Ein gutartiger Hirntumor ist eine Neubildung von Gewebe im Gehirn, die nicht bösartig ist. Das bedeutet, dass der Tumor nicht in andere Teile des Körpers streut und das umliegende Gewebe nicht zerstört. Dennoch kann ein gutartiger Hirntumor Beschwerden verursachen, indem er auf das Gehirn drückt oder wichtige Strukturen beeinträchtigt. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) klassifiziert gutartige Neubildungen des Gehirns und anderer Teile des Zentralnervensystems unter der Kennung D33.-.
Was ist ein Hirntumor?
Ein Tumor ist eine Neubildung von Gewebe im Körper. Das Gewebe besteht aus Zellen, und bei einer Tumorerkrankung vermehren sich die Zellen stärker als normal. Dadurch bildet sich neues Gewebe. Ein Tumor kann gutartig oder bösartig sein. Bei einem gutartigen Tumor zerstören die Zellen das gesunde Gewebe nicht und breiten sich nicht im Körper aus. Ein Tumor kann jedoch das gesunde Gewebe verdrängen.
Aufbau und Funktion des Gehirns
Das Gehirn besteht aus mehreren Bereichen, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben:
- Großhirn: Hier finden das Denken und das Planen von Handlungen statt.
- Kleinhirn: Hier werden Bewegungen vorbereitet und aufeinander abgestimmt. Es befindet sich im hinteren Bereich des Schädels, unterhalb des Großhirns. Ein Tumor kann sich hier bilden.
- Hirnstamm: Er ist für verschiedene unbewusste Aufgaben zuständig, wie zum Beispiel das Atmen. Der Hirnstamm geht in das Rückenmark über. Ein Tumor kann sich hier bilden.
- Rückenmark: Das Rückenmark befindet sich in der Wirbelsäule und besteht aus Nervenfasern. Über die Nervenfasern tauscht das Gehirn Informationen mit den Organen, der Haut und den Muskeln aus.
ICD-Code für gutartige Neubildungen im ZNS
Der ICD-Code dient der Klassifizierung von Krankheiten und wird auf ärztlichen Dokumenten verwendet. Im Zusammenhang mit Neubildungen im zentralen Nervensystem (ZNS) sind folgende Codes relevant:
- D32.-: Gutartige Neubildung der Meningen (Hirnhäute)
- D33.-: Gutartige Neubildung des Gehirns und anderer Teile des Zentralnervensystems
Es ist wichtig zu beachten, dass auf ärztlichen Dokumenten der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt wird, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben:
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- G: Gesicherte Diagnose
- V: Verdacht
- Z: Zustand nach
- A: Ausschluss
- L: Links
- R: Rechts
- B: Beidseitig
Ursachen und Risikofaktoren
Die Auslöser für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitgehend unklar. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Erbliche Tumorerkrankungen: Patientinnen und Patienten mit sehr seltenen erblichen Tumorerkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
- Therapeutische Kopfbestrahlung: Nach einer therapeutischen Kopfbestrahlung ist das Risiko leicht erhöht, nach einer langen Latenzzeit an einem Hirntumor zu erkranken. Dies gilt insbesondere bei Bestrahlungen im Kindes- und Jugendalter.
- Mobiltelefonnutzung: Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Hirntumoren ist bislang nicht belegt. Ein erhöhtes Risiko lässt sich aber auch nicht zweifelsfrei ausschließen. Insbesondere gilt dies für Menschen, die besonders lang und häufig mit einem Handy oder Smartphone telefonieren.
- Familiäre Vorbelastung: Verwandte ersten Grades von Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren haben ein leicht erhöhtes Risiko, selbst an einem Hirntumor zu erkranken.
- Neurofibromatose Typ 2: Diese Erbkrankheit ist mit der Bildung von Meningeomen assoziiert.
Symptome
Die Symptome eines gutartigen Hirntumors richten sich danach, welche Seite und welcher Bereich vom Gehirn betroffen ist. Da der Tumor langsam wächst, können die Symptome zunächst unspezifisch sein und sich schleichend entwickeln. Mögliche Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Insbesondere bei Tumoren, die Druck auf das Gehirn ausüben.
- Krampfanfälle: Durch Reizung der Hirnrinde.
- Übelkeit und Erbrechen: Besonders bei Tumoren im Bereich des Hirnstamms.
- Neurologische Ausfälle: Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist, kann es zu Lähmungen,Sensibilitätsstörungen (z.B. Kribbeln der Haut),Seh-, Sprach- oder Riechstörungen kommen.
- Psychische Veränderungen und Verhaltensauffälligkeiten: Durch Beeinträchtigung bestimmter Hirnbereiche.
- Müdigkeit: Ein häufiges unspezifisches Symptom.
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang: Bei Tumoren im Bereich des Rückenmarks, die Nerven für die Harnblase und den After beeinträchtigen.
Diagnose
Wenn ein Meningeom Symptome verursacht, ist ein Facharzt für Nervenheilkunde (Neurologe) der richtige Ansprechpartner. Er wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine neurologische Untersuchung durchführen.
Zur Diagnose eines Hirntumors werden in der Regel bildgebende Verfahren eingesetzt:
- Computertomografie (CT): In der CT erkennt der Arzt verkalkte Strukturen und eine Schwellung des umliegenden Hirngewebes gut. Das Kontrastmittel reichert sich im Meningeom an, sodass dieses auf dem Bild als helle Struktur sichtbar ist.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Mit einer Kernspinuntersuchung (Magnetresonanztomografie, MRT) lässt sich der Tumor ebenfalls sehr gut darstellen. Beide Verfahren ermöglichen es dem Arzt, die genaue Größe und Position der Neubildung zu ermitteln.
- Röntgenuntersuchung der Blutgefäße (Angiografie): Dadurch finden die Ärzte heraus, welche Gefäße mit dem Tumor in Verbindung stehen und deshalb bei einer Operation zu beachten sind. Außerdem erkennen Ärzte durch diese Untersuchung, ob der Tumor bestimmte Gefäße verlegt hat und dadurch den Blutfluss einschränkt.
Behandlung
Nicht jedes Meningeom bedarf einer sofortigen Behandlung. Ist der Tumor klein und verursacht keine Beschwerden, ist es manchmal sinnvoll, ihn erst einmal zu beobachten. Dazu fertigt der Radiologe in regelmäßigen Abständen eine Bildgebung mittels CT oder MRT an und kontrolliert, ob der Tumor wächst.
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Wann eine Behandlung erforderlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Es kommt darauf an, wo der Tumor sitzt, wie groß er ist und wie aggressiv er wächst. Außerdem ist die körperliche Verfassung des Betroffenen entscheidend.
Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:
- Operation: Die Operation ist bei dieser Form von Hirntumor die geeignetste Form der Therapie. Der Chirurg öffnet dabei den Schädelknochen und versucht, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Ist der Tumor von vielen oder größeren Gefäßen versorgt, ist es meist erforderlich, diese vor der Operation zu verschließen (Embolisation). Dadurch vermeidet der Operateur größere Blutverluste während der Operation.
- Strahlentherapie: Der Arzt bestrahlt den Tumor, wenn er durch eine Operation nicht vollständig entfernbar ist oder sich bösartige Zellen im untersuchten Gewebe befinden. Das verbessert die Prognose des Erkrankten. In bestimmten Fällen kommt eine Bestrahlung eines Meningeoms auch ohne vorausgehende Operation zum Einsatz. In der Regel erfolgt eine Strahlentherapie in mehreren Sitzungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg.
- Radiochirurgie: Eine weitere Option, die eine Alternative zur Operation und mehrfachen Strahlentherapie bietet, ist die stereotaktische Radiochirurgie. Dabei setzt der Arzt eine einzelne, hochgradige Strahlendosis sehr präzise gelenkt von außen auf einen klar umschriebenen Gewebebereich, also direkt am Tumor.
Prognose
Die Prognose bei einem gutartigen Hirntumor hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere:
- Tumorart: Meningeome (Tumoren der Hirnhaut) sind in der Regel gutartig und haben eine gute Prognose, insbesondere wenn sie vollständig operativ entfernt werden können.
- Tumorlage: Die Lage des Tumors im Gehirn beeinflusst die Operabilität und das Risiko von neurologischen Ausfällen.
- Tumorgröße: Große Tumoren können schwieriger zu entfernen sein und mehr Beschwerden verursachen.
- Allgemeinzustand des Patienten: Der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten beeinflusst die Verträglichkeit der Behandlung.
In vielen Fällen ist ein normales Leben mit einem Meningeom möglich. Regelmäßige Kontrollen sind jedoch wichtig, um ein Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Meningeome
Meningeome sind Tumoren der weichen Hirnhaut (Pia mater). Mit einem Anteil von ungefähr 25 Prozent zählen sie zu den häufigsten Neubildungen im zentralen Nervensystem. An einem Meningeom erkranken meistens Erwachsene um das fünfte Lebensjahrzehnt. Nur zwei Prozent dieser Tumoren kommen bei Kindern und Jugendlichen vor. Frauen sind bei dieser Form der Hirntumoren doppelt so oft betroffen wie Männer.
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Etwa 90 Prozent der Meningeome sind gutartig und wachsen langsam über mehrere Jahre hinweg. Nur selten ist ein Meningeom bösartig und wächst schneller. Der Tumor grenzt sich in der Regel gut von den benachbarten Hirnstrukturen ab, wächst knotig oder flächig und meist nicht in andere Gewebe ein - er wirkt verdrängend beziehungsweise raumfordernd. In manchen Fällen verkalkt er auch. Oft ist der Schädelknochen über dem Tumor verdickt.
In über 90 Prozent der Fälle wächst ein Meningeom im Schädel (intrakraniell). Dort findet sich diese Tumor-Form meistens an der Hirnhaut, die beide Hirnhälften voneinander trennt. Manchmal bildet es sich gleich an mehreren Stellen, seltener in der Keilbeinhöhle. Ein Meningeom entsteht mitunter auch an der Hirnhaut des Rückenmarks im Wirbelsäulenkanal. Je nachdem, wo sich der Tumor ansiedelt, ruft er unterschiedliche Beschwerden hervor.
Meningeom-Einteilung
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Meningeome in drei verschiedene Schweregrade ein:
- WHO-Grad 1: Meningeom
- WHO-Grad 2: Atypisches Meningeom
- WHO-Grad 3: Anaplastisches Meningeom
Sowohl die Behandlung als auch die Prognose sind von dieser Einstufung beeinflusst.
Das Grad-1-Meningeom macht über 85 Prozent aller Meningeome aus. Es ist gutartig und lässt sich durch eine Operation meistens komplett entfernen.
Etwa zehn Prozent der Meningeome sind atypisch (Grad 2). Sie wachsen etwas schneller und kehren oft auch nach einer erfolgreichen Operation wieder (Rezidiv).
Das anaplastische Meningeom (Grad 3) ist mit einem Anteil von zwei bis drei Prozent eher selten. Es ist als bösartig eingestuft und streut unter Umständen in entfernte Organe (Metastasen-Bildung).
Lebenserwartung bei einem Meningeom
Der Krankheitsverlauf und die Prognose hängen sehr davon ab, welchen WHO-Grad der Tumor hat und ob er vollständig entfernbar ist. Nach einer vollständigen operativen Entfernung ist die Prognose meist sehr gut, obwohl der Tumor etwa bei jedem fünften Patienten innerhalb von zehn Jahren zurückkehrt (Rezidiv-Bildung). Nach unvollständiger Operation ist das bei mehr als jedem zweiten Betroffenen so. Diese Zahl lässt sich jedoch durch eine Strahlentherapie nach dem Eingriff fast halbieren.
Ein bösartiges Meningeom (WHO-Grad 3) hat eine sehr viel schlechtere Prognose als gutartige Formen (WHO-Grad 1 und 2). Trotz Operation und Strahlentherapie kehrt es in bis zu 80 Prozent der Fälle zurück. Deswegen kontrolliert der Arzt den Therapieerfolg bei einem Meningeom regelmäßig.
Symptome eines Meningeoms
Bis ein Meningeom Symptome verursacht, vergehen manchmal mehrere Jahre. Das liegt daran, dass der Tumor meistens sehr langsam wächst. Erst wenn er benachbarte Strukturen wie Nerven oder wichtige Hirnregionen verdrängt, treten die ersten Krankheitszeichen auf. Die meisten Meningeom-Symptome sind aber eher unspezifisch, etwa verstärkte Müdigkeit, und kommen auch bei anderen Krankheiten vor.
Neurologische Störungen gehören mit zu den möglichen Krankheitszeichen. Liegt der Tumor im Bewegungszentrum, lähmt das einzelne Muskelgruppen beispielsweise an den Armen oder Beinen. Wächst er hingegen in der Riechrinne, treten Geruchsstörungen auf. Einige Betroffene riechen dann mit der Zeit immer weniger, was vielen gar nicht auffällt. Manche Betroffene leiden unter Kopfschmerzen. Generell sind auch psychische Veränderungen und Wesensveränderungen, Seh- und Sprachprobleme denkbar.
Ein Meningeom reizt in einigen Fällen die Hirnhäute und löst mitunter einen Krampfanfall aus. Sehr selten wachsen die bösartigen Zellen in den Knochen und die darüberliegende Kopfhaut ein. Dann lassen sie sich unter Umständen ertasten.
Oft wächst ein Meningeom aber so langsam, dass sich das Gehirn mit der Zeit an diese Neubildung anpasst und gar keine Beschwerden auftreten. Dann entdeckt der Arzt es manchmal zufällig bei einer bildgebenden Untersuchung wie der Magnetresonanztomografie (MRT) im Zuge einer anderen Vorsorge oder Diagnostik.
Ursachen eines Meningeoms
Ein Meningeom bildet sich aus den Deckzellen der weichen Hirnhaut. Die weiche Hirnhaut überzieht das Gehirn. Nach außen schließen sich die Spinnengewebshaut (Arachnoidea), die harte Hirnhaut (Dura mater) und der Schädel an.
Ein Meningeom entsteht, wenn die Deckzellen unkontrolliert zu wachsen beginnen. Warum dies passiert, ist bisher nicht vollständig geklärt. Ein höheres Risiko für die Erkrankung haben jedoch Menschen, die wegen einer anderen bösartigen Erkrankung eine Bestrahlung erhalten oder bekommen haben. Außerdem ist die erbliche Erkrankung Neurofibromatose Typ 2 mit der Bildung eines Meningeoms assoziiert. Nicht selten liegen bei dieser Krankheit sogar mehrere Meningeome vor.
Statistische Daten
Im Jahr 2022 erkrankten in Deutschland etwa 3.128 Frauen und 4.176 Männer an bösartigen Tumoren des ZNS. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten für bösartige ZNS-Tumoren liegen für Männer bei 21 Prozent und für Frauen bei 23 Prozent. Nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen histologisch gutartige ZNS-Tumoren oder solche unsicheren oder unbekannten Verhaltens, die je nach Lokalisation ebenfalls zu Komplikationen oder sogar zum Tode führen können. Für diese Diagnosen ist zusammen mit nahezu 7.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen, von denen knapp zwei Drittel von den Hirnhäuten ausgehen.
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