Gute Besserung nach Schlaganfall: Maßnahmen zur Wiederherstellung der Belastbarkeit

Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und deren Angehörigen von einem Tag auf den anderen verändern. Die plötzliche Störung der Blutversorgung im Gehirn kann zu Schäden an den Gehirnzellen führen und vielfältige körperliche und psychische Symptome verursachen. Die Belastbarkeit nach einem Schlaganfall ist ein zentraler Aspekt der Genesung, der nicht unterschätzt werden sollte. Eine gezielte Rehabilitation ist von großer Bedeutung, um die Lebensqualität der betroffenen Personen nachhaltig zu verbessern. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsstrategien nach einem Schlaganfall, um die Belastbarkeit der Betroffenen zu fördern und ihre Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen.

Ursachen und Symptome eines Schlaganfalls

Schlaganfälle werden durch die plötzliche Störung der Blutversorgung des Gehirns hervorgerufen. In Deutschland erleiden etwa 2,5 % der Menschen einen Schlaganfall. Es gibt verschiedene Ursachen für einen Schlaganfall, darunter:

  • Hirninfarkt: Verengung oder Verschluss von zum Gehirn führenden Blutgefäßen oder Gefäßen im Gehirn, z.B. durch Arteriosklerose.
  • Hirnembolie: Verstopfung eines Blutgefäßes durch einen angespülten Blutpfropf.
  • Hirnblutung: Plötzlicher Riss eines Blutgefäßes im Gehirn.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind vor allem Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Die Symptome eines Schlaganfalls können vielfältig sein und hängen von der betroffenen Hirnregion ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Lähmungserscheinungen (häufig halbseitig)
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Koordinationsstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Notruf gewählt werden, da schnelles Handeln entscheidend ist. Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination von klinischen Untersuchungen, Bildgebungsverfahren wie CT oder MRT und Laboruntersuchungen.

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Akutbehandlung und Minimierung der Schäden

Bei einem akuten Schlaganfall gilt der Leitsatz „Time is brain“ (Zeit ist Gehirn). Je schneller ein Patient ärztliche Versorgung erhält und in speziellen klinischen Schlaganfall-Stationen (Stroke Units) untergebracht wird, desto größer ist das Spektrum an Therapie- und Rehamaßnahmen. Nach einem akuten Schlaganfall versuchen Ärzte zunächst, die Schäden im Gehirn des Patienten möglichst zu minimieren.

  • Thrombolyse/Lyse-Therapie: Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen, werden dem Patienten verabreicht (bei einem durch Blutgerinnsel ausgelösten Schlaganfall). Diese Therapie ist in Einzelfällen bis zu neun Stunden nach dem Auftreten erster Symptome möglich.
  • Thrombektomie: Ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem versucht wird, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen (bei größeren Blutgefäßen im Gehirn). Hierzu wird ein Katheter über die Leistenarterie eingeführt.
  • Operation am offenen Gehirn: Bei einer Hirnblutung wird der Patient möglicherweise am offenen Gehirn operiert, um den Druck zu entlasten.

Bewusstlose oder beatmungspflichtige Patienten kommen direkt auf die Intensivstation und werden ganzheitlich überwacht. Blutdruck und Blutzucker des Schlaganfall-Patienten müssen exakt eingestellt werden. Ist ein Blutgefäß verstopft, versuchen Ärzte, das Gerinnsel aufzulösen und/oder zu entfernen.

Rehabilitation: Ein Schlüssel zur Wiederherstellung der Belastbarkeit

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall spielt eine zentrale Rolle für die Wiederherstellung der Belastbarkeit der Patienten. Sie erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die physischen als auch die emotionalen Aspekte berücksichtigt. Die Rehabilitation ist stets individuell, denn letztlich gleicht kaum ein Schlaganfall dem anderen.

Phasen der Rehabilitation

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall gliedert sich in verschiedene Phasen:

  • Frührehabilitation (Phase B): Oberstes Ziel ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden.
  • Weiterführende Reha-Maßnahmen (Phase C und D): Diese Phasen dienen dazu, die in der Frührehabilitation erreichten Fortschritte zu festigen und die Selbstständigkeit im Alltag weiter zu verbessern.

Therapieansätze in der Rehabilitation

In der Rehabilitation stehen vielfältige Therapieansätze zur Verfügung, um die Folgen des Schlaganfalls zu mildern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Zu den wichtigsten Therapieformen gehören:

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  • Physiotherapie: Gezieltes Krafttraining und Übungen zum Laufen lernen sind etablierte Methoden, um die Belastbarkeit zu verbessern. Die Physiotherapie kann einen wesentlichen Behandlungsbeitrag leisten, wenn infolge eines Schlaganfalls das Bewegungssystem betroffen ist oder wenn Lähmungen eingetreten sind.
  • Ergotherapie: Sie unterstützt betroffene Personen dabei, verlorene Fähigkeiten zurückzugewinnen und neue Strategien zu entwickeln, um den Alltag zu bewältigen. Die Therapie fördert nicht nur die körperliche Belastbarkeit, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen der Betroffenen.
  • Logopädie: Sie hilft bei Sprach- und Schluckstörungen, die häufig nach einem Schlaganfall auftreten.
  • Neuropsychologie: Sie dient dazu, kognitive Fähigkeiten zu erfassen, gezielt zu trainieren und zu verbessern, z. B. die Aufmerksamkeit, die Gedächtnisleistung oder die räumliche Wahrnehmung.

Ziele der Rehabilitation

Die Rehabilitation hat verschiedene Ziele:

  • Wiederherstellung verlorener Fähigkeiten
  • Verbesserung der Selbstständigkeit
  • Linderung von Folgeschäden wie Lähmungen, Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme und Depressionen
  • Vorbereitung auf die Rückkehr nach Hause und das Alltagsleben
  • Unterstützung von Angehörigen

Sich konkrete und realistische Ziele zu setzen, kann helfen, während der Rehabilitation motiviert zu bleiben und sie so gut wie möglich zu nutzen.

Die Rolle der Angehörigen

Die Unterstützung von Angehörigen spielt eine bedeutende Rolle für die Belastbarkeit nach einem Schlaganfall. Praktische Hilfen im Alltag, wie das Anpassen der Wohnumgebung oder das Angebot von gemeinsamer Beschäftigung, können die Rehabilitation fördern. Zudem sollten Angehörige aktiv in Therapiesitzungen eingebunden werden, um den Patienten zu motivieren und die Fortschritte zu würdigen. Eine positive Einstellung kann sich auf die Genesung auswirken und das Gefühl der Sicherheit stärken.

Maßnahmen zur Förderung der Belastbarkeit im Alltag

Neben der Rehabilitation gibt es verschiedene Maßnahmen, die Betroffene und Angehörige im Alltag ergreifen können, um die Belastbarkeit zu fördern:

  • Regelmäßige Bewegung: Die optimale Menge an Bewegung variiert je nach Schwere des Schlaganfalls und dem individuellen Gesundheitszustand. Allgemein wird empfohlen, mit leichten Aktivitäten zu beginnen, sobald es der Gesundheitszustand zulässt. Gezielt sollten Kraft- und Gleichgewichtsübungen integriert werden, um die Mobilität zu verbessern und Stürze zu verhindern. Die Bewegung sollte stets unter Anleitung von Fachleuten erfolgen, um sicherzustellen, dass sie den individuellen Bedürfnissen entspricht und keine gesundheitlichen Risiken birgt.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung im Alter kann Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte durchaus in Schach gehalten werden, die als Ursache für einen Schlaganfall gelten können. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
  • Stressreduktion: Stress kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko eines weiteren Schlaganfalls steigern.
  • Soziale Kontakte: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wesentliche Rolle spielen, um Motivation zu schöpfen und Erfahrungen zu teilen.

Umgang mit Einschränkungen und Herausforderungen

Nach einem Schlaganfall können verschiedene Einschränkungen auftreten, die den Alltag beeinflussen. Es ist wichtig, auf bestimmte Dinge zu achten, um die Genesung zu unterstützen und weitere Komplikationen zu vermeiden. Zunächst solltest du körperliche Überanstrengung vermeiden. Darüber hinaus ist es wichtig, Stress zu reduzieren. Nach einem Schlaganfall ist Bewegung entscheidend für die Genesung und Rehabilitation. Die optimale Menge an Bewegung variiert je nach Schwere des Schlaganfalls und dem individuellen Gesundheitszustand.

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Post-Stroke Fatigue

Die Erschöpfung nach einem Schlaganfall, auch bekannt als post-stroke fatigue, kann von Person zu Person stark variieren. In den ersten Wochen nach dem Schlaganfall berichten viele Betroffene von extremer Müdigkeit, die oft mehrere Stunden pro Tag anhält. Diese Erschöpfung kann sowohl physische als auch psychische Ursachen haben und ist häufig eine Folge der körperlichen Belastung, die der Körper durch die Rehabilitation erfährt. Es ist wichtig, dass Betroffene genügend Ruhepausen einplanen und eine ausgewogene Balance zwischen Aktivität und Erholung finden.

Sprachstörungen

Etwa ein Drittel der Schlaganfallpatienten bemerkt nach 4-6 Wochen eine Verbesserung der Sprachstörung. Möglich macht das die Aktivität der Nervenzellen, die sich nach etwa 3-4 Wochen wieder normalisiert. Das Gehirn verfügt über die einzigartige Fähigkeit, neue Verbindungsmuster zwischen den verschiedenen Nervenzellen entstehen zu lassen.

Wie kommuniziert man mit Schlaganfallpatienten? Nehmen Sie dem Angehörigen die Wörter nicht vorweg. Warten Sie stattdessen, bis Ihr Familienmitglied seine Gedanken formuliert hat, auch wenn das einige Zeit dauert. Denken Sie daran: Jeder sprachliche Erfolg motiviert den Patienten dazu, seine Sprache wiederzuerlangen. Reden Sie langsam und deutlich. Ihrem Angehörigen hilft es, wenn Sie Ihr Anliegen in klare Worte packen - Mimik und Gestik sind sinnvolle Sprachbegleiter. Lassen Sie Fehler, Fehler sein. Menschen mit Sprachstörungen machen oft Fehler beim Satzbau oder verwenden einen Begriff an nicht passender Stelle. Verzichten Sie darauf, Ihren Angehörigen zu korrigieren. Ansonsten fühlt er sich vermutlich frustriert und verunsichert - im schlimmsten Fall verweigert Ihr Familienmitglied es komplett zu sprechen. Animieren Sie Freunde, Bekannte und Angehörige. Viele Menschen fühlen sich sehr verunsichert, wenn sie sich mit jemandem unterhalten, der Sprachstörungen hat. Dabei spielen Ungeduld und die Angst, nicht richtig zu reagieren, eine Rolle.

Schluckstörungen

Ein Schlaganfall führt bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu einer akuten Schluckstörung, rund ein Viertel der Betroffenen leidet an einer chronischen Schluckstörung (Dysphagie). Ein gestörter Schluckreflex muss immer behandelt werden. Zum einen, weil der Betroffene sonst Gefahr läuft, mangelernährt zu werden. Zum anderen, weil Nahrungsreste in die Lunge gelangen können.

Pflegegrad und finanzielle Unterstützung

Nach einem Schlaganfall haben Betroffene die Möglichkeit, einen Pflegegrad zu erhalten. Dabei kommt es darauf an, wie stark ihre Selbstständigkeit durch den Schlaganfall eingeschränkt ist. Ein Pflegegrad bietet Patienten zahlreiche Vorteile, die ihre Lebensqualität erheblich verbessern können. Pflegegrade sollen sicherstellen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen im täglichen Leben die Pflegeunterstützung bekommen, um ein möglichst lange selbstbestimmtes Leben zu führen und im Voranschreiten von Erkrankungen dafür Sorge zu tragen, dass Patienten finanzielle Unterstützung erhalten, um Pflege zu finanzieren.

Wurde bereits ein Pflegegrad festgestellt, kann die neue Situation den Aufstieg in einen höheren Pflegegrad erfordern, um auf diese Weise mehr Pflegeleistungen zu erhalten. Falls noch nicht, sollten Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen umgehend stellen. Denn nur bei festgestellter Pflegebedürftigkeit besteht Anspruch auf medizinische Versorgung, körperliche Grundpflege und Maßnahmen von Aktivierung und Mobilisation - auch dann, wenn die Selbstständigkeit durch den Schlaganfall nur gering beeinträchtigt ist. Wird Ihrem Antrag stattgegeben, können Sie entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen (etwa zweimal so hoch wie das Pflegegeld) erhalten.

Prävention von wiederholten Schlaganfällen

Die Prävention von wiederholten Schlaganfällen ist entscheidend, um die Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker
  • Einnahme von Medikamenten, die vom Arzt verschrieben werden
  • Gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Verzicht auf Rauchen

Vorbeugende (prophylaktische) Maßnahmen auf einen Blick: Vermeiden Sie Bluthochdruck bei Ihrem Angehörigen. Kontrollieren Sie daher regelmäßig die Blutdruckwerte - ein optimaler Wert liegt bei maximal 135/85 mmHg. Mit einer kochsalzarmen Ernährung und einem Gewichtsverlust können Sie den Blutdruckwert positiv beeinflussen. Motivieren Sie Ihren Angehörigen mit dem Rauchen aufzuhören. Lassen Sie die Zuckerkrankheit überwachen. Helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, Übergewicht zu verlieren.

Hilfsmittel und Wohnraumanpassung

Bei eingeschränkter Mobilität nach Schlaganfall bringen Hilfsmittel wie Rollstuhl, Gehhilfen, Badelifter und Treppenlift Entlastung. Damit die Wohnung selbstständiges Bewegen und Agieren erlaubt, müssen Sie Gefahrenquellen wie Türschwellen entschärfen - etwa, indem eine Rampe mit rutschfestem Bodenbelag darüber verläuft. Im Bad geben Haltegriffe an Waschbecken und in der Dusche Sicherheit bei Körperpflege und Toilettengang.

Wussten Sie, dass Sie bis zu 4.180 Euro (Neuer Stand 2025) der Pflegekasse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen erhalten? Erkundigen Sie sich am besten direkt bei der Pflegekasse nach den Voraussetzungen.

Auf folgende Hilfsmittel können Angehörige nach einem Schlaganfall setzen: Technische Hilfsmittel nach Schlaganfall: Zum Beispiel Rollator, Rollstuhl, Pflegebett, Badewannenlift oder Hausnotruf - auf medizinische Anordnung trägt die Krankenkasse bzw. Pflegekasse die Kosten. Schlaganfall: elektronische Hilfsmittel und Alltagshilfen: wie sprechende Zeigetafeln oder Kombinationsgeräte mit Touchscreen und Sprachausgabe. Bei Bewegungseinschränkungen sind einfache Hilfsmittel wie besonderes Besteck, Dosenöffner, Teleskopschuhanzieher oder Greifzangen sinnvoll. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch nach Schlaganfall: Bettschutzeinlagen und Schutzkittel zur Inkontinenz-Pflege bei Schlaganfall.

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