Jede Krebserkrankung ist einzigartig, und der Verlauf eines Glioblastoms, einer besonders aggressiven Form von Hirntumor, ist oft unberechenbar. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über den Verlauf eines Glioblastoms geben, Behandlungsoptionen aufzeigen, den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und aufzeigen, wie Angehörige und Betroffene Unterstützung finden können.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom (früher „Glioblastoma multiforme“) ist ein bösartiger Hirntumor, der zur Gruppe der Gliome gehört. Diese Tumoren entstehen in der Regel nur im Gehirn und werden als Grad 4 Gliome eingestuft, der höchsten WHO-Klassifikation. Es wird vermutet, dass sie aus dem Stützgewebe des Gehirns (Gliazellen) entstehen, aber die genaue Ursache ist unbekannt. Glioblastome zeichnen sich durch schnelles, aggressives Wachstum aus, wobei sich die Zellen meist sehr rasch teilen. Bei Diagnosestellung können sie an einer oder mehreren Stellen im Gehirn sichtbar sein und wachsen diffus und infiltrativ in das gesunde Gehirngewebe hinein.
Verlauf eines Glioblastoms
Der Verlauf eines Glioblastoms ist individuell sehr verschieden. Einige Patienten sterben bereits wenige Wochen oder Monate nach der Diagnose, während andere länger leben. Der Verlauf hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art, Größe und Ausbreitung des Tumors: Je früher eine Krebserkrankung diagnostiziert wird und mit der Behandlung begonnen werden kann, desto besser ist die Prognose.
- Allgemeinzustand des Patienten: Ein geschwächtes Immunsystem bei Krebs im Endstadium kann dazu führen, dass beispielsweise eine Lungenentzündung tödlich verläuft.
- Ansprechen auf die Behandlung: Dank des medizinischen Fortschritts steigt die Lebenserwartung von Krebspatient:innen kontinuierlich. Neue Therapien wie die Immunonkologie sowie erweiterte Behandlungsmöglichkeiten selbst für fortgeschrittene Krankheitsstadien führen dazu, dass Patient:innen mit onkologischen Erkrankungen zunehmend länger und besser überleben. Krebspatient:innen, die noch vor einigen Jahren als „final und austherapiert“ galten, können heute behandelt werden.
Stadien der Krebserkrankung
Mediziner unterscheiden verschiedene Stadien im Krankheitsverlauf, um einheitlich zu bewerten und zu beschreiben, wie weit sich der Krebs bereits ausgedehnt hat. Das gängigste Klassifikationssystem ist die TNM-Klassifikation:
- T (Tumor): Beschreibt die Größe des Ursprungstumors (T0 bis T4). T0 bedeutet, dass kein Primärtumor vorhanden ist.
- N (Nodus): Gibt an, ob und wo Lymphknoten von Krebszellen befallen sind (N0 bis N3). N0 bedeutet, dass keine Lymphknoten befallen sind.
- M (Metastasen): Drückt aus, ob sich Tochtergeschwülste oder Fernmetastasen gebildet haben.
Für einige Krebsarten gibt es eigene Klassifikationssysteme, z.B. für Hirntumore. Das jeweilige Stadium gibt Hinweise auf den weiteren Verlauf der Krebserkrankung. Krebsfrühformen sind Tumore in einem frühen Stadium, sogenannte „in situ-Tumoren“ (Tis), die sich an ihrem Ursprungsort befinden.
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Eine Krebserkrankung im Stadium 4 bedeutet nicht zwangsläufig das Endstadium. Der Tumor wächst dann zunehmend, die Lymphknoten sind von Krebszellen befallen und es haben sich Metastasen gebildet. In der Folge können wichtige Körperfunktionen erschwert werden und der Patient verliert langfristig an Kräften.
Das Endstadium
Wenn die behandelnden Ärzte mitteilen, dass keine Aussicht auf Heilung mehr besteht, beginnt das Endstadium. Im Endstadium verdrängen Krebszellen weitgehend die gesunden Körperzellen im betroffenen Organ, was dazu führt, dass das Organ seine Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen kann. Wenn der Tumor oder die Metastasen ungehemmt wachsen, kann dies zu Gefäßverschlüssen führen, wodurch anliegendes Gewebe nicht mehr richtig durchblutet wird und abstirbt. Dies kann Entzündungsreaktionen im Körper auslösen.
Symptome und Begleiterscheinungen
Glioblastomerkrankungen können durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden, je nachdem, an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet. Im Endstadium können folgende Symptome und Begleiterscheinungen auftreten:
- Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue): Eine generelle Erschöpfung, die auch durch ausreichend Schlaf nicht beseitigt werden kann.
- Wassereinlagerungen im Körper: Können nach einer Krebsoperation entstehen, in der die Lymphknoten entfernt wurden, oder sich an bestimmten Körperstellen ansammeln, z.B. im Bauchraum (Bauchwassersucht oder maligner Aszites).
- Gewichtsverlust (Tumorkachexie): Ungewollter Gewichtsverlust durch eine krebsbedingte Mangelernährung. Eine kalorien- und nährstoffreiche Ernährung, z.B. in Form von hochkalorischer Trinknahrung, kann helfen, der Mangelernährung entgegenzuwirken.
- Schmerzen: Schmerzen, aber auch die medikamentöse Schmerzbehandlung können zu einer Wesensveränderung führen.
- Mundtrockenheit: Im Endstadium leiden viele Betroffene unter anhaltender Mundtrockenheit.
- Veränderter Stoffwechsel: Kann zu einem unangenehmen Geruch im Zimmer führen.
- Schwitzen oder Frieren: In der letzten Lebensphase kann es sein, dass die Betroffenen entweder stark schwitzen oder frieren.
Behandlungsmöglichkeiten
Der erste Schritt bei der Behandlung eines Glioblastoms ist in der Regel die operative Entfernung (Tumorresektion). Diese zielt auf eine möglichst vollständige Entfernung des sichtbaren Tumoranteils unter Erhalt der neurologischen und kognitiven Funktionen des Gehirns ab. Da der Tumor mikroskopisch nicht komplett entfernt werden kann, ist eine Nachbehandlung notwendig.
Weitere Therapiemöglichkeiten sind:
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- Strahlentherapie: Behindert die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen und hemmt das weitere Wachstum der Tumorzellen.
- Chemotherapie: Hindert die Tumorzellen daran, sich zu vermehren. Temozolomid ist ein häufig verwendetes Medikament, das die Erbinformation des Glioblastoms (DNA) nachhaltig schädigen kann.
- Tumor Treating Fields (TTFields): Eine lokale, nicht-invasive Behandlung, die zu Hause durchgeführt wird und die Zellteilung der Tumorzellen durch elektrische Felder stört.
- Immuntherapien (Antikörper etc.): Können im Rahmen kontrollierter Studien in neuroonkologischen Zentren eingesetzt werden, um die Prognose und das Überleben zu verbessern.
Bei einem erneuten Tumorwachstum (Rezidiv) gibt es verschiedene Optionen, die von der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand des Patienten, der Verträglichkeit bisheriger Therapien und dem Patientenwunsch abhängen.
Umgang mit der Erkrankung
Eine Glioblastom-Diagnose ist für Patienten und ihre Angehörigen eine große Herausforderung. Der offene Austausch über Sorgen und Ängste kann helfen, die Krebserkrankung emotional zu verstehen und zu bewältigen. Viele finden ein solches Gespräch mit einem neutralen Gesprächspartner leichter.
Unterstützung für Patienten
- Psychoonkologie: Bietet Unterstützung bei der Bewältigung der psychischen Belastungen der Erkrankung.
- Rehabilitation: Kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, um Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern.
- Sporttherapie: Kann helfen, die körperliche Fitness zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.
- Selbsthilfegruppen und Organisationen: Bieten Informationen, Austausch und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
- Klinische Studien: Bieten Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren.
Unterstützung für Angehörige
Im Laufe einer Krebserkrankung sind viele Patienten zunehmend auf die Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen. Spätestens im Krebs-Endstadium sind viele Menschen pflegebedürftig. Angehörige können den Erkrankten unterstützen, indem sie:
- Ruhe bewahren: Und auf die Wünsche und Bedürfnisse des Erkrankten eingehen.
- Gespräche anbieten: Insbesondere bei ungelösten Konflikten können offene Gespräche helfen, inneren Frieden zu finden.
- Vorsorgedokumente erstellen: In einer Patientenverfügung kann der Patient festhalten, welche medizinischen Maßnahmen im Fall der Fälle ergriffen werden sollen.
- Symptome lindern: Die Symptome, die den Patienten belasten, sollten den Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und pflegenden Angehörigen mitgeteilt werden, damit die Beschwerden gelindert werden können.
- Eine angenehme Umgebung schaffen: Eine Umgebung, in der sich der Patient wohl und sicher fühlt.
- Individuelle Wünsche berücksichtigen: Die Gabe von Speisen und Getränken sollte sich im Endstadium ganz individuell an die Wünsche des Betroffenen richten.
- Für ausreichende Belüftung sorgen: Aufgrund des veränderten Stoffwechsels im Endstadium kann sich ein unangenehmer Geruch im Zimmer ausbreiten.
- Unterstützung suchen: Die Pflege und Betreuung eines krebserkrankten Menschen im Endstadium kann an den Kräften zehren. Angehörige sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Umgang mit dem Sterben
Wenn eine Krebserkrankung im Endstadium ist und die letzte Lebensphase bevorsteht, stellt das eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Ängste und Ungewissheit bestimmen dann oftmals den Alltag. Auf der einen Seite geht es Patienten im Endstadium oftmals darum, inneren Frieden zu finden. Auf der anderen Seite möchten Angehörige meist alles Menschenmögliche tun, damit es dem Erkrankten wieder gut geht.
Das oberste Ziel aller Bemühungen sollte das Höchstmaß an Wohlbefinden und Lebensqualität des Patienten sein. Dies muss nicht zwangsweise in einem Hospiz erfolgen.
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Finanzielle Unterstützung
Spätestens im Krebs-Endstadium sind viele Menschen pflegebedürftig. Es ist ratsam, frühzeitig einen Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse zu stellen. Wird ein Pflegegrad anerkannt, besteht Anspruch auf verschiedene Pflegeleistungen, die im Pflegealltag finanziell entlasten.
Onkologische Notfälle und Komplikationen
Bei Krebspatient:innen können auch plötzliche Notfälle auftreten, die durch die Krebserkrankung selbst oder als Folge der Therapie verursacht werden. Es ist wichtig, diese Notfallsituationen zu erkennen, um schnell und entschlossen handeln zu können. Einige Beispiele für onkologische Notfälle sind:
- Metabolische Notfälle:
- Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH): Hormonstörung, die zu einem Wasserüberschuss und einer Verdünnung der Natriumkonzentration führt.
- Hyperkalzämie: Erhöhter Kalziumspiegel im Blut, vor allem bei Patient:innen mit Knochenmetastasen.
- Diabetische Ketoazidose (DKA): Komplikation bei Diabetes mellitus, die durch Insulinmangel ausgelöst wird.
- Hämatologische Notfälle:
- Leukostase: Verstopfung der Blutgefäße durch eine hohe Anzahl unreifer, weißer Blutkörperchen.
- Tumorlyse: Zerfall von Tumorzellen mit massenhaftem Austritt von Zellbestandteilen ins Blut, was zu einem akuten Nierenversagen führen kann.
- Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC): Überschießende Blutgerinnung, die zu Gefäßverschlüssen und Blutungen führen kann.
- Kardiovaskuläre Notfälle:
- Thrombosen und Embolien: Blutgerinnsel im Gefäßsystem, die zu Schwellungen, Schmerzen und im schlimmsten Fall zu einer Lungenembolie führen können.
- Pulmonologische Notfälle:
- Obere Einflussstauung (Vena-cava-Syndrom): Gestörter Rückfluss des venösen Blutes vom Kopf und den oberen Extremitäten zum Herzen, der zu Schwellungen und Atemnot führen kann.
- Infektiologische Notfälle:
- Neutropenie/neutropenisches Fieber: Verminderte Anzahl neutrophiler Granulozyten (weiße Blutzellen), was zu einem erhöhten Infektionsrisiko führt.
- Sepsis/septischer Schock: Infektion mit einer Beeinträchtigung des gesamten Organismus.
Verstopfung bei Krebs
Während einer Krebstherapie oder als Folge der Tumorerkrankung selbst kann es bei Krebserkrankten zu Verstopfung (Obstipation) kommen. Gegen eine Verstopfung können verschiedene Maßnahmen und Medikamente - sogenannte Abführmittel - helfen.
Ursachen
- Akute Verstopfung:
- Nach einer Operation: Auslöser sind mögliche Nebenwirkungen einiger Narkose- und Schmerzmedikamente, fehlende Bewegung, kurzfristiges Fasten und die veränderte Ernährung.
- Durch Flüssigkeitsmangel: Fieber, Infektionen, Hitzewallungen, Erbrechen oder Probleme mit Essen und Trinken.
- Chronische Verstopfung:
- Nebenwirkung mancher Arzneimittel: Einige Arzneimittel zur Chemotherapie, Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, Medikamente gegen Stimmungsschwankungen oder Schmerzmittel (Opioide).
- Nervenschäden in Bauchraum, Rückenmark oder Gehirn: Auslöser kann die Tumorerkrankung selbst sein oder die Behandlung (Operationen, Bestrahlungen, Chemotherapie).
- Hindernisse in der Magen-Darmpassage: Tumoren im Bauchraum können die Darmpassage einengen.
Was tun bei Verstopfung?
- Ärzte konsultieren: Nicht selbst aktiv werden, ohne vorher mit den Ärzten gesprochen zu haben.
- Lebensstil anpassen: Ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung (sofern ärztlich erlaubt), ausreichend trinken, Bewegung.
- Abführmittel einnehmen: Nur nach ärztlicher Anweisung.
Prävention von Krebs
Generell gehen Mediziner davon aus, dass sich etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vermeiden ließen. Der „Europäische Krebs-Kodex“ mit zehn Anti-Krebs-Regeln kann das Krebsrisiko um etwa 40 Prozent senken:
- Nicht rauchen.
- Übergewicht vermeiden.
- Sich täglich bewegen.
- Frisches Obst und Gemüse essen.
- Stark verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren vermeiden.
- Wenig Alkohol trinken.
- Sich vor der Sonne schützen.
- Krebserregende Stoffe meiden.
- Sich und Kinder impfen lassen.
- Speziell für Frauen: Stillen und vorsichtig mit Hormonpräparaten sein.
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