Grüner Tee wird seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin verwendet und ist bekannt für seine potenziellen gesundheitlichen Vorteile. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die Auswirkungen von grünem Tee auf verschiedene Aspekte der Gesundheit, einschließlich des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, zu untersuchen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage und gibt einen Überblick über die potenziellen Wirkmechanismen.
Einführung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins. Im Jahr 2005 starben rund 830.000 Menschen an diesen Erkrankungen. Zu den Hauptrisikofaktoren gehören ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Stress. Diese Faktoren können zu Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Arteriosklerose führen, die wiederum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Die Prävention dieser Risikofaktoren ist daher von entscheidender Bedeutung.
Grüner Tee, hergestellt aus den Blättern der Camellia sinensis Pflanze, wird seit langem für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften geschätzt. Im Gegensatz zu schwarzem Tee wird grüner Tee nicht fermentiert, wodurch er seine grüne Farbe und viele seiner wertvollen Inhaltsstoffe behält. Besonders im asiatischen Raum ist der Konsum von grünem Tee weit verbreitet, aber auch in westlichen Ländern erfreut er sich zunehmender Beliebtheit.
Die Inhaltsstoffe des Grünen Tees und ihre potenzielle Wirkung
Grüner Tee enthält eine Vielzahl von bioaktiven Substanzen, die potenziell positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Dazu gehören:
- Katechine: Diese gehören zu den Flavonoiden und sind besonders reichlich im grünen Tee vorhanden. Epigallocatechingallat (EGCG) ist das bekannteste und am besten untersuchte Katechin. Katechine wirken antioxidativ und können die Endothelfunktion verbessern.
- Polyphenole: Diese Substanzen wirken antioxidativ und können die Bildung freier Radikale verhindern. Polyphenole tragen zum Schutz der Zellen und Gefäße bei, z.B. vor arteriosklerotischen Veränderungen.
- Fluorid: Grüner Tee ist eine natürliche Quelle für Fluorid, das zur Kariesprophylaxe beitragen kann.
- Koffein: Grüner Tee enthält Koffein, das an Gerbstoffe gebunden ist und daher langsamer vom Körper aufgenommen wird als Koffein aus Kaffee.
Wie Grüner Tee das Herz-Kreislauf-System beeinflussen kann
Studien deuten darauf hin, dass grüner Tee verschiedene positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System haben kann:
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- Gefäßerweiterung und Durchblutungsförderung: Katechine im grünen Tee können gefäßerweiternd wirken und somit die Durchblutung verbessern.
- Vorbeugung von Arteriosklerose: Die antioxidativen Eigenschaften der Inhaltsstoffe können dazu beitragen, Ablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) vorzubeugen.
- Senkung des Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck: Einige Studien deuten darauf hin, dass grüner Tee das Risiko für diese Erkrankungen etwas senken kann.
- Positive Beeinflussung des Fett- und Zuckerstoffwechsels: Grüner Tee kann den Lipidstoffwechsel und den Glukosestoffwechsel positiv beeinflussen.
- Schutz vor freien Radikalen: Polyphenole im grünen Tee können die Bildung freier Radikale verhindern und somit Zellen und Gefäße schützen.
Studien zum Zusammenhang zwischen Grünem Tee und Schlaganfall
Mehrere Studien haben den Zusammenhang zwischen Grüntee-Konsum und dem Risiko für Schlaganfall untersucht. Eine großangelegte Studie aus Japan, die über einen Zeitraum von elf Jahren durchgeführt wurde (Ohsaki-Studie), ergab, dass der Konsum von Grünem Tee mit einem verminderten Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, verbunden ist. Diejenigen Teilnehmer, die mehr als fünf Tassen Grünen Tee pro Tag tranken, wiesen eine um 16 % niedrigere Sterblichkeitsrate auf als diejenigen, die weniger als eine Tasse täglich konsumierten. Interessanterweise waren die Unterschiede in der Wirkung zwischen den Geschlechtern auffällig: Bei Frauen wurde durch den höheren Teekonsum ein bis zu 31 % geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt.
Eine weitere Studie aus Japan, an der rund 80.000 Erwachsene teilnahmen, ergab, dass der regelmäßige Konsum von Kaffee und grünem Tee das Risiko eines Schlaganfalls mindern kann. Teilnehmer, die mindestens eine Tasse Kaffee am Tag tranken, hatten ein 20 Prozent niedrigeres Schlaganfall-Risiko als jene mit seltenem Kaffeekonsum. Teilnehmer, die zwei bis drei Tassen grünen Tee täglich tranken, hatten ein 14 Prozent geringeres Risiko als Teilnehmer, die selten grünen Tee zu sich nahmen.
Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2020, veröffentlicht im European Journal of Preventive Cardiology, bestätigte, dass regelmäßiger Teekonsum die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfälle um etwa 20 Prozent verringern kann. An der Studie nahmen mehr als 100.000 Menschen teil.
Grüner Tee nach Schlaganfall oder Herzinfarkt
Eine japanische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Grünem Tee bzw. Kaffee und der Sterblichkeit bei Personen mit und ohne bereits erlittenem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Die Ergebnisse zeigten, dass Schlaganfall-Überlebende das Risiko, an verschiedenen Folgeerkrankungen zu sterben, um 62 Prozent senken konnten, wenn sie mindestens sieben Tassen Grünen Tee täglich tranken. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der regelmäßige Konsum von Grüntee sich positiv auf die Herzgesundheit auswirken kann und erneute kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Überlebenden verhindert werden könnten.
Grüner Tee vs. Schwarzer Tee
Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass grüner Tee eine deutlichere Schutzwirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat als schwarzer Tee. Experten vermuten, dass schwarzer Tee durch die Fermentierung wertvolle schützende Wirkstoffe einbüßt.
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Empfehlungen zum Konsum von Grünem Tee
Offizielle Empfehlungen, wie viel Grüntee man trinken sollte, um von der positiven Wirkung zu profitieren, gibt es nicht. Ein bis zwei Tassen grüner Tee am Tag gelten als eine gute Orientierung. Wer mehr trinken möchte, sollte das enthaltene Koffein nicht vergessen. Auch die enthaltenen Bitterstoffe bekommen nicht jedem gleichermaßen gut. Wer Herz-Kreislauf-Medikamente oder andere Medikamente einnehmen muss, fragt am besten seinen behandelnden Arzt, wie viel Grüntee unbedenklich ist.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl grüner Tee im Allgemeinen als sicher gilt, gibt es einige potenzielle Risiken und Nebenwirkungen zu beachten:
- Schadstoffe: Durch Anbau, Ernte, Trocknung, Lagerung, Transport und Verpackung können Schadstoffe in Tee gelangen. Die Stiftung Warentest hat in grünen Tees Aluminium gefunden. Eine wissenschaftliche Studie zeigt, dass der Zusatz von Zitrone in den Aufguss und eine lange Brühzeit dazu beitragen, dass mehr Aluminium in den Sud gelangt.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Grüntee-Extrakte können Wechselwirkungen mit Medikamenten haben, zum Beispiel Gerinnungshemmern, Betablockern, Atropin, Codein, Bortezomib, Tamoxifen, Verapamil und verschiedenen Cholesterinsenkern. Bei laufender Medikation sollte man mit einem Arzt oder Apotheker sprechen, bevor man regelmäßig große Mengen Grüntee oder Grüntee-Extrakt zu sich nimmt.
- Lebertoxizität: Grüntee-Extrakte können in hohen Dosen die Leber schädigen und sogar zu Leberversagen führen.
- Nierensteine: Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von grünem Tee und der Bildung von Nierensteinen hin.
- Koffein: Grüner Tee enthält Koffein, das bei manchen Menschen zu Schlafstörungen, Nervosität oder Herzrasen führen kann.
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