Tiergestützte Therapie bei Parkinson: Mehr als nur ein Glücksgefühl

Tiere können eine entscheidende Rolle im Leben von Menschen mit Parkinson spielen. Ihre bedingungslose Liebe, Zuneigung und Gesellschaft können dazu beitragen, Gefühle der Einsamkeit und Isolation zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Die Anwesenheit eines treuen Begleiters kann Trost spenden, Freude bringen und das Leben umso lebenswerter machen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Formen der tiergestützten Therapie und ihre positiven Auswirkungen auf Parkinson-Patienten.

Die Bedeutung von Tieren für Parkinson-Patienten

Tiere haben eine erstaunliche Fähigkeit, uns zu beruhigen, zu trösten und zu unterstützen. Ihre bloße Anwesenheit kann Stress abbauen, Angstzustände reduzieren und das emotionale Wohlbefinden verbessern. Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass die Interaktion mit Tieren die Freisetzung von Endorphinen und Oxytocin stimulieren kann, was zu einem Gefühl der Entspannung und des Glücks führt. Tiere nehmen jeden Menschen so an, wie er ist. Sie verurteilen nicht, sie urteilen nicht. Sie freuen sich über jeden Menschen, ob groß, ob klein, schnell oder langsam, sprechend oder nicht sprechend. Wenn Menschen sich ungeschickt verhalten, wenn sie sich anders bewegen, wenn sie im Rollstuhl sitzen, wenn sie nicht deutlich sprechen oder nur einige Laute von sich geben: Ein Tier stört das nicht und nimmt es gelassen hin.

Formen der tiergestützten Therapie

Therapie mit Hunden

Ein Beispiel für den Einsatz von Hunden in der Therapie ist der Therapiehund Ludwig, ein Magyar Vizsla (Ungarischer Vorstehhund) in einer neurologischen Klinik. Ludwig wird eingesetzt, um bei neurologischen Erkrankungen, z. B. nach einem Schlaganfall oder der Parkinson-Krankheit, im Rahmen von Gangstörungen, Feinmotorikstörungen oder Depressionen zu unterstützen.

Wie funktioniert die Therapie mit Ludwig?

Vor der ersten Stunde erhalten Patientinnen und Patienten eine Einführung, was sie erwartet und was im Umgang mit Ludwig zu beachten ist. Trainiert wird beispielsweise in der Turnhalle des Rehazentrums.

Einige Übungen sind:

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  • Betroffene sitzen auf einem Gymnastikball und verteilen aus dieser instabilen Position heraus Leckerlis auf vor ihnen stehende Schälchen.
  • Auf Zuruf holt Ludwig sich ein Leckerli aus einem Schälchen.
  • Ludwig zeigt den Trainierenden den Weg durch einen Hindernisparcours und motiviert sie, ihm zu folgen.

Ziele der Therapie mit Hunden bei Parkinson

Grundsätzlich möchte man mit der tiergestützten Therapie bei Parkinson Verbesserungen in den Bereichen Gang, Haltung, Gleichgewicht, Feinmotorik, Antrieb und Stimmung erreichen. Die Therapie zielt darauf ab, Bewegung, Motivation und Stimmung zu verbessern. Die Patienten verspüren pure Freude und sind nach einer Therapiestunde mit Ludwig bester Laune. Ihr Selbstbewusstsein wächst, wenn ihnen ein gutes Teamwork mit dem Hund gelingt. Unmittelbar erkennbar sind auch positive Auswirkungen zum Beispiel auf Körperhaltung und Schrittlänge.

Weitere Beispiele für den Einsatz von Therapiehunden

Im varisano Klinikum Frankfurt Höchst erobert der vierjährige Goldendoodle „Spike“ gemeinsam mit seiner Halterin, der Logopädin Jessica Wies, die Herzen der Patienten auf der geriatrischen Station. Spike hilft Patienten mit neurologischen Erkrankungen, Sprech- oder Sprachstörungen, nach einem Schlaganfall oder bei psychischen Erkrankungen und Parkinson, auf spielerische Art die Motorik und Körperwahrnehmung zu fördern, kommunikative Fähigkeiten zu verbessern und soziale Interaktionen zu fördern. Spike vermittelt den Patienten durch seine ruhige Art ein Gefühl von Akzeptanz und Geborgenheit. Dadurch wird er zum Türöffner in der Therapie und kann dazu beitragen, die Selbstständigkeit betagter Patienten größtmöglich zu erhalten.

Hippotherapie (Therapeutisches Reiten)

Nicht nur das Glück, auch die Gesundheit der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde: Das etwa könnte man einem weiteren neuen Angebot aus dem Bereich der Sporttherapie als Motto voranstellen. Beim therapeutischen Reiten steht wie auch beim therapeutischen Bogenschießen das körperlich-sinnliche Erfahren und Erleben im Vordergrund. Im Optimalfall verschmelzen auch hier Körper und Geist in der Bewegung.

Wie funktioniert die Hippotherapie?

Beim therapeutischen Reiten mischen sich aktive und passive Behandlungselemente. So überträgt sich bei wiederholtem Training die mehrdimensionale Bewegung des Pferderückens auf das Becken des Reiters und stärkt quasi en passant dessen Rumpfmuskulatur, aber auch Atmung und Stimme. Dabei gehen passive und aktive Anteile ineinander über: Je besser die Haltung, je mehr der Reiter diesbezüglich an sich „aktiv“ arbeitet, umso nachhaltiger der therapeutische Nutzen. Dies hat eine 2019 vorgestellte wissenschaftliche Begleitstudie gezeigt.

Für die „Bewegungstherapie auf dem Pferd“ braucht man ein Ross, eine erfahrene Therapeutin und neben einem stabilen Sattel einen geeigneten Sitzgurt. Er soll bei an Parkinson (oder anderen) Erkrankten ein gefahrloses Training sogar im Trab gewährleisten. Je intensiver mit dem Pferd gearbeitet wird, umso mehr steigen die aktiven bzw.

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Wo findet man Angebote für Hippotherapie?

In jeder mittelgroßen, großen Stadt ebenso wie in ländlichen Regionen gibt es inzwischen Reiterhöfe, die auch Therapiepferde im Stall stehen haben - allerdings nicht spezifisch trainiert für den Einsatz nur bei Parkinsonkranken. Sie sind eher generell für die sogenannte Hippotherapie qualifiziert.

Zeitaufwand für Hippotherapie

Wer sich dem Thema therapeutisches Reiten nähert bzw. dies in Angriff nehmen will, wird schnell merken: Das verschlingt Zeit. Hin- und Rückfahrt zum nächstgelegenen Stall mit geeigneten Pferden, zwei Stunden Reiten inklusive Vor- und Nachbereitung nebst Versorgen des Tieres, dazu ein wenig theoretische Fundierung durch den menschlichen Therapeuten: Da ist schon mal schnell ein Vor- oder Nachmittag komplett weg. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, der wird an dem Zusammenwachsen von Mensch und Tier viel Freude haben. Dafür spricht ein Blick ins Internet und die stetig steigende Zahl entsprechender Angebote.

Weitere Tiere in der Therapie

Neben Hunden und Pferden können auch andere Tiere wie Katzen, Schafe oder sogar Delfine in der Therapie eingesetzt werden. Die Wahl des Tieres hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Patienten ab.

Allgemeine Vorteile der tiergestützten Therapie

  • Emotionale Unterstützung: Tiere können das Gefühl der Geborgenheit geben, trösten oder einfach nur Gesellschaft leisten. Sie reagieren besonders sensibel auf Stimmungen und Gemütsverfassungen. Sie beantworten direkt die Liebe, die ihnen entgegen gebracht wird. Das Tier vermittelt innere Ruhe, Freude, Anerkennung und Vertrauen. Es hilft das Selbstwertgefühl zu stärken.
  • Verbesserung der körperlichen Gesundheit: Menschen mit Kontakt zu Tieren leben gesünder. Sie sind ausgeglichener, fröhlicher und neigen seltener zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tiere senken den Blutdruck und lösen psychische Blockaden, sie steigern das gesamte Wohlbefinden und geben seelischen Halt, sie wirken kreislaufstabilisierend, schmerzlindernd und muskelentspannend.
  • Förderung der Kommunikation: Ein Tier regt (fast) immer zum Sprechen oder Reagieren an. Die psychische und emotionale Wirkung eines Tieres ist häufig ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie. Ihre Wirkung auf den Menschen ist erstaunlich intensiv. Tiere besitzen Fähigkeiten z. B. mit Wachkomapatienten zu kommunizieren, über die Menschen nicht verfügen zudem bringen Sie Abwechslung und Spaß.

Wichtige Hinweise zur tiergestützten Therapie

  • Auswahl des richtigen Tieres: Parkinson-Patienten sollten sich Zeit nehmen, um die richtige Art von Tier für ihre Bedürfnisse und Lebensumstände auszuwählen und sicherzustellen, dass sie sich um ihr Haustier kümmern können.
  • Professionelle Begleitung: Die tiergestützte Therapie sollte von erfahrenen Therapeuten und Fachkräften für tiergestützte Interventionen begleitet werden.
  • Hygiene: In Einrichtungen des Gesundheitswesens findet die tiergestützte Therapie nach einem streng ausgelegten Hygienekonzept statt.

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