Volkskrankheit Migräne bei Jugendlichen: Ursachen, Auswirkungen und Prävention

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die nicht nur Erwachsene betrifft, sondern auch bei Jugendlichen zunehmend vorkommt. In Deutschland leiden schätzungsweise 18 Millionen Menschen an Migräne, und Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen von Kindern im Schulalter. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne bei Jugendlichen, die Auswirkungen auf ihr Leben und die möglichen Präventionsmaßnahmen.

Migräne: Eine Volkskrankheit

Migräne ist eine der häufigsten Schmerzerkrankungen in Deutschland. Rund 5 Prozent der Kinder in Deutschland leiden unter Migräneanfällen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den 20 Leiden, die das Leben am stärksten einschränken. In den letzten 20 Jahren hat die Häufigkeit von Kopfschmerzen um rund 300% zugenommen. Ungefähr 660.000 Schülerinnen und Schüler schmerzt der Kopf sogar einmal wöchentlich oder öfter.

Was ist Migräne?

Migräne äußert sich in wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken, die mit Begleitsymptomen einhergehen, die das vegetative Nervensystem betreffen. Typisch für eine Migräne ohne Aura sind einseitig pulsierende Kopfschmerzen von mittelschwerer bis hoher Intensität. Die Beschwerden verstärken sich bei körperlicher Aktivität, zudem kommt es häufig zu Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Bei der Migräne mit Aura treten zusätzlich visuelle Störungen auf, bevor die Schmerzen einsetzen. Eine Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern. Währenddessen ist es für die Betroffenen fast unmöglich, ihren Alltag zu bestreiten und normalen Beschäftigungen nachzugehen. Denn jede Bewegung verstärkt die Kopfschmerzen.

Ursachen von Migräne bei Jugendlichen

Die genauen Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig bekannt. Es wird angenommen, dass viele verschiedene auslösende Faktoren zusammenkommen. Mediziner gehen davon aus, dass die Veranlagung weitgehend erblich bedingt ist. Ein internationales Forscherkonsortium hat fünf neue Genregionen entdeckt, die für die Entstehung von Migräne mitverantwortlich gemacht werden. Diese Gene sind für die Nervenzellsignalübertragung, den Energieumsatz von Nervenzellen und die Gedächtnisverarbeitung im Gehirn funktionell bedeutsam.

Neben der genetischen Veranlagung spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle. Als Ursachen für die Häufung von Kopfschmerzen unter Jugendlichen führen Mediziner und Psychologen Stress, Bewegungsmangel und permanente Reizüberflutung an. Ältere Untersuchungen gingen noch davon aus, dass Kinder aus engen Wohnverhältnissen, sozial schwachen Familien und mit einer Ganztagsbetreuung im Kindergarten ein hohes Risiko für alle Arten von Kopfschmerzen haben. Überlastung oder Bewegungsmangel und zu wenig oder zu viel Schlaf. Zu viele Freizeitaktivitäten wie auch eine Reizüberflutung durch den Gebrauch elektronischer Geräte kommen ebenfalls als Auslöser in Betracht. Auch eine psychische Belastung wie familiäre Konflikte oder der Verlust eines geliebten Verwandten können zur Entwicklung von Migräne führen.

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Mögliche Auslöser (Trigger)

Es gibt individuell verschiedene Migräne-Auslöser - Trigger - wie Hormonschwankungen, einen gestörten Wach-Schlaf-Rhythmus, Wetterwechsel oder auch Stress mitsamt folgendem Stressabfall. «Alles zu Schnelle, alles zu Viele, alles zu Plötzliche, alles Impulsive kann Migräneattacken auslösen». Früher habe man bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Zitrusfrüchte oder Schokolade als Trigger verdächtigt. Es habe sich aber gezeigt, dass bereits der Hunger nach diesen Speisen Ankündigungssymptome einer Migräne seien.

Auswirkungen von Migräne auf Jugendliche

Migräne kann das Leben von Jugendlichen in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen. In den meisten Fällen bringt ein Migräne-Anfall einen bis zwei Fehltage mit sich. Manche Patienten können dann nur im abgedunkelten Zimmer liegen und warten, bis es vorbei geht. Diese Jugendlichen sehen sich in der Schule vielfach besonderen Problemen ausgesetzt. Vielfach sehen sie sich gar dem Vorwurf des Simulantentums ausgesetzt, da ihnen die Krankheit, kaum anzumerken ist, wenn nicht ein akuter Anfall stattfindet. Ein Problem, das auch dazu führt, dass ein ärztliches Attest kaum zu bekommen sind. Auch Lehrer berichten von Unverständnis unter Kollegen und der Schulleitung.

Schulische Leistungen

Arruda und Bigal ermittelten, dass sich die schulischen Leistungen von Kindern mit Spannungskopfschmerzen nicht signifikant von denen ohne Kopfschmerzen unterscheiden. In den meisten Fällen bringt ein Migräne-Anfall einen bis zwei Fehltage mit sich.

Psychische Gesundheit

Studien haben gezeigt, dass für Migräne-Patienten ein erhöhtes Risiko für Depressionen besteht, besonders für Frauen mit einer Migräne mit Aura. Die psychische Erkrankung äußerst sich durch eine Vielzahl an Beschwerden. Körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Kopf- und Bauschmerzen gehören ebenfalls zu den Anzeichen einer Depression.

Generalisierte Angststörungen und Migräne können sich gegenseitig bedingen - Migräne-Patienten haben ein vierfach erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angst. Vor allem wenn Menschen unter chronischer Migräne leiden, besteht die Gefahr, dass sie Ängste vor der nächsten Attacke entwickeln. Diese können so ausgeprägt sein, dass sich allein aufgrund derer die Kopfschmerzen entwickeln.

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Soziale Isolation

Migräniker ziehen sich oft aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Ihre Kopfschmerzen werden in ihrer Dimension von Außenstehenden kaum begriffen, geschweige denn als neurologische Erkrankung ernst genommen. Freizeit zu planen, sich mit Freunden regelmäßig und verlässlich zu verabreden, ist den Betroffenen oft nicht möglich.

Prävention von Migräne bei Jugendlichen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne bei Jugendlichen vorzubeugen. Dazu gehören:

Lebensstiländerungen

Planung des Tagesablaufes, Ernährung, Entspannungspausen, Bewegung und Schlafverhalten haben einen großen Einfluss auf Kopfschmerzen und Migräne. Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Vermeidung von Stress, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können helfen, Migräneattacken zu reduzieren.

Entspannungstechniken

Bei Migräne sind Verhaltenstherapie, Entspannungsübungen und körperliche Aktivitäten wichtig. Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen sind effektive Maßnahmen zur Migräneprophylaxe.

Physiotherapie

Der Hirnstamm, der bei Migräne eine Rolle spielt, steht auch mit der Schulter- und Nackenmuskulatur in Verbindung. Wenn die dauerhaft verspannt ist, fördert das Migräneattacken. Physiotherapie kann helfen, die Muskeln wieder weich zu machen.

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Verhaltenstherapie

Viele Migräniker wollen es allen Bezugspersonen recht machen. Auch unlösbare Aufgaben versuchen sie zu lösen. Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen, fällt dagegen schwer. Verhaltenstherapie kann diese Kanäle öffnen.

Medikamentöse Prophylaxe

Bei häufiger Migräne seien mehrere vorbeugende Medikamente sehr wirksam, erläutert Göbel. Darunter auch eine Gruppe von Medikamenten, die als Antikörper wirken. Bei chronischer Migräne sei seit 2010 vorbeugend Botox als Injektion zugelassen, was sich in Studien als «signifikant wirksam» erwiesen habe.

Vitamin D

In zwei Studien konnte der Zusammenhang zwischen Migräne und niedrigen Vitamin D-Spiegeln bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen werden. Eine Studie zeigte, dass die tägliche Einnahme von 2.000 IE Vitamin D über die Dauer von zwei Monaten, gefolgt von einer Erhaltungstherapie über sechs Monate mit täglich 600 bis 1.000 IE Vitamin D, die Dauer und Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren und die Schwere der Migräne nahezu halbieren konnte.

Behandlung von Migräneattacken

Standardschmerzmittel können bei einer akuten Migräneattacke nur bei milden Formen Hilfe leisten. Bei stärkeren Attacken können Triptane helfen. Allerdings bergen Triptane - wie auch alle anderen Schmerzmittel - ebenfalls eine Gefahr. Bei Übergebrauch sei das Risiko groß, dass der Schmerz chronisch werde, warnt Schmerztherapeut Gaul. Ein Teufelskreis.

Migräne-App

Mit der Migräne-App können Sie Symptome einfach erfassen und die Anfälle dokumentieren. So können Sie und Ihr Arzt oder Ihre Ärztin besser erkennen, wann die Attacken auftreten, wie stark sie sind und wie welche Medikamente wirken.

Kopfschmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und alle Kopfschmerzen an. Zur Planung eines Aufnahmetermins sind eine Verordnung von Krankenhausbehandlung, eine ausgefüllte Aufnahme-Checkliste, ein Schmerzkalender und ein Schmerzfragebogen erforderlich.

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