Gitarre spielen ohne Nervenschmerzen in den Fingern: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Gitarre spielen ist ein wunderbares Hobby, kann aber gerade am Anfang zu Schmerzen und Beschwerden in den Fingern führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Nervenschmerzen und andere Fingerprobleme beim Gitarrespielen, gibt Tipps zur Vorbeugung und zeigt Behandlungsansätze auf.

Einführung

Die Fingerkuppen eines Gitarristen sind einer ungewohnten Belastung ausgesetzt, insbesondere durch den Druck der Saiten. Am Anfang kann dies zu unangenehmen Empfindungen wie tiefen Furchen, Schmerzen oder sogar Taubheitsgefühlen führen.

Ursachen für Fingerprobleme beim Gitarrespielen

Hornhautbildung

Zu Beginn ist die Hornhaut an den Fingerkuppen noch nicht ausreichend ausgebildet. Der Körper reagiert jedoch relativ schnell auf die Belastung und bildet an den beanspruchten Stellen eine Hornhaut. Druckschmerzen an den Fingerspitzen sind daher ein weit verbreitetes Problem unter Anfängern und in der Regel unbedenklich, solange man es nicht übertreibt und regelmäßige Pausen einlegt.

Zu dicke Hornhaut

Bei manchen Gitarristen kann sich die Hornhaut im Laufe der Zeit verdicken und selbst zur Ursache von Schmerzen werden. Eine zu dicke Hornhaut kann auch hinderlich sein.

Trockene Haut

Die Talgdrüsen produzieren ein Wasser-Fett-Gemisch, das die Haut schützt und geschmeidig hält. Fehlt es an dieser Feuchtigkeit, kann die Haut austrocknen und einreißen.

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Falsche Technik und Haltung

Eine falsche Handhaltung, Fingerhaltung oder Körperhaltung kann ebenfalls zu Schmerzen führen. Verkrampfungen in den Handgelenken, beispielsweise durch starkes Abknicken, können Schmerzen in den Fingern und sogar Sehnenscheidenentzündungen verursachen.

Saitenstärke und Gitarreneinstellung

Zu dicke Saiten erfordern mehr Druck beim Greifen und können die Fingerkuppen stärker belasten. Auch eine schlecht eingestellte Gitarre kann das Spielen erschweren und zu Schmerzen führen.

Arthrose

Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, die auch Gitarristen betreffen kann. Sie kann zu Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen in den Fingern führen.

Nervenprobleme

Taube Finger, Kribbeln oder ein eingeschränktes Feingefühl können auf Nervenprobleme hindeuten. Engstellen im Bereich der Halswirbelsäule, das Thoracic Outlet Syndrom oder Narben können Nerven reizen oder deren Reizleitung beeinträchtigen.

Was tun bei Schmerzen?

Pause einlegen

Bei akuten Schmerzen ist es wichtig, eine Pause einzulegen und die Finger nicht zu überlasten.

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Handhaltung und Technik überprüfen

Überprüfen Sie Ihre Handhaltung, Fingerhaltung und Körperhaltung. Achten Sie darauf, dass Sie die Handgelenke nicht zu stark abknicken und die Finger nicht zu stark anspannen.

Saitenstärke anpassen

Passen Sie die Saitenstärke Ihrer Gitarre an. Dünnere Saiten erfordern weniger Druck beim Greifen.

Gitarre richtig einstellen

Lassen Sie Ihre Gitarre von einem Fachmann richtig einstellen. Eine gut eingestellte Gitarre lässt sich leichter spielen und beugt Schmerzen vor.

Aufwärmen und Dehnen

Wärmen Sie Ihre Hände und Finger vor dem Spielen auf und dehnen Sie sie regelmäßig.

Körperarbeit und Haltungsschulung

Körperarbeit und Haltungsschulung können helfen, Verspannungen zu lösen und eine gesunde Körperhaltung beim Gitarrespielen zu entwickeln.

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Ärztliche Hilfe

Bei anhaltenden oder starken Schmerzen sollten Sie einen Arzt oder Physiotherapeuten aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.

Vorbeugung von Fingerproblemen

Regelmäßiges Üben

Regelmäßiges Üben ist wichtig, um die Hornhautbildung zu fördern und die Finger an die Belastung zu gewöhnen. Übertreiben Sie es aber nicht und legen Sie regelmäßige Pausen ein.

Leicht Greifen

Drücken Sie die Saiten nicht zu stark auf das Griffbrett. Eine Saite, die nicht richtig klingt, liegt meistens daran, dass sie an der falschen Stelle gegriffen wird oder der Finger falsch aufliegt.

Pflege der Hornhaut

Pflegen Sie Ihre Hornhaut regelmäßig mit einer speziellen Creme, um sie geschmeidig zu halten und Rissen vorzubeugen.

Saiten biegen mit mehreren Fingern

Verwenden Sie zum Bending so viele Finger wie möglich, um den Druck auf die Fingerkuppen zu verteilen.

Ergonomische Haltung

Achten Sie auf eine ergonomische Haltung beim Gitarrespielen. Wechseln Sie regelmäßig zwischen sitzender und stehender Position, um Verspannungen vorzubeugen.

Geeignetes Equipment

Wählen Sie eine Gitarre mit einer für Sie passenden Mensur, Korpusform und Halsform. Achten Sie auch auf das Gewicht der Gitarre.

Regelmäßige Bewegung

Integrieren Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag, um die Gelenke beweglich zu halten und Verspannungen vorzubeugen.

Behandlungen bei spezifischen Problemen

Behandlung von Arthrose

Bei Arthrose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wie z.B. Schmerzmittel, Physiotherapie, Ergotherapie oder in schweren Fällen auch operative Eingriffe.

Behandlung von Nervenproblemen

Nervenprobleme können mit Nervenmobilisation, sensorischem Training, Übungen zur Verbesserung der Koordination und Einbeziehung visueller und vestibulärer Reize behandelt werden.

Weitere Tipps

  • Feuchtigkeitspflege: Verwenden Sie regelmäßig eine feuchtigkeitsspendende Creme, um die Haut Ihrer Finger geschmeidig zu halten. Produkte mit Urea oder Panthenol sind hierfür gut geeignet.
  • Hornhautpflege: Um die Hornhaut geschmeidig zu halten und Risse zu vermeiden, können spezielle Hornhautpflegemittel verwendet werden. Bei zu dicker Hornhaut kann ein vorsichtiges Abtragen mit einem Bimsstein oder einer Hornhautfeile helfen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Gesundheit der Haut und des Gewebes unterstützen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
  • Regelmäßige Pausen: Planen Sie regelmäßige Pausen während des Übens ein, um Ihre Hände und Finger zu entlasten.
  • Professionelle Beratung: Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Ein Arzt, Physiotherapeut oder qualifizierter Gitarrenlehrer kann Ihnen helfen, die Ursache der Beschwerden zu finden und eine geeignete Behandlung oder Anpassung der Spieltechnik zu empfehlen.

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