Migräne kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, darunter die Therapie mit Botulinumtoxin A (Botox®). Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Botox® bei Migräne, die damit verbundenen Kosten, die Wirkungsweise und für wen diese Behandlung geeignet ist.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen unterscheiden sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen durch ihre Intensität und die begleitenden Symptome. Zu diesen Symptomen gehören:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräuschempfindlichkeit
Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter:
- Migräne mit Aura: Hier treten neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle auf.
- Migräne ohne Aura: Hier fehlen die neurologischen Begleiterscheinungen.
- Chronische Migräne: Betroffene leiden an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen, davon an mindestens acht Tagen mit migränetypischen Symptomen.
Die Ursachen der Migräne sind vielfältig und können genetische Faktoren, hormonelle Schwankungen oder externe Auslöser wie Stress umfassen. Auch bestimmte Nahrungsmittel, Wetterumschwünge und ein unregelmäßiger Lebensstil können Migräneattacken auslösen.
Wie wirkt Botox® gegen Migräne?
Botox®, auch bekannt als Botulinumtoxin Typ A, ist ein natürlich vorkommendes Protein. Es wird in der ästhetischen Medizin häufig zur Faltenbehandlung eingesetzt. Bei der Migränebehandlung wirkt Botox®, indem es die Aktivität überaktiver Nervenendigungen hemmt.
Lesen Sie auch: Botulinumtoxin-Therapie bei Parkinson
Durch gezielte Injektionen in bestimmte Muskeln des Kopf- und Nackenbereichs wird die Ausschüttung von Neurotransmittern reduziert, die an der Schmerzübertragung beteiligt sind. Dies führt zu einer Entspannung der Muskeln und einer Verringerung der Schmerzsignale, die an das Gehirn gesendet werden.
Expert*innen glauben, Botox würde eine spezielle Art der Neurotransmission (Übertragung von Informationen zwischen Zellen) blockieren. Vereinfach gesagt sorgt das dafür, dass das Schmerzsignal nicht weitergeleitet wird. „Botox bringt den gesamten Prozess zum Erliegen, so dass die Neuronen nicht mit den Muskeln kommunizieren können“, so Dr. Ravitz. Wenn das Nervengift regelmäßig in Kopfhaut, Nacken, Schultern, Schläfen und Stirn injiziert wird, kann es die Anzahl der Migränen, die Betroffene erleiden um bis zu 50 Prozent senken. Soweit die Theorie.
Studien haben gezeigt, dass Botox® bei Migräne die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle signifikant vermindern kann. Die Wirkung tritt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen ein und kann bis zu drei bis sechs Monate anhalten.
Für wen ist die Botox®-Behandlung geeignet?
Die Migränebehandlung mit Botox® eignet sich für Patient:innen, die unter chronischer Migräne leiden und deren Lebensqualität dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Insbesondere Betroffene, bei denen herkömmliche Therapien wie Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder Nebenwirkungen verursachen, können von dieser Methode profitieren.
Vor der Behandlung führt ein Arzt ein ausführliches Beratungsgespräch, um zu prüfen, ob Botox® bei Migräne für Sie geeignet ist. Dabei werden Ihre individuellen Symptome, die Häufigkeit der Migräneanfälle und bisherige Behandlungsansätze berücksichtigt.
Lesen Sie auch: Ärzte für Botulinumtoxin-Therapie bei Migräne
Selbst Menschen, die nicht unter chronischer Migräne leiden, sondern „nur“ ein paar (dafür aber entsetzliche) Attacken pro Monat haben, können von Botoxbehandlungen profitieren.
Ablauf einer Botox®-Behandlung gegen Migräne
Eine Botox®-Behandlung gegen Migräne umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Beratung: Ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt, um die Eignung für die Behandlung zu prüfen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
- Vorbereitung: Die Haut im Behandlungsbereich wird desinfiziert.
- Injektion: Botox® wird mit feinen Nadeln in bestimmte Muskeln im Kopf-, Nacken- und Schulterbereich injiziert. Die Behandlung dauert meist nicht länger als 20 Minuten.
- Nachsorge: Nach der Injektion sollten Sie den Kopf für einige Stunden aufrecht halten und für etwa zwei Tage auf Sport und Anstrengung verzichten. Starke Sonneneinstrahlung sollte für etwa 14 Tage vermieden werden.
Wie lange hält das Ergebnis an?
Die Wirkung einer Botox® Migräne Behandlung hält in der Regel etwa drei bis sechs Monate an. Die Dauer kann jedoch individuell variieren. Nach dieser Zeit können die Migränesymptome allmählich zurückkehren. Um einen langfristigen Erfolg zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die Behandlung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Bei fortlaufender Therapie kann es sogar zu einer weiteren Reduzierung der Migräneanfälle kommen. Ein Arzt erstellt gemeinsam mit Ihnen einen individuell angepassten Behandlungsplan.
Bei regelmäßiger Anwendung im 3-Monats-Turnus im ersten Jahr können die Migräne- und Kopfschmerzattacken in ihrer Häufigkeit und Ausprägung reduziert werden, was für Betroffene bereits eine gute Verbesserung darstellen kann. Zum Teil zeigt sich auch eine Verbesserung in der Ansprache auf Akutmedikation. Eine Wirkung tritt bereits nach der ersten Therapie ein, sofern der Patient auf Botox® anspricht, denn dies kann von Person zu Person unterschiedlich sein.
Vorteile der Botox®-Behandlung
Eine Migränebehandlung mit Botox® bietet zahlreiche Vorteile für Patient:innen, die unter chronischer Migräne leiden:
Lesen Sie auch: Migränebehandlung mit Botox
- Reduzierung der Häufigkeit und Intensität der Anfälle: Dies kann die Lebensqualität erheblich steigern.
- Gute Verträglichkeit: Die Behandlung weist in der Regel nur minimale Nebenwirkungen auf.
- Nicht-invasive Methode: Die Therapie wird ambulant durchgeführt, was eine schnelle Rückkehr in den Alltag ohne größere Einschränkungen ermöglicht.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei jeder Behandlung können auch bei der Migränetherapie durch Botox Nebenwirkungen auftreten. Nicht selten können in den ersten Tagen nach der Therapie Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Schwindel, Nackenschmerzen, Muskelschwäche oder auch Übelkeit auftreten. Da unter anderem im Stirnbereich mit Botox behandelt wird, kann es vorkommen, dass das Augenlid oder die Braue aufgrund der Muskel-entspannenden Wirkung absinkt.
Kurzfristige Schmerzen und kleinere blaue Flecken an der Einstichstelle sind möglich. Bei unsachgemäßer Behandlung kann sich die Mimik verändern und starr werden. Da Botox die Muskeln lähmt, kann in einzelnen Fällen auch ein Muskel betroffen sein - zum Beispiel der, der das Augenlid hebt. Dann würde das Lid herunterhängen.
Kosten der Botox®-Behandlung
Die Kosten für eine Botox®-Behandlung gegen Migräne können variieren. Sie hängen von der Menge des benötigten Medikaments und der Anzahl der erforderlichen Injektionen ab. In der Regel liegen die Kosten pro Sitzung zwischen 200 und 600 Euro. Es ist ratsam, vor der Behandlung einen Kostenvoranschlag einzuholen und sich über mögliche Finanzierungsoptionen zu informieren.
In Deutschland wurde Botulinumneurotoxin A 2011 zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Damit die Krankenkasse die Behandlungskosten (etwa 200 bis 400 Euro pro Sitzung) jedoch übernimmt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. So muss die oder der Betroffene mehr als 15 Tage im Monat Kopfschmerzen haben - und mindestens 8 davon Migräne. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass andere Medikamente nicht gewirkt haben.
Sind bei chronischen Migränepatienten gewisse Voraussetzungen erfüllt, besteht die Möglichkeit, dass sich die Krankenkasse an den Kosten einer Botox®-Therapie beteiligt.
Botox® gegen Migräne: Erfahrungen einer Betroffenen
Vor etwa einem Jahr stieß eine Betroffene mit ihrer Migränebehandlung an eine Grenze. Fünf Jahre lang hatte sie zusammen mit einem Neurologen versucht, gegen sie anzukämpfen. Dann gab sie langsam aber sicher auf. Sie hatte alles versucht - von kognitiver Verhaltenstherapie bis hin zu krampflösenden Mitteln; mögliche Trigger vermied sie wie die Pest. Aber nichts hat wirklich geholfen. Ihr Neurologe riet ihr, ihren Fokus darauf zu richten, Stress abzubauen - was in etwa so ist, als würdest du Wasser sagen, es soll versuchen weniger nass zu sein.
Es gab allerdings eine Methode, die sie schon vor einer Weile neugierig gemacht hatte: Eine Behandlung mit Botox - dem wirksamsten Nervengift der Welt, das sonst vor allem genutzt wird, um Falten zu reduzieren. Eine Bekannte, die auch unter Migräne leidet, hat es kürzlich ausprobiert und ihr anschließend empfohlen, den Arzt zu wechseln und es selbst zu testen. Weil sie nichts zu verlieren hatte, beschloss sie, sich an eine Neurologin zu wenden.
Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch und dem Test von zwei weiteren präventiven Medikamenten (um zu beweisen, dass sie wirklich alles versucht hat), genehmigte ihre Krankenkasse die Botox-Behandlung. Ihr Eigenanteil belief sich auch 50 Dollar (entspricht ca. 45 Euro) pro Sitzung.
Als es dann endlich soweit war, war sie sehr nervös. Sie wünschte sich so sehr, dass es funktioniert und machte sich gleichzeitig Sorgen darüber, was passieren würde, wenn dem nicht so ist. Die Aussicht darauf, 26 Mal in ihren Kopf und in ihr Gesicht gespritzt zu werden, machte die ganze Sache auch nicht gerade besser. Weil sie ziemlich viel Reality-TV schaut, weiß sie, welche sichtbaren Folgen eine Botoxbehandlung haben kann. Dazu kommt, dass sie mit einer Mutter aufgewachsen ist, die alles, was auch nur im Entferntesten mit Eitelkeit zu tun hat komplett ablehnt. Sie lackiert sich noch nicht die Nägel. Außerdem hatte sie Angst vor eine Stigmatisierung. Davor, wie die Leute darauf reagieren würden, wenn sie erzählen würde, mir Botox spritzen lassen zu haben. Und das, obwohl ich einen „legitimen“ medizinischen Grund dafür habe. Last, but not least habe ich so schon „Resting Bitch Face“ und machte mir sorgen, nach der Behandlung gar keine Emotionen mehr ausdrücken zu können. Doch die Ärztin versicherte ihr, dass sie sich keine Sorgen deswegen machen müsste.
Überraschenderweise tat es überhaupt nicht weh! Laut der Ärztin geht es den meisten Migränepatient*innen so, denn sie haben meiste eine höhere Schmerzgrenze. Durch die Injektionen in die Schultern entspannte sich ihre ständig angespannte Rückenmuskulatur sofort, was fantastisch was. Direkt nach der Behandlung sah sie zwar ein paar rote Punkte auf ihrer Stirn, aber nach dem Duschen waren sie schon wieder verschwunden. Noch am gleichen Abend habe ich gefühlt eine Million Selfies gemacht, um meine Mimik zu testen. Aber erste ein paar Tage nach der Behandlung wurde meine Stirn starr. Was alle ziemlich lustig fanden - auch ihre Mama. Sie muss zugeben: Auch, wenn sie sich sonst nicht viel aus Anti-Falten-Cremes und Co. gemacht habe, finde sie es schon cool, auf einmal gar keine Fältchen mehr zu haben. Ihre Stirn ist so glatt und gleichmäßig wie eine mit Fondant eingedeckte Hochzeitstorte. Und sie liebe es.
Aber sie habe die Behandlung ja nicht durchführen lassen, weil sie sich eine reglose Stirn gewünscht habe, sondern wegen ihrer Migräne. Und sie muss sagen: Einen Monat nach dem sie sich spritzen lassen hatte, waren sie wie weggeblasen. Eine Weile hatte keine einzige und als dann doch eine kam - bedingt durch einen krassen Wetterumschwung - war sie bei weitem nicht so schlimm wie früher. Damals musste sie alle Termine absagen, sobald es losging, aber jetzt war der Schmerz erträglich und sie überstand sie ganz gut. Ihre Rescue-Medizin und drei Kopfschmerztabletten musste sie zwar trotzdem nehmen. Doch zu wissen, dass sich das Botox wie ein Schutzschild vor mich stellt und mich vor überflüssiger elektronischer Aktivität bewahrt, beruhigte sie. Es gab ihr das Gefühl, mehr Kontrolle über die Migräne zu haben, was für sie eine ganz neue Erfahrung war.
Ihr Fazit: Bei ihr hat Botox auf jeden Fall geholfen, aber die Wirkung kann von Person zu Person verschieden sein - Migränen sind so individuell wie die Menschen, die unter ihnen leiden. Es liegt an deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche Behandlungsmethode sie oder er am sinnvollsten für dich erachtet.
tags: #botulinumtoxin #migrane #kosten