Glioblastom-Behandlung: Der Einsatz von 5-ALA vor der Operation

Ein Glioblastom ist eine aggressive Form von Hirntumor, deren Behandlung eine Herausforderung darstellt. In den letzten Jahren wurden jedoch bedeutende Fortschritte erzielt, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Eine vielversprechende Methode zur Verbesserung der chirurgischen Ergebnisse ist die Verwendung von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) zur Markierung von Tumorgewebe vor der Operation. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von 5-ALA, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für Glioblastome und die Bedeutung eines interdisziplinären Ansatzes.

Die Rolle der Operation beim Glioblastom

Die operative Entfernung des Tumors spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Glioblastomen. Je vollständiger der Tumor entfernt werden kann, desto größer sind die Chancen, dass es nicht zu einem Rückfall kommt. Dies ist eine allgemeine medizinische Regel, die insbesondere bei Hirntumoren gilt.

5-ALA: Ein Hilfsmittel zur besseren Tumormarkierung

5-Aminolävulinsäure (5-ALA) ist eine körpereigene Substanz, die seit Jahren eingesetzt wird, um Hirntumoren vor einer Operation zu markieren und so das chirurgische Ergebnis zu verbessern. Nach der Einnahme lagert es sich im malignen Gewebe des Tumors an. Der Neurochirurg kann dann unter der OP eine UV-Lampe zuschalten, sodass das Tumorgewebe rot-violett leuchtet. „Das macht gesundes Gewebe klar von bösartigem unterscheidbar und minimiert das Risiko, Hirnregionen zu verletzen“.

Professor Walter Stummer von der Universität Münster konnte bereits 2006 in einer randomisierten internationalen Studie nachweisen, dass die Verwendung von 5-ALA vor neurochirurgischen Hirntumor-OPs gute Möglichkeiten bietet und vor allem die Überlebenszeit der Patienten verlängert.

Multizentrische Studie zur Anwendung bei Kindern

Eine multizentrische Studie unter der Leitung von Medizinprofessor Walter Stummer von der Universität Münster überprüft den Einsatz nun auch bei Operationen von kindlichen Hirntumoren. „Für die Kleinsten fehlt es uns an Erfahrungswerten. Kindliche Hirntumore unterscheiden sich von Tumoren bei Erwachsenen. Und gerade weil das Gehirn bei Kindern noch in der Entwicklung ist, müssen wir hier noch sensibler vorgehen, um einerseits das bestmögliche Operationsergebnis zu erzielen, aber andererseits maximal schonend vorzugehen.“ An der Studie nehmen Experten aus den neurochirurgischen Zentren von Universitätsklinika in Essen, Tübingen, Düsseldorf, Leipzig und München teil. Insgesamt sollen 80 junge Patienten eingeschlossen werden.

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Weitere operative Techniken

Neben der Verwendung von 5-ALA gibt es weitere moderne OP-Techniken, die eingesetzt werden, um das Operationsergebnis zu verbessern und die Risiken für den Patienten zu minimieren.

Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring (IONM)

Das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM) ist eine Methode, bei der während einer Operation die Nerven und das Gehirn überwacht werden. Dies hilft der oder dem Neurochirurg:in, sicherzustellen, dass keine wichtigen Nerven verletzt werden, indem die Funktion dieser Nerven ständig kontrolliert wird. So können Schäden früh erkannt und vermieden werden.

Neuronavigation

Neuronavigation ist wie ein GPS für das Gehirn. Sie hilft den Chirurg:innen, genau zu wissen, wo sie sich im Gehirn befinden, während sie operieren. Vor der Operation machen die Ärzt:innen genaue Bilder vom Gehirn, oft mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie. Diese Bilder werden in ein spezielles Computerprogramm geladen. Während der Operation benutzen die Chirurg:innen Werkzeuge, die von diesem Programm verfolgt werden. Diese Werkzeuge sind wie Navigationsgeräte.

Dank der Neuronavigation können außerdem vorab Kartierungen der Bewegungs-und Sprachzentren des Gehirns erstellt werden. Diese können zur Planung der Operation genutzt werden und erlauben es, während der Operation das Tumorgewebe besser vom gesunden Gewebe abzugrenzen.

Schnellschnittuntersuchung

Noch während der Operation kann entnommenes Gewebe direkt an den oder die Neuropatholog:in als sogenannte Schnellschnittuntersuchung geschickt werden. Die dadurch gewonnenen Informationen können mitunter beeinflussen, wie man operativ vorgeht. Bei diesem Verfahren wird die entnommene Probe schockgefroren und ein Schnitt angefertigt, der mit einer einfachen Färbung untersucht wird. Das Ergebnis dieser Schnellschnittdiagnostik muss den Neurochirurg:innen zeitnah mitgeteilt werden. Eine endgültige Diagnose benötigt aber noch zusätzliche Informationen und kann deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht gestellt werden.

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Weitere Behandlungsmethoden

Da das Glioblastom ein diffus wachsender Tumor ist, ist eine vollständige Entfernung im Sinne einer "Radikalität" oft nicht möglich. Daher sind zusätzliche Behandlungen erforderlich, um das Wachstum des Tumors zu kontrollieren und die Überlebenszeit zu verlängern.

Strahlentherapie

Einfach gesagt: Strahlentherapie ist eine Behandlung, bei der Strahlen verwendet werden, um Krebszellen zu schädigen. Während der Bestrahlung wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlung oder Photonenstrahlung behindert. Dies hemmt das weitere Wachstum der Tumorzellen oder führt im besten Fall auch zum Absterben der Tumorzellen. Neben dem Abtöten von Tumorzellen ist ein weiteres zentrales Ziel, gesundes Hirngewebe zu schonen.

Beim Glioblastom wird die gesamte Strahlendosis meist über 30 kleinere Einzeldosen verteilt, damit das gesunde Gewebe nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Es gibt aber auch, gerade bei älteren Patient:innen, kürzere, sogenannte hypofraktionierte Bestrahlungsschemata. Dabei erhalten Patient:innen höhere Dosen in weniger Sitzungen.

Chemotherapie

Während der Strahlentherapie wird Temozolomid gleichzeitig vom ersten bis zum letzten Strahlentherapietag eingenommen (auch am Wochenende). Die Dosis errechnet sich durch die Körpergröße und das Gewicht des/der Patient:in. Es wird so die Körperoberfläche in m2 berechnet. In der Phase danach wird die Chemotherapie an fünf von 28 Tagen eingenommen, allerdings in einer höheren Dosis pro Tag. Die kompletten 28 Tage bezeichnet man als Zyklus.

Bei einigen Patient:innen ist es sinnvoll, mit einer Kombination aus Temozolomid und einem weiteren Chemotherapeutikum (CCNU, Lomustin) zu behandeln. Das kann dann diskutiert werden, wenn anhand des entnommenen Tumorgewebes eine sogenannte MGMT-Promotor-Methylierung nachgewiesen wurde. Diese Tumore sind mutmaßlich empfindlicher für eine alkylierende Chemotherapie.

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TTFields (Tumortherapiefelder)

Je nach Behandlungsplan kann die Therapie kontinuierlich über mehrere Stunden am Tag erfolgen und mehrere Monate dauern. TTFields sind in der Regel gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautreizungen an den Stellen, an denen die Elektroden angebracht sind.

Stereotaktische Photodynamische Therapie (PDT)

Univ.-Prof. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) hat mit einem Team aus Wissenschaftlern und weiteren Ärzten die sogenannte Stereotaktische Photodynamische Therapie (PDT) entwickelt. Dabei werden feinste Glasfasern - computergestützt millimetergenau geplant - im Tumorgewebe platziert. Unter Einwirkung von rotem Laserlichts geht der Tumor so zu Grunde.

Vor der OP müssen die Ärzte den Tumor allerdings sensibilisieren. „Zunächst muss Tumor gegenüber Licht empfindlich gemacht werden. Dazu geben wir dem Patienten 5-Aminolävulinsäure (kurz: 5-ALA). Das führt dazu, dass sich - beschränkt auf das Tumorgewebe - ein roter Farbstoff, das Protoporphyrin IX, ausbildet“, so Stummer. Das bewirkt zum einen, dass das Tumorgewebe unter einem bestimmten Licht leuchtet (fluoresziert). Das Operationsfeld wird also genau markiert. Zum anderen werden die Krebszellen durch das Protoporhyrin anfällig für Laserlicht. „Wir können auf diese Weise den Tumor sehr selektiv zerstören. Bei schwer zugänglichen, tiefliegenden Tumoren ist das gegenüber konservativen Operation ein großer Vorteil und manchmal die einzige Möglichkeit.“

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind bislang nicht bekannt. Bei den meisten Betroffenen tritt diese Tumorart spontan und ohne erkennbare Auslöser auf. Es gibt keine spezifische Lebensweise oder Ernährung, die nachweislich als Ursache ein Glioblastom provoziert. Dennoch sind einige Risikofaktoren bekannt, die die Wahrscheinlichkeit für einen Hirntumor wie das Glioblastom erhöhen können: Dazu gehören ionisierende Strahlung und genetische Veranlagung.

Interdisziplinärer Ansatz

Gut zu wissen: Bei der Behandlung eines Glioblastoms wirken viele medizinische Fachdisziplinen zusammen. Darunter: Neurochirurgie, Neurologie, internistische Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Radiologie und Neuropsychologie. An einem Neuroonkologischen Zentrum gibt es ein interdisziplinäres Team mit viel Erfahrung, das im Tumorboard die beste Entscheidung im Sinne einer Patientin bzw. eines Patienten trifft.

Was Patienten tun können

  • Sammelt eure Daten: alle Untersuchungsberichte kopieren und zusammenhalten.
  • Holt euch eine Zweitmeinung ein - aber vermeidet auch ein von Ärzt:innen-zu-Ärzt:innen-Hopping.
  • Erkundigt euch nach klinischen Glioblastom-Studien, die für euch infrage kommen könnten.

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