Glioblastom: Aktuelle Forschungsergebnisse und klinische Studien

Das Glioblastom (GBM), früher als Glioblastoma multiforme bekannt, ist ein aggressiver Hirntumor, der zu den Gliomen gehört. Diese Tumoren entstehen in der Regel im Gehirn und werden als Grad-4-Gliome klassifiziert. Es wird vermutet, dass sie aus dem Stützgewebe des Gehirns (Gliazellen) entstehen, obwohl dies nicht mit Sicherheit bekannt ist. Die Zellen teilen sich schnell, was zu einem raschen und aggressiven Wachstum führt.

Diagnostik und Bildgebung

Bei der Diagnose können Glioblastome an einer oder mehreren Stellen im Gehirn sichtbar sein. Das Wachstum ist diffus und infiltrativ, was bedeutet, dass die Tumorzellen unkontrolliert in das gesunde Hirngewebe hineinwachsen. Es wird angenommen, dass es immer auch Tumorzellen gibt, die für den Arzt nicht sichtbar sind. Bildgebende Untersuchungen spielen in allen Phasen der Erkrankung eine wesentliche Rolle. Heutzutage stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, um den Tumor sichtbar zu machen. Alle hier genannten bildgebenden Verfahren sind sichere, sehr gut standardisierte Verfahren, die den behandelnden Ärzten wichtige Informationen liefern.

Standardtherapien und Behandlungsansätze

Der erste Schritt bei der Behandlung eines Glioblastoms ist in der Regel die operative Entfernung, die sogenannte Tumorresektion. Diese zielt auf eine möglichst vollständige Entfernung des sichtbaren Tumoranteils unter Erhalt der verschiedenen neurologischen und kognitiven Funktionen des Gehirns ab. Leider kann dieser Tumor mikroskopisch nicht komplett entfernt werden. Es ist daher eine Nachbehandlung notwendig. Weitere Therapiemodalitäten im Anschluss an die Operation sind die Strahlentherapie, die Chemotherapie und Tumor Treating Fields.

Neuropathologie

Die pathologische Diagnosesicherung anhand von histologischen Gewebeproben und molekularer Diagnostik ist der Goldstandard in der Diagnostik der Hirntumoren. Diese Aufgabe kommt der Neuropathologie zu, wobei die Anfertigung der Diagnose Glioblastom ein mehrstufiger Prozess ist. Zunächst wird häufig noch während der Operation Material zur sogenannten Schnellschnittdiagnostik eingesandt. Die aktuelle neuropathologische Diagnostik der Hirntumoren integriert auch die molekularen Befunde der Gewebeprobe.

Strahlentherapie

Im Anschluss an die Resektion oder Biopsie erfolgt im Rahmen der Standardbehandlung eine simultane (gleichzeitige) Bestrahlungs- und Chemotherapie. Bei der Bestrahlung wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen, sogenannte Photonenstrahlung, behindert. Dies hemmt das weitere Wachstum der Tumorzellen und führt im besten Fall auch zum Absterben der Tumorzellen. Gesunde Zellen reagieren auf die Bestrahlung anders als die Zellen des Glioblastoms.

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Chemotherapie

Neben der Bestrahlung gehört zur Standardbehandlung des Glioblastoms eine Chemotherapie mit dem Medikament Temozolomid. Die Chemotherapie hindert die Tumorzellen daran, sich zu vermehren. Temozolomid gehört unter den Chemotherapeutika (Zytostatika) zu den sogenannten Alkylanzien. Alkylanzien können die Erbinformation des Glioblastoms (DNA) nachhaltig schädigen und die DNA-Vervielfältigung (Replikation) behindern.

Tumortherapiefelder (TTFields)

Neben Operation sowie Strahlen- und Chemotherapie gehört die TTFields-Therapie zu den Standardbehandlungen beim Glioblastom und Astrozytom Grad 4 bei Erwachsenen. Es handelt sich bei der TTFields-Therapie um eine lokale, nicht-invasive Behandlung, die zu Hause durchgeführt wird. Die Therapie wird über vier spezielle Arrays verabreicht.

Weitere Therapieansätze

Immuntherapien

Diese Behandlungsformen können im Rahmen kontrollierter Studien in neuroonkologischen Zentren eingesetzt werden, mit dem Ziel, die Prognose und damit das Überleben zu verbessern. Diese Therapien können auch im Rezidiv, nach Ausschöpfung aller „Standardtherapien“, eine Rolle spielen. „Unspezifische“ Immuntherapien, die meist auch nicht von der Krankenkasse übernommen werden, sollten kritisch hinterfragt werden. Oft sind diese beim Einsatz bei Patienten mit einem Glioblastom nicht hilfreich, erwecken aber falsche Hoffnungen; dies sollten Sie unbedingt mit Ihren betreuenden Ärzten diskutieren!

Behandlungsoptionen im Glioblastom-Rezidiv

Bei einem erneuten Tumorwachstum (Rezidiv) gibt es kein komplett standardisiertes Vorgehen. Oft gibt es verschiedene zu diskutierende Optionen. Dies hängt von der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand der Patienten, der Verträglichkeit bisheriger Therapien und dem grundsätzlichen Patientenwunsch ab. Eine Rezidivbehandlung kann z. B. folgendermaßen aussehen: eine erneute Operation, eine zweite Strahlentherapie (in der Regel maximal zweimal an der gleichen Stelle, mit mindestens sechs Monaten Abstand), eine (erneute) Chemotherapie mit Temozolomid, eine Weiterführung der TTFields-Therapie, eine Chemotherapie mit Lomustin (CCNU), eine medikamentöse Therapie mit Bevacizumab (in Deutschland nur bei Strahlennekrose zugelassen) oder eine experimentelle Therapie mit neueren verfügbaren Substanzen (z. B. auch nach Untersuchung in einem molekularen Tumorboard (MTB), beides nur auf Antrag und mit Genehmigung der Krankenkasse). Auch eine rein palliative Versorgung mit möglichst optimaler Versorgung der Symptome kann bei einem schlechten Zustand eine sinnvolle Möglichkeit sein.

Klinische Studien und Forschung

In vielen neuroonkologischen Zentren werden klinische Studien angeboten. In Studien können Patienten unter jeweils bestimmten Voraussetzungen eingeschlossen werden und erhalten somit frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren. Damit sollen neue Medikamente, neue Therapieansätze oder neue diagnostische Verfahren untersucht werden in der Hoffnung, dadurch den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und die Prognose der Erkrankten verbessern zu können. Dies erfolgt nur mit dem Einverständnis der Patienten nach streng vorgegebenen Studienprotokollen. Die Sicherheit der Teilnehmer muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein. Mögliche Vorteile können der Zugang zu neuen Medikamenten oder Behandlungsverfahren und eine noch engmaschigere Betreuung sein. Nachteile können zusätzliche Nebenwirkungen und weitere Vorstellungstermine oder Behandlungen ohne Mehrwert sein, aber auch die Anreise zu Studienzentren in weiter Entfernung bedeuten.

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Aktuelle Studien und Ergebnisse

  • APG101: Ein neuartiger Wirkstoff, der in klinischen Studien untersucht wird, um das invasive Wachstum der Tumorzellen zu hemmen. Erste Ergebnisse sind erfolgversprechend und zeigen, dass mehr Patienten, die mit APG101 in Kombination mit Strahlentherapie behandelt wurden, innerhalb von sechs Monaten keine Anzeichen für ein Fortschreiten des Tumors zeigten.
  • N2M2-Studie: Eine multizentrische Studie, die den Einsatz zielgerichteter Medikamente in der Ersttherapie bei neu diagnostiziertem Glioblastom prüft. Der Wirkstoff Temsirolimus, der bereits bei Nierenkrebs eingesetzt wird, zeigte positive Resultate.
  • MecMeth Studie: Untersucht die kombinierte MFA/TMZ Therapie in der klinischen Anwendung bei Patienten im ersten Rezidiv eines Glioblastoms mit methyliertem MGMT-Promotor.

Relevante Studienregister

Informationen zu klinischen Studien des Hirntumors Glioblastom (GBM) sind auf clinicaltrialsregister.eu unter der angegebenen EudraCT-Nr. und der angegebenen DRKS-Nr. zu finden.

Nachsorge und Leben mit dem Glioblastom

Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern. Erfahrungsgemäß ist es jedoch bei Hirntumorpatienten besonders wichtig, die familiäre und psychische Situation zu bedenken und diejenigen, die gern in ihrer häuslichen und familiären Umgebung sein möchten, nicht um jeden Preis in eine stationäre Rehabilitation ohne ihr Umfeld zu schicken. Oft ist eine Stabilisierung der Situation zu Hause erst einmal wichtiger. Darüber hinaus ist auch immer die Frage zu stellen, wo welches Defizit sinnvoll beübt und behandelt werden kann.

Psychoonkologie

Patienten, die an einem bösartigen Hirntumor leiden, erleben die Diagnose in der Regel als einen massiven Einschnitt in ihr Leben und als eine sehr starke Belastung. Häufig sind Verunsicherung, Angst und Ärger oder auch eine beeinträchtigte Stimmungslage die Folge. Hinzu kommen mehr oder minder stark ausgeprägte Einbußen der geistigen Funktionen, wie Konzentration und Gedächtnis. All diese Folgen führen oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aber es sind nicht nur die Patienten selbst betroffen, häufig sind auch die Familienangehörigen belastet.

Molekulare Mechanismen und Targets

SFRP1 und der Übergang zwischen Aktivitätszuständen

Forschende haben herausgefunden, dass das Signalprotein SFRP1 eine wichtige Rolle bei der Verlangsamung des Übergangs vom ruhenden zum aktivierten Zustand von Glioblastomzellen spielt. SFRP1 hemmt den Wnt-Signalweg, der für die Aktivierung von Stammzellen wichtig ist. Die Überexpression von SFRP1 konnte in Mausmodellen das Tumorwachstum signifikant verlangsamen und die Tumorzellen in einen Schlafmodus versetzen.

MGMT-Promotor-Methylierungsstatus

Der Methylierungsstatus des MGMT-Genpromotors ist ein wichtiger molekularer Marker in Glioblastomen. Patienten, deren Tumorgewebe eine methylierte MGMT-Genpromotor-Region aufweist, sprechen durchschnittlich besser auf alkylierende Chemotherapien an.

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Herausforderungen und Ausblick

Trotz der Fortschritte in der Glioblastomforschung bleibt die Behandlung eine Herausforderung. Die Tumoren sind oft schwer zu entfernen, und es besteht ein hohes Risiko für ein Rezidiv. Die Forschung konzentriert sich weiterhin auf die Entwicklung neuer Therapien, die gezielter und wirksamer sind.

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