Die Frage, ob jemand ein "perverses Gehirn" hat, ist komplex und vielschichtig. Es berührt Bereiche wie sexuelle Präferenzen, psychische Gesundheit, kriminelles Verhalten und gesellschaftliche Normen. Dieser Artikel untersucht verschiedene Aspekte, die mit dieser Frage zusammenhängen, darunter Pädophilie, Sexsucht und Persönlichkeitsstörungen, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Sexueller Kindesmissbrauch: Ein dunkles Kapitel
Kindesmissbrauch ist ein ernstes und weit verbreitetes Problem. Jahr für Jahr gibt es in Deutschland um die 14.000 Anzeigen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. Anonyme Umfragen belegen: Die Dunkelziffer ist weit höher. 1992 berichteten fast zehn Prozent der Frauen und mehr als drei Prozent der Männer, als Kind oder Jugendliche sexuell missbraucht worden zu sein. Das entspricht 60.000 sexuellen Übergriffen jedes Jahr. Die Erkenntnis wurde lange verdrängt, auch von der Wissenschaft.
Die Ursachen für sexuellen Kindesmissbrauch sind vielfältig. Dabei können Drogen, Persönlichkeitsstörungen oder auch schlicht die Frustration über eine fehlende Partnerin eine Rolle spielen. Viele Übergriffe geschehen im Affekt. Für die Prävention sind diese Männer kaum gezielt ansprechbar. Außerdem ist die Rückfallgefahr bei pädophilen Tätern um ein Vielfaches höher.
Pädophilie vs. Kindesmissbrauch
In den Medien wird häufig der Begriff Pädophilie, also sexuelles Interesse an Kindern, und Kindesmissbrauch synonym gebracht, als wäre das dasselbe. "Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass die Mehrheit aller verurteilten Kindesmissbraucher nicht pädophil ist.
Pädophilie entwickelt sich offenbar sehr früh. An Theorien zu den Ursachen mangelt es nicht, vorgeburtliche Fehlprägung, Entwicklungsverzögerung, Hirnschädigungen. "Also, so im Grundschulalter hatten die sehr, sehr häufig schlechte Beziehungen zu Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts. Wir vermuten, dass sozusagen ein kausaler Faktor, der in Richtung pädophiler sexueller Neigungen führen kann, dann eben sehr, sehr schlechte Peerbeziehungen sind. Pädophile Männer berichten auch häufig, dass sie selbst als Kind missbraucht wurden. Allerdings gilt: Was statistisch auffällig ist, sagt überhaupt nichts über den Einzelfall aus. Die meisten Kinder verarbeiten traumatische Erfahrungen, ohne später ein sexuelles Interesse an Jungen oder Mädchen zu entwickeln. Die Vorhersagekraft der Biografie bleibt also begrenzt.
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Fünf Prozent unter den 9.000 befragten Männern räumen sexuelle Fantasien im Bezug auf Kinder ein. 1,7 Prozent haben schon einmal Kinderpornografie heruntergeladen und 1,5 Prozent hatten bereits sexuellen Kontakt zu Kindern. Aber die Zahlen zeigen auch: Es gibt viele Männer mit pädophilen Neigungen, die nie ein Kind angefasst haben. Sexualwissenschaftler wollen sie mit Therapien unterstützen.
Neurobiologische Forschung zu Pädophilie
Forschungsverbünde wie NeMUP - Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder - oder Mikado - Missbrauch von Kindern, Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer - untersuchen die neurobiologischen Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder.
Jorge Ponsetti aus Kiel: "Wir haben jetzt doch einige Hinweise dafür, dass wir sehen können, bei welchen Personen es zur Tat kommt. Also da scheint es Unterschiede zu geben, auch in der neuronalen Verarbeitung, in der neuronalen Ausstattung. Bei pädophilen Männern, die tatsächlich Übergriffe begangen haben, arbeiten das Stirnhirn und der Mandelkern anders, auch deren gegenseitige Vernetzung zeigt Auffälligkeiten. Vielleicht empfinden sie deshalb für sie sexuelle Reize stärker, vielleicht ist ihre Impulskontrolle schwächer ausgeprägt.
Im Labor wird die direkte Reaktion auf ein Bild untersucht, schnelle Prozesse, die sicher die Basis bilden für die Handlungskontrolle. "Die Handlungskontrolle, die letztenendes aussagt, ob ich auf einen Stimulus eine bestimmte Handlung ausübe, ist ja etwas komplexer. Das heißt, da sind Pläne angelegt, dann werden komplexe soziale Interaktionen gesteuert, die auch teilweise geplant sind.
Therapie für pädophile Männer
Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner Charité, hatte sich als Therapeut und Forscher lange mit verurteilten Männern beschäftigt. Aber die überwiegende Mehrheit der Täter wird ja gerade nicht angezeigt. "Das Präventionsprojekt Dunkelfeld ist immer noch einmalig weltweit. Wir bieten ja selbstmotivierten, eigenverantwortlich sich an uns wendenden Männern mit pädophiler Neigung Hilfe an, um eine sichere Verhaltenskontrolle zu erlernen und eben keine Kinder zu missbrauchen. "Durch die Therapie hab ich gelernt: Niemand ist schuld an seiner sexuellen Neigung. Aber jeder verantwortlich für sein Verhalten.
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Über 4.000 Männer haben sich bei den inzwischen bundesweit zehn Anlaufstellen gemeldet und Rat gesucht. Tendenz rasant steigend. Nicht alle sind pädophil, nicht alle wollten eine Therapie, nicht alle können die wöchentlichen Termine organisieren. Aber inzwischen haben mehrere Hundert eine Therapie aufgenommen und über Hundert sie auch schon abgeschlossen.
"Einmal verhaltenstherapeutische mit ganz klaren Verhaltensanalysen. "Ich wollte ihnen klar machen, warum es für mich manchmal anstrengend war zu babysitten innerhalb der Familie oder aber zum Beispiel im Sommer in Freibäder oder so etwas zu gehen. Andere Teilnehmer mussten lernen, bewusst dafür zu sorgen, dass sie etwa im Sportverein oder in der Schule nie alleine mit Kindern sind.
Die Therapie ist oft ein Balanceakt, denn immer wieder registrieren die Therapeuten auch Warnzeichen für bevorstehende Übergriffe. "Solche Situationen werden unglaublich ernst genommen und es gibt eine Eskalations- oder Stufenschema, wie damit vorzugehen ist. Das kann eine Therapieintensivierung sein, das kann eine Einbeziehung des sozialen Umfelds sein, wovon wir uns dann auch eine erhöhte Kontrolle versprechen. Wenn die Therapeuten trotzdem den Eindruck haben, dass sich ein Kindesmissbrauch anbahnt und ihre Gegenmaßnahmen nicht greifen, dann können sie auch die ärztliche Schweigepflicht brechen und die Behörden informieren.
Klaus Beier hatte dabei 53 Männer vor und nach dem Jahr Therapie befragt. Viele psychologische Risikofaktoren für Übergriffe verminderten sich. "Das sind Faktoren, die sie mit Verfahren messen können, mit standardisierten Verfahren. Und dann zu einem späteren Zeitpunkt noch mal die Ausprägung dieses Faktors sich anschauen. Und hier haben sich nun Unterschiede gezeigt, die auf das Programm zurückgehen. Die Männer wurden auch gefragt, wie sich ihr Verhalten verändert hat. 25 von ihnen, also etwa die Hälfte, hatten vor der Therapie schon sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen. Ohne dass die Therapeuten davon erfuhren, haben fünf nach eigenen Aussagen auch während der Therapie weitergemacht. "Wir hatten also im Laufe der Therapie auch Betroffene, die Übergriffe begangen haben. Das war im Vergleich zur Wartegruppe waren das weniger, weniger intensive.
Die Frage bleibt aber: Was wäre die Alternative? Ob andere Therapieangebote besser abschneiden ist schlicht nicht erforscht. Und eines ist klar: Die weit überwiegende Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder wird nie bekannt, außer dem Opfer und dem Täter weiß niemand davon. Diese Täter können nur Projekte wie Dunkelfeld erreichen, davon ist auch Martin Walter überzeugt. "Ich denke, dass bei der Schwere der zu erwartenden Vergehen bereits Einzelfälle von Patienten, die sich durch eine Zuwendung oder durch eine Therapie sicherer fühlen und nicht übergriffig werden, eine ganz wichtige Größe darstellen.
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Sexsucht: Zwanghaftes Sexualverhalten
Sexsucht, auch bekannt als Hypersexualität, ist durch exzessive, zwanghafte sexuelle Betätigung trotz negativer Konsequenzen gekennzeichnet.
Symptome der Sexsucht
Symptome, die typischerweise bei einer Hypersexualität auftreten, sind beispielsweise:
- ausschweifende sexuelle Fantasien, die teils von Arbeit und Alltagsverpflichtungen abhalten
- täglich stundenlanges Anschauen von Pornofilmen
- häufiges Masturbieren
- ständig wechselnde Sexualpartner
- ausbleibende Befriedigung, Suche nach dem „Kick“
- gestörtes Sozialverhalten und Realitätsverlust (z.B. aggressives Verhalten gegenüber Menschen, die ihrem ästhetischen Empfinden nicht entsprechen)
Anders als bei einer Sucht nach einer bestimmten Substanz, wie beim Alkoholismus, leiden Hypersexuelle nicht unter körperlichen Entzugserscheinungen. Psychische Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit treten aber auf. Sie sind oft so schwerwiegend, dass sie denn Entschluss, das Verhalten zu ändern, immer wieder zunichtemachen.
Ursachen der Sexsucht
Eine Sexsucht kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist kommen mehrere Auslöser zusammen, wenn sich ein zwanghafter Sexualtrieb entwickelt. Die Gründe können in der Kindheit, in den persönlichen Erfahrungen mit Sex, aber auch in der Persönlichkeit, der individuellen Veranlagung und im soziokulturellen Umfeld begründet sein.
- Sex als Droge: Sexuelle Erregung, intimer Körperkontakt und der Sex selbst aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn - nicht anders als Drogen wie Alkohol oder Kokain. Wird Sex eingesetzt, um negativen Gefühlen wie Selbstzweifel, innere Leere oder Sorgen zu entfliehen, erhöht sich das Risiko, in eine Sexsucht abzugleiten.
- Sexueller Missbrauch: Menschen, die sexuell missbraucht wurden, haben häufig ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität. Manche entwickeln in diesem Zusammenhang eine Hypersexualität. Allerdings trifft das nicht für jeden Menschen zu, der einem Missbrauch ausgesetzt war.
- Gestörte Impulskontrolle: Eine gestörte Impulskontrolle bewirkt, dass die Befriedigung unmittelbarer Bedürfnisse nur schwer zurückgestellt werden können. Dazu kann auch der Sexualtrieb gehören, den Betroffene nicht „aushalten“ können.
- Sexverfügbarkeit im Internet: Pornos und mögliche Sexualpartner sind im Internet unkompliziert, anonym und immer verfügbar. Auch scheinen im Netz Hemmschwelle und Schamgrenze niedriger zu liegen - der Trieb lässt sich sofort, ohne weitere Verpflichtungen oder ohne größere Schuldgefühle befriedigen. Eine Sexsucht auszuleben, wird durch die Angebote im Internet zunehmend leichter.
- Psychische Erkrankung: Im Rahmen einer Zwangsstörung oder einer Manie kann sich ebenfalls ein hypersexuelles Verhalten entwickeln.
- Körperliche Erkrankung: Manche körperlichen Erkrankungen können eine Hypersexualität verursachen, beispielsweise ein Tumor in der Nebennierenrinde.
- Genetische Veranlagung: Wie bei stoffgebundenen Suchterkrankungen, etwa Alkoholismus, findet man auch bei manchen Verhaltenssüchten eine genetische Veranlagung.
- Medikamente: Manche Medikamente steigern die sexuelle Lust oder stören die Impulskontrolle. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Parkinson-Medikamente wie Dopaminagonisten.
- Drogenkonsum: Der Konsum von Drogen, insbesondere von Kokain, kann eine Sexsucht hervorrufen.
Therapie der Sexsucht
Ziel einer Therapie der Hypersexualität ist, die Kontrolle über das eigene sexuelle Verhalten wiederzuerlangen und so die zerstörerische Auswirkung der Sexsucht zu reduzieren. Mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung lernen die Betroffenen, ihre sexuellen Impulse zu kontrollieren. Die Behandlung erfolgt in Form von therapeutischen Einzelgesprächen und gruppentherapeutischen Sitzungen. Auch Selbsthilfegruppen zum Thema Sexsucht können dazu beitragen, eine solche Sucht zu überwinden.
Im Rahmen der Therapie versuchen die Betroffenen herauszufinden, welche Rolle Sex als Suchtmittel für sie spielt, zum Beispiel zur Hebung des Selbstwertgefühls, zum Überdecken von innerer Leere oder zur Bewältigung von Ängsten - und wie sie all das auch auf andere Weise erreichen können. Betroffene lernen in der Therapie, Gefühle anzunehmen und auszuhalten, sich selbst positiver wahrzunehmen und ihr Selbstbewusstsein zu verbessern.
Sexuelle Enthaltsamkeit (Abstinenz) ist nicht das Ziel der Therapie. Letztlich sollen die Betroffenen zu einem normalen Umgang mit Sexualität zurückkehren, damit der Sex nicht das gesamte Leben bestimmt. Dafür erlernen sie Strategien, die es ihnen ermöglichen, mit herausfordernden Situationen zukünftig anders umgehen zu können.
Persönlichkeitsstörungen und sexuelles Verhalten
Persönlichkeitsstörungen können sich auf das sexuelle Verhalten auswirken. Insbesondere die Borderline-Persönlichkeitsstörung und narzisstische Persönlichkeitsstörung können zu ungewöhnlichen oder problematischen sexuellen Verhaltensweisen führen.
Borderline-Persönlichkeitsstörung und Sexualität
Es gibt nicht allzu viele Studien, welche einen Zusammenhang zwischen Sexualität und der Borderline-Persönlichkeitsstörung betrachten. Es wird zwar einiges geschrieben, aber nur wenig geforscht. Der Grund dafür könnte sein, dass die anderen Auffälligkeiten wie z.B. die Impulsivität, die Bindungsunfähigkeit oder die heftige Wut eher im Vordergrund stehen als die sexuellen Symptome.
Mary Zanarini fand heraus, dass fast die Hälfte der Borderline-Männer Schwierigkeiten in ihren sexuellen Beziehungen hatten, weil sich ihre Symptome entweder verstärkten (in Form von Selbstverletzungen oder suizidalen Handlungen) oder sie hatten Bindungsangst, nicht zuletzt auch wegen ihrer stärker ausgeprägten Symptome. Eine weitere traurige Erkenntnis der Studie war, dass fast die Hälfte der untersuchten Männer in ihrer Kindheit sexuelle Missbrauch Erfahrungen erlitten.
Birger Dulz und Angela Schneider, bezeichneten diese Handlungen als Polymorph-perverse-Sexualität. Polymorph benennt etwas, was in vielen Formen auftreten kann („poly = viel und „morphe“ = Form). Borderline tritt heute immer häufiger in Verbindung mit einer anders gelebten Sexualität auf. Die tritt zwar nicht mit körperlichen Funktionsstörungen auf, geht aber deutlich oft tieferen Gefühlen und intimen Situationen aus dem Weg. Deutlich weniger Intimität und Nähe, dafür aber mehr Abwehr - so könnte man die Formel bezeichnen!
Harriet Kimble Wrye und Judith K. Welles haben gezeigt, warum in den Augen des Borderliners Nähe und Intimität so gefährlich wirken. Die Gründe die sie aufzählen sind Störungen aus der frühen Kindheit, welche alte Fantasien und Impulse immer wieder neu aufleben lassen. In diesen angstvollen Momenten wird Nähe und Intimität als Gefahr wahrgenommen und fast schon selbstzerstörerisch bekämpft.
Narzissmus und Manipulation
Um seine Interessen durchzusetzen und seine Macht zu demonstrieren, bedient sich der Narzisst ganz bestimmter Kommunikationstechniken, mit denen er den anderen manipulieren und beherrschen kann. Er manipuliert sein Gegenüber durch Worte, mit Anspielungen und Täuschungen sowie mit Gesten und seiner Mimik. Um den anderen in die Defensive zu treiben, kann er zu sehr perversen und skrupellosen Methoden greifen, wenn seine charmanten und sanften Techniken keine Wirkung zeigen.
Methoden der narzisstischen Manipulation:
- Kommunikation nicht auf Augenhöhe: Er hört nicht zu und lässt sein Gegenüber nicht aussprechen. Unentwegt fällt er ihm ins Wort und korrigiert besserwisserisch dessen Aussagen.
- Ausnutzung der Gefühle des anderen: Lässt sich der Gesprächspartner nicht von seinem Standpunkt abbringen, kann der Narzisst sehr überzeugend in den Mitleidsmodus wechseln, indem er sich traurig, krank oder in sonst einer Art bedürftig und hilflos zeigt, so dass das Mitgefühl des anderen berührt wird und dieser schließlich wieder nachgibt und sich unterordnet.
- Immer Recht haben: Der Narzisst unterstellt seinem Gegenüber, im Unrecht zu sein und die Problematik völlig falsch wahrzunehmen oder er bescheinigt ihm, ein schlechter und egoistischer Mensch zu sein, wenn dieser sich im Widerspruch zu den geäußerten Vorstellungen und Wünschen verhält.
- Manipulation über Andeutungen: Auch mit sarkastischen Bemerkungen will der Narzisst sein Gegenüber manipulieren.
- Aufdecken jeden Fehlers: Jede Kleinigkeit, die schiefgehen kann, jedes Detail, das vergessen wird, jede Schwäche, die sich irgendwann einmal offenbart, nutzt der Narzisst, um den anderen zu kritisieren und zu demütigen und sich selbst damit zu erhöhen.
- Gehirnwäsche: Der Narzisst versucht, das gesamte Weltbild des Gesprächspartners auf den Kopf zu stellen.
- Abstreiten alles: Der Narzisst kann sich plötzlich nicht mehr an eindeutige Sachverhalte erinnern und die Darstellungen anderer schlicht abstreiten.
- Blamieren: Um einen Gang höher zu schalten, manipuliert der Narzisst häufig auch noch das Umfeld und zieht es auf seine Seite, um den anderen zu diffamieren oder zu isolieren.
- Bären aufbinden: Diese heimtückische Methode basiert darauf, den Partner durch die Manipulation von unscheinbaren Kleinigkeiten in den Wahnsinn zu treiben (Gaslighting).
- Attackieren: In manchen Fällen kann der Narzisst auch zur Sabotage greifen, die schon zum Teil strafrechtlichen Charakter bekommen kann.
Neurowissenschaftliche Perspektiven auf Kriminalität und "gefährliche Gehirne"
Die Neurowissenschaften versuchen, die biologischen Grundlagen von Kriminalität und "gefährlichen Gehirnen" zu verstehen.
Workshop "Gefährliche Gehirne"
Auf dem Workshop ‚Gefährliche‘ Gehirne über den Stand der neurowissenschaftlichen Forschung zu kriminellem Verhalten, Psychopathie und psychischen Störungen diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Unter den Teilnehmenden waren Historiker, Philosophen, Psychiater, Psychologen, Rechtswissenschaftler und Soziologen.
Peter Becker lieferte den historischen Kontext zum Verhältnis zwischen Hirnforschung und Kriminologie. Er machte deutlich, wie in den USA, Großbritannien und Deutschland Neurowissenschaftler zu öffentlichen Intellektuellen wurden, zu Experten, die man förmlich zu allen menschlichen und sozialen Problemen anhöre.
Adrian Raine schlug ein lombroso genanntes Sicherheitsprogramm vor: Man solle alle Männer mit achtzehn Jahren sowohl einem DNA- als auch einem Gehirntest unterziehen. Wer auf diese Weise als zukünftiger Krimineller identifiziert werde, der würde dann auf unbeschränkte Zeit in Sicherungsverwahrung verbleiben.
Lorenz Böllinger bezeichnete die Idee einer kriminologischen Voruntersuchung zur Identifikation gefährlicher Menschen als „absurden Gedanken“. Anhand der Psychopathologisierung terroristischer Taten machte er die Wechselwirkung zwischen Justiz und kriminologischer Neurowissenschaft deutlich. Durch einen vereinfachenden Biologismus bestehe ferner das Risiko, den resozialisierenden Gedanken als zentrale Aufgabe des Strafrechts aus den Augen zu verlieren.
Felix Schirmann konzentrierte sich auf eine bestimmte Phase der neurobiologischen Untersuchung (un)moralischen Verhaltens, nämlich Deutschland in den 1930er bis 1960er Jahren. Er legte dar, wie insbesondere der Lokalisationsgedanke die Forschung inspirierte: In Anlehnung an die erfolgreichen Versuche Brocas aus den 1860er und Ferriers in den 1880er Jahren habe es später Ideen darüber gegeben, dass auch Verbrechen und Moral an einem bestimmten Ort einen Sitz im Gehirn hätten.
Birte Englich hat die Idee ‚gefährlicher‘ Gehirne auf kreative Weise uminterpretiert, denn in ihrem Beitrag ging es nicht um die Gehirne Krimineller, sondern die mitunter gefährlichen Folgen beeinflusster richterlicher Urteile. Sie konnte nachweisen, dass sogenannte Anker, selbst wenn sie für die zu beurteilende Sache völlig irrelevant waren oder zufällig zustande kamen, das vorgeschlagene Strafmaß statistisch signifikant beeinflussten.
Hans-Ludwig Kröber unterstrich, dass die Psychiatrie unwiderruflich im Mentalen, in Erste-Person-Erfahrungen gegründet sei. Er argumentierte auch dafür, dass neurowissenschaftliche Untersuchungen wenig zur Diskussion um die Willensfreiheit oder die strafrechtliche Schuldfähigkeit beigetragen hätten.
Jürgen Müller beschäftigte sich mit der Geschichte, Theorie und Praxis des Psychopathiebegriffs. So führte er das Konstrukt „Psychopathie“ auf den Franzosen Philippe Pinel (1792) zurück. Wesentliche Folgebeiträge seien von Kurt Schneider (1923), Hervey Cleckley (1941) und Robert D. Hare (1980) gekommen. Übereinstimmendes Merkmal sei bei diesen Ansätzen stets eine Verbindung von kriminellem Verhalten mit bestimmten emotionalen Eigenschaften gewesen. Er berichtete von Einzelfällen, bei denen Schädigungen des Frontalhirns mit in den kriminellen Bereich reichenden Persönlichkeitsveränderungen einhergingen; er hob jedoch auch gegenteilige Befunde hervor, bei denen ähnliche Verletzungen nicht zu Kriminalverhalten führten.
Psychopathie
Psychopathie ist durch verschiedene Facetten gekennzeichnet, die zumeist gebündelt in Erscheinung treten, allerdings nicht bei jedem Betroffenen in gleicher Intensität. Neben der ausgeprägten Furchtlosigkeit zählt vor allem ein Mangel an natürlichem Mitgefühl dazu. Dennoch sind Psychopathen sehr wohl in der Lage, die Emotionen anderer zu registrieren. Kraft ihres Verstandes wissen sie durchaus, dass jemand traurig ist oder Angst hat.