Gürtelrose: Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Die Gürtelrose, auch bekannt als Herpes zoster, ist eine schmerzhafte Viruserkrankung, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Dieses Virus ist auch für Windpocken verantwortlich. Wer einmal Windpocken hatte, trägt das Virus lebenslang in sich. Bei einer Reaktivierung des Virus kann es zu einer Gürtelrose kommen. In Deutschland sind jährlich mehr als 300.000 Menschen betroffen.

Was ist Gürtelrose?

Gürtelrose (Herpes Zoster) ist ein schmerzhafter, abgegrenzter Hautausschlag, der durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) verursacht wird. Dieses schlummert nach einer früheren Windpocken-Infektion oft jahre- bis jahrzehntelang in den Nervenknoten der Wirbelsäule (Spinalganglien) oder des Gehirns. Unter bestimmten Umständen, z. B. bei einer Schwächung des Immunsystems, kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen zur Haut wandern, wo es den typischen Hautausschlag verursacht.

Ursachen und Risikofaktoren

Nach einer Windpockeninfektion nisten sich Varizella-Zoster-Viren in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein. Jeder, der schon mal Windpocken hatte, trägt also die Viren ein Leben lang im Körper. Die Erkrankung wird durch eine geschwächte Immunabwehr begünstigt. Verschiedene chronische Krankheiten sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Gürtelrose zu erkranken.

Risikofaktoren für eine Gürtelrose sind:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter lässt die T-Zell-Immunität gegenüber den Varicella-Viren nach. Häufig sind ältere Menschen betroffen, vorwiegend Senioren ab 60 Jahren, deren Abwehrkräfte oftmals nicht mehr einwandfrei funktionieren.
  • Geschwächtes Immunsystem: Ein geschwächtes Immunsystem durch Medikamente (z. B. Kortison), Erkrankungen (z. B. HIV, Krebs) oder Organtransplantationen erhöht das Risiko. Personen mit einer Störung ihrer T-Zell-Immunität (nach Organtransplantationen, bei Lymphomen, HIV Infektion) haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko und die Gürtelrose verläuft häufig schwerer.
  • Stress und psychische Belastung: Stress, Traumata, schwächende Medikamente und UV-Strahlung können einen Ausbruch von Herpes Zoster begünstigen. Auch in Schocksituationen (man wird plötzlich verlassen, der Arbeitsplatz wird ohne Vorwarnung gekündigt, ein Nahestehender stirbt o. ä.) tritt gerne die Gürtelrose aus. Denn starke negative Gefühle rauben dem Körper viel Energie.
  • Chronische Erkrankungen: Verschiedene chronische Krankheiten sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Gürtelrose zu erkranken.
  • Oxidativer Stress: Oxidativer Stress spielt bei der Entstehung eines Herpes Zoster eine wichtige Rolle. Bei den Herpes-Zoster-Patienten waren die Harnsäure -, Bilirubin- und Albuminwerte niedriger als bei den gesunden Kontrollpersonen - alle drei Stoffe ( Harnsäure, Bilirubin und Albumin) gelten als körpereigene Antioxidantien.

Symptome

Die Gürtelrose verläuft typischerweise in zwei Phasen. Manchmal treten zunächst ein paar Tage lang allgemeine Beschwerden wie Kopfschmerz, Fieber und/oder Abgeschlagenheit auf. Die für die Gürtelrose typischen brennenden und bohrenden bis schneidenden Schmerzen, die auch Schwankungen in ihrer Stärke aufweisen, können sich bereits Tage vor der Bläschen-Bildung bemerkbar machen. Jucken und Berührungsüberempfindlichkeit im betroffenen Hautareal sind häufig auch vorhanden.

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Nach 2-3 Tagen erscheint an der schmerzenden Stelle ein Hautausschlag mit Bläschen. Der Ausschlag besteht einseitig in einem abgegrenzten Bereich, meist am Rumpf oder im Gesicht. Bei manchen tritt jedoch Ausschlag im Halsbereich, an einem Arm oder Bein auf. Die Hautveränderungen am Körper sind stets einseitig und überschreiten die Mittelachse (markiert durch das Brustbein im vorderen und der Wirbelsäule im hinteren Oberkörperbereich) nicht.

Die Schmerzen sind von Person zu Person unterschiedlich, können aber sehr stark ausgeprägt sein. In der Regel erreichen die Schmerzen innerhalb einer Woche ihren Höhepunkt und klingen dann ab. In einigen Fällen können die Schmerzen mehrere Wochen oder sogar länger anhalten. Wenn die Schmerzen länger als 3 Monate andauern, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie.

Je nachdem, welcher Nerv vom Virus betroffen ist, kann Gürtelrose an vielen Körperregionen auftreten:

  • Gürtelrose am Kopf: Betrifft oft die Kopfhaut, die Stirn oder den Schläfenbereich. Da die Kopfhaut sehr empfindlich ist, sind selbst alltägliche Berührungen oder das Kämmen der Haare schmerzhaft. Wenn der Ausschlag die Augen betrifft, spricht man von einer sogenannten Zoster ophthalmicus. Dabei handelt es sich um eine schwerwiegende Komplikation, die unbehandelt zu dauerhaften Sehstörungen führen kann.
  • Gürtelrose am Hals: Äußert sich meist als einseitiger Ausschlag, der sich von der Halsregion bis zur Schulter erstreckt.
  • Gürtelrose am Rücken: Der Rücken ist eine der häufigsten Stellen für Gürtelrose. Der Ausschlag verläuft typischerweise entlang der Rippen und kann starke, ziehende Schmerzen verursachen, die von der Wirbelsäule zur Brust ausstrahlen.
  • Gürtelrose an der Brust: Besonders unangenehm ist Gürtelrose an der Brust, wenn sie sich unter der Brust oder in den Achselhöhlen ausbreitet.
  • Gürtelrose am Bauch: Verläuft oft in einem typischen gürtelförmigen Muster um die Taille. Am Bauch treten im Anfangsstadium der Gürtelrose gerötete Flecken auf, die sich bald zu gruppierten Bläschen entwickeln.
  • Gürtelrose an den Armen: Wenn Gürtelrose an oder unter den Armen auftritt, verläuft der Ausschlag meist entlang des Nervs im Oberarm und strahlt bis in die Hand aus. In einigen Fällen kann Gürtelrose an den Händen auftreten und dort Taubheitsgefühle oder ein brennendes Schmerzempfinden auslösen.
  • Gürtelrose am Bein: Beginnt häufig im Oberschenkel und kann sich bis in die Unterschenkel und Füße ausbreiten. Typisch ist ein ziehender Schmerz, der das Gehen erschwert.
  • Gürtelrose am Gesäß: Betrifft den Ischiasnerv und kann zu intensiven, brennenden Schmerzen führen, die bis in die Beine und en unteren Rücken ausstrahlen. Der Ausschlag verläuft oft als Streifen aus kleinen Bläschen entlang des Gesäßes und kann das Sitzen oder Gehen stark beeinträchtigen.

Komplikationen

Von 100 Menschen haben 10 bis 20 durch die mit der Gürtelrose verbundene Nervenentzündung auch noch dann erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag abgeheilt ist. Dies bezeichnet man als "Post-Zoster-Neuralgie" oder "postherpetische Neuralgie". Sie kann mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre anhalten. Eine Post-Zoster-Neuralgie ist die häufigste Komplikation nach einer Gürtelrose.

Weitere mögliche Komplikationen sind:

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  • Zoster ophthalmicus: Bei einer Gürtelrose im oberen Bereich des Gesichts besteht die Gefahr, dass auch die Augen angegriffen werden (Zoster ophthalmicus). Der Ausschlag kann sich auf die Hornhaut des Auges ausbreiten und Entzündungen hervorrufen.
  • Zoster oticus: Wenn der Gesichtsnerv betroffen ist, kann auch das Ohr beteiligt sein. Dabei zeigen sich die typischen Bläschen an der Ohrmuschel oder dem äußeren Gehörgang. Es kann zu einer einseitigen Gesichtslähmung, Hörverlust und Ohrenschmerzen kommen.
  • Ramsay-Hunt-Syndrom: Eine Komplikation der Gesichtsrose, die durch Gesichtslähmung, Schwindel, Geschmacksstörungen sowie Störungen des Gehörs gekennzeichnet ist.
  • Zoster generalisatus: In seltenen Fällen kann sich die Krankheit vom ursprünglichen Hautsegment auf andere Teile des Körpers ausbreiten. Bei immungeschwächten Personen kann es zu einer Beteiligung des gesamten Körpers kommen, bei denen auch Organe wie das Gehirn, die Lunge und die Leber befallen sind.
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko: Die Gefäßbeteiligung kann das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Diagnose

Die Diagnose Gürtelrose ist bei Vorliegen der ersten Hautveränderungen meist klinisch eindeutig zu stellen.

In unklaren Fällen kann die Diagnose durch einen molekularbiologischen Erregernachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) sichergestellt werden. Die PCR erlaubt einen eindeutigen Nachweis der Varicella Zoster Viren und eine sichere Abgrenzung vom ähnlichen Herpes-Simplex-Virus.

Behandlung

Solange keine Komplikationen auftreten, ist eine Gürtelrose nach zwei bis vier Wochen überstanden. Ziel einer Behandlung ist es, den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen. Eine frühzeitige, d.h. innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, begonnene anti-virale Therapie kann den Krankheitsverlauf und die begleitenden Schmerzen günstig beeinflussen. Zusätzlich ist eine konsequente Schmerzbehandlung einzuleiten.

Die Behandlung der Gürtelrose sollte so schnell wie möglich beginnen, um den Krankheitsverlauf zu verkürzen und das Risiko von Komplikationen zu verringern.

  • Antivirale Medikamente: Die Standardtherapie für Gürtelrose besteht aus antiviralen Medikamenten wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir. Diese Medikamente sollten möglichst früh, idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome, eingenommen werden, um die Virusvermehrung zu hemmen und den Verlauf der Erkrankung zu verkürzen. Das Medikament dämmt die Gürtelrose etwas ein und kürzt den Krankheitsverlauf ab.
  • Schmerzmittel: Schmerzen und Fieber lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel lindern. Bei starken Schmerzen können manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente verordnet werden. Eine gute Schmerzbehandlung ist wichtig.
  • Salben und Cremes: Die Wahl der richtigen Salbe ist ein wichtiger Teil der Behandlung, um die betroffenen Hautstellen optimal zu pflegen und den Heilungsprozess zu unterstützen. Salben mit beruhigenden Inhaltsstoffen wie Panthenol oder Zink können helfen, den Juckreiz zu mildern und die Haut vor weiteren Reizungen zu schützen. Auf frische Bläschen können kühlende, entzündungshemmende oder antiseptische Lösungen (z. B. Octenidin) aufgetragen werden.
  • Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie: Eine Behandlung ist möglich mit krampflösenden Medikamenten (Antiepileptika), Schmerzmitteln, angstlösenden Medikamente (Antidepressiva) oder schmerzbetäubenden Pflastern. Bei anhaltenden Nervenschmerzen werden auch Antiepileptika wie Pregabalin oder Gabapentin eingesetzt.

Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden

Um den für die Gürtelrose zuständigen Viren auf den Leib zu rücken, braucht es nicht immer starke Medikamente mit all ihren Nebenwirkungen.

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  • Vitamin C: Vitamin C wirkt als starkes Antioxidans und stimuliert das Immunsystem, indem es u. a. die Produktion von Interferonen steigert.
  • Magnesium: Einen ähnlichen Effekt auf die Post-Zoster-Neuralgie hat die Gabe von Magnesium.
  • Antioxidantien: Da die Reaktivierung des Virus und auch die Wahrscheinlichkeit einer Post-Zoster-Neuralgie mit einem niedrigen Antioxidantienspiegel in Zusammenhang stehen, könnte es sinnvoll sein, Antioxidantien von außen zuzuführen, also oral einzunehmen, um den durch die Krankheit entstehenden oxidativen Stress auf diese Weise zu lindern z. B. mit Grüntee.
  • Enzyme: Enzyme sind Proteine, die in unserem Organismus lebensnotwendig sind, da sie an nahezu jeder Stoffwechsel- oder Immunreaktion beteiligt sind. Peptidasen wirken im Körper entzündungshemmend und scheinen auch Viren bekämpfen zu können.
  • Olivenblattextrakt: Er wurde bereits erfolgreich bei einer Vielzahl von Pathogenen angewandt, unter anderem bei Candida-Infektionen, bei Grippe und auch bei Gürtelrose. In kürzester Zeit konnten die Erreger durch den Olivenblattextrakt unschädlich gemacht werden.
  • Silberkolloide: Die feinen Silberkolloide sorgen dafür, dass bösartige Bakterien und Viren keinen Sauerstoff mehr aufnehmen können und dadurch zu Grunde gehen.
  • Lysin: Die Aminosäure Lysin wird für die Produktion von Enzymen und Antikörpern benötigt.
  • Vitamin B12: Nehmen Sie in jedem Fall zusätzlich zu einem Komplex-Präparat (das meist geringere B12-Dosen enthält) ein Mono-B12-Präparat in höheren Dosen ein.
  • Cannabis: Cannabispräparate können sehr gut gegen die Schmerzen helfen (z. B. Somai 25:1 - bedeutet 25 mg THC und 1 mg CBD).
  • Aloe Vera Gel: Aloe Vera Gel hat einen kühlenden Effekt und beruhigt die Haut.
  • Honig: Naturbelassener Honig, insbesondere Manuka-Honig, hat eine starke, entzündungshemmende Wirkung und wirkt sogar gegen Infektionen.
  • Knoblauch: Knoblauch ist ein altes und günstiges Hausmittel, das den Schmerz lindert und Infektionen vorbeugt.
  • Propolis: Mit Propolistinktur kann man den Ausschlag der Gürtelrose waschen und anschließend mit Propolissalbe eincremen.
  • Vitamin D: Eine Studie mit 126 Patienten konnte zeigen, dass die Gabe von Vitamin D eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus verhindern kann.

Was man bei Gürtelrose vermeiden sollte

  • An den Bläschen kratzen: Auch wenn der Juckreiz stark ist, vermeide es unbedingt, die Bläschen zu berühren oder zu öffnen.
  • Enge Kleidung: Eng anliegende Kleidung kann die Haut zusätzlich reizen und den Ausschlag verschlimmern.
  • Intensive Sonneneinstrahlung: Direkte Sonneneinstrahlung kann die betroffenen Hautstellen weiter reizen und die Heilung verlangsamen.
  • L-Arginin: Was man nicht essen sollte bei Gürtelrose sind Lebensmittel, die reich an der Aminosäure L-Arginin sind - wie Nüsse, Schokolade und Erdnüsse. Sie können das Herpesvirus fördern.
  • Kaffee und koffeinhaltige Getränke: Stimulanzien wie Kaffee können bei einigen Betroffenen das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Vorbeugung

Impfung

Die Ständige Impfkommission (StiKo) hat ihre Empfehlung erweitert: Ab sofort haben nicht nur ältere Menschen ab 60 beim Hausarzt Anspruch auf eine Impfung gegen Gürtelrose, sondern auch jüngere Erwachsene ab 18 Jahren, die einer Risikogruppe angehören. Eine Impfung besteht aus zwei Impfdosen im Abstand von mindestens zwei bis höchstens sechs Monaten. Die Impfkosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für Risikogruppen ab 18 gibt es die Impfung auf Kassenrezept ab 2026.

Die Impfung gegen Gürtelrose ist eine bewährte Methode, um das Risiko für einen Ausbruch der Erkrankung deutlich zu senken.

Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Stress vermeiden: Einige Studien belegen, dass fast alle Patienten mit Gürtelrose in den Monaten vor Krankheitsausbruch übermäßigen Stress durchlebten.
  • Immunsystem stärken: Wer das Jahr über viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringt und kaum Sonne für die kalten Wintermonate tanken kann, sollte zur Vorbeugung auf spezielle Vitamin-D-Präparate zurückgreifen.
  • Darmflora sanieren: Bei keiner vorbeugenden Maßnahme darf die Darmflora vergessen werden. Eine basenüberschüssige Ernährung und eine gezielte Darmsanierung, stellen eine große Entlastung für den Körper dar.

Ansteckung

Bei Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit einer Gürtelrose können sich Menschen, die noch keine Windpocken hatten, anstecken. Erst wenn alle Bläschen ausgetrocknet sind und die letzte Kruste abgefallen ist, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Eine Ansteckung führt in der Regel zunächst zu einer Windpocken-Erkrankung, nicht zu einer Gürtelrose.

Gürtelrose ist ansteckend, solange die Bläschenflüssigkeit noch nicht verkrustet ist. Diese Flüssigkeit enthält das aktive Virus, welches beim Kontakt mit der Haut übertragen werden kann.

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