Die Betreuung von Menschen mit Demenz stellt Angehörige vor große Herausforderungen. Geduld, Einfühlungsvermögen und Kraft sind gefragt. Viele Angehörige wünschen sich Unterstützung bei der Pflege zuhause, was verständlich und auch möglich ist. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die Grundpflege bei Demenz, ihre Definition, die verschiedenen Leistungsbereiche, den Ablauf und die Finanzierungsmöglichkeiten.
Was ist Grundpflege? Eine Definition
Die Grundpflege, auch direkte Pflege genannt, ist ein zentraler Begriff in der Kranken- und Altenpflege und gleichzeitig ein versicherungsrechtlicher Terminus. Sie umfasst grundlegende, gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Pflegeleistungen, die sich auf die Bereiche Körperpflege, Ernährung und Mobilität beziehen. Es geht um die Unterstützung pflegebedürftiger Menschen im Alltag, um ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Grundpflege wird über das SGB XI geregelt und beinhaltet alle Leistungen zur Körperpflege, Ernährung und Mobilität von Pflegebedürftigen.
Die Grundpflege wird auch als Direkte Pflege bezeichnet. Der Begriff meint Handlungen und Leistungen innerhalb von Pflegeberufen in den Bereichen der Gesundheits- und Krankenpflege, der Kindergesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Heilerziehungspflege. Die Pflegebedürftigen sollen in ihrem Alltag unterstützt werden. In Ergänzung zur Behandlungspflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung ist die Direkte Pflege eine Säule der häuslichen Krankenpflege.
Bereiche der Grundpflege
Die Grundpflege umfasst verschiedene Bereiche, die für das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung sind:
Körperpflege: Die Körperpflege ist ein zentraler Bestandteil der Grundpflege. Sie beinhaltet Tätigkeiten wie Waschen, Baden oder Duschen, je nach Verfassung der pflegebedürftigen Person. Zur Körperpflege gehören auch Haarpflege, Zahnhygiene, Rasur und Hautpflege. Die Körperhygiene ist ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil der Grundpflege, da es beim täglichen Waschen und beim Stuhlgang um die Intimsphäre eines Menschen geht. Daher legt das geschulte Pflegepersonal viel Wert auf ein hohes Maß an Feingefühl und Sensibilität, wenn es um die Körperpflege geht.
Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick
Ernährung: Im Bereich der Ernährung geht es bei der Grundpflege nicht um die Zubereitung von Mahlzeiten, sondern um die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Dies kann das Zerkleinern von Speisen, das Anreichen von Getränken oder die Hilfe beim Essen umfassen. Pflegehilfskräfte unterstützen die tägliche Ernährung durch die mundgerechte Zubereitung der Nahrung und die Entfernung von potentiell gefährlichen Nahrungsbestandteilen. Sie servieren das Essen und leisten bei Bedarf Hilfe bei der Nahrungsaufnahme. Wenn die Pflegebedürftigen eine Sonde benötigen, dann gehört es zu den Leistungen, diese zu pflegen. Eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr geben Orientierung.
Mobilität: Die Mobilität ist ein wichtiger Aspekt der Grundpflege, da sie die Lebensqualität der Pflegebedürftigen maßgeblich beeinflusst. Hierzu zählen Hilfestellungen beim Aufstehen, Gehen, Stehen, Treppensteigen sowie beim An- und Auskleiden. Im Mobilitätsbereich wird Unterstützung beim Aufstehen und beim Zu-Bett-gehen gegeben. Hierzu zählen auch die Hilfe beim An- und Ausziehen sowie die Bereitstellung von Möglichkeiten zum freien Bewegen im Haushalt.
Ausscheidung: Die Ausscheidung ist ein sensibler Bereich der Grundpflege. Er umfasst die Hilfe beim Toilettengang, die Intimpflege und gegebenenfalls den Wechsel von Inkontinenzmaterial. Auch die Versorgung von Kathetern oder Stomata fällt in diesen Bereich. Die Entleerung von Blase und Darm kann lediglich kontrolliert werden. Es können aber auch Hygienemaßnahmen im Intimbereich sowie die Reinigung von Pflegehilfsmitteln wie Katheder oder Urinbeutel zum Einsatz kommen.
Kleine und große Grundpflege
Professionelle Pflegedienstleister sprechen häufig von großer oder kleiner Grundpflege. Der Unterschied liegt im Umfang der Leistungen und dem Aufwand für die pflegende Person bei der Körperpflege.
- Kleine Grundpflege: Die kleine Grundpflege umfasst die grundlegenden Maßnahmen der Körperpflege, wie das Waschen von Gesicht, Oberkörper und Intimbereich, sowie die Zahn- und Mundpflege.
- Große Grundpflege: Zur großen Grundpflege gehören sämtliche Tätigkeiten der kleinen Grundpflege sowie eine Ganzkörperwäsche inklusive Haarwäsche und Abtrocknen.
Ablauf der Grundpflege
Die sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend für eine erfolgreiche Grundpflege. Zunächst sollte der Raum auf eine angenehme Temperatur gebracht und Zugluft vermieden werden. Alle benötigten Materialien wie Waschlotion, Handtücher, Kleidung und Einmalhandschuhe werden bereitgestellt.
Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz
Die Grundpflege folgt in der Regel einem systematischen Ablauf. Sie beginnt mit dem Waschen des Gesichts und setzt sich über den Oberkörper, die Arme, den Rücken, die Beine und Füße fort. Der Intimbereich wird zum Schluss und mit besonderer Sorgfalt gereinigt. Dabei ist es wichtig, die Würde und Intimsphäre des Pflegebedürftigen zu wahren.
Hygiene spielt bei der Durchführung der Grundpflege eine zentrale Rolle. Vor und nach der Pflege sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Bei der Intimpflege und beim Umgang mit infizierten Hautstellen sind Einmalhandschuhe zu tragen. Es ist wichtig, für jeden Körperbereich frische Waschlappen oder Einmalwaschlappen zu verwenden, um Keimverschleppung zu vermeiden.
Eine einfühlsame und respektvolle Kommunikation ist während der gesamten Grundpflege von großer Bedeutung. Jeder Handgriff sollte angekündigt und erklärt werden, besonders bei Menschen mit Demenz. Ein ruhiges Gespräch über Alltägliches kann die Situation entspannen und Schamgefühle mindern.
Grundpflege bei Demenz: Besondere Herausforderungen
Die Pflege von Menschen mit Demenz stellt besondere Anforderungen an die Pflegenden. Demenzkranke können sich oft schlechter verständlich machen, sind unruhig oder ängstlich und wehren sich möglicherweise gegen die Pflege.
Umgang mit Ablehnung: Gerade bei Demenzpatienten ist es wichtig zu beachten, dass sie Pflegeangebote nicht immer wahrnehmen möchten oder sogar ablehnen. Dies kann daran liegen, dass sie sich selbst noch in der Lage sehen, ihren Alltag zu regeln, oder dass sie den Verlust ihrer Fähigkeiten nicht bewusst wahrnehmen. In solchen Fällen ist es wichtig, die Ablehnung zu akzeptieren, die Bedürfnisse des Betroffenen zu ergründen und alternative Strategien zu entwickeln.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz
- Versuchen Sie, den zu Pflegenden zu verstehen, indem Sie vor der eigentlichen Pflegemaßnahme seine Bedürfnislage ergründen.
- Sorgen Sie für "schönes Beziehungswetter", indem Sie den Betroffenen auf der Beziehungsebene erreichen, ihn von vorne ansprechen, auf Augenhöhe gehen und ein Lächeln einsetzen.
- Minimieren Sie Stressfaktoren wie laute Geräusche oder eine unangenehme Raumtemperatur.
- Reagiert der Pflegekunde mit Demenz ablehnend, brechen Sie die Pflegemaßnahme umgehend ab, um seine Autonomie zu stärken.
- Überdenken Sie bei ängstlichen und unsicheren Pflegekunden Ihre eigentlichen Pflegeziele und stellen Sie das Wohlbefinden und den Vertrauensaufbau in den Vordergrund.
- Testen Sie Alternativen, z. B. Mundpflege mit wohlschmeckenden Getränken.
Schamgefühle: Die Grundpflege kann für Pflegebedürftige und Pflegende gleichermaßen mit Schamgefühlen verbunden sein. Um damit umzugehen, ist es wichtig, die Intimsphäre der pflegebedürftigen Person zu respektieren, ihre individuellen Wünsche zu berücksichtigen und offen zu kommunizieren.
Sinnesüberlastung: Laute Wassergeräusche, helles Licht oder intensive Düfte von Pflegeprodukten können bei Menschen mit Demenz Stress auslösen. Es ist wichtig, diese Faktoren zu vermeiden und eine ruhige, entspannte Atmosphäre zu schaffen.
Zeitmanagement: Pflegekräfte stehen oft unter Zeitdruck. Um die Zeit optimal zu nutzen, empfiehlt es sich, Prioritäten zu setzen und einen strukturierten Tagesablauf zu planen.
Körperliche Belastung: Die Grundpflege kann körperlich anstrengend sein. Um Verletzungen und Überlastungen zu vermeiden, ist es wichtig, auf eine ergonomische Arbeitsweise zu achten und Hilfsmittel wie Lifter oder Gleitmatten zu nutzen.
Psychische Belastung: Die Grundpflege kann auch psychisch belastend sein. Um die psychische Gesundheit zu schützen, ist es wichtig, Grenzen zu setzen und sich nicht zu überfordern. Regelmäßige Teambesprechungen und Supervisionen können helfen, belastende Erfahrungen zu verarbeiten.
Prophylaktische Maßnahmen
Gerade bei bettlägerigen Menschen mit Demenz sind verschiedene vorbeugende Maßnahmen wichtig, um Folgeerkrankungen zu vermeiden:
- Dekubitusprophylaxe: Menschen, die den größten Teil des Tages im Bett verbringen, laufen Gefahr, wund zu liegen (Dekubitus). Um dies vorzubeugen, sollte die Person immer wieder ihre Position verändern (Mobilisation). Lagern Sie Ihren Angehörigen alle zwei Stunden mit Kissen, Rollen, Keilen oder Fußstützen um.
- Pneumonieprophylaxe: Atemgymnastik (tiefes Atmen, Nasenatmung, Luftballon aufpusten, durch einen Trinkhalm pusten), gute Raumluft und befeuchtete Atemluft sind hilfreich, um einer Lungenentzündung vorzubeugen.
- Thromboseprophylaxe: Regelmäßige Bewegung, das Tragen von Kompressionsstrümpfen und gegebenenfalls die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten können das Risiko von Blutgerinnseln (Thrombose) verringern.
- Obstipationsprophylaxe: Achten Sie auf ausreichendes Trinken und eine ballaststoffreiche Ernährung, um Verstopfung (Obstipation) vorzubeugen.
- Mundsoorprophylaxe: Achten Sie auf regelmäßige Mundspülungen und Mundhygiene (Prothesen), um einem Mundpilz (Mundsoor) vorzubeugen. Die Speichelproduktion lässt sich durch Kaugummi, Fruchtgummi, Brotkruste oder Trockenfrüchte anregen.
- Exsikkoseprophylaxe: Achten Sie auf ausreichendes Trinken, um Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) vorzubeugen.
Finanzierung der Grundpflege
Die Kosten für die Betreuung eines Menschen mit Demenz können stark variieren, abhängig von der Betreuungsform und dem individuellen Pflegebedarf. Die Höhe der Kosten wird einerseits durch die Anzahl der Betreuungsstunden und den Pflegebedarf bestimmt, andererseits durch den Pflegegrad, der festlegt, welche finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Generell gilt: Je höher der Pflegegrad, desto mehr finanzielle Unterstützung steht zur Verfügung.
Die Pflegeversicherung bietet verschiedene Leistungen, die je nach Pflegegrad in Anspruch genommen werden können. Dazu gehören:
- Pflegesachleistungen: Leistungen für die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes.
- Pflegegeld: Geldleistung für die selbst organisierte Pflege durch Angehörige oder andere Personen.
- Entlastungsbetrag: Monatlicher Betrag zur Finanzierung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen.
- Leistungen für Kurzzeit- oder Verhinderungspflege: Finanzielle Unterstützung bei vorübergehender stationärer Pflege oder bei Ausfall der pflegenden Person.
Um finanzielle Hilfen der Pflegeversicherung beanspruchen zu können, benötigt die demenzerkrankte Person einen Pflegegrad. Mit dem kostenlosen Pflegegradrechner finden Sie heraus, welcher Pflegegrad Ihrem Angehörigen voraussichtlich zusteht. Es gibt ambulante Pflegedienste, Tages- und Kurzzeitpflege, stundenweise Betreuung sowie 24-Stunden-Betreuung. Angehörige können Unterstützung von ambulanten Pflegediensten, stundenweiser Betreuung, Tages- und Nachtpflege sowie Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen.
Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige
Um Überlastung und gesundheitliche Folgen zu vermeiden, stehen pflegenden Angehörigen verschiedene Entlastungsmöglichkeiten durch externe Hilfen zur Verfügung.
- Ambulante Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste bieten wertvolle Unterstützung bei der Betreuung zu Hause und entlasten pflegende Angehörige im Alltag. Besonders hilfreich sind Pflegedienste, deren Mitarbeitenden eine Zusatzqualifikation für Demenz besitzen. Zu den Aufgaben eines ambulanten Pflegedienstes gehören neben der Grundpflege auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Sie helfen dabei, den Alltag zu strukturieren und die Sicherheit im Haushalt zu gewährleisten.
- Stundenweise Betreuung: Eine stundenweise Betreuung bei Demenz kann dabei helfen, eine Struktur aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Solche Angebote bieten flexible Unterstützung, ohne dass Sie Ihren Angehörigen komplett in die Hände Dritter geben müssen.
- Teilstationäre Betreuung: Teilstationäre Betreuung bedeutet, dass die betroffene Person tagsüber in einer spezialisierten Einrichtung betreut wird, während sie weiterhin überwiegend zu Hause lebt. Diese Betreuungsform bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, zeitweise Entlastung zu erfahren, ohne die Verantwortung für die Pflege vollständig abzugeben.
- Betreuungsgruppen: In Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz steht das Miteinander im Mittelpunkt. Hier können sich Demenzkranke in einem geschützten Rahmen wohlfühlen und an vielfältigen Aktivitäten teilnehmen, die an ihre noch vorhandenen Fähigkeiten anknüpfen. Gedächtnistraining, kreative Projekte und Bewegungsangebote fördern die geistige und körperliche Aktivität und schaffen positive Erlebnisse, die das Selbstwertgefühl stärken.
- 24-Stunden-Betreuung: Eine sogenannte 24-Stunden-Betreuung durch Pflegehilfskräfte ermöglicht es Demenzerkrankten, weiterhin in den eigenen vier Wänden zu leben. In den meisten Fällen zieht eine Betreuungskraft aus dem Ausland bei der zu betreuenden Person ein und übernimmt alltägliche Aufgaben wie Hilfe bei der Körperpflege, Kochen und Hausarbeit. Allerdings sind diese Pflegekräfte in den meisten Fällen nicht ausgebildet, weshalb sie keine medizinische Pflege leisten können.
- Betreutes Wohnen: Betreutes Wohnen für Menschen mit Demenz in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft bietet eine ideale Alternative zum klassischen Pflegeheim. In einer solchen Wohngemeinschaft leben etwa sechs bis zwölf Menschen mit Demenz zusammen. Die Betreuung erfolgt ambulant durch einen Pflegedienst, der die medizinische Versorgung sicherstellt und den Alltag der Bewohner koordiniert.
Praxistipps für die Pflege bei Demenz
- Informieren Sie sich über die Erkrankung: Als Angehöriger sollten Sie sich bestenfalls direkt nach Diagnosestellung über die Erkrankung und den Umgang damit informieren.
- Frühzeitige Organisation der Pflege: Die Pflege bei Demenz benötigt verlässliche Pflegepersonen. Sorgen Sie für ausreichend Unterstützung, um eine Überforderung zu vermeiden.
- Tagesstruktur schaffen: Eine feste Tagesstruktur gibt Menschen mit Demenz Halt und Orientierung. Wiederkehrende Abläufe helfen Ihrem Angehörigen, sich besser zurechtzufinden und das Gefühl der Sicherheit zu bewahren.
- Unterwegs mit Demenz: Achten Sie bei Ausflügen oder Spaziergängen auf vertraute Strecken und Umgebung. Vermeiden Sie laute, volle oder anderweitig überreizende Orte.
- Kommunikation: Sprechen Sie langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie komplizierte Begriffe.
- Essen und Trinken: Achten Sie auf feste Essenszeiten und eine ruhige Umgebung. Bieten Sie vertrautes Geschirr an und unterstützen Sie bei Bedarf bei der Nahrungsaufnahme.
- Anziehen: Halten Sie das Angebot klein, also lieber weniger Kleidung, dafür welche, leicht kombinierbar ist.
tags: #grundpflege #bei #demenz