Die Interaktion von Grapefruitsaft mit bestimmten Medikamenten ist ein bekanntes Phänomen. Bereits vor über 15 Jahren stellten kanadische Forscher fest, dass ein Medikament gegen hohen Blutdruck in seiner Wirkung deutlich verstärkt wurde, wenn es zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen wurde. Ursprünglich ging es um die Untersuchung des Einflusses von Alkohol auf ein bestimmtes Blutdruckmittel, wobei Versuchspersonen das Präparat entweder mit purem Grapefruitsaft oder einem Grapefruit-Alkohol-Gemisch einnahmen.
Der Mechanismus der Wechselwirkung
Mittlerweile ist der Mechanismus hinter dieser Wirkungsverstärkung gut verstanden. Grapefruit hemmt vor allem ein Stoffwechselenzym namens Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4). Dieses Enzym ist dafür verantwortlich, Medikamente und andere Substanzen so umzuwandeln, dass sie weniger wirksam oder weniger schädlich sind und teilweise als unproblematische Zwischenprodukte ausgeschieden werden. Grapefruitsaft behindert die Funktion dieses Enzyms in der Darmwand und reduziert offenbar auch die Enzymmenge.
Unerwünschte Folgen der Wechselwirkung
Die Hemmung von CYP3A4 durch Grapefruitsaft kann zu einer erhöhten Konzentration bestimmter Medikamente im Blut führen. So kann beispielsweise die Konzentration des Cholesterinsenkers Simvastatin im Blut auf das Siebenfache ansteigen, was schwere Muskel- oder Nierenschäden zur Folge haben kann. Die Stärke des Einflusses von Grapefruitsaft auf Arzneimittel ist jedoch nicht vorhersehbar und hängt sowohl von der Art und Qualität des Saftes als auch von den verwendeten Arzneimitteln ab.
Allgemeine Empfehlungen
Wer Medikamente einnimmt, sollte sicherheitshalber auf Grapefruit verzichten, nicht nur bei der Einnahme des Medikaments selbst. Die Wirkung eines Glases Grapefruitsaft kann bis zu drei Tage anhalten. Da auch für Limonen-, bestimmte Orangen- und Apfelsäfte unkalkulierbare Wechselwirkungen mit Medikamenten beschrieben sind, ist es ratsam, Arzneimittel grundsätzlich mit Wasser einzunehmen. Auch Kaffee, Tee und Milch können die Wirkstoffaufnahme behindern, beispielsweise bei Eisenpräparaten, weshalb vielfach ein Mindestabstand von zwei Stunden empfohlen wird.
Grapefruit und Pampelmuse: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Grapefruit, Orange, Mandarine, Zitrone und Pomelo haben eine entscheidende Gemeinsamkeit: Es handelt sich um Zitrusfrüchte. Häufig wird die Bezeichnung Pampelmuse synonym für Grapefruit verwendet, doch es gibt Unterschiede. Die Grapefruit (Citrus × paradisi) ist eine Kreuzung aus Orange (Citrus × sinensis) und Pampelmuse (Citrus maxima). Beide sind also verwandt und weisen ähnliche Merkmale auf (Struktur des Fruchtfleischs, dicke Schale usw.), sind aber nicht identisch. Dennoch überwiegen die Gemeinsamkeiten: Beide enthalten reichlich B-Vitamine, Vitamin C, den Ballaststoff Pektin, sekundäre Pflanzenstoffe und ätherische Öle in der Schale.
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Der deutlichste Unterschied liegt in den Bitterstoffen: Während die Pampelmuse deutlich bitterer schmeckt, wurden bei der Grapefruit die Bitterstoffe zugunsten eines eher süß-säuerlichen Aromas herausgezüchtet. Wie die meisten anderen Zitrusfrüchte sind Grapefruits nahezu das ganze Jahr über erhältlich, auch aus Bio-Anbau, sodass man die Schale ebenfalls verwenden kann.
Furanocumarine und ihre Wirkung
Grapefruit, egal ob als Fruchtfleisch, Saft oder Marmelade, kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, indem sie deren Wirkkraft verstärkt. Ursache hierfür sind die enthaltenen Furanocumarine. Diese Stoffe blockieren Enzyme in der Darmschleimhaut und Leber, die für den Abbau von Medikamenten zuständig sind, die sogenannten Cytochrome (CYP). Auf diese Weise kann sich die Konzentration der Arzneiwirkstoffe im Körper erhöhen.
Mögliche Nebenwirkungen
Bei Kombinationen mit Grapefruit können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, zum Beispiel Nierenversagen oder Magen-Darm-Blutungen. Zu den Arzneimitteln, die empfänglich für Wechselwirkungen mit Grapefruitsaft sind, gehören verschreibungspflichtige Medikamente wie Herz-Kreislauf-Mittel, Antibiotika und Medikamente zur Blutfettsenkung. Bei Einnahme solcher Arzneimittel sollte man die Packungsbeilage sorgfältig lesen und sich in der Arztpraxis oder Apotheke nach möglichen Wechselwirkungen mit Grapefruits erkundigen. Im Zweifelsfall ist es besser, auf Grapefruit oder deren Saft zu verzichten.
Hintergrundinformationen zur Grapefruit
China ist mit rund 5 Millionen Tonnen der größte Produzent von Grapefruits, gefolgt von Vietnam und den USA. Auch in Europa wird die Zitrusfrucht angebaut, allerdings in deutlich geringeren Mengen. Man geht davon aus, dass die Grapefruit Mitte des 18. Jahrhunderts auf der Karibikinsel Barbados aus einer spontanen Kreuzung zwischen Orange und Pampelmuse entstanden ist. Weiße und rosafarbene Grapefruits gehören derselben Art an, wobei die rosafarbene Sorte mittlerweile häufiger im Handel zu finden ist.
Alternativen für Grapefruit-Liebhaber
Wer aufgrund der Einnahme von bestimmten Arzneimitteln auf den Verzehr von Grapefruits verzichten muss, kann auf andere Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen.
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Weitere Lebensmittel und ihre Wechselwirkungen mit Medikamenten
Viele Lebensmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Milch und Joghurt können die Wirkung von Antibiotika beeinträchtigen, während Kaffee, Schwarztee oder Cola Schmerzmittel verstärken können. Lakritze kann die Wirkung von Diuretika verstärken und zu Kaliummangel führen. Schwarzer Pfeffer kann den Abbau von Asthmamitteln verzögern.
Tipps zur Medikamenteneinnahme
Es ist wichtig, die Gebrauchsanweisung des Herstellers zu beachten und Medikamente vor, mit oder nach dem Essen einzunehmen, je nach Anweisung. Essensbestandteile können die Wirkung eines Arzneimittels abschwächen oder verstärken. Bei bekannten Reaktionen mit Nährstoffen sollte man das Mittel nicht einmal nüchtern und einmal nach dem Essen einnehmen, da die erwünschte Wirkung sonst nicht garantiert ist. Medikamente sollten am besten mit Wasser eingenommen werden, außer bei wenigen Herz- und Hustentropfen, deren Wirkstoffe in Wasser unlöslich sind.
Grapefruit und ihre Inhaltsstoffe
Grapefruit ist reich an Vitamin C und Vitamin A. Eine einzige Frucht deckt bereits einen hohen Prozentsatz des Tagesbedarfs an diesen Vitaminen. Die Frucht enthält auch Lycopin und Naringin, die antioxidative und fettsenkende Wirkungen haben. Das in der Grapefruit enthaltene Naringin kann jedoch in Verbindung mit Medikamenten zu erheblichen Nebenwirkungen führen, da es Enzyme hemmt, die beim Abbau von Arzneimitteln im Darm helfen. Dies kann zu einer unkontrollierten Überdosierung des Medikaments führen.
Medikamente, die mit Grapefruit interagieren
Forschungen haben mittlerweile über 50 Arzneistoffe identifiziert, die sich nicht mit Grapefruit vertragen. Dazu gehören unter anderem Blutdruckmittel, Antiallergika, Schmerzmittel und Krebsmedikamente. Auch die Antibabypille sollte nicht mit Grapefruits kombiniert werden, da die ohnehin schon thrombosefördernden Nebenwirkungen vieler Antibabypillen durch Grapefruits verstärkt werden können.
Neueste Forschungen legen nahe, dass man während des gesamten Zeitraums der Medikamenteneinnahme überhaupt keine Grapefruit zu sich nehmen sollte, da die Wirkung der Grapefruit bis zu 24 Stunden andauern kann. Bei Unsicherheit bezüglich möglicher Wechselwirkungen sollte man die Packungsbeilage sorgfältig lesen oder den Arzt oder Apotheker konsultieren.
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Migräne und Kopfschmerzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Kopfschmerzen und Migräne können vielfältige Ursachen haben. Spannungskopfschmerzen treten häufig morgens auf und sind mit Wetterfühligkeit verbunden. Migräne äußert sich durch pochende, stechende Schmerzen hinter dem Auge, begleitet von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Cluster-Kopfschmerzen sind seltener, aber sehr heftig und können mit tränenden Augen, einem roten, schwitzenden Gesicht und starkem Bewegungsdrang einhergehen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kopfschmerzen zu behandeln. Entspannungsübungen können helfen, den Schmerz zu verringern. Wickel, etwa mit warmen Kartoffeln gefüllt, können Verspannungen im Nacken lösen. Bei Kopfschmerzen aufgrund von geistiger Erschöpfung kann ein Süppchen aus Maronen, Dinkelmehl, Honig und Zimt helfen. Es ist auch wichtig, die Wirbelsäule überprüfen zu lassen und auf eine korrekte Brillenstärke und -passform zu achten.
Ernährung und Kopfschmerzen
Bei Stressbedingten Kopfschmerzen sollte man viele Lebensmittel mit Vitamin C in die Ernährung integrieren. Im Akutfall können hochdosiertes Magnesium oder ein Glas leicht verdünnten Zitronensaft oder Kaffee mit Zitronensaft helfen. Bei Migräne-Attacken sollte man auf Kaffee und Nikotin verzichten. Melissen-Tee oder Augentrost-Tee können ebenfalls helfen.
Wechselwirkungen im Detail: CYP3A4 und CYP1A2
Naringin in Grapefruit hemmt das Enzym CYP3A4 in der Leber. Dieses Enzym ist für den Abbau vieler Medikamente zuständig, darunter Statine zur Cholesterinsenkung, Kalziumantagonisten zur Blutdrucksenkung, Betablocker, Antidepressiva, Antibiotika und Antimykotika. Wenn CYP3A4 durch Naringin gehemmt wird, können diese Medikamente nicht mehr richtig abgebaut werden, reichern sich im Körper an und entfalten eine stärkere Wirkung, was zu gefährlichen Nebenwirkungen führen kann. Besonders gefährlich ist die Wirkungsverstärkung der Makrolid-Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin, die zu Torsade-de-Pointes-Tachykardien führen kann.
Bergamottin in Grapefruit hemmt das Enzym CYP1A2 in der Leber. Wenn CYP1A2 durch Bergamottin gehemmt wird, können auch bestimmte Medikamente, wie Antidepressiva, nicht mehr richtig abgebaut werden. Koffein wird ebenfalls über CYP1A2 abgebaut, was dazu führen kann, dass sich eine Tasse Kaffee wie drei anfühlt.
Bereits 200 ml Grapefruitsaft können ausreichen, um den Abbau von Medikamenten zu stören. Die Wirkung hält lange an: Selbst, wenn der Verzehr von Grapefruit schon 3 Tage zurückliegt, können noch Nebenwirkungen auftreten. Die Halbwertszeit von Naringin und Bergamottin beträgt etwa 24 Stunden. Auch Pampelmusen und Pomelos enthalten Naringin und/oder Bergamottin in bedeutsamer Menge.
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