (z. B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
  • Kortisonpräparate (meist als Tabletten)
  • Colchicin
  • Allgemeinmaßnahmen:
    • Hochlagern des betroffenen Gelenks
    • Vorübergehende Bettruhe
    • Kühlende Umschläge
    • Leichte, purinarme Kost
    • Ausreichend trinken

Dauerbehandlung:

  • Lebensstiländerungen:
    • Langsame Gewichtsreduktion durch gesunde Ernährung und viel Bewegung (keine "Radikaldiäten")
    • Körperliche Aktivität (falls medizinisch nichts dagegen spricht)
    • Purinarme Ernährung
  • Medikamente:
    • Allopurinol (Urikostatikum): Unterdrückt die Bildung der Harnsäure.
    • Febuxostat (Alternative zu Allopurinol)
    • Benzbromaron: Fördert die Ausscheidung von Harnsäure.
    • Colchicin (in geringer Dosis): Vorbeugende Behandlung für die ersten Monate nach Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie.

Ob vorbeugende Medikamente nach längerer Therapiedauer abgesetzt werden können, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Ernährung bei Gicht

Die allgemeinen Grundsätze für eine ausgewogene und gesunde Ernährung gelten auch für Menschen mit Gicht. Zusätzlich sollten sie purinreiche Lebensmittel meiden, da aus Purinen im Körper Harnsäure gebildet wird. Nährstofftabellen, die den Harnsäuregehalt von Lebensmitteln angeben, können im Alltag helfen. Eine Ernährungsberatung kann sinnvoll sein.

Gicht und Nervenschmerzen: Ein möglicher Zusammenhang

Obwohl Gicht in erster Linie eine Erkrankung der Gelenke ist, gibt es verschiedene Mechanismen, durch die sie auch Nervenschmerzen verursachen oder verstärken kann:

  1. Direkte Nervenkompression: In seltenen Fällen können sich Harnsäurekristalle an ungewöhnlichen Stellen ablagern, beispielsweise im Bereich des Rückenmarks oder im Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn sich dort Gichtknoten (Tophi) bilden, können sie auf die Nerven drücken und Komplikationen wie ein Karpaltunnelsyndrom oder Lähmungserscheinungen durch eine Quetschung des Rückenmarks auslösen.

  2. Entzündungsbedingte Nervenschädigung: Die chronische Entzündung, die mit Gicht einhergeht, kann die Nerven in der Umgebung der betroffenen Gelenke schädigen. Entzündungsmediatoren können die Nervenfasern sensibilisieren und zu neuropathischen Schmerzen führen.

  3. Metabolisches Syndrom und Polyneuropathie: Gicht tritt häufig zusammen mit anderen Komponenten des metabolischen Syndroms auf, wie Übergewicht, Diabetes und erhöhten Blutfettwerten. Diabetes ist eine bekannte Ursache für Polyneuropathie, eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt werden. Die Kombination von Gicht und Diabetes kann das Risiko für Nervenschmerzen erhöhen.

  4. Medikamenteninduzierte Neuropathie: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Gicht eingesetzt werden, wie Colchicin, können in seltenen Fällen Nebenwirkungen verursachen, die sich als Nervenschmerzen äußern.

Nervenschmerzen: Ursachen und Symptome

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch eine Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus, Gicht, Schilddrüsenerkrankungen
  • Infektionen: Gürtelrose (Herpes Zoster), Borreliose, HIV
  • Verletzungen: Nervenkompression, Bandscheibenvorfall
  • Entzündungen: Autoimmunerkrankungen, Vaskulitis
  • Medikamente: Chemotherapie, bestimmte Antibiotika
  • Gifte: Alkohol, Schwermetalle
  • Tumore: Nervenkompression oder Infiltration
  • Unbekannte Ursache: Idiopathische Neuropathie

Die Symptome neuropathischer Schmerzen sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterscheiden. Typische Beschwerden sind:

  • Brennende Schmerzen: Oft als quälend und tief empfunden
  • Stechende Schmerzen: Blitzartig einschießend
  • Elektrisierende Schmerzen: Wie Stromschläge
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle: In den betroffenen Arealen
  • Überempfindlichkeit: Bereits leichte Berührungen können starke Schmerzen auslösen (Allodynie)
  • Verstärkte Schmerzempfindung: Auf eigentlich harmlose Reize (Hyperalgesie)

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose von Nervenschmerzen basiert auf einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und neurologischen Tests. Wichtige diagnostische Verfahren sind:

  • Anamnese: Erfassung der Krankengeschichte, Symptome, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und möglicher Risikofaktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft.
  • Neurologische Tests:
    • Quantitative sensorische Testung (QST): Messung der Schmerzschwelle und der Empfindlichkeit auf verschiedene Reize.
    • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Überprüfung der Funktion der peripheren Nerven.
    • Elektromyographie (EMG): Messung der Muskelaktivität zur Beurteilung der Nervenversorgung der Muskeln.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Darstellung von Nervenkompressionen oder anderen strukturellen Veränderungen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen zur Abklärung von Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Infektionen.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, wenn möglich. Die Therapie kann verschiedene Ansätze kombinieren:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI, z. B. Duloxetin) können neuropathische Schmerzen lindern.
    • Antiepileptika: Gabapentin und Pregabalin sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, aber auch bei Nervenschmerzen wirksam sind.
    • Opioide: In schweren Fällen können Opioide wie Tramadol oder Oxycodon eingesetzt werden, aber aufgrund des Suchtpotenzials sollten sie nur unter strenger ärztlicher Kontrolle verwendet werden.
    • Lokale Schmerzmittel: Capsaicin-Creme oder -Pflaster können bei lokalisierten Nervenschmerzen helfen.
  • Nicht-medikamentöse Therapie:
    • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Muskelkraft und Koordination.
    • Ergotherapie: Anpassung des Alltags und der Arbeitsumgebung zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung.
    • Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Anwendung von elektrischen Impulsen zur Schmerzlinderung.
    • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten mit Nervenschmerzen wirksam sein.
  • Invasive Verfahren:
    • Nervenblockaden: Injektion von Lokalanästhetika in die Nähe von Nerven zur Schmerzlinderung.
    • Rückenmarkstimulation: Implantation eines Geräts, das elektrische Impulse an das Rückenmark sendet, um Schmerzen zu reduzieren.
    • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Nervenkompressionen zu beseitigen oder Tumore zu entfernen.

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