Beulen auf der Kopfhaut können ein hartnäckiges und lästiges Problem sein, das das tägliche Leben erheblich stören kann. Jeder, der damit zu tun hat, weiß, wie schwierig es ist, den Juckreiz und die Reizung zu ignorieren. Diese Art von Kopfhautproblem kann das Selbstvertrauen beeinträchtigen und viel Stress verursachen, vor allem, wenn der Juckreiz Sie aus der Konzentration reißt oder Sie sogar wach hält.
Gutartige Weichteiltumore als Ursache
Ein möglicher Grund für Gnubbel am Haaransatz sind gutartige Weichteiltumore. Obwohl die genauen Ursachen für ihre Entstehung, beispielsweise im Fett- oder Bindegewebe unter der Kopfhaut, wissenschaftlich nicht vollständig geklärt sind, ist es wichtig zu wissen, dass weniger als ein Prozent dieser Tumore bösartig sind. Dennoch können auch gutartige Weichteiltumore wie Lipome, Fibrome oder Atherome Probleme bereiten oder stören.
ICD-Klassifizierung
Die offizielle ICD-Klassifizierung bietet eine detaillierte Einteilung dieser Tumore:
Lipome (D17): Gutartige Neubildung des Fettgewebes
- D17.0: der Haut und der Unterhaut des Kopfes, des Gesichtes und des Halses
- D17.1: der Haut und der Unterhaut des Rumpfes
- D17.2: der Haut und der Unterhaut der Extremitäten
- D17.3: der Haut und der Unterhaut an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen
- D17.4: der intrathorakalen Organe
- D17.5: der intraabdominalen Organe
- D17.6: des Samenstrangs
- D17.7: an sonstigen Lokalisationen
- D17.9: nicht näher bezeichnet
Fibrome (D23): Sonstige gutartige Neubildungen der Haut
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- D23.0: Lippenhaut
- D23.1: Haut des Augenlides, einschließlich Kanthus
- D23.2: Haut des Ohres und des äußeren Gehörganges
- D23.3: Haut sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Gesichtes
- D23.4: Behaarte Kopfhaut und Haut des Halses
- D23.5: Haut des Rumpfes
- D23.6: Haut der oberen Extremität, einschließlich Schulter
- D23.7: Haut der unteren Extremität, einschließlich Hüfte
- D23.9: Haut, nicht näher bezeichnet
Atherome (L72):
- L72.0: Epidermalzyste
- L72.1: Trichilemmalzyste
Wissenswertes zu Weichteiltumoren
- Mehr als 99 Prozent der Weichteiltumore sind gutartig, weniger als 1 Prozent sind bösartig (Sarkome).
- Es gibt etwa 50 verschiedene Arten von Weichteiltumoren, die sich in Aussehen und Herkunft unterscheiden.
- Lipome treten meist im Alter von 40 bis 50 Jahren erstmalig auf.
Wo treten Weichteiltumore auf?
Mediziner fassen unter Weichteilen verschiedene Gewebe zusammen: Fettgewebe, Bindegewebe, Muskeln, periphere Nerven oder Blutgefäße. Weichteiltumore entstehen durch abnormale Zellwucherungen in diesen Geweben und können an verschiedenen Stellen im Körper auftreten. Sie werden nach der Gewebeart benannt, in der sie entstehen:
- Ein Lipom wächst im Fettgewebe und entsteht häufig an den Beinen und am Bauch.
- Ein Fibrom, auch Stielwarze genannt, hat seinen Ursprung im Bindegewebe und tritt vor allem in der Hals- und Achselregion auf.
- Atherome entwickeln sich an den Haarwurzeln, vor allem am Kopf.
Gutartig kontra bösartig
Im seltenen Fall, dass ein Weichteiltumor bösartig ist, spricht man von einem Sarkom. Gutartige Weichteiltumore sind räumlich begrenzt und von Kapseln umschlossen, wodurch sie nicht in das benachbarte Gewebe eindringen können. Sie bilden auch keine Tochtergeschwulste an anderen Körperstellen.
Die häufigsten Weichteiltumore im Überblick
Lipome: Geschwulste aus Fettgewebe, die meist direkt unter der Haut liegen und als runde oder ovale Knoten zu ertasten sind. Sie lassen sich leicht verschieben und fühlen sich gummiartig an.
Fibrome: Wucherungen des Bindegewebes. Mediziner unterscheiden:
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- Weiches Fibrom (Fibroma molle): hautfarbige, kleine Hautausstülpungen, häufig gestielt (Stielwarzen).
- Hartes Fibrom: derbe Knötchen, meist nur wenige Millimeter groß, etwas dunklere, hellbraune Flecken auf der Haut.
Atherome: Wölben sich halbkugelartig vor und entwickeln sich in den Haarwurzeln, meist aufgrund einer verstopften Drüse. Im Volksmund werden sie als Grützbeutel bezeichnet. Sie können mehrere Zentimeter groß werden und sich entzünden.
Weitere Ursachen für Gnubbel am Haaransatz
Neben gutartigen Weichteiltumoren gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Gnubbel am Haaransatz:
Follikulitis (Haarbalgentzündung)
Die Follikulitis ist eine Entzündung der Haarfollikel, die entweder oberflächlich oder tief liegen kann. Sie tritt besonders bei Männern an den Haarfollikeln des Bartes auf. Mehrere entzündete Haarfollikel können zusammenfließen und eine schlimmere Entzündung hervorrufen. Die häufigste Ursache ist der Erreger Staphylococcus aureus. Die Entzündung besteht in der Regel 5 bis 7 Tage und wird meist lokal behandelt.
Definition
Die Follikulitis ist eine Entzündung der Haarfollikel, die häufig das Barthaar betrifft und mit Eiter einhergehen kann. Es gibt oberflächliche und tiefe Haarfollikelentzündungen. Tiefe Entzündungen können sich auch in das umliegende Gewebe ausbreiten. Je nach Schweregrad zeigen sich Pusteln und Pickel, Rötungen, Schwellungen und auch knotige Veränderungen.
Ursache
Die Entzündung kann durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht werden. Risikofaktoren sind u.a. Rasur, Epilation, enge Kleidung und übermäßiges Schwitzen.
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Symptome
Das Erscheinungsbild kann sehr unterschiedlich sein, da es oberflächliche und tiefe Entzündungen geben kann.
- Oberflächliche Follikulitis: Pusteln und Pickel, eine Rötung und eventuell Eiter sind um den Haarfollikelausgang zu sehen.
- Tiefe Follikulitis: Stärkere Infektion, umgebendes Gewebe gerötet. Leichte Schmerzen können vorliegen.
- Furunkel: Eitrige Pusteln entwickeln sich zu einem Knoten mit Schwellung und möglicher Rötung in der Umgebung. Schmerzen können vorhanden sein. Eine Narbenbildung ist möglich.
- Karbunkel: Mehrere nebeneinander liegende Haarfollikel sind betroffen, Fieber und Schmerzen (auch in der Umgebung) können auftreten sowie eine Entzündung der Lymphgefäße und Knoten.
Häufig betroffene Körperstellen sind behaarte Körperareale wie Kopfhaut, Brust- und Rumpfbereich sowie der Bartbereich.
Komplikationen
Aus einer einzelnen Haarfollikelentzündung kann sich ein Furunkel oder Karbunkel bilden, welche größer und deutlich schmerzhafter sind als eine einzelne Follikulitis. Im Falle eines Furunkels oder Karbunkels können Narben zurückbleiben.
Therapie
- Allgemeine Therapie: Kühlung der betroffenen Hautstellen, keine Manipulation, Vermeidung von Risikofaktoren (z.B. Rasur, Epilation), Hygienemaßnahmen.
- Lokale Therapie: Bei einer oberflächlichen Follikulitis kann eine lokale Therapie ausreichend sein. Es erfolgt eine antiseptische Behandlung (z.B. Octenidin, Chlorhexidin, Triclosan oder Polihexanid), Bäder oder Umschläge mit Gerbstoffen können zusätzlich angewandt werden. Außerdem ist es möglich eine Salbe oder Creme mit Antibiotika zu verwenden.
- Systemische Therapie: Eine intensivere „innere“ Therapie ist bei schweren Verlaufsformen angezeigt, diese erfolgt mit Antibiotika in Tablettenform.
Furunkel und Karbunkel
Furunkel sind bakterielle Infektionen im Bereich der Haarwurzel. Die betroffene Stelle ist schmerzhaft, gerötet und fühlt sich heiß an. Der Haarbalg und das umgebende Bindegewebe sind entzündet und können anschwellen. Bei einem Furunkel bildet sich um den Haarbalg eine Aushöhlung mit Eiter. Sind mehrere nebeneinanderstehende Haarwurzeln entzündet, können die Entzündungen verschmelzen und ein Karbunkel entsteht.
Ursachen
Häufig sind die Ursache Staphylokokken, etwa der häufige Hautkeim Staphylococcus aureus. Die Bakterien gelangen über kleinste Verletzungen in die Haut und können eine Infektion auslösen. Scheuernde Kleidung, eine warme, feuchte Umgebung oder Druckstellen können zu solchen Kleinstverletzungen oder Entzündungen führen. Auch Krankheiten, die die Abwehrkräfte schwächen, können Furunkel begünstigen.
Symptome
Zunächst bildet sich oft um ein Haar eine gerötete Stelle, die anschwillt und sich warm anfühlt. Sie schmerzt, teils ist der Eiter leicht gelblich durch die Haut zu sehen. Der Eiter tritt meist nach einigen Tagen aus der Schwellung aus.
Behandlung
Man sollte Furunkel auf keinen Fall ausdrücken, da sich die Keime sonst ins Blut drücken können. Im Frühstadium kann eine warme Kompresse die Reifung fördern. Ein Arzt kann den Furunkel öffnen, die Wunde desinfizieren und gegebenenfalls einen Streifen einlegen, der den Eiter aufsaugt. Zur weiteren Behandlung können antibiotische oder antiseptische Salben verschrieben werden.
Wann sind Furunkel gefährlich?
Gefährlich wird ein Furunkel vor allem, wenn man daran kratzt oder ihn ausdrückt. Dann können sich die Bakterien über Blutgefäße oder Lymphe verbreiten. Vor allem Furunkel im Gesichtsbereich sind gefährlich, da hier die Gefahr einer Komplikation besteht, etwa dass sich die Bakterien bis ins Gehirn ausbreiten. Bildet sich ein roter Streifen, der von der entzündeten Stelle wegführt, deutet das auf eine Lymphangitis hin.
Vorbeugung
Um Furunkel vorzubeugen, helfen regelmäßiges Waschen und Duschen, locker sitzende Kleidung und die Wahl der richtigen Unterwäsche (Baumwolle statt Synthetik). Auch beim Rasieren sollte man vorsichtig sein und die Rasierklinge regelmäßig wechseln. Zudem empfiehlt sich eine gute Hautpflege, um die Hautbarriere wieder aufzubauen und Mikrowunden und Ekzeme zu vermeiden.
Atherome (Grützbeutel)
Atherome sind gutartige Zysten, die sich in der Haarwurzel entwickeln. Sie können die Größe eines Hühnereis erreichen, fühlen sich eher elastisch an und lassen sich meistens verschieben. Atherome sind in der Regel schmerzlos.
Definition
Atherom ist ein Überbegriff für verschiedene Zysten in der Haut, die aus den Talgdrüsen der Haarfollikel hervorgehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Atherome auch als „Grützbeutel“ bezeichnet.
Symptome
Man findet unter der Haut relativ feste, runde Knoten. Teilweise ist in der Mitte eine verstopfte Öffnung zu erkennen. Häufig treten die Talgzysten auf der Kopfhaut, im Gesicht, an Hals, Nacken, Genitalien und Rücken auf. Die meisten Knoten sind 2-4 mm im Durchmesser, aber sie können bis auf 5 cm anwachsen.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Atherom entwickelt sich meist in der Kopfhaut aus einer Haarwurzel. Der Ausführungsgang der Talgdrüse kann verstopft sein, beispielsweise durch kleine Fettkristalle oder Hautzellen. Der Talg kann dann nicht mehr ungehindert abfließen, die Drüse allerdings produziert ihn immer weiter. Nach und nach staut sich der Talg, und die Haarwurzel wird zu einer runden "Blase" aufgepumpt - es entsteht ein Atherom.
Diagnose
Die Diagnose Atherom stellt in der Regel ein Allgemeinmediziner oder ein Hautarzt (Dermatologe). Im Erstgespräch fragt er den Betroffenen zum Beispiel, seit wann die Zyste besteht, ob sie ihm Schmerzen bereitet und ob es noch weitere "Knubbel" gibt oder gab. Bei der körperlichen Untersuchung schaut sich der Arzt die "Beule" genauer an - meist kann er recht schnell beurteilen, ob es sich um ein Atherom handeln könnte.
Behandlung
Oft ist keine Behandlung erforderlich. Manchmal ist der Knoten auffälliger oder schmerzhaft. Dann kann die Zyste operativ entfernt werden. Der Eingriff wird in der Regel mit örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird möglichst der gesamte Knoten herausgeschnitten. Dieser ist durch eine Kapsel abgegrenzt. Wenn die gesamte Kapsel entfernt wird, ist auch die Drüse für immer entfernt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Ein Weichteiltumor schnell wächst.
- Schmerzen verursacht, weil er Druck auf benachbarte Regionen, etwa Nerven, ausübt.
- Ihren Bewegungsablauf beeinträchtigen, beispielsweise im Bereich von Gelenken.
- Optisch sehr störend sind, vor allem im Gesicht oder am Augenlid.
- Ein Furunkel nach einigen Tagen nicht von selbst abheilt oder plötzlich mehrere Furunkel entstehen.
- Fieber, Schüttelfrost oder andere Krankheitszeichen auftreten oder sich ein rötlicher Streifen auf der Haut zeigt.
- Längerfristige Knoten am Kopf auftreten, um ein bösartiges Sarkom auszuschließen.
Diagnostik und Behandlung
Erfahrene Dermatologen können gutartige Weichteiltumore in der Regel schnell einordnen, nachdem sie diese angeschaut und ertastet haben. Auffällige Fibrome werden zudem mit dem Dermatoskop untersucht. Um auszuschließen, dass es sich um einen der seltenen bösartigen Tumore handelt, führen Ärzte bei auffälligen, großen Tumoren eine Ultraschall-Untersuchung und gegebenenfalls eine Magnetresonanztomographie (MRT) durch.
Wenn gutartige Weichteiltumore Beschwerden hervorrufen oder kosmetisch beeinträchtigen, können sie entfernt werden. Der Eingriff ist in der Regel kurz und wird meist in örtlicher Betäubung durchgeführt. In den meisten Fällen wird der Weichteiltumor über einen Hautschnitt entfernt. Bei tieferliegenden gutartigen Weichteiltumoren erfolgt der Eingriff minimal-invasiv. Das entnommene Gewebe wird im Labor untersucht, um auszuschließen, dass der Tumor Krebszellen enthält.
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