Chronische Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen und Kopfschmerzen, stellen für viele Menschen eine erhebliche Belastung dar. Konventionelle Behandlungsmethoden bieten oft nur unzureichende Linderung und sind mit Nebenwirkungen verbunden. Daher suchen viele Betroffene nach alternativen Therapieansätzen, darunter die Homöopathie. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Globuli bei Nervenschmerzen und Kopfschmerzen, die Grundlagen der Homöopathie und die wissenschaftliche Sichtweise auf diese Behandlungsmethode.
Chronische Schmerzen: Eine Volkskrankheit
In Deutschland leiden etwa 12 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, was rund 15 Prozent der Bevölkerung entspricht. Als chronisch gilt ein Schmerz, wenn er länger als sechs Monate anhält oder periodisch an mehr als 15 Tagen pro Monat auftritt. Chronische Schmerzen haben sich verselbstständigt, sind losgelöst von der ursprünglichen Erkrankung oder Verletzung und haben ihre Schutzwirkung zumindest im körperlichen Bereich verloren. Typische Beispiele für chronische Schmerzen sind Rücken-, Nerven-, Kopf-, Arthrose-, Tumor- und Phantomschmerzen sowie somatoforme Schmerzstörungen.
Die Komplexität der Schmerzwahrnehmung
Schmerz ist keine objektive Größe, sein Erleben ist individuell. Die persönliche Schmerzwahrnehmung und -toleranz hängt von zahlreichen Faktoren ab, die mit der eigenen Lebensgeschichte verwoben sind. Interessant ist auch, dass bei der Wahrnehmung und Verarbeitung sowohl körperlicher als auch seelischer Schmerzen dieselben Hirnareale aktiv sind, das haben bildgebende Verfahren eindeutig gezeigt. Wie stark ein Schmerz empfunden wird, ist nicht abhängig vom Schweregrad der Gewebeschädigung, mitunter liegt sogar überhaupt keine nachweisbare Verletzung oder Schädigung vor.
Die Schmerz-Angst-Schmerz-Spirale
Das Fatale an chronischen Schmerzen besteht darin, dass der Organismus versucht, das bewährte Muster akuter Schmerzbewältigung auch bei anhaltenden Schmerzen beizubehalten, d.h. Stressreaktion mit Beschleunigung zahlreicher körperlicher Funktionen und die Suche nach einfachen, schnellen und kurzfristigen Lösungen. Gelingt dies nicht, führt der daraus resultierende Dauerstress zu anhaltender Erschöpfung bis hin zur Depressivität. Hinzu kommt die häufige Kopplung von Schmerz und Angst, wodurch der Stress für Körper und Seele chronisch wird. Die Betroffenen empfinden entweder Schmerz oder Angst vor dem Schmerz, was dazu führt, dass ihr Alltag fast vollständig vom Schmerz beherrscht wird. Diese Schmerz-Angst-Schmerz-Spirale muss durchbrochen werden.
Das Schmerzgedächtnis
Um möglichst schnell und effektiv auf potenzielle Bedrohungen reagieren zu können, speichert das Gehirn schmerzhafte Erfahrungen ab. Wenn sich eine solche Erfahrung wiederholt, erinnert sich das Gehirn augenblicklich an das frühere schmerzhafte Erlebnis und stuft die neuerliche Bedrohung als besonders schwerwiegend ein. Die Schmerzschwelle wird herabgesetzt mit dem Resultat verstärkter Schmerzwahrnehmung. Es findet eine Sensibilisierung bezüglich dieses potenziellen Schmerztriggers statt. Fatalerweise lässt sich das Schmerzgedächtnis nicht löschen. Selbst wenn die Ursache des chronischen Schmerzes längst beseitigt ist, erinnert sich das Gehirn noch lange daran. Allerdings können positive Erfahrungen dazu beitragen, das Schmerzgedächtnis zu überschreiben.
Lesen Sie auch: Homöopathie bei Rückenschmerzen
Homöopathie als alternative Behandlungsmethode
Alternative Heilverfahren können die Schmerzen zwar auch nicht immer aus der Welt schaffen, tragen aber dazu bei, den Alltag der Betroffenen lebenswerter erscheinen zu lassen. Insofern bietet sich die Klassische Homöopathie zur Linderung chronischer Schmerzen an: Sie ist individuell und berücksichtigt den Menschen in seiner Komplexität.
Grundlagen der Homöopathie
Samuel Hahnemann, ein deutscher Arzt, entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts die Homöopathie. Im Jahr 1796 und danach veröffentlichte er die Grundgedanken, auf denen die Homöopathie heute aufgebaut ist: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden (similia similibus curentur). Hahnemann zufolge sollten Arzneistoffe, die ähnliches wie die Erkrankung auslösen, hochverdünnt verabreicht werden, in Globuli, kleinen weißen Kügelchen, die süß schmecken. Die Verdünnung der wirksamen Substanz ist in den Globuli allerdings so hoch, dass auf molekularer Ebene praktisch keine Substanzen mehr vorhanden sind.
Die homöopathische Anamnese
Bei der Behandlung soll laut Hahnemann auch der „gemütlich und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden. Homöopathen führen mit neuen Patienten ein ausführliches Gespräch, das manchmal mehr als eine Stunde dauert. Neben Art und Ort der Schmerzen, fließen auch die individuelle Reaktion auf die Beschwerden, Träume, Ängste und Befürchtungen sowie charakteristische Modalitäten in die Wahl des passenden homöopathischen Mittels ein, z.B. was bessert oder verschlechtert.
Beispiele für homöopathische Mittel bei Nervenschmerzen und Kopfschmerzen
Auch homöopathische Arzneimittel können eine hilfreiche Unterstützung bei der Behandlung von Nervenschmerzen sein. Dabei kommen verschiedene Mittel, je nach Auslöser, Ursache, Schmerzart und vielen weiteren Kriterien, in Betracht.
- Aconitum (Blauer Eisenhut): Bei plötzlichen Schmerzen als Folge von Angst, Ärger oder Aufregung. Beginnt der Kopfschmerz plötzlich bei Gewitter, Föhn oder Kälte?
- Actaea spicata: Es soll vor allem bei vom Oberkiefer ausgehenden Neuralgien helfen können. Wenn Sie in Zusammenhang mit der Nervenerkrankung zu vermehrtem Schwitzen neigen.
- Aurum/Apis regina comp.: Harmonisierung des Wesensgliedergefüges bei seelisch bedingten, funktionellen Organstörungen, die sich in Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schwindelgefühlen, Kreuzschmerzen u.ä. äußern können (Neurasthenie, vegetative Dystonie), nervöse Erschöpfungszustände, Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren (klimakterische Stimmungslabilität), depressive Verstimmung, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche.
- Belladonna: Begleiterscheinungen sind, dass das Gesicht hochrot und heiß ist, die Augen gerötet sind und die Haut brennt. Arznei hat sich auch bei akuten Schmerzzuständen, die wie Koliken kommen und gehen bewährt. Begleiterscheinungen sind ein dunkelrotes Gesicht.
- Bryonia: Begleiterscheinungen sind Würgen und Erbrechen am Morgen, auch bei Übelkeit durch Chemotherapie.
- Cocculus (Kockelskörner): Geistig erschöpft? Brummender Schmerz im Hinterkopf?
- Cimicifuga (Traubensilberkerze): Alltäglich belastet Bildschirmarbeit verspannt Nacken, Schulter und Kopf?
- Gelsemium sempervirens: Gilt als wichtiges homöopathisches Mittel bei fieberhaften Infekten, die sich langsam entwickeln. Es soll die typischen Begleiterscheinungen wie Gliederschmerzen, Kopfweh und Zerschlagenheitsgefühl lindern und das Allgemeinbefinden bessern. Auch bei seelischem Stress wie Lampenfieber soll sich dieses homöopathische Mittel bewährt haben.
- Hypericum: War der Auslöser der Nervenschmerzen ein Unfall oder Trauma, ist dieses Mittel die bessere Wahl. Der Wirkstoff wird aus der Pflanze Johanniskraut gewonnen, welcher auch eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird.
- Nux vomica (Brechnuss): Spannungskopfschmerz durch Stress und Überlastung.
- Stannum metallicum: Dieses homöopathische Mittel wird Patienten empfohlen, die an ziehenden Schmerzen leiden. Diese treten periodisch auf und werden teilweise vom Wetter ungünstig beeinflusst. So leiden die Patienten etwa bei höchstem Sonnenstand am stärksten.
Die Wahl der richtigen Potenz und Dosierung
Akute Verschreibungen können mit unterschiedlichsten Potenzen durchgeführt werden. Für homöopathisch weniger erfahrene Kollegeninnen bietet sich eine D12-Potenz an, am ersten Tag drei Globuli ca. alle zwei Stunden bis zu einer eindeutigen Besserungstendenz. Wenn das Mittel richtig gewählt wurde, sollte diese spätestens am Folgetag erkennbar sein. Dann kann der Patientin die nächsten zwei bis drei Tage immer dann eine weitere Dosis einnehmen, wenn die Besserungstendenz stagniert. Dabei sollten nicht mehr als drei bis vier Einzelgaben pro Tag erforderlich sein.
Lesen Sie auch: Sanfte Hilfe bei Muskel- und Nervenschmerzen
Wissenschaftliche Sichtweise auf die Homöopathie
Die Wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der Homöopathie ist umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass die Wirkung homöopathischer Mittel nicht über den Placebo-Effekt hinausgeht.
Kritik an der Homöopathie
Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie, kritisiert die Homöopathie scharf: „Das Konzept der Homöopathie widerspricht unserem Wissen darüber, wie die Welt aufgebaut ist: Was verdünnt wird, wird nicht mehr.“ Er vergleicht die Untersuchung der Homöopathie mit dem Versuch, sicherzustellen, dass sich hinter dem Mond kein Pumuckl versteckt.
Der Placebo-Effekt und Kontext-Effekt
Windeler verwendet hier den Begriff Kontext-Effekt: „Neben einem Medikament, einer Operation oder anderen Eingriffen gibt es in einer Behandlungssituation viele kleine Bausteine, die Einfluss auf den Heilungsprozess nehmen können - günstig oder auch ungünstig. Der Körper kann dann Heilungskräfte in Gang setzen. Es scheint, als habe die Homöopathie den Placebo-Effekt perfektioniert."
Die Rolle der Krankenkassen
Während Krankenkassen in der Regel darauf pochen, dass Therapien nur dann bezahlt werden, wenn ihre Wirkung in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde, sind sie bei homöopathischen Behandlungsmethoden weniger streng und übernehmen hier viele Kosten. Windeler erklärt dies mit Kundenbindung: „Es ist einfach ein Mittel der Kundenbindung. Homöopathie ist beliebt, und die Kunden gehen eher zu der Kasse, die Homöopathie bezahlt.“
Alternative und ergänzende Maßnahmen bei Nervenschmerzen und Kopfschmerzen
Neben der Homöopathie gibt es eine Reihe weiterer alternativer und ergänzender Maßnahmen, die bei Nervenschmerzen und Kopfschmerzen Linderung verschaffen können:
Lesen Sie auch: Nervenschmerzen im Zahn? So können Globuli helfen
- Schüssler Salze: Das bedeutende Salz der Nerven und Psyche findet man zum Beispiel in den Zellen des Gehirns, der Nerven und der Muskeln. Unter anderem ist es für die reibungslose Funktion des Nerven- und Muskelgewebes zuständig. Erhältlich ist die Nr. 5 als Tabletten, Globuli. Das Salz ist besonders beliebt und bekannt in Form der „Heißen Sieben“. Erhältlich ist die Nr. 7 als Tabletten, Globuli.
- Ätherische Öle: Auch Einreibungen mit Zusätzen von ätherischen Ölen wie Pfefferminzöl oder Johanniskrautöl können einen positiven Effekt bei Nervenschmerzen haben.
- Ernährung: Eine gesunde Ernährung spielt auch bei der Behandlung einer Neuralgie eine nicht unbedeutende Rolle. Gönnen Sie sich von Zeit zu Zeit frisches Obst und Gemüse, setzen Sie außerdem auf die Wirkung des „Alleskönners“ Ingwer. Dieser hilft nicht nur gegen „herkömmliche“ Kopfschmerzen, sondern kann auch durch Nervenschmerzen bedingte Beschwerden abschwächen. Am besten genießen Sie ihn frisch aufgebrüht als Tee. Wenn die Nervenschmerzen mit einer Nervenentzündung zusammenhängen, sollten Sie überdies Lebensmittel meiden, die als entzündungsfördernd gelten. Stark zucker- oder weißmehlhaltige Produkte gehören ebenso dazu wie koffeinhaltige Getränke.
- Physiotherapie, Osteopathie und Massagen: Wenn Erkrankungen des Bewegungsapparates vorliegen und Nervenschmerzen begünstigen, sind diese Therapien gegen neuropathische Schmerzen angeraten. Beispielsweise werden in der Physiotherapie Knochenfehlstellungen sanft korrigiert und Muskelverspannungen gelöst. Auch, wer infolge von Stress vermehrt an Nervenschmerzen leidet, ist mit einer Physio- oder Massagetherapie gut beraten. Die Massagen sorgen für Entspannung und lösen innere Blockaden.
- Akupunktur: In der Neuralgie-Behandlung kommt außerdem häufig die Akupunktur zum Einsatz.
- Entspannungstechniken: Ergänzend dazu können eigenmächtig Entspannungstherapien wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training durchgeführt werden, um den stressigen Alltag besser zu bewältigen.
Konventionelle Behandlungsmethoden
Wenn Sie schon einmal eigenmächtig versucht haben, durch rezeptfreie Schmerzmittel Nervenschmerzen zu behandeln, werden Sie wahrscheinlich wissen, dass diese in der Regel kaum etwas ausrichten können.
- Antikonvulsiva/Antiepileptika: Bei schnell einschießenden Nervenschmerzen können die Medikamente aber auch Abhilfe schaffen. Der Wirkstoff Carbamazepin ist oft die erste Wahl bei der Spezialform der Nervenschmerzen im Gesicht, der Trigeminusneuralgie.
- Opioide: Insbesondere bei Nervenschmerzen infolge von Herpes Zoster (so genannte Post-Zoster-Neuralgie) haben sich Opoide bewährt.
- Antidepressiva: Es handelt sich vorwiegend um trizyklische Antidepressiva wie Desipramin, Nortryptylin und Amitriptylin, die meist niedrig dosiert bei chronischen Schmerzen verschrieben werden.
tags: #globuli #nervenschmerzen #kopf