Glückstraining fürs Gehirn: Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Tipps

Glück ist ein komplexes Gefühl, das unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst. Es ist ein Cocktail aus Hormonen, der unser Gehirn überschwemmt. Der richtige Mix aus einer großen Portion Dopamin, angereichert mit Serotonin und körpereigenem Morphium, katapultiert uns in den siebten Himmel und wirkt sich rundum positiv aus: Der Blutdruck sinkt, die Konzentration von Stresshormonen im Blut nimmt ab. Glückliche Menschen erleiden tatsächlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Obwohl bei diesem einzigartigen Gefühl mehrere Areale im Kopf beteiligt sind, kann man dennoch sagen: Das Glück sitzt vorne links, direkt über dem linken Auge. Dort im orbitalen Cortex werden sämtliche Signale bewertet, mit gemachten Erfahrungen verglichen und schließlich entscheidet der Kopf: Ja, mein Mensch ist glücklich!

Die Forschung hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte im Verständnis der neuronalen Grundlagen des Glücks gemacht. Dabei wurden sowohl genetische als auch umweltbedingte Faktoren identifiziert, die unser Glücksempfinden beeinflussen. Zudem wurden verschiedene Strategien entwickelt, um das Gehirn auf Glück zu trainieren und somit das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Die wissenschaftlichen Grundlagen des Glücks

Genetische Veranlagung und äußere Umstände

Aus Zwillingsstudien weiß man, dass die Fähigkeit, glücklich zu sein, zur Hälfte angeboren ist. Für etwa zehn Prozent, schätzt man, sind äußere Umstände verantwortlich. Die restlichen 40 Prozent liegen in unseren eigenen Händen. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Glück zu empfinden. Das Gehirnareal, das dafür zuständig ist, wird auch beim Lernen und Denken besonders aktiv. Unsere Gedanken beeinflussen also unsere Gefühle in ganz besonderer Weise. Und das können wir uns zunutze machen. Davon ist nicht nur der Neurobiologe Tobias Esch von der Uni Coburg überzeugt: „Die gute Botschaft ist: Glück können wir trainieren.“ Der Wirtschaftswissenschaftler und Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel aus Nürnberg drückt es nüchterner aus: „Wir müssen uns fragen, wie wir den Input so gestalten, dass wir einen maximalen Output an Glück erreichen.“

Neurobiologische Prozesse des Glücks

Bereits Ende der 1950er-Jahre bemerkte James Olds, Psychologe an der University of Michigan, dass Ratten die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mögen. Die Ratten konnten diese Gehirnregion selbst per Knopfdruck stimulieren und drückten den Knopf immer wieder. So lange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung beinahe gestorben wären. Olds hatte das Lustzentrum im Gehirn entdeckt, eine Ansammlung von Neuronen im Mittelhirn. Sie werden aktiv, wenn etwas passiert, das besser ist als erwartet. Dann stoßen sie den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn weiter: zum einen in den Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn sowie direkt ins Frontalhirn. Wenn Dopamin im Nucleus accumbens ankommt, produzieren die dortigen Neuronen opiumähnliche Stoffe - wir fühlen uns euphorisch und glücklich. Das Dopamin im Frontalhirn führt dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert: Wir werden aufmerksamer, verarbeiten die Informationen des unerwarteten Ereignisses und lernen, was gut für uns ist.

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Die Rolle der Positiven Psychologie

Psychologen kehren der traditionellen Erforschung negativer Gefühle den Rücken zu und beschäftigen sich zunehmend mit dem Positiven. Die wichtigste, noch relativ junge Forschungsrichtung ist die Positive Psychologie. Diese Forschungsrichtung untersucht die Bedingungen und Prozesse, die zu einem erfüllten und sinnvollen Leben beitragen. Sie betont die Bedeutung von positiven Emotionen, Stärken und Tugenden sowie von Sinn und Engagement.

Praktische Tipps für das Glückstraining

Es ist gar nicht so schwierig, seinem Glück auf die Sprünge zu helfen: „Meist reichen schon wenige Veränderungen im Alltag“, macht Tobias Esch Mut. Der Arzt und Autor Werner Bartens nennt als Erfolgsrezepte für den Alltag viele kleine Dinge: eine Familie und Freunde haben, sich um etwas kümmern - sei es ein Haustier, Pflanzen oder Mitmenschen. Erfolg haben: im Beruf oder im Privaten eine Leistung erbringen, die gewürdigt wird.

Dankbarkeit praktizieren

Drücken Sie Ihre Dankbarkeit aus: Danken tut gut und fühlt sich schön an. Man kann das üben, z. B. indem man jeden Tag fünf Dinge in einem Tagebuch notiert, für die man dankbar ist. Der Geheimtipp unter den Glücksstrategien: Dankbarkeit verbessert dein Leben, ohne dass dafür etwas besser werden muss!

Positive Gedanken fördern

Haben sie positive Gedanken: Seien Sie humorvoll und tun Sie bewusst Dinge, die Sie zum Lachen bringen. Fokussieren Sie sich in Ihrem Leben auf das, was klappt und weniger auf das, was nicht so gut läuft. Wer die Welt mit positiven Augen sieht, sich häufiger das Schöne im Leben bewusst macht, ist glücklicher. Aber auch Menschen, die eher griesgrämig durchs Leben gehen, können lernen, ihr Gehirn auf "Glück" umzuprogrammieren. Denn gute Gefühle sind kein Zufall, sondern die Antwort unseres Gehirns und Körpers auf einen Reiz. Gezielt Situationen und Erlebnisse zu suchen, die man als schön und positiv empfindet, macht auf Dauer glücklich. Für die einen ist das Sport, für die anderen Zusammensein mit Freunden, Kochen oder Reisen.

Negative Gedanken stoppen

Stoppen Sie negative Gedanken: Setzen Sie Ihre Energien effektiv ein, engagieren Sie sich dort, wo es sich lohnt, aber zermartern Sie sich nicht den Kopf über Dinge, die Sie nicht ändern können.

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Beziehungen pflegen

Investieren Sie in gute Beziehungen: Pflegen Sie Freundschaften, rufen Sie an und seien Sie auch selbst erreichbar. Freunde machen glücklich und verhelfen sogar zu einem längeren und gesünderen Leben. Denn einsame Menschen stehen unter dem Stress, alleine mit allen Schwierigkeiten im Leben klarkommen zu müssen.

Ziele setzen und erreichen

Und bei allem setzen Sie sich nicht unter Druck: Man soll sich Ziele setzen, die man in nächster Zeit erreichen möchte. Diese solle man, so Karlheinz Ruckriegel, in Unterziele unterteilen, denn bereits Etappensiege lösen Glücksgefühle aus. So arbeite man länger und intensiver auf seine Ziele hin, während Pessimisten beim kleinsten Gegenwind bereits aufgeben, gibt der Wissenschaftler zu bedenken.

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl üben

Viele von uns sehnen sich nach innerer Ruhe, Klarheit und Freude im Leben, während sie gleichzeitig fest in negativen Denkmustern verhaftet sind und mit sich selbst und der Welt hart ins Gericht gehen. Dr. Shauna Shapiro, Psychologin und Achtsamkeits-Forscherin, zeigt anhand aktueller Erkenntnisse der Neurowissenschaft, dass es nie zu spät ist, eine neue Art des Denkens zu erlernen und neue, positive Muster zu verankern. Der Schlüssel hierzu liegt in einer Praxis des Selbstmitgefühls und der liebevollen Güte.

Sport treiben

Wer regelmäßig Sport treibt, lebt circa acht Jahre länger, diese gewonnene Lebenszeit muss er jedoch ins Training investieren. Gezielt Situationen und Erlebnisse zu suchen, die man als schön und positiv empfindet, macht auf Dauer glücklich. Für die einen ist das Sport, für die anderen Zusammensein mit Freunden, Kochen oder Reisen.

Weitere Aspekte des Glücks

Geld und Glück

Geld macht nur bis zu einem Monatseinkommen von 5000 Euro froh - mehr Geld führt nicht zu einem noch glücklicheren Leben. Der Mensch gewöhnt sich zu schnell an mehr Gehalt und die Erwartungen steigen. Karlheinz Ruckriegel: „Wer ständig an Materielles denkt, hat zudem keine Zeit mehr für Persönliches oder Dinge, die er gerne macht.“ Menschen, für die Luxus und Reichtum besonders wichtig sind, sind sogar eher unglücklich. Denn "Materialisten" sind seltener mit Freunden zusammen. Geld macht glücklich - aber nur, wenn man wirklich arm ist. Sobald die Grundbedürfnisse befriedigt sind, flacht die Glückskurve ab, je mehr man verdient.

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Stress und Glück

Dauerstress und Glück schließen sich langfristig aus, so Professor Esch. Auch Schmerzen sind ein Glückskiller.

Glück im Lebensverlauf

Die Glückskurve verläuft in unserem Leben U-förmig. Sehr glücklich sind wir als Kind und Jugendlicher, in der stressigen Mitte unseres Lebens mit etwa 40 sind wir am unzufriedensten, das Glück kommt dann im höheren Alter zurück. Tobias Esch: „Studien zeigen, dass ältere Menschen nicht mehr so stark auf Negatives reagieren, sondern eher auf das Positive.“ Der Professor ist davon überzeugt, dass wir alle durch dieses Tal der Unzufriedenheit durchmüssen: Denn wir wachsen daran. Wer die Zeit nutzt und danach mit sich selbst im Einklang ist, hat den Schlüssel zum Glück gefunden.

Glück als Staatsziel

Im Jahr 2006 verabschiedeten die EU-Regierungschefs ihre Strategie zur nachhaltigen Entwicklung. Darin wird Lebensqualität und Wohlergehen als übergeordnetes Ziel der EU definiert. Aber was kann der Staat tun? Tobias Esch: „Politische Systeme, die von Demokratie und Freiheit gekennzeichnet sind, haben die glücklicheren Bürger.“ Karlheinz Ruckriegel fordert, der Staat solle sich nicht nur auf das Wirtschaftswachstum konzentrieren, sondern Faktoren fördern, die ein glückliches Leben ermöglichen.“ Dazu zählt der Experte Bildungsangebote, Kontaktmöglichkeiten für Jugendliche und ältere Menschen, angenehme Arbeitsbedingungen oder eine gute Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen.

Kritik an Glücksratgebern

Glücksratgeber gehören seit langem zu den Bestsellern unter den Sachbüchern. Die Auswahl ist fast unüberschaubar: Zahllose Wissenschaftler, Journalisten und selbsternannte Experten haben ihre Weisheiten zu Papier gebracht. Von Glücksfaktor und Glücksformel über Glückstraining und die Geheimnisse des Glücks bis hin zu Ins Glück stolpern und Angst vor dem Glück scheinen bereits alle denkbaren und undenkbaren Wortschöpfungen vertreten. Literatur, die sich mit der Suche nach einem besseren Leben befasst, ist aber durchaus kein modernes Phänomen. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen hat es Menschen gegeben, die Anleitungen zum Glücklichsein fabrizierten.

Was genau kann man aus diesen Glücksratgebern lernen, und wie wirkungsvoll sind die Tipps ? Das Spektrum der Glücksexperten reicht von den alten chinesischen Philosophen Konfuzius und Laotse über Epikur und Schopenhauer bis hin zu den psychologischen und esoterischen Selbsthilfebüchern unserer Zeit.

Konfuzius und Laotse: Glück durch Bildung oder Gesundheit?

Das alte China war eine Hochburg der Philosophie, und die Frage nach einem guten Leben spielte eine wichtige Rolle. Die Antworten von Konfuzianismus und Taoismus, zwei der bedeutendsten Schulen, fielen sehr unterschiedlich aus. Bei Konfuzius drehte sich alles um Tugend und gesellschaftliches Engagement, wie man in seinen Schriften und denen seiner Anhängerinnen und Anhänger nachlesen kann. Zu einem tugendhaften Leben gehörte neben Mitmenschlichkeit und Familienorientierung vor allem Bildung. Je mehr Wissen ein Mensch habe, so Konfuzius, desto tugendhafter und glücklicher könne er leben. Deshalb sollten Lernen und Reflexion für jeden zum Alltag gehören. Außerdem riet er dazu, sich gesellschaftlich und politisch zu engagieren, denn aktive Mitwirkung, insbesondere wenn sie einer positiven Grundhaltung entspringe, sei für das persönliche Glück zuträglicher als passive Distanz.

Taoisten dagegen strebten vor allem nach einem natürlichen Leben. Ihre Gründungsschrift, das Tao-Te-King, betont, dass die Gesetze der Natur übermächtig sind. (Das Werk soll Laotse geschrieben haben, von dem Historiker heute allerdings glauben, dass er eine Synthese mehrerer historischer Figuren ist.) Ihrer Überzeugung nach entsteht Glück nicht dadurch, dass man versucht, das Schicksal zu lenken, sondern indem man darauf verzichtet, die Umstände des eigenen Lebens kontrollieren zu wollen. Menschen sollen die natürliche Ordnung akzeptieren und danach streben, Teil der Natur zu werden. Das heißt zum Beispiel, sich um den eigenen Körper zu kümmern und eine gesunde Lebensweise zu kultivieren. Auf Wissenserwerb, ein reiches Sozialleben und gesellschaftliches Engagement soll man dagegen keine Energie verschwenden.

Epikur: Glück durch Bescheidenheit

Der Athener Epikur versprach jedem, der seine Ratschläge befolgte, ein besseres und zufriedeneres Leben. Bereits zu seinen Lebzeiten war er ein berühmter, wenn auch umstrittener Mann, und noch heute zählt sein Name zu den bekannten unter den griechischen Philosophen. Seine Lehre wird oft mit zügellosem Hedonismus gleichgesetzt. Zu Unrecht: Zwar setzte er durchaus Glück mit Genuss und Lustbefriedigung gleich. Doch trennte er scharf zwischen natürlichen, notwendigen Bedürfnissen wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Sicherheit einerseits und Wünschen, die nicht der Lebenserhaltung dienen, andererseits. Zu Letzteren zählte er Luxusartikel, aber auch Status und öffentliche Anerkennung. Am glücklichsten seien Menschen, betonte er, die ein einfaches Leben führten und sich auf die Befriedigung der Basisbedürfnisse bschränkten. Übermäßiges Genussstreben dagegen könne zu Gier und Abhängigkeiten führen und langfristig mehr Frust als Lust bringen.

Arthur Schopenhauer: Glück durch Einsamkeit

Schopenhauers Fabel von den Stachelschweinen ist selbst unter Philosophielaien bekannt. Danach sind Menschen wie die borstigen Tiere zwischen zwei Übeln hin- und hergerissen: Bei zu viel Nähe fürchten sie, von den Stacheln der anderen gepiesackt zu werden; halten sie sich hingegen von den anderen fern, müssen sie den Wunsch nach wärmender Gemeinschaft aufgeben und in einsamer Distanz ausharren. Diese Geschichte bringt die negative Grundhaltung Schopenhauers treffend auf den Punkt: Der deutsche Gelehrte war ein Pessimist durch und durch. Er glaubte nicht an wirkliches Glück. Seiner Meinung nach kann ein Mensch höchstens versuchen, das Ausmaß an Unglück und Schmerz in seinem Leben zu reduzieren. Dazu solle man seine Erwartungen, Wünsche und Ziele möglichst geringhalten, dann werde man auch nicht enttäuscht. Er riet zu materieller Selbstbeschränkung und sozialem Rückzug. Am besten seien Menschen dran, die nicht nach Wohlstand und Status strebten und möglichst einsam lebten.

New Age: Glück durch Spiritualität und Meditation

Der Begriff New Age wurde von den Protestbewegungen der 1960er Jahre in Referenz zum astrologisch definierten Zeitalter des Wassermannes benutzt, das Harmonie und Frieden bringen sollte. Heute ist es ein Sammelbegriff für esoterische Konzepte, die Ratschläge für ein glücklicheres Leben geben. Trotz der Breite des Spektrums lässt sich ein Katalog von Überzeugungen isolieren, die vielen New-Age-Ansätzen gemeinsam sind. Dazu zählt etwa der Rat, sich in einer spirituellen Sichtweise zu üben. Metaphysische Fragen, Liebe zur gesamten Schöpfung und der Glaube in Kräfte, die größer sind als man selbst, so betonen viele New-Age-Autoren, sind für das Wohlbefinden wichtiger als die Beschäftigung mit der materiellen Welt. Die Texte haben zudem oft eine ausgeprägte psychologisch-therapeutische Dimension. Es wird als wichtig angesehen, die eigene Psyche zu erkunden, um so einen Prozess der Heilung und des persönlichen Wachstums einzuleiten. Ein häufig genanntes Ziel ist die Verwirklichung eines von der äußeren Welt unabhängigen authentischen oder wahren Selbst , das den göttlichen Kern eines jeden Menschen repräsentiert. Eine Reihe von New-Age-Konzepten umfassen praktische Ratschläge für eine gesunde Lebensweise. Dazu gehören Körperübungen, besondere Ernährungsformen und Atemübungen ebenso wie die Aufforderung, regelmäßig zu meditieren und sich in Aufmerksamkeit zu üben.

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