Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene neurologische Erkrankungen, ihre Diagnose und aktuelle Therapieansätze. Dabei werden sowohl häufige Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Migräne als auch seltenere wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Hypophysenadenome behandelt. Ziel ist es, Betroffenen, Angehörigen und Interessierten einen fundierten Einblick in die komplexe Welt der Neurologie zu geben und aktuelle Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Morbus Parkinson: Symptome, Diagnose und Differentialdiagnose
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist. Typische Anzeichen sind ein vornüber gebeugter Gang, kleine Schritte und Ruhetremor. Die richtige Diagnose zu stellen, ist eine klinische Herausforderung, da die Frühsymptome oft atypisch sind und Patienten zunächst nicht behandelt werden.
Frühe Anzeichen und Symptome
Zu den frühen Symptomen von Morbus Parkinson gehören:
- Vornüber gebeugte Haltung
- Kleine Schritte beim Gehen
- Ruhetremor (Zittern in Ruhe)
- Armschmerzen
- Bewegungseinschränkungen eines Armes
- Antriebs- und Initiativmangel
- Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich
- Veränderungen in der Stimme (monotoner und leiser)
- Verkleinerung der Schrift
Ein Fragebogen zur Früherkennung der Parkinsonerkrankung, der vom Beirat der deutschen Parkinsonvereinigung (dPV) entwickelt wurde, kann helfen, erste Anzeichen zu erkennen:
- Kommt es vor, dass die Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Zieht der Patient ein Bein nach oder geht er leicht schlurfend?
- Ist der Gang kleinschrittig und stolpert der Patient häufig?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Bemerkt der Patient, sich von Freunden und Angehörigen zurückzuziehen und Kontakte zu meiden?
- Verändert sich die Stimme des Patienten, ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Wenn mehr als drei Fragen mit „ja“ beantwortet werden, könnte die betroffene Person erste Anzeichen der Erkrankung aufweisen. In diesem Fall sollte ein Facharzt für Neurologie konsultiert werden, um die Diagnose zu sichern und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten.
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Pathophysiologie
Die Parkinsonerkrankung ist durch Proteinaggregatablagerungen im dorsalen Vaguskern des Hirnstammes, anderen Hirnstammkernen und dem Bulbus olfactorius des Riechhirns gekennzeichnet. Studien zeigen, dass die Zellen der Substantia nigra, die den Botenstoff Dopamin produzieren, erst in einem verhältnismäßig späten Erkrankungsstadium betroffen sind.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie Morbus Parkinson verursachen können. Dazu gehören:
- Essentieller Tremor (ET): Im Gegensatz zum Parkinsontremor ist der essentielle Tremor ein Aktionstremor, der bei aktiver Ausführung einer Tätigkeit auftritt. Er verstärkt sich typischerweise erheblich unter Stress.
- Sekundäre Parkinsonsyndrome: Diese können durch Traumata, Enzephalitis, Tumore oder Intoxikationen verursacht werden. Auch manche Antikonvulsiva (Valproat und Lamotrigin) können Parkinson-ähnliche Symptome auslösen.
- Normaldruckhydrozephalus (NPH): Dieser ist klinisch durch eine Trias aus Gangstörung, Harninkontinenz und dementieller Entwicklung gekennzeichnet.
- Vaskuläres Parkinsonsyndrom: Dieses tritt im Rahmen einer chronischen Durchblutungsstörung auf.
Apparative Zusatzdiagnostik
Apparative Zusatzdiagnostik dient im Wesentlichen dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Am verbreitetsten ist der DAT-Scan, bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden. Um eine unspezifische bzw. ungezielte Diagnostik zu vermeiden, sollte die Indikation zur Bildgebung nur durch den Spezialisten gestellt werden.
Therapie
Obwohl Morbus Parkinson nicht heilbar ist, können die Symptome gut behandelt werden. Die Therapie umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie und Ergotherapie.
Hypophysenadenome: Gutartige Tumoren der Hirnanhangdrüse
Hypophysenadenome sind gutartige (benigne) Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Sie gehören zu den neuroendokrinen Tumoren und können hormonelle (endokrine) Störungen verursachen.
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Arten von Hypophysenadenomen
Es gibt verschiedene Arten von Hypophysenadenomen:
- Mikroadenome: Adenome, die kleiner als ein Zentimeter sind.
- Makroadenome: Adenome, die größer als ein Zentimeter sind.
- Hormoninaktive Adenome: Adenome, die keine Hormone produzieren.
- Hormonaktive Adenome: Adenome, die eigenständig Hormone produzieren.
Hormonaktive Hypophysenadenome können genau jene Hormone herstellen, die auch die Hypophyse selbst produziert. In gut der Hälfte aller Fälle bilden sie Prolaktin, diese Tumore werden Prolaktinome genannt.
Ursachen und Häufigkeit
Hypophysenadenome entwickeln sich aus entarteten Drüsenzellen der Hypophyse. Die Ursachen für deren unkontrolliertes Wachstum sind medizinisch bislang nicht abschließend geklärt. Vermutet wird unter anderem ein Zusammenhang zum so genannten MEN-1-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie), einer krankhaften Veränderung der Hormondrüsen der Hypophyse, die vererbbar ist.
Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) machen laut aktueller Studienlage etwa zehn bis 15 Prozent aller Hirntumoren (intrakranielle Tumoren) aus. Mit einem Anteil von 85 Prozent bilden benigne (gutartige) Hypophysenadenome dabei die größte Gruppe innerhalb der Hypophysentumore - jährlich werden etwa 30 bis 40 Fälle pro eine Million Menschen diagnostiziert.
Symptome
Ob und durch welche Symptome sich ein Hypophysenadenom bemerkbar macht, hängt vor allem davon ab, wie groß es ist und ob es Hormone produziert oder nicht. Symptome von Makroadenomen und größeren hormoninaktiven Tumoren entstehen vor allem durch ihr Wachstum, da sie auf andere Hirnareale drücken können und so angrenzendes Hormon- oder Nervengewebe schädigen. Eine mögliche Folge: eine Hypophysenunterfunktion, die meist ebenfalls mit hormonellen Störungen verbunden ist. Da Adenome meistens sehr langsam wachsen, zeigen sich die ersten Symptome oft erst relativ spät.
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Diagnose
Um ein Hypophysenadenom zu diagnostizieren, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Hormonspiegelbestimmung: Um festzustellen, ob und welches Hormon in zu hohem Maß oder zu geringer Menge im Körper vorhanden ist. Dazu werden Urin und/oder Blut endokrinologisch untersucht.
- Bildgebende Verfahren: MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) des Schädels, um die Größe und Lage des Tumors zu bestimmen.
Therapie
Welche Behandlung bei einem Hypophysenadenom die jeweils bestmögliche ist, muss individuell von Fall zu Fall und gemeinsam mit den betroffenen Patientinnen und Patienten entschieden werden. Die Therapieempfehlung ist vor allem abhängig davon, um welche Art von Adenom es sich handelt und welche Komplikationen es verursacht. Grundsätzlich stehen mehrere Verfahren zur Auswahl: Neben Medikamenten gehören Operation und Bestrahlung zur Regelbehandlung.
- Medikamentöse Therapie: So genannte Prolaktinome, also Hypophysenadenome, die das Hormon Prolaktin bilden, sprechen gut auf eine medikamentöse Therapie an.
- Operation: Die wichtigste Therapiemöglichkeit bei Hirntumoren, also auch bei Hypophysentumoren, ist grundsätzlich eine Operation. Denn eine vollständige Entfernung des Tumors erhöht die Heilungschancen deutlich. Bei Hypophysenadenomen kann der chirurgische Eingriff in der Regel minimal-invasiv durch die Nase durchgeführt werden.
- Strahlentherapie: In einigen Fällen und bei besonders großen Adenomen wird noch vor einer Operation eine Strahlentherapie durchgeführt, um die Tumormasse zu verringern. Studien haben zudem gezeigt, dass eine postoperative Bestrahlung, also eine Strahlentherapie im Anschluss an eine OP, die Gefahr von Rezidiven - erneut wachsenden Adenomen - minimiert.
Für die bestmöglichen Heilungschancen von Hypophysenadenomen sollte die Behandlung in einem medizinischen Zentrum erfolgen, das verschiedene Fachdisziplinen miteinander vereint und interdisziplinär arbeitet. Um bei einem Hypophysenadenom eine optimale Diagnostik und Therapie gewährleisten zu können, sollten unter anderem Expertinnen und Experten der Disziplinen Endokrinologie, Neurologie, Neurochirurgie, (Neuro-)Radiologie und Strahlentherapie zu Rate gezogen werden.
Protonentherapie
Bei der Bestrahlung von Hirntumoren hat sich die Protonentherapie in den vergangenen Jahren als moderne und besonders schonende Verfahrensalternative etabliert. Durch die Zielgenauigkeit der Protonen reduziert sich die Strahlenbelastung von Gehirn-, Rückenmark-, Hör- oder Sehstrukturen jedoch auf ein absolutes Minimum.
Schlaganfall: Schnelle Reaktion rettet Leben
Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem es auf jede Minute ankommt. Durch eine schnelle Reaktion und die richtige Behandlung können schwerwiegende Folgen vermieden werden.
Symptome und Erkennung
Es ist entscheidend, die Symptome eines Schlaganfalls frühzeitig zu erkennen:
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Schwindel
- Starke Kopfschmerzen
Behandlung
Eine spezielle Behandlungsmethode bei Schlaganfällen ist die Thrombektomie. Hierbei wird das Blutgerinnsel minimal-invasiv entfernt und so die Durchblutung in der großen Hirnarterie wiederhergestellt.
Netzwerke und Zentren
Durch die schnelle Reaktion der Angehörigen, die sehr gute Vernetzung der Stroke Units und dem professionellen Eingriff der Neuroradiologen kann eine Woche nach dem Schlaganfall wieder normal gesprochen werden.
Transiente globale Amnesie (TGA): Vorübergehende Gedächtnisstörung
Die transiente globale Amnesie (TGA) ist eine vorübergehende Störung der Merkfähigkeit, die zwar harmlos ist, aber für Betroffene und Angehörige sehr beunruhigend sein kann.
Symptome
Patienten mit TGA sind im Akutstadium bezüglich Zeit, Ort und Situation desorientiert und fragen immer wieder nach, was gerade passiert ist oder nach dem aktuellen Datum. Bei einer TGA erleben Betroffene vor allem eine antero- und weniger stark auch eine retrograde Amnesie. Andere kognitive Fähigkeiten bleiben davon unberührt.
Diagnose
Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Gedächtnisverlust auszuschließen, wie zum Beispiel Schlaganfälle oder epileptische Anfälle. Die genaue Anamnese und eine sorgfältige neurologische Untersuchung mit speziellen Amnesie-Tests sind entscheidend für die Diagnose einer TGA.
Therapie
Eine akute Therapie gibt es nicht. Das Wichtigste ist, die Betroffenen und die Angehörigen zu beruhigen und ihnen zu erklären, dass die Symptome vorübergehend sind und keine bleibenden Schäden hinterlassen.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine fortschreitende Erkrankung des motorischen Nervensystems
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine sehr ernste Erkrankung des motorischen Nervensystems.
Symptome
Die ersten Symptome der Krankheit können bei den einzelnen Betroffenen an unterschiedlichen Stellen auftreten. Muskelschwund und -schwäche können sich z.B. zunächst nur in der Hand- und Unterarmmuskulatur einer Körperseite zeigen, bevor sie sich auf die Gegenseite und auf die Beine ausdehnen. Seltener ist ein Beginn in der Unterschenkel- und Fußmuskulatur oder in der Oberarm- und Schultermuskulatur. Bei einem Teil der Erkrankten treten erste Symptome im Bereich der Sprech-, Kau- und Schluckmuskulatur auf (Bulbärparalyse). Sehr selten äußern sich die ersten Symptome in Form von spastischen Lähmungen. Schon in den Frühstadien der ALS wird häufig über unwillkürliche Muskelzuckungen (Faszikulationen) und schmerzhafte Muskelkrämpfe geklagt.
Diagnose
Zuständig für die Diagnosestellung der Krankheit ist der Neurologe. Der Patient wird zunächst klinisch untersucht, insbesondere muss die Muskulatur im Hinblick auf Muskelschwund und Kraft sowie Faszikulationen beurteilt werden. Ebenso ist eine Beurteilung von Sprache, Schluckakt und Atemfunktion wichtig. Die Reflexe müssen geprüft werden. Darüber hinaus müssen andere Funktionen des Nervensystems, die von der ALS üblicherweise nicht betroffen sind, untersucht werden, um ähnliche, aber ursächlich unterschiedliche Erkrankungen zu erkennen (sog. ALS-Mimics) und um Fehldiagnosen zu vermeiden.
Therapie
Da die Ursache der ALS noch nicht bekannt ist, gibt es bislang auch keine ursächliche Behandlung, die die Krankheit zum Stillstand bringen oder heilen kann. Das bisher einzige zur Therapie der ALS zugelassene Medikament Riluzol bewirkt eine moderate Verlängerung der Lebenserwartung.
Schlafstörungen: Ursachen, Diagnose und Behandlung
Regelmäßiger Schlafmangel und Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen können die körperliche und seelische Gesundheit stark beeinträchtigen.
Ursachen
Die Ursachen für Schlafstörungen sind sehr vielfältig und nicht immer leicht auszumachen. Auslöser sind oft seelische Belastungen, eine körperliche Erkrankung oder auch Schichtarbeit. Auch äußere Einflüsse wie Licht oder Lärm können den Schlaf stören.
Diagnose
Wenn Schlafstörungen andauern und die bisherige ärztliche Beratung und Untersuchung ohne Ergebnis geblieben sind, folgt meist eine Untersuchung im Schlaflabor. Dort wird der Schlaf während einer oder mehrerer Nächte mit Aufzeichnungsgeräten überwacht.
Therapie
Wer Probleme beim Ein- oder Durchschlafen bemerkt, kann über einige Zeit ein Schlafprotokoll in Tabellenform führen: Hier wird nach jeder Nacht eingetragen, wann man ins Bett gegangen und wann man aufgestanden ist, welche Medikamente eingenommen wurden und wie man den eigenen Schlaf und nächtliche Wachzeiten selbst bewertet.
Kopfschmerzen und Migräne: Diagnose und Therapie
Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete neurologische Erkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Migräne
Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben. Die meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man erwischt sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen.
Therapie
Während einer Attacke ist sportliche Betätigung nicht möglich. Viele sind bettlägerig und fühlen sich schwer krank. Richtig ist, dass mehr Frauen von Migräne betroffen sind als Männer, da die hormonellen Trigger hinzukommen. Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung!
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