Indikation für Magensonde bei Apoplex: Eine umfassende Betrachtung

Ein Schlaganfall kann vielfältige Folgen haben, darunter auch Schluckstörungen (Dysphagie), die die Nahrungsaufnahme erheblich beeinträchtigen. In solchen Fällen kann die Anlage einer Magensonde (auch Ernährungssonde genannt) in Erwägung gezogen werden, um eine adäquate Versorgung mit Nährstoffen und Flüssigkeit sicherzustellen. Dieser Artikel beleuchtet die Indikationen für eine Magensonde bei Schlaganfallpatienten, die verschiedenen Arten von Sonden, die ethischen Aspekte und die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema.

Einführung

Essen und Trinken sind grundlegende menschliche Bedürfnisse. Wenn diese aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht mehr auf normalem Wege befriedigt werden können, kann eine künstliche Ernährung erforderlich sein. Eine häufige Methode der künstlichen Ernährung ist die Verwendung einer Magensonde. Bei Schlaganfallpatienten kann eine Magensonde notwendig sein, um den Körper mit ausreichend Energie und Nährstoffen zu versorgen, insbesondere wenn Schluckstörungen vorliegen.

Ursachen und Häufigkeit von Schluckstörungen nach Schlaganfall

Schluckstörungen sind eine häufige Komplikation nach einem Schlaganfall. Sie können durch Schädigungen der Hirnareale entstehen, die für die Steuerung der Schluckmuskulatur verantwortlich sind. Die Schwere der Schluckstörung kann variieren, von leichten Schwierigkeiten bis hin zur kompletten Unfähigkeit, Nahrung oder Flüssigkeit sicher zu schlucken.

In der Akutphase eines Schlaganfalls benötigen bis zu 29 Prozent der Patienten eine Sondenernährung. Halten die schlaganfallbedingten Schluckstörungen voraussichtlich länger als sieben Tage an, sollte frühzeitig mit einer enteralen Ernährung über eine Sonde begonnen werden. So wird die Barrierefunktion der Darmschleimhaut nicht gestört, was wichtig ist, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Indikationen für eine Magensonde bei Schlaganfall

Die Hauptindikation für eine Magensonde bei Schlaganfallpatienten ist die Unfähigkeit, ausreichend Nahrung und Flüssigkeit oral aufzunehmen, um den Bedarf des Körpers zu decken. Dies kann verschiedene Gründe haben:

Lesen Sie auch: Therapie bei Schluckbeschwerden durch Parkinson

  • Schwere Schluckstörungen: Wenn ein Patient aufgrund von Dysphagie nicht in der Lage ist, Nahrung oder Flüssigkeit sicher zu schlucken, besteht die Gefahr von Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Atemwege), was zu einer Lungenentzündung führen kann.
  • Mangelernährung: Wenn ein Patient nicht ausreichend isst, um seinen Kalorien- und Nährstoffbedarf zu decken, kann dies zu Mangelernährung, Gewichtsverlust und einer Schwächung des Immunsystems führen.
  • Dehydration: Wenn ein Patient nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, kann dies zu Dehydration führen, was zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen kann.
  • Bewusstseinsstörungen: Patienten mit schweren Bewusstseinsstörungen (z. B. im Koma oder Wachkoma) sind nicht in der Lage, selbstständig zu essen oder zu trinken, und benötigen daher eine künstliche Ernährung.

Arten von Magensonden

Es gibt verschiedene Arten von Magensonden, die je nach Bedarf und voraussichtlicher Dauer der künstlichen Ernährung eingesetzt werden können:

  1. Nasogastrale Sonde (NG-Sonde):

    • Ein dünner Schlauch, der über die Nase, den Rachen und die Speiseröhre in den Magen eingeführt wird.
    • Wird häufig in der Akutphase des Schlaganfalls verwendet, wenn noch nicht absehbar ist, wie lange die Sondenernährung erforderlich sein wird.
    • Ist relativ einfach zu legen und zu entfernen.
    • Kann jedoch bei längerer Anwendung zu Irritationen der Nasen- und Rachenschleimhaut führen.
  2. Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG-Sonde):

    • Eine Ernährungssonde, die über einen kleinen Schnitt in der Bauchwand direkt in den Magen eingeführt wird.
    • Wird in der Regel eingesetzt, wenn die enterale Ernährung voraussichtlich länger als 28 Tage nötig ist.
    • Ist komfortabler für den Patienten als eine NG-Sonde, da sie weniger Irritationen verursacht.
    • Erfordert einen kleinen chirurgischen Eingriff zur Anlage.
  3. Jejunalsonde:

    • Eine Ernährungssonde, deren Spitze im mittleren Abschnitt des Dünndarms (Jejunum) liegt.
    • Wird entweder durch die Nase (nasojejunale Sonde) oder operativ direkt in den Dünndarm (Feinnadeljejunostomie) gelegt.
    • Wird eingesetzt, wenn der Magen nicht für die Ernährung geeignet ist, z. B. bei Magenentleerungsstörungen oder einem erhöhten Risiko für Reflux.

Ablauf der Anlage einer Magensonde

Das Anlegen einer Magensonde ist ein medizinischer Eingriff, der von einem Arzt oder einer speziell ausgebildeten Pflegekraft durchgeführt wird. Der genaue Ablauf hängt von der Art der Sonde ab:

Lesen Sie auch: Magensonde bei Demenzpatienten

  • Nasogastrale Sonde (NG-Sonde):
    • Der Patient sitzt aufrecht oder liegt mit leicht erhöhtem Oberkörper.
    • Die Nase wird mit einem Lokalanästhetikum betäubt.
    • Die Sonde wird mit Gleitgel versehen und vorsichtig durch ein Nasenloch in den Rachen eingeführt.
    • Der Patient wird aufgefordert, kleine Schlucke Wasser zu trinken, um das Vorschieben der Sonde in die Speiseröhre zu erleichtern.
    • Die korrekte Lage der Sonde im Magen wird durch Aspiration von Magensaft und/oder eine Röntgenaufnahme überprüft.
    • Die Sonde wird mit Pflaster an Nase und Wange fixiert.
  • Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG-Sonde):
    • Der Eingriff wird in der Regel unter Sedierung oder Narkose durchgeführt.
    • Ein Endoskop (eine Kamera am Ende eines Schlauchs) wird über den Mund in den Magen eingeführt.
    • Die Bauchwand wird desinfiziert und lokal betäubt.
    • Unter endoskopischer Sicht wird eine Punktionsnadel durch die Bauchwand in den Magen eingeführt.
    • Über die Punktionsnadel wird ein Führungsdraht in den Magen eingebracht.
    • Die PEG-Sonde wird über den Führungsdraht durch die Bauchwand in den Magen gezogen.
    • Die Sonde wird mit einer Halteplatte an der Bauchwand fixiert.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem medizinischen Eingriff können auch bei der Anlage einer Magensonde Komplikationen auftreten. Zu den möglichen Risiken gehören:

  • Reizung oder Verletzung der Schleimhaut in Nase, Rachen oder Speiseröhre: Dies kann zu Blutungen, Schmerzen oder einem unangenehmen Gefühl führen.
  • Fehlplatzierung der Sonde in die Atemwege: Dies ist ein seltenes, aber schwerwiegendes Risiko, das zu einer Lungenentzündung führen kann. Daher muss die Lage der Sonde immer sorgfältig überprüft werden.
  • Verstopfung der Sonde: Dies kann durch Verstopfen der Sonde mit Nahrungsresten oder Medikamenten verursacht werden. Die Sonde kann in der Regel durch Spülen mit warmem Wasser wieder freigespült werden.
  • Infektionen: An der Einstichstelle der Sonde können Infektionen auftreten, insbesondere bei PEG-Sonden. Eine gute Hygiene und regelmäßige Reinigung der Einstichstelle sind wichtig, um Infektionen vorzubeugen.
  • Druckstellen: Wenn die Sonde zu straff fixiert ist, können an Nase und Wange Druckstellen entstehen.
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall: Diese Symptome können durch die Sondenernährung selbst oder durch Medikamente verursacht werden.
  • Aspiration: Das Zurücklaufen der Sondennahrung aus dem Magen in die Speiseröhre (Reflux) birgt die Gefahr der Aspiration (Eindringen in die Atemwege).

Ernährung über die Magensonde

Die Ernährung über eine Magensonde wird als enterale Ernährung bezeichnet. Dabei wird spezielle Sondennahrung verwendet, die alle notwendigen Nährstoffe in flüssiger Form enthält. Die Sondennahrung kann entweder kontinuierlich über eine Ernährungspumpe oder portionsweise zu den normalen Essenszeiten verabreicht werden.

Die Wahl der Sondennahrung und die Art der Verabreichung hängen von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Reflux sollte die Sondennahrung kontinuierlich verabreicht werden, um eine Überfüllung des Magens zu vermeiden.

Ethische Aspekte

Die Entscheidung für oder gegen eine Magensonde ist oft mit ethischen Fragen verbunden, insbesondere bei Patienten mit schweren neurologischen Schädigungen oder fortgeschrittener Demenz. Es ist wichtig, den Willen des Patienten zu berücksichtigen, sofern er dazu in der Lage ist.

Wenn der Patient nicht mehr entscheidungsfähig ist, muss der mutmaßliche Wille des Patienten ermittelt werden. Dabei können eine Patientenverfügung oder Gespräche mit Angehörigen und Betreuern hilfreich sein. Es ist wichtig, alle Vor- und Nachteile der künstlichen Ernährung abzuwägen und die Entscheidung im besten Interesse des Patienten zu treffen.

Lesen Sie auch: Parkinson und Magensonden-Ernährung

Ein Verzicht auf künstliche Ernährung darf nie mit einer Infragestellung der Menschenwürde und des Lebenswerts begründet werden. Die Nahrungszufuhr bedeutet eine grundsätzliche pflegerische Maßnahme, auch wenn sie den Einsatz einer PEG-Sonde voraussetze. Entscheidend sei, ob mit dem Vorenthalten von Nahrung das Tötungsverbot berührt werde. Deshalb müsse der Arzt abwägen, ob oder ob nicht der Tod eines Patienten bald und unausweichlich eintreten werde. Im ersten Fall sei der Verzicht auf Krankheitsbekämpfung und künstliche Ernährung legitim.

Aktuelle Forschung und Erkenntnisse

Die Forschung im Bereich der enteralen Ernährung bei Schlaganfallpatienten istOngoing. Aktuelle Studien untersuchen unter anderem:

  • Den optimalen Zeitpunkt für den Beginn der Sondenernährung: Studien zufolge hat ein früher Beginn der Sondenernährung Vorteile für den Patienten und verbessert den Krankheitsverlauf.
  • Die Auswirkungen der Sondenernährung auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität: Es wird untersucht, welche Faktoren den Erfolg der Sondenernährung beeinflussen und wie die Lebensqualität der Patienten verbessert werden kann.
  • Die Entwicklung neuer Sondennahrungen und Verabreichungsmethoden: Ziel ist es, die Sondenernährung noch besser an die individuellen Bedürfnisse der Patienten anzupassen und Komplikationen zu vermeiden.
  • Den Einfluss des Ortes des Schlaganfalls auf die Funktion des Verdauungssystems: Untersucht wird, inwieweit bei Schlaganfallpatienten die Funktion des Verdauungssystems, insbesondere der Transport von Nahrung aus dem Magen verändert ist und ob der Ort des Schlaganfalls eine Rolle spielt.

tags: #magensonde #nach #apoplex