Nesselsucht bei Multipler Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Die Nesselsucht, auch Urtikaria oder Nesselfieber genannt, ist eine Hauterkrankung, die durch juckende Quaddeln und Schwellungen gekennzeichnet ist. Sie kann akut oder chronisch verlaufen und verschiedene Ursachen haben. Obwohl Nesselsucht meist einfach zu diagnostizieren ist, kann die genaue Bestimmung der Untertypen schwierig sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Nesselsucht, einschließlich der Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung, und geht besonders auf den Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) ein.

Was ist Nesselsucht?

Urtikaria ist eine Gruppe von Krankheitsbildern, die sich stark durch Hautsymptome bemerkbar machen. Sie äußert sich durch flüchtige, mit Hautrötung einhergehende Schwellungen, die oft jucken oder brennen. Diese Erhabenheiten, sowohl Hautläsionen (Quaddeln) als auch Angioödeme (tiefer reichende Anschwellungen des Gewebes), werden durch die Ausschüttung bestimmter Stoffe ausgelöst.

Die Rolle der Mastzellen

Mastzellen sind Blutzellen, die im Knochenmark heranreifen und eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen, insbesondere bei der Abwehr von Allergenen und Parasiten. Werden Mastzellen aktiviert, setzen sie Granula frei, die Stoffe wie Histamine enthalten. Histamine erweitern die Gefäße an der betroffenen Stelle und erhöhen die Durchlässigkeit der Hautgefäße, was zu Rötung und Schwellung führt.

Ursachen und Auslöser der Nesselsucht

Die Ursachen für Nesselsucht sind vielfältig und nicht immer eindeutig feststellbar. Mediziner unterscheiden zwischen verschiedenen Formen, darunter spontane, physikalische und andere spezielle Formen.

Spontane Urtikaria

Bei der spontanen Urtikaria treten Quaddeln und/oder Schwellungen plötzlich und ohne erkennbaren äußeren Auslöser auf. Diese Form wird in akute (Dauer weniger als sechs Wochen) und chronische (Dauer länger als sechs Wochen) Nesselsucht unterteilt. Mögliche Auslöser für chronische spontane Nesselsucht sind:

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

  • Chronische Infekte: Zum Beispiel mit Helicobacter pylori oder Streptokokken.
  • Autoimmun-Reaktionen: Eine Fehlsteuerung des Immunsystems führt zur Aktivierung der Mastzellen.
  • Unverträglichkeiten: Gegen bestimmte Nahrungsmittelzusatzstoffe oder Medikamente.

Physikalische Urtikaria

Diese Form der Nesselsucht wird durch physikalische Reize wie Druck, Wind oder Kältekontakt ausgelöst. Je nach auslösendem Reiz unterscheidet man verschiedene Arten:

  • Urticaria factitia (Urtikarieller Dermographismus): Ausgelöst durch Scherkräfte auf der Haut, z. B. durch Kratzen oder Reiben.
  • Verzögerte Druck-Urtikaria: Anhaltender Druck löst zeitversetzt den Ausschlag aus.
  • Kälte-Urtikaria (Kältekontakt-Urtikaria): Kontakt mit kalten Gegenständen, Luft oder Flüssigkeiten.
  • Wärme-Urtikaria (Wärmekontakt-Urtikaria): Ausgelöst durch Wärme, die mit der Haut in Kontakt kommt.
  • Licht-Urtikaria: Nesselsucht durch Sonne bzw. UV-Licht.
  • Vibratorische Urtikaria: Vibrationen als Auslöser.

Andere Formen der Nesselsucht

  • Cholinergische Urtikaria: Entsteht durch eine Erhöhung der Körperkerntemperatur, z. B. durch scharfe Speisen, heiße Bäder oder körperliche Anstrengung.
  • Anstrengungsinduzierte Urtikaria: Ausgelöst durch körperliche Anstrengung, eventuell in Kombination mit Nahrungsmittelaufnahme.
  • Kontakt-Urtikaria: Entsteht durch Kontakt mit urtikariogenen Stoffen, wie bestimmten Nahrungsmitteln oder Latex.
  • Aquagene Urtikaria: Sehr seltene Form, die durch Kontakt mit Wasser entsteht.

Nesselsucht und Multiple Sklerose (MS)

Es gibt Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Nesselsucht und Multipler Sklerose geben kann. Eine Patientin berichtete beispielsweise von Hautausschlägen, Nesselsucht und allergischen Reaktionen nach der Einnahme von Tecfidera, einem Medikament zur Behandlung von MS. Zudem können bestimmte MS-Medikamente wie Tysabri Nebenwirkungen wie juckenden Hautausschlag (Quaddeln) verursachen.

Es ist auch bekannt, dass chronische Entzündungen, wie sie bei MS vorkommen, das Immunsystem beeinflussen und möglicherweise zur Entstehung von Nesselsucht beitragen können. Eine "Körpereigene Stoffe sind unverträglich" Reaktion, auch als Autoreaktivität bezeichnet, kann sowohl bei Nesselsucht als auch bei Autoimmunerkrankungen wie MS auftreten.

Symptome der Nesselsucht

Die typischen Symptome der Nesselsucht sind:

  • Quaddeln: Juckende, erhabene Hautstellen, die rot oder hautfarben sein können.
  • Juckreiz: Oft quälend und kann zu Kratzen führen, was die Symptome verschlimmern kann.
  • Angioödeme: Tiefer liegende Schwellungen, die vor allem im Gesicht (Augenlider, Lippen, Zunge) auftreten können.
  • Weitere Symptome: In schweren Fällen können Kurzatmigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall auftreten.

Bei chronischer Nesselsucht treten die Symptome über einen längeren Zeitraum auf, wobei es zu symptomfreien Phasen kommen kann. Die Quaddeln treten oft abends auf und befinden sich gehäuft an Armen und Beinen, während Angioödeme meist die Kopfregion, Hände und Füße betreffen.

Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann

Diagnose der Nesselsucht

Die Diagnose der Nesselsucht basiert in der Regel auf der Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch) und der körperlichen Untersuchung. Bei chronischer Nesselsucht kann ein 3-Stufen-Programm zur Diagnostik eingesetzt werden:

  • Stufe 1 - Basisuntersuchung: Anamnese, Blut- und Hauttests, Provokationstests (z. B. Berührung der Haut mit einem kühlen Gegenstand bei Verdacht auf Kälteurtikaria).
  • Stufe 2 - Intensivuntersuchung: Führen eines Diättagebuchs, um mögliche Auslöser zu identifizieren.
  • Stufe 3 - Provokation: Orale Provokationstestung (OPT) bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie, Tests mit körpereigenem Serum bei Verdacht auf Autoimmun-Urtikaria.

Zusätzlich können Fragebögen und Urtikaria-Kalender eingesetzt werden, um die Anamnese zu verbessern und die Lebensqualität der Patienten zu erfassen.

Behandlung der Nesselsucht

Die Behandlung der Nesselsucht zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und, wenn möglich, die Ursache zu beseitigen.

Medikamentöse Therapie

  • Antihistaminika: Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Nesselsucht. Sie blockieren die Wirkung von Histamin und lindern Juckreiz und Quaddelbildung. Bevorzugt werden H1-Antihistaminika der neueren Generation, die nicht sedierend wirken (z. B. Cetirizin, Levocetirizin, Fexofenadin).
  • H2-Blocker: Können in Kombination mit H1-Antihistaminika bei schwer behandelbarer chronischer Urtikaria eingesetzt werden.
  • Glukokortikoide ("Kortison"): In schweren Fällen, wenn Antihistaminika nicht ausreichend wirken, kann Kortison kurzzeitig eingesetzt werden.
  • Leukotrien-Antagonisten: Entzündungshemmende und antiallergische Medikamente, die bei chronischer Nesselsucht eingesetzt werden können (z. B. Montelukast).
  • Omalizumab: Ein Antikörper, der bei chronischer spontaner Urtikaria und induzierbarer Urtikaria wirksam sein kann.
  • Immunsuppressiva: Bei schweren chronischen Verläufen können Immunsuppressiva eingesetzt werden, um die Aktivität des Immunsystems zu unterdrücken.

Weitere Maßnahmen

  • Auslöser meiden: Wenn der Auslöser der Nesselsucht bekannt ist, sollte dieser gemieden werden (z. B. Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, Vermeidung von Kälte oder Wärme).
  • Kühlende Maßnahmen: Salben oder Cremes mit kühlendem Menthol können Juckreiz lindern.
  • Gewöhnungstherapie: Bestimmte Formen der physikalischen Urtikaria können mit einer Gewöhnungstherapie behandelt werden.
  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen und die Verwendung von Desinfektionsmitteln können helfen, Infektionen zu vermeiden, die Nesselsucht auslösen oder verschlimmern können.
  • Hygieneprodukte für das Bett: Bettbezüge, Inkontinenzunterlagen und Matratzenauflagen aus hypoallergenen und atmungsaktiven Stoffen können das Risiko von Hautreizungen und Infektionen verringern.
  • Bettschutzeinlagen: Schützen die Matratze vor Verunreinigungen durch Schweiß, Urin oder andere Körperflüssigkeiten und können so allergische Reaktionen reduzieren.
  • Handschuhe: Können die Übertragung von allergenen Substanzen auf die Haut verhindern.

Pflege bei Nesselsucht

In der Pflege ist es wichtig, auslösende Faktoren zu kennen und zu vermeiden. Eine pseudoallergenarme Diät und ein Beschwerdetagebuch können helfen, Auslöser zu identifizieren. Juckreiz stillende Lotionen und Cremes sowie kühlende antihistaminhaltige Gels können Linderung verschaffen.

Leben mit Nesselsucht

Nesselsucht kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Der ständige Juckreiz kann zu Schlafverlust führen, und die sichtbaren Ausschläge können das Selbstvertrauen beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, aktiv nach Auslösern zu suchen und diese zu meiden. Ein Tagebuch kann dabei helfen, Zusammenhänge zwischen Symptomen und bestimmten Faktoren (z. B. Kleidung, Ernährung, Umgebungstemperatur) zu erkennen.

Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick

Ernährung bei Nesselsucht

Neben Medikamenten können auch Lebensmittel eine Rolle bei der Nesselsucht spielen. Eine frische und abwechslungsreiche Ernährung wird empfohlen. Mit einer Ausschluss-Diät können Sie herausfinden, welche Lebensmittel oder Inhaltsstoffe Ihnen Probleme bereiten.

tags: #nesselsucht #multiple #sklerose