Großer Hirntumor: Chancen und Behandlungsmöglichkeiten

Hirntumore stellen eine der größten Herausforderungen in der modernen Medizin dar. Sie sind komplex und haben tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Jährlich werden in Deutschland etwa 8.000 neue Hirntumor-Diagnosen gestellt, was etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen ausmacht. Während einige Tumore, wie Meningeome, oft nur beobachtet werden müssen, erfordern bösartige Hirntumore intensive Therapien.

Einführung

Die Diagnose eines großen Hirntumors kann für Betroffene und ihre Familien eine erschütternde Nachricht sein. Neben der Angst vor der Krankheit selbst sind es oft die Unsicherheiten über Behandlungsverläufe, Nebenwirkungen und die zukünftige Lebensqualität, die den Alltag prägen. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten, Fortschritte und Perspektiven im Umgang mit großen Hirntumoren geben.

Diagnose und erste Schritte

Im Falle des hier betrachteten Patienten, der im Alter von 22 Jahren die Diagnose eines Hirntumors erhielt, begann alles mit starken Kopfschmerzen. Nach mehreren Arztbesuchen und einer MRT-Untersuchung wurde eine größere Raumforderung am dritten Ventrikel festgestellt. Eine Biopsie ergab, dass es sich um einen schnell wachsenden, aggressiven Tumor handelte, der operativ entfernt werden musste.

Operative Entfernung

Die operative Entfernung des Tumors ist oft der erste und wichtigste Schritt in der Behandlung. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne dabei wichtige Funktionen des Gehirns zu beeinträchtigen. Im beschriebenen Fall verlief die Operation zunächst gut, und der Tumor konnte vollständig entfernt werden. Allerdings zeigte ein Kontroll-MRT wenige Monate später ein Rezidiv, also ein erneutes Tumorwachstum. Dies unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Behandlungen nach der Operation.

Chemo- und Strahlentherapie

Fortschritte und Bedeutung

Chemo- und Strahlentherapien haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Dr. Pablo Serrano vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) e.V. betont: „Insgesamt haben sich Chemo- und Strahlentherapien in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert.“ Diese Therapien zielen darauf ab, verbliebene Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen.

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Spezielle Verfahren

Besonders hervorzuheben ist die Einführung hochpräziser Verfahren wie der Protonenbestrahlung. Eine spezielle Weiterentwicklung der Protonentherapie ist das sogenannte Pencil-Beam-Scanning (PBC). Dabei wird der Tumor Schicht für Schicht mit einem dünnen Protonenstrahl „ausgemalt“, wodurch das umliegende Gewebe kaum Schaden nimmt.

Fallbeispiel

Im Fall des 22-jährigen Patienten wurde nach der ersten Operation eine Chemotherapie mit zwei Wirkstoffen in vier Zyklen empfohlen. Diese wurde relativ gut vertragen, bis zum dritten Zyklus. Nach dem Rezidiv wurde eine andere Chemotherapie mit Temodal über 42 Tage durchgehend und gleichzeitiger Bestrahlung über sechs Wochen vorgeschlagen.

Immuntherapie

Neue Hoffnungsträger

Neben den etablierten Therapieformen gewinnen immuntherapeutische Ansätze zunehmend an Bedeutung. Therapeutische Impfungen mit Tumorantigenen sollen eine starke Immunantwort gegen den Tumor hervorrufen. Zudem ist die Forschung zum Tumornekrosefaktor (TNF) bedeutend, insbesondere die Herausforderung, glioblastom-resistente Zellen empfindlicher gegenüber TNF zu machen. Eine mögliche Lösung könnte die Kombination von TNF mit dem Chemotherapeutikum Temozolomid sein.

Adoptive T-Zell-Therapien

Um neue, wirksamere Behandlungsoptionen für die Betroffenen zu finden, erproben Ärzte und Wissenschaftler zahlreiche immuntherapeutische Ansätze, darunter auch so genannte „adoptive“ T-Zell-Therapien: Dazu werden dem Patienten T-Zellen entnommen, im Labor modifiziert und ihm zurückübertragen. Lukas Bunse, Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum und Arzt an der Universitätsmedizin Mannheim, setzt in seiner aktuellen Studie auf das vergleichsweise neue Konzept der „T-Zell-Rezeptor-transgenen Zellen“.

NLGN4X-spezifische T-Zellen

Dazu wurden Hirntumor-Patienten zunächst mit einem antigenen Abschnitt des Proteins NLGN4X (Neuroligin4X) geimpft. Dieses Eiweiß ist an der Bildung von Synapsen beteiligt. Da sich aber auf diese Weise nur wenige NLGN4X-spezifische T-Zellen gewinnen lassen, die für eine Zelltherapie nicht ausreichen, griffen die Wissenschaftler zu einem Trick: Sie isolierten das für den NLGN4X-spezifischen T-Zellrezeptor kodierende Gen. Damit konnten sie anschließend in der Kulturschale T-Zellen aus Spenderblut oder auch T-Zelllinien ausstatten. Das Team um Bunse demonstrierte anschließend in der Kulturschale, dass die NLGN4X-spezifischen T-Zellen in der Lage sind, Hirntumorzellen in der Kulturschale abzutöten. Hirntumor-tragende Mäuse, die mit transgenen NLGN4X-spezifischen menschlichen T-Zellen behandelt wurden, sprachen zu über 40 Prozent auf die Behandlung an.

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Vergleich zu CAR-T-Zellen

Deutlich weiter fortgeschritten in der klinischen Entwicklung als die T-Zell-Rezeptor-transgenen Zellen sind zelluläre Therapien mit so genannten CAR-T-Zellen (chimeric antigen eceptor), die bereits zur Behandlung verschiedener Leukämien und Lymphomen zugelassen sind. Doch die beiden zelltherapeutischen Ansätze unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt. „Mit den T-Zell-Rezeptor-transgenen Zellen können wir auch auf solche Antigene abzielen, die nur im Inneren der Krebszellen vorkommen und deren Bruchstücke über als die MHC Klasse 1 bezeichneten Präsentationsmoleküle auf der Zelloberfläche ausgestellt werden“, erklärt Lukas Bunse.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Hyperthermie

Zusätzlich zu den konventionellen Therapien gibt es unterstützende Maßnahmen, die den Behandlungserfolg verbessern und die Lebensqualität steigern können. Eine davon ist die Hyperthermie-Behandlung, bei der der Körper oder Teile davon erwärmt werden, um die Krebszellen empfindlicher für Chemo- und Strahlentherapie zu machen. Im beschriebenen Fall hatte eine Nachbarin mit Leberkrebs positive Erfahrungen mit dieser Behandlung gemacht.

Ernährung und Lebensstil

Eine gesunde Ernährung und ein aktiver Lebensstil können ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Eine Umstellung auf eine gesündere Ernährung mit viel Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D3 sowie der Konsum von grünem Tee können das Immunsystem stärken und die Nebenwirkungen der Therapien reduzieren.

Langzeitfolgen und Nachsorge

Bedeutung der Nachsorge

Die Behandlung von Hirntumoren kann mit einer Reihe von Langzeitfolgen verbunden sein, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Daher ist eine umfassende Nachsorge von entscheidender Bedeutung.

Mögliche Spätfolgen

Zu den möglichen Spätfolgen gehören neurologische und neurosensorische Beeinträchtigungen, endokrine Störungen, Fertilitätsprobleme, Hörverlust, Sehstörungen, orale und dentale Probleme sowie das Risiko für Zweitmalignome.

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Neurologische und neurosensorische Beeinträchtigungen

Neurologische und neurosensorische Beeinträchtigungen können sich in Form von Apathie, zerebellärem Mutismus, kognitiven Defiziten und einem erhöhten Schlaganfallrisiko äußern. Carroll et al. (2015) untersuchten die Prävalenz, Assoziationen und Prädiktoren von Apathie bei erwachsenen Überlebenden von infantilen (<5 Jahre) Hirntumoren der hinteren Schädelgrube. Küper und Timmann (2007) sowie Pitsika und Tsitouras (2014) befassten sich mit dem zerebellären Mutismus. Ottensmeier et al. (2004) untersuchten die neuropsychologische Kurzbeurteilung von krankheits- und behandlungsbedingten Intelligenzdefiziten bei Kindern mit Hirntumoren. Campen et al. (2011), Morris et al. (2016), Mueller et al. (2011) befassten sich mit dem erhöhten Schlaganfallrisiko nach Schädelbestrahlung.

Endokrine Störungen und Fertilität

Endokrine Störungen und Fertilitätsprobleme sind weitere wichtige Aspekte der Langzeitnachsorge. Gleeson und Shalet (2004) untersuchten die Auswirkungen der Krebstherapie auf das endokrine System bei Überlebenden von Hirntumoren im Kindesalter. Koustenis et al. (2016), Reinmuth et al. (2015) und Spix (2008) befassten sich mit den Auswirkungen der Schädelbestrahlung und der Lage des Hirntumors auf die Fruchtbarkeit. Balcerek et al. (2016) untersuchten vermutete Unfruchtbarkeit nach der Behandlung von Leukämie und soliden Tumoren im Kindes- und Jugendalter.

Hörverlust und Sehstörungen

Hörverlust und Sehstörungen können ebenfalls als Spätfolgen auftreten. Hua et al. (2011) und Packer et al. (2003) untersuchten den Hörverlust nach Strahlentherapie bei pädiatrischen Hirntumoren. Schell et al. (1991) befassten sich mit Hörverlust bei Kindern und jungen Erwachsenen, die Cisplatin erhielten. Whelan et al. (2010) untersuchten okuläre Spätfolgen bei Überlebenden von Krebs im Kindes- und Jugendalter.

Orale und dentale Probleme

Orale und dentale Probleme sind ebenfalls häufige Spätfolgen. Effinger et al. (2013), Gawade et al. (2014) und Kaste et al. (2009) untersuchten dentale Spätfolgen bei Überlebenden von Krebs im Kindesalter.

Zweitmalignome

Das Risiko für Zweitmalignome ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Langzeitnachsorge. Kaatsch et al. (2013), Klein et al. (2015), Neglia et al. (2006) und Scholz-Kreisel et al. (2017) befassten sich mit dem Auftreten von Zweitmalignomen nach Krebs im Kindesalter.

Bedeutung von Leitlinien

Die S2k-Leitlinie "Langzeit-Nachsorge von krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen - Vermeiden, Erkennen und Behandeln von Spätfolgen" (Gebauer et al., nicht datiert) bietet wichtige Empfehlungen für die Nachsorge.

Perspektiven und Lebensqualität

Fortschritte in der Behandlung

Trotz der Herausforderungen gibt es auch viele positive Entwicklungen in der Behandlung von Hirntumoren. So sind heute etwa 80 Prozent der Kinder mit Medulloblastom, einem weiteren Hirntumortyp, mit mittlerem Risiko fünf Jahre nach der Diagnose tumorfrei - deutlich mehr als noch vor einigen Jahrzehnten.

Lebensqualität

Die Frage nach der Lebensqualität ist für viele Betroffene von zentraler Bedeutung. Es ist wichtig, sich nicht nur auf die medizinische Behandlung zu konzentrieren, sondern auch auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Psychoonkologische Gespräche, Entspannungstraining und eine ausgewogene Ernährung können helfen, mit der Krankheit umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Erfahrungen anderer Betroffener

Die Erfahrungen anderer Betroffener können Mut machen und zeigen, dass ein gutes Leben trotz der Diagnose möglich ist. Viele berichten, dass sie jeden neuen Tag schätzen und sich auf die positiven Aspekte des Lebens konzentrieren. Es ist wichtig, die Hoffnung nicht aufzugeben und aktiv am eigenen Leben teilzunehmen.

Fallbeispiele und persönliche Berichte

Lind22

Der hier erwähnte Fall von Lind22 zeigt die Unsicherheit und die Fragen, die sich Betroffene stellen. Seine Frage, wie es weitergehen soll und ob es jemanden gibt, der den Tumor besiegt hat, ist verständlich. Die Antworten in den Foren zeigen, dass es viele Menschen gibt, die mit der Diagnose leben und kämpfen.

Weitere Beispiele

Es gibt Berichte von Menschen, die trotz eines Glioblastoms mehrere Jahre leben und ein erfülltes Leben führen. Einige haben positive Erfahrungen mit Hyperthermie-Behandlungen gemacht, andere mit einer Kombination aus Chemo-, Strahlentherapie und zusätzlichen Maßnahmen wie Weihrauch und Vitamin-C-Infusionen.

Die Bedeutung des Kämpfens

Viele Betroffene betonen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Eine positive Einstellung, die Unterstützung von Familie und Freunden und die aktive Auseinandersetzung mit der Krankheit können einen großen Unterschied machen.

Methadon in der Krebstherapie

Kontroverse Diskussion

Die Verwendung von Methadon in der Krebstherapie ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Einige Ärzte und Patienten berichten von positiven Erfahrungen, während andere die Wirksamkeit anzweifeln.

Aussagen von Dr. Claudia Friesen

Dr. Claudia Friesen, eine Verfechterin der Methadontherapie, hat in verschiedenen Forenbeiträgen erklärt, dass Methadon bei allen Krebsarten, die sie untersucht hat, geholfen habe. Sie empfiehlt, Methadon immer in Kombination mit einer Chemotherapie einzusetzen.

Kritik und wissenschaftliche Beweise

Es ist wichtig zu betonen, dass die wissenschaftliche Beweislage für die Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie noch nicht ausreichend ist. Viele Ärzte stehen der Therapie skeptisch gegenüber und verweisen auf das Betäubungsmittelgesetz.

Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente kann auch Methadon Nebenwirkungen haben. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Abhängigkeit, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit und Verstopfung.

Rechtliche Aspekte und Arzthaftung

Bedeutung der Aufklärung

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Hirntumoren ist die Aufklärung des Patienten von großer Bedeutung. Der Arzt muss den Patienten umfassend über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, Risiken und Erfolgschancen aufklären.

Behandlungsfehler

Kommt es zu einem Behandlungsfehler, kann der Patient Schadensersatz und Schmerzensgeld fordern. Beispiele für Behandlungsfehler sind unterlassene Untersuchungen, fehlerhafte Diagnosen oder eine unzureichende Aufklärung.

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