Gleichgewichtsnerv: Funktionen, Störungen und Behandlungsmöglichkeiten

Plötzlich schwankt alles, oder es dreht sich sogar - ein unangenehmes Gefühl, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Jährlich erkrankt rund einer von zehn Menschen neu an Schwindel, was ihn zu einem der häufigsten Krankheitssymptome macht. Die Bandbreite an Schwindelformen ist groß, ebenso wie die Auslöser. Nicht jeder Schwindel ist gefährlich, allerdings sollten die Ursachen immer abgeklärt werden, da manchmal auch eine schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Krankheit dahinterstecken kann. Oft suchen Betroffene den Grund für ihren Schwindel in der Halswirbelsäule (HWS), aber die meisten Schwindelerkrankungen haben ihre Ursache nicht hier. Richtig behandelt verbessern sich viele Schwindelerkrankungen deutlich oder werden komplett geheilt.

Einleitung

Der Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) spielt eine zentrale Rolle für unser Gleichgewichtsempfinden und unsere räumliche Orientierung. Er ist Teil des vestibulären Systems im Innenohr und übermittelt Informationen über Kopfbewegungen und -positionen an das Gehirn. Störungen dieses Nervs können vielfältige Beschwerden verursachen, die von leichtem Schwindel bis hin zu starker Beeinträchtigung der Lebensqualität reichen. Dieser Artikel beleuchtet die Funktionen des Gleichgewichtsnervs, häufige Störungen, Diagnosemethoden und aktuelle Therapieansätze.

Funktion des Gleichgewichtsnervs

Um das Gleichgewicht zu halten und sich im Raum zu orientieren, sind komplizierte Verschaltungen zwischen vielen verschiedenen Gleichgewichtsrezeptoren im ganzen Körper und dem Gehirn notwendig. Die Informationen über das von den Augen wahrgenommene Raumbild, die Empfindungen von Druck z.B. an den Fußsohlen oder in den Gelenken beim Stehen und die Empfindungen in der Halswirbelsäule bei Kopfdrehungen werden zusammen abgeglichen, damit unser Körper weiß, wo er sich im Raum befindet.

Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) liefert wichtige Informationen für die Balance und räumliche Orientierung. Es befindet sich im Innenohr und besteht aus den Bogengängen und den Makulaorganen. Das auch als Vestibularapparat bezeichnete Gleichgewichtsorgan ist über einen besonderen Nerv, den Nervus vestibulocochlearis, mit Vestibularis-Nervenkernen im Hirnstamm verbunden. In dieser Schaltzentrale des Gleichgewichts gehen außerdem Informationen ein, die Augen, Rückenmark und Kleinhirn liefern.

Die Informationen, die unser Gleichgewichtssinn aus optischem, propriozeptivem und vestibulärem System im zentralen Nervensystem (ZNS) aufnimmt und verarbeitet, werden ihm unter anderem von den Gleichgewichtsorganen (Vestibularorgan) geliefert, die, je eines rechts und links, im Innenohr im Felsenbein sitzen. Es handelt sich dabei um einen kleinen „Apparat“ mit einem großen und einem kleinen Vorhoffsäckchen sowie drei bogenförmigen Gängen. Diese sind zum Teil mit Lymphflüssigkeit gefüllt und stehen jeweils im rechten Winkel zueinander - etwa so wie die drei Seiten eines Würfels, die in einer seiner Ecken aufeinandertreffen. An den inneren Wänden befinden sich hochempfindliche Tast- bzw. Sinneshaare, von denen jedes Einzelne mit einem Nerv verbunden ist. Bei jedem noch so kleinen Positionswechsel des Kopfes bewegt sich die Flüssigkeit in den Bogengängen. Das reizt die Sinneshärchen, welche diese Reize an das Gleichgewichtszentrum und Kleinhirn weiterleiten. Diese Bogengänge sind für die Wahrnehmung von Drehbewegungen des Kopfes (oder des Körpers mitsamt dem Kopf) im Raum verantwortlich.

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Wie das Gleichgewicht funktioniert:

  1. Rezeptoren: Rezeptoren in den Bogengängen, den Makulaorganen, den Augen, den Fußsohlen, den Gelenken und der Halswirbelsäule nehmen Raumbild, Druck, Bewegungen und Drehungen wahr.
  2. Nervus vestibulocochlearis: Das Gleichgewichtsorgan ist über den Nervus vestibulocochlearis mit den Vestibularis-Nervenkernen im Hirnstamm verbunden.
  3. Hirnstamm: In der Schaltzentrale des Gleichgewichts im Hirnstamm laufen Informationen von Augen, Rückenmark und Kleinhirn zusammen.
  4. Informationsfluss: Dank der komplexen Verknüpfung von Gleichgewichtssystem und anderen Sinnesorganen können wir uns im Raum orientieren - auch bei raschen Bewegungsabläufen und Positionsänderungen.

Störungen des Gleichgewichtsnervs und ihre Auswirkungen

Ist nur ein einziger Teil des gesamten Informationsflusses gestört, erhalten die Vestibularis-Nervenkerne Signale, die einander widersprechen. Die Folge sind Schwindel, Schwierigkeiten bei der Koordination und Gleichgewichtsstörungen. Treten in diesem komplexen System der Gleichgewichtsempfindung Störungen auf, hat der Körper Probleme, eine plausible Aussage über die Körperlage im Raum zu erstellen und meldet „Schwindel“. Hiermit erklärt sich, dass vielerlei Störungen im Körper zu Schwindel-Empfindungen führen können und deswegen mehrere medizinische Fachbereiche an der Schwindel-Diagnostik und Behandlung beteiligt sein müssen.

Verschiedene Arten von Schwindel

Es ist wichtig, zwischen Dreh- und Schwankschwindel zu unterscheiden. Mit Drehschwindel ist das Gefühl gemeint, wenn man sich schnell dreht und danach versucht, geradeaus zu laufen. Ein ähnliches Gefühl stellt sich auf einem schnell drehenden Karussell ein. Anders ist der Schwankschwindel. Er bezeichnet ein Gefühl wie auf einem schwankenden Schiff. Man hat Schwierigkeiten, auf den Beinen sicher zu laufen, aber die Unsicherheit geht nicht in eine bestimmte Richtung.

  • Drehschwindel: Gefühl einer Drehbewegung, oft ausgelöst durch Probleme im Innenohr.
  • Schwankschwindel: Gefühl der Unsicherheit und des Schwankens, als ob man auf einem Schiff wäre.

Ursachen für Schwindel

Die Ursachen für Schwindel können vielfältig sein:

  • Akut auftretender, anhaltender Dreh- oder Schwankschwindel: Dies spricht für einen Ausfall oder eine Entzündung eines Gleichgewichtsnerven oder eine Durchblutungsstörung in den Gleichgewichtszentren des Hirnstammes oder Kleinhirns, wie beispielsweise nach einem Schlaganfall.
  • Wiederholte Schwindelanfälle mit Auslöser: Diese können auf einen gutartigen Lagerungsschwindel hinweisen, insbesondere wenn sie durch Lagewechsel ausgelöst werden.
  • Wiederholte Schwindelanfälle ohne Auslöser: Hier könnte es sich um eine vorübergehende Durchblutungsstörung nach einem „Mini-Schlaganfall“ (TIA) in den Gleichgewichtszentren des Gehirns handeln.

Häufige Störungen des Gleichgewichtsnervs

  • Gutartiger Lagerungsschwindel (BPPV): Bei fast jedem fünften Fall handelt es sich um einen gutartigen Lagerungsschwindel, der komplett heilbar ist. Hier tritt plötzlich starker Drehschwindel auf, ausgelöst durch Kopf- und Körperbewegungen. Bei Ruhe klingt der Schwindel nach 10 bis 20 Sekunden wieder ab. Der Lagerungsschwindel ist auf Probleme mit dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr zurückzuführen. Dort befinden sich Sinneszellen, die mit winzigen, leicht beweglichen Kalksteinchen verbunden sind. Zusammen erfassen sie, ob und wie der Kopf gedreht wird. Die Ohrsteinchen können sich jedoch lösen und die Sinneszellen bei gewissen Körperbewegungen oder ‑positionen zusätzlich reizen. Die Behandlung liegt dann auf der Hand: Das losgelöste Steinchen muss aus dem sogenannten Bogengang des Gleichgewichtsorgans entfernt werden. In der Praxis geschieht das durch ein sogenanntes Befreiungsmanöver.
  • Akute unilaterale Vestibulopathie (AUVP): Bei anhaltendem Drehschwindel können auch Durchblutungsstörungen oder eine virale Entzündung des Gleichgewichtsnerven vorliegen (akute unilaterale Vestibulopathie - AUVP). Weitere Symptome sind dabei starke Übelkeit, Erbrechen, Augenzittern und Fallneigung zur betroffenen Seite. Für diese Fälle gibt es in der Akutphase wirksame Medikamente. Bei der AUVP kommt es innerhalb von ein bis zwei Wochen zum Stillstand der Beschwerden.
  • Morbus Menière: Die nach dem französischen Arzt Prosper Menière benannte Erkrankung macht sich durch plötzlichen, anfallsweisen Drehschwindel mit Hörverlust und Ohrgeräusch unterschiedlicher Dauer bemerkbar. Die Anfälle können in unterschiedlichen Zeiträumen und mit verschiedener Häufigkeit auftreten. Manche der betroffenen Personen können spüren, wenn sich ein neuer Anfall anbahnt. Ursache ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand ein Überdruck im einen der beiden Flüssigkeitsräume des Gleichgewichtsorgans, dem Endolymphraum. Die Behandlung erfolgt nach einem Stufenschema: Zuerst stehen Medikamente zur Verfügung, die in ca. zwei Dritteln aller Fälle den Betroffenen eine Besserung bringen. Bestehen die Beschwerden fort und ist die Medikamentenbehandlung ausgereizt, kann eine druckentlastende Operation hilfreich sein, die das Gehör in den allermeisten Fällen erhält.
  • Funktioneller Schwindel: Am häufigsten leiden Betroffene unter einem sogenannten funktionellen Schwindel. Auslöser ist oft eine organische Erkrankung im Gleichgewichtssystem, die ursprünglich Schwindel auslöste. Das kann zum Beispiel ein Lagerungsschwindel oder eine Entzündung des Gleichgewichtsnerven sein. Mitunter bleiben Schwindelbeschwerden dann bestehen, auch wenn die Krankheit ausgeheilt ist. Der Grund für den funktionellen Schwindel ist im Gehirn zu suchen: Macht der Schwindel Betroffenen sehr zu schaffen, kann schon die Angst vor einer nächsten Attacke erneuten Schwindel auslösen. Dieser Teufelskreis verfestigt sich dann unabhängig von körperlichen Ursachen. Besonders hoch ist die Gefahr für die Entwicklung eines funktionellen Schwindels, wenn der Schwindel plötzlich auftritt oder seine Ursachen den Betroffenen nicht klar sind. Das verunsichert und fördert, dass der Schwindel immer wiederkommt und bestehen bleibt. Der Grund: Betroffene vermeiden oft alles, was Schwindel auslöst. Ist der Gleichgewichtssinn aus dem Lot, werden aktive Kopf- oder Körperbewegungen vom Gehirn falsch vorausberechnet.

Diagnose von Gleichgewichtsstörungen

Wichtig ist, dass zunächst eine korrekte Diagnose mittels einer fachgerechten klinischen Untersuchung gestellt wird. Die genaue Diagnostik von Schwindelbeschwerden ist eine anspruchsvolle Aufgabe, für die in spezialisierten Polikliniken gerüstet wird. Die umfangreich verfügbare Diagnostik wird ergänzt durch die Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen, insbesondere der Augenklinik und der Neurologischen Klinik, aber auch weiterer Fachkliniken im Haus.

Die erste Anlaufstelle bei Gleichgewichtsstörungen ist in der Regel der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Der Arzt untersucht die Gehörgänge zunächst optisch (Otoskopie) und führt gegebenenfalls Hör- und Gleichgewichtstests durch. Auch die Beobachtung der Pupillen mithilfe einer Spezialbrille ist möglich und erleichtert die Diagnose von Lagerungsschwindel. Außerdem werden bildgebende Verfahren wie Röntgen und Magnetresonanztomographie (MRT), Blut- und Urinuntersuchungen und Messungen des Blutdrucks herangezogen, wenn sich die Ursachen für Gleichgewichtsstörungen nicht unmittelbar abklären lassen.

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Diagnostische Verfahren:

  • Anamnese (Patientengespräch): Die Schilderung der typischen Symptome akuter Schwindel, Übelkeit und Fallneigung zu der betroffenen Seite sind wegweisend für die Diagnose.
  • Körperliche Untersuchung: Eine körperliche Untersuchung inklusive neurologischer Befunderhebung wird durchgeführt, ebenso eine Untersuchung der Gehörgänge und des Trommelfells.
  • Hörtest: Das Hörvermögen muss bei HNO-Ärzt*innen durch einen Hörtest abgeklärt werden, dort erfolgen auch ggf. weitere Tests. Bei einer Neuritis vestibularis ist das Hörvermögen normal.
  • Gleichgewichtstests: Beobachtung der Pupillen mithilfe einer Spezialbrille ist möglich und erleichtert die Diagnose von Lagerungsschwindel.
  • Video-Elektronystagmographie (VENG): Bei der Video-Elektronystagmographie werden Augenbewegungen erfasst, die durch Reize des Gleichgewichtssystems ausgelöst werden.
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels: Bei Verdacht auf zentrale Ursachen wie Durchblutungsstörungen, Tumoren oder andere strukturelle Veränderungen setzen wir die strahlungsfreie MRT des Schädels ein.
  • Blutdruckmessung und EKG: Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuschließen.
  • Blut- und Urinuntersuchungen: Bei Verdacht auf Stoffwechselstörungen oder Entzündungen.

Therapieansätze bei Gleichgewichtsstörungen

Am Ende der Diagnostik steht ein individuelles Therapiekonzept. Zu diesem gehören je nach Ursache der Beschwerden gezielte physiotherapeutische Maßnahmen, Übungsbehandlungen, Medikamente oder operative Verfahren. Ein übergreifendes Therapieziel ist, dass Betroffene nicht anfangen, die Auslöser des Schwindels zu vermeiden, sondern ihn wie beschrieben behandeln lassen.

  • Befreiungsmanöver bei Lagerungsschwindel: In der Praxis geschieht das durch ein sogenanntes Befreiungsmanöver. Entscheidend ist, welcher der Bogengänge betroffen ist und wie präzise die Lagerungsmanöver durchführbar sind. Im Erfolgsfall sind dann keine weiteren Übungsbehandlungen zu Hause mehr notwendig. In spezialisierten Kliniken verfügen wir über einen hierzu speziell entwickelten Lagerungsstuhl, der in allen Raumachsen drehbar ist.
  • Medikamentöse Therapie: In den ersten Tagen kann die Gabe von Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) und Antiverginosa (Medikamente gegen Schwindel) in Kombination mit Kortison sinnvoll sein. Bei Menière stehen Medikamente zur Verfügung, die in ca. zwei Dritteln aller Fälle den Betroffenen eine Besserung bringen.
  • Vestibuläre Rehabilitation: Zur Behandlung des funktionellen Schwindels sollte eine spezielle Physiotherapie, eine sogenannte vestibuläre Rehabilitation, einzeln oder zusammen mit einer Verhaltens-Psychotherapie erfolgen. Diese Art der Physiotherapie umfasst ein systematisches Training, in dem man das Gleichgewicht durch ständige Bewegungsreize schult. Es wird quasi neu kalibriert. Das geschieht zunächst nur mittels Augenbewegungen, dann mit Kopfbewegungen und danach mit Balance-Übungen. Möglich ist das Training alleine oder mit therapeutischer Begleitung. Ein wichtiger Baustein der vestibulären Rehabilitation ist ein Desensibilisierungs-Training. Hier konfrontieren Betroffene sich gezielt und angeleitet mit Schwindel auslösenden Bedingungen und Bewegungen. Dabei konzentrieren sie sich mit dem Blick auf räumlich stabile Bezugspunkte (etwa Türrahmen, Wände, Bäume, Fensterrahmen) und halten sich quasi optisch daran fest.
  • Psychotherapie: Bei der Psychotherapie steht zunächst im Vordergrund, über das Krankheitsbild aufzuklären. Dann geht es darum, Ursachen wie zum Beispiel Ängste mit verhaltenstherapeutischer Hilfe zu überwinden.
  • Chirurgische Eingriffe: Bei Morbus Menière kann eine druckentlastende Operation hilfreich sein, die das Gehör in den allermeisten Fällen erhält. In den seltenen Fällen, in denen der Krankheitsverlauf das Gehör bis zum fast völligen Hörverlust geschädigt hat und dennoch Schwindelanfälle fortbestehen, kann eine ausschaltende Operation des Hör- und Gleichgewichtsorgans mit Einsetzen einer elektronischen Hörhilfe (Cochlea-Implantat) sinnvoll sein.
  • Physiotherapie und Schwindeltraining: Gezielte Übungen stabilisieren das Gleichgewichtssystem und fördern die Wiederherstellung nach Lagerungsschwindel oder Vestibularisausfällen.

Weitere wichtige Aspekte

  • Schwindeltagebuch: Treten leichtere Schwindelanfälle gehäuft auf, ist es „oftmals sinnvoll, ein Schwindeltagebuch zu führen,“ sagt der Celler Schwindel-Experte Heide.
  • Körperliche Aktivität: Gut sind auch körperliche Aktivitäten und Sportarten mit schnellen Bewegungen, wie Turnen, Ballspiele oder Tanzen. Zwar führen die Bewegungsreize vorübergehend zu vermehrtem Schwindel.
  • Fahrtüchtigkeit: Das Führen eines Kfz ist beim akuten Schwindel nicht gestattet, die Dauer des Fahrverbots hängt von der jeweiligen Erkrankung ab.
  • Notfallmaßnahmen: Hat der Schwindel akut begonnen oder ist er sehr einschränkend? Dann kann es sinnvoll sein, sich rasch in eine Notaufnahme zu begeben.

Komplexe Schwindelbeschwerden im Alter

Komplexe Schwindelbeschwerden sind vor allem bei älteren Patienten häufig und stellen eine besondere diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Hier ist nicht nur ein Anteil der Sinneswahrnehmung betroffen. Vielmehr wirken mehrere Teilstörungen, zum Beispiel des Sehens, des Steh- und Gehvermögens und auch deren Zusammenspiel im Gehirn zu Beschwerden völlig unterschiedlicher Ausprägung zusammen. Neben der detaillierten Diagnostik werden hierzu auch je nach Notwendigkeit unsere Nachbarfächer in der Augenklinik, der Neurologischen Klinik und andere Kliniken hinzugezogen. Das Ziel ist, die noch am besten funktionsfähigen Anteile an der Orientierung im Raum - zum Beispiel durch eine neue Brillenversorgung oder durch Krafttraining mit nachgeschaltetem Gleichgewichtstraining - gezielt zu fördern. Das erfordert in der Regel ein individualisiertes Behandlungskonzept.

Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche

Da Schwindel vielfältige Ursachen haben kann, ist häufig eine fachübergreifende Diagnostik erforderlich. Es findet eine sehr enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der HNO-Klinik und der Neurologischen Klinik bei Patient*innen mit Schwindelerkrankungen statt.

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