Glück ist was für starke Nerven: Eine umfassende Betrachtung des Glücks

Einleitung

Glück, ein Zustand des Wohlbefindens und der Zufriedenheit, ist ein universelles menschliches Streben. Doch was bedeutet Glück wirklich, und wie können wir es in unserem Leben kultivieren? Dieser Artikel untersucht die vielschichtige Natur des Glücks, von seinen biochemischen Grundlagen bis hin zu den psychologischen und sozialen Faktoren, die zu unserem Wohlbefinden beitragen. Wir werden auch die Bedeutung starker Nerven für das Glücklichsein untersuchen und praktische Strategien zur Stärkung unserer Nerven im Alltag aufzeigen.

Die Biochemie des Glücks: Glückshormone und Neurotransmitter

Die moderne Wissenschaft hat begonnen, die biochemischen Grundlagen des Glücks zu entschlüsseln. Neurobiologen und Molekularbiologen suchen nach den Molekülen und Genen, die uns Glück empfinden lassen. Psychophysiologen ordnen das Gefühl den primären oder unwillkürlichen Emotionen des Menschen zu, wie Freude, Trauer, Furcht, Wut, Überraschung und Ekel.

Endorphine: Natürliche Schmerzhemmer und Glücklichmacher

Endorphine, oft als „Glückshormone“ bezeichnet, sind körpereigene Substanzen, die vor allem in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und im Hypothalamus produziert werden. Sie wirken schmerzlindernd und können Zufriedenheit und Euphorie bewirken. Die Ausschüttung von Endorphinen wird durch verschiedene Aktivitäten und Zustände angeregt, darunter körperliche Anstrengung, Essen bestimmter Nahrungsmittel, Orgasmus und Akupunktur.

Dopamin: Motivation, Vorfreude und Antrieb

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei Motivation, Vorfreude und Antrieb spielt. Im Nervensystem sorgt Dopamin dafür, dass bestimmte Zellen Dopamin ausschütten, der unter anderem die Motivation, die Vorfreude und den Antrieb steigert. Dopamin wird oft als „Glückshormon“ bezeichnet.

Serotonin: Stimmungsaufheller und Wohlbefinden

Serotonin ist ein weiterer wichtiger Neurotransmitter, der für eine gute Stimmung sorgt. Er wird von Nervenzellen aus dem Eiweißbaustein Tryptophan hergestellt, der natürlicher Bestandteil vieler Nahrungsmittel ist. Ein Mangel an Serotonin kann zu Depressionen führen.

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Oxytocin: Das „Kuschelhormon“

Oxytocin ist ein Nerveneiweiß, das vor allem bei Umarmungen und beim Sex ausgeschüttet wird. Es wird auch bei Frauen während der Geburt und beim Stillen produziert. Oxytocin wird oft als „Kuschelhormon“ bezeichnet und ist für das intensive Glücksempfinden im Orgasmus verantwortlich.

Die Rolle von Hormonen und Nerven im Gehirn

Die Fähigkeit eines Menschen, Glück zu empfinden, ist weitgehend ein Fall von Chemie, die Folge von Interaktionen zwischen Hormonen und Nerven im Gehirn - und damit eine Folge der Erbanlagen, die verantwortlich sind dafür, wie viele Hormone ein Organismus produzieren und verarbeiten kann.

Psychologische Aspekte des Glücks: Hedonistisches vs. Eudaimonisches Glück

Yale- sowie Stanford-Professorin Dr. Emma Seppälä unterscheidet in ihrem Buch "Sovereign: Reclaim your Freedom, Energy and Power in a Time of Distraction, Uncertainty and Chaos" zwischen dem hedonistischen und dem eudaimonischen Glück.

Hedonistisches Glück: Kurzfristige Glücksgefühle

Das hedonistische Glück meint laut Seppälä kurzfristige Glücksgefühle. Die können etwa durch ein Glas Wein und eine Pizza ausgelöst werden oder durch Konsum, beispielsweise wenn wir uns eine neue Handtasche kaufen. Das macht meistens Spaß, hält aber eben nur kurz an.

Eudaimonisches Glück: Nachhaltige Zufriedenheit

Eudaimonisches Glück dagegen ist die Form von Zufriedenheit, die wir spüren, wenn wir anderen helfen und/oder wenn wir Sinnhaftigkeit empfinden und etwas im Einklang mit unseren Werten tun. Diese Form von Zufriedenheit, so erklärt Seppälä, ist nachhaltiger als das hedonistische Glück.

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Die hedonistische Tretmühle und die Bedeutung von Sinnhaftigkeit

Die meisten von uns streben vor allem nach hedonistischem Glück. Es ermöglicht uns schnelle und starke Glücksgefühle, wenn wir zum Beispiel unsere Lieblingsschokolade essen, um uns besser zu fühlen. Klingt dieses High ab, stellt sich oft ein Gefühl der Leere ein. Wir jagen sofort dem nächsten schönen Gefühl hinterher. Dieses Phänomen nennt man laut Dr. Seppälä die hedonistische Tretmühle. Hier kommt das eudaimonische Glück ins Spiel, das uns dabei helfen kann, Freude in etwas Größerem zu finden. In der Verbindung, dem Gefühl, anderen etwas Gutes zu tun und Sinn in unserem Leben zu spüren. "Diese Form des Glücks nährt uns und trägt zu einem nachhaltigen Gefühl der Zufriedenheit bei", so die Yale- und Stanford-Professorin.

Soziale Faktoren des Glücks: Beziehungen, Dankbarkeit und Optimismus

Glück ist nicht nur eine Frage der individuellen Veranlagung oder der biochemischen Prozesse im Gehirn. Auch soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden.

Beziehungen: Verbundenheit und soziale Unterstützung

Verbundenheit mit anderen Menschen ist essenziell für das Wohlbefinden. Die Hinwendung zu anderen Menschen erzeugt positive Gefühle. Wir haben vielfach Glücksgefühle, wenn wir anderen etwas schenken, etwas geben oder an etwas teilhaben lassen.

Dankbarkeit: Wertschätzung für das, was wir haben

Dankbarkeit ist eine weitere wichtige Zutat für ein glückliches Leben. Sich auf das Hier und Jetzt zu besinnen und all das wertzuschätzen, wofür wir dankbar sind, kann uns helfen, das Leben zu erleichtern.

Optimismus: Eine positive Haltung gegenüber dem Leben

Eine optimistische Haltung gegenüber dem Leben ist sehr nah an der Realität. Denn 85 Prozent unserer Sorgen treten nie in dem Ausmaß ein, in dem wir sie uns ausmalen. Es lohnt sich also, das Glas halb voll anstatt halb leer zu sehen!

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Starke Nerven für ein glückliches Leben: Umgang mit Stress und Herausforderungen

Glück ist nicht nur ein Zustand der Freude und des Wohlbefindens, sondern auch die Fähigkeit, mit Stress und Herausforderungen umzugehen. Jemand, der starke Nerven hat, lässt sich nicht aus der Fassung bringen und reagiert auch in stressigen oder unvorhergesehenen Situationen ruhig und besonnen.

Stressbewältigung: Praktische Strategien für den Alltag

  • Regelmäßige Bewegung: Wirkt sich positiv auf das Nervensystem sowie das allgemeine Wohlbefinden aus. Sportarten wie Yoga oder Pilates haben eine besonders entspannende Wirkung und stärken so auch unsere Nerven.
  • Meditation: Um schwachen Nerven vorzubeugen, empfiehlt es sich außerdem, regelmäßig zu meditieren.
  • Ausreichend Schlaf: Zu wenig Schlaf führt dazu, dass unser Körper weniger stressresistent ist. Wir sind leichter reizbar und können uns schlechter konzentrieren.
  • Atemübungen: Kurze Atemübungen sind ein bewährtes Mittel gegen Stress und lassen sich ganz einfach in den Alltag integrieren.
  • Selbstbewusstsein: Unsicherheit, Ängste und kreisende Gedanken strapazieren unsere Nerven. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder auch seine Stärken und seine eigenen Ressourcen bewusst zu machen.
  • Effiziente Energienutzung: Wer seine Nerven stark beansprucht, der sollten seine Energie möglichst effizient nutzen. Deshalb sollten Sie in Phasen, in denen Sie besonders starke Nerven brauchen, lieber fünf kleinere, anstatt drei große Mahlzeiten zu sich nehmen.
  • Ausreichend trinken: Bei einem Flüssigkeitsmangel können wir uns schlechter konzentrieren und haben weniger Energie.
  • Digitale Entgiftung: Die ständige Verfügbarkeit, aber auch die Angst, etwas zu verpassen, wenn nicht, sorgt für ein kontinuierlich hohes Stresslevel und strapaziert unsere Nerven.
  • Lachen: Beim Lachen werden Endorphine, auch Glückshormone genannt, ausgeschüttet.
  • Lauwarmes Wasser über die Handgelenke laufen lassen: Ihre Nerven spielen mal wieder verrückt und Sie brauchen schnelle Hilfe? Lassen Sie sich für zwei bis drei Minuten lauwarmes Wasser über die Handgelenke laufen.

Nervennahrung: Ernährung für starke Nerven

  • Haferflocken: Sie enthalten komplexe Kohlenhydrate, die uns langfristig mit Energie versorgen und lange satt machen. Ihr hoher Magnesiumgehalt unterstützt die Funktion der Nerven und wirkt der Freisetzung von Stresshormonen entgegen.
  • Nüsse und Kerne: Sie sind reich an Vitamin B und Magnesium, welche wichtig für unsere Gehirnfunktion und unser Nervensystem sind.
  • Beruhigende Tees: Tees mit Hopfen, Lavendel, Baldrian, Kamille oder Lindenblüten sind für Ihre beruhigende Wirkung bekannt.
  • Dunkle Schokolade: Kakaopulver ist reich an Tryptophan, eine Aminosäure, die unseren Körper dabei unterstützt, das Glückshormon Serotonin zu produzieren, welches stresshemmend wirkt.
  • Paprika: Paprika ist besonders reich an Vitamin C.
  • Spinat: Spinat ist reich an Magnesium, sowie an Vitamin B6 und Kalium.

Nahrungsergänzungsmittel: Unterstützung für das Nervensystem

Zusätzlich zu Ihrer Ernährung, können Sie Ihre Nerven auch ganz gezielt mit Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke stärken. Nicht umsonst werden B-Vitamine auch häufig als „Nerven-Vitamine“ bezeichnet. Sie haben Einfluss auf unsere Stimmung, Nerven und unsere Psyche. Außerdem sind sie wichtig für zahlreiche Stoffwechselvorgänge in unserem Körper. Magnesium hat eine entspannende Wirkung, da es den Körper aktiv dabei unterstützt, die Produktion von Stresshormonen im Körper zu reduzieren. Vitamin C ist wichtig für unser mentales Gleichgewicht.

Toxische Positivität: Die Schattenseite des positiven Denkens

Tatsächlich gibt es einige Belege dafür, dass eine positive Grundhaltung die psychische Gesundheit verbessern kann. Doch ist positives Denken kein Allheilmittel für die Herausforderungen des Lebens. Wenn man sich selbst regelmäßig eine positive Haltung abringt, obwohl man das Gegenteil empfindet, kann dieser Zwangsoptimismus nach hinten losgehen. Denn der Druck, positiv zu bleiben, kann die eigenen Gefühle unterdrücken, zu Schuldgefühlen und Scham führen und verhindern, dass man um Hilfe bittet. Unangenehme Gefühle werden abgetan, auf Notlagen reagiert man bei sich selbst und anderen mit Beschwichtigungen statt mit Empathie. Die Positivität wird toxisch.

Wie sich Toxic Positivity zeigt

Toxische Positivität treibt das positive Denken in ein überzogenes Extrem. Diese Haltung betont nicht nur die Bedeutung des Optimismus, sondern verdrängt und verleugnet menschliche Emotionen, die nicht ausschließlich glücklich oder positiv sind. Damit ist diese Haltung eigentlich unbewusst negativ, nämlich schwierigen Gefühlen oder schmerzlichen Einsichten gegenüber. Sichtbar wird sie in Sprüchen und Glaubenssätzen, mit denen man Menschen begegnet, die in einer schwierigen Situation um Rat bitten, oder mit denen man sich selbst beschwichtigt.

Wie Toxic Positivity schaden kann

Der Versuch, in Zeiten einer Krise optimistisch zu bleiben, ist eine gute Sache. Das bedeutet jedoch nicht, dass negative Gefühle unterdrückt werden sollten. Denn durch Verdrängung kann man zwar das Symptom überdecken, aber nicht das eigentliche Problem. Auch ist eine annehmende, optimistische Haltung kein Garant dafür, ohne Hürden und Rückschläge durch das Leben zu kommen.

Statt Toxic Positivity: Emotionen als Werkzeuge nutzen

Ausschließlich positive oder negative Emotionen zuzulassen, ist nicht gesund. Denn über den Tag verteilt durchschreiten wir ganz normal emotionale Täler und erklimmen psychische Höhen. „Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich Menschen, die ihren eigenen negativen Emotionen ausweichen, später noch schlechter fühlen", schreibt Tabitha Kirkland, Psychologin und außerordentliche Professorin an der Fakultät für Psychologie der Universität Washington. „Wir müssen Emotionen als Werkzeuge oder Informationen betrachten, anstatt uns nur darauf zu konzentrieren, wie sie uns fühlen lassen. Wenn Sie Ihre eigenen Emotionen immer wieder verdrängen, werden diese Sie so lange verfolgen, bis Sie sich endlich mit ihnen auseinandersetzen.“

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