Das faszinierende Sehvermögen der Chamäleons: Mehr als nur Farbwechsel

Chamäleons sind bekannt für ihre Fähigkeit, ihre Farbe zu ändern, aber ihre Augen sind ebenso bemerkenswert. Sie können ihre Augen unabhängig voneinander bewegen und haben ein fast 360-Grad-Sichtfeld. Dies hat Wissenschaftler jahrhundertelang fasziniert.

Die Anatomie des Chamäleon-Auges

Die Augen der Chamäleons sind hochspezialisiert. Sie stehen fast vollständig aus den Augenhöhlen heraus, um das Sichtfeld zu vergrößern. Jedes Auge besteht aus einer doppelten Augenkammer und hat schuppige Augenlider, die miteinander verwachsen sind und eine kleine Öffnung vor der Linse freilassen. Die Augenlider können ihre Farbe ändern und so zur Kommunikation beitragen. Chamäleons haben auch eine Nickhaut, ein "drittes Augenlid", ähnlich wie Säugetiere.

Muskeln, Knochen und Linse

Kleine Muskeln bewegen das Auge, die gut versteckt unter den Augenlidern und in den Augenhöhlen liegen. Ein kleiner Knochenring, der Skleralknorpel, rahmt die Hornhaut ein. Die Linse ist für die Brechung des Lichts verantwortlich, und die Scharfstellung erfolgt durch die Krümmung der Linse.

Sehschärfe und Farbwahrnehmung

Die Sehschärfe wird durch die Sklera verursacht, und die vollständige Bedeckung des Auges durch das Augenlid mit einer kleinen Öffnung erzeugt einen Lochkameraeffekt, der die Schärfe erhöht. Chamäleons können bis zu einem Kilometer Entfernung scharf sehen. Sie haben vor allem Zapfen in der Netzhaut und sehen daher vorwiegend Farben und wenig Kontraste. Öltröpfchen auf den Zapfen dienen als "eingebaute Sonnenbrille".

Die unabhängige Augenbewegung

Die Augen der Chamäleons sind so angeordnet, dass sich die Gesichtsfelder nur in einem kleinen Bereich überlappen, wodurch meist zwei einzelne Bilder entstehen. Bei der Jagd suchen die Augen unablässig und unabhängig voneinander die Umgebung ab. Erst wenn das Futtertier mit beiden Augen fokussiert ist, schießt das Chamäleon darauf.

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Reinigung und Schutz

Chamäleons schließen die Augenlider beim Schlafen. Sie können ihre Augäpfel auch zum Schutz mittels des Musculus depressor palpebralis nach unten senken. Zur Reinigung kann das Chamäleon seinen Augapfel gegen die Augenlider weit nach vorne aus der Orbita drücken.

Das Geheimnis der Chamäleon-Augen: Gelöst nach Jahrhunderten der Forschung

Forscher haben das Geheimnis der Chamäleon-Augen gelüftet, die sich unabhängig voneinander im 360-Grad-Modus bewegen. Das Team um Juan Daza von der Houston State University entdeckte anhand von CT-Scans, dass zwei lange, gewundene Sehnerven die einzigartigen Fähigkeiten der Chamäleon-Augen ermöglichen.

Die Entdeckung der gewundenen Sehnerven

Die Forscher analysierten und verglichen CT-Scans von über 30 Echsen- und Schlangenarten, darunter auch die von drei Chamäleonarten. Sie erstellten 3D-Gehirnmodelle für 18 dieser Echsen und vermaßen deren Sehnerven. Alle drei untersuchten Chamäleonarten hatten signifikant längere und stärker gewundene Sehnerven als die anderen Reptilien.

Einzigartige anatomische Merkmale

Die aufgerollte Struktur hinter dem Augapfel erlaubt es dem Tier, das Auge weit aus der Augenhöhle ragen zu lassen und in fast jede Richtung zu drehen, ohne den Sehnerv zu überdehnen. Die Augen von Chamäleons funktionieren wie Überwachungskameras, die sich in alle Richtungen bewegen. Sie bewegen ihre Augen unabhängig voneinander, während sie ihre Umgebung nach Beute absuchen. Sobald sie ihre Beute entdeckt haben, bewegen sich beide Augen in eine Richtung, damit sie berechnen können, wohin sie ihre Zunge herausschießen müssen.

Widerlegung früherer Theorien

Aristoteles glaubte fälschlicherweise, dass Chamäleons gar keine Sehnerven besitzen. Isaac Newton spekulierte, dass sich die Nerven der Tiere nicht kreuzen würden. Diese Theorien erwiesen sich als falsch. Das Problem dieser Gelehrten: Alle waren auf Sektionen der Tiere angewiesen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Aber sobald ein Skalpell das Gewebe berührte, wurden die empfindlichen, eng gewundenen Nerven oft zerstört, verschoben oder glattgezogen.

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Weitere anatomische Besonderheiten der Chamäleons

Neben den Augen weisen Chamäleons noch weitere bemerkenswerte anatomische Merkmale auf.

Skelett und Haut

Das Skelett der Chamäleons besteht aus Knochen und Knorpel, wobei die Knochen mit Knochenmark gefüllt sind. Der Kopf besteht aus Ober- und Unterkiefer, wobei die Zähne senkrecht auf dem Kieferknochen sitzen. Die Wirbelsäule ist besonders lang, und die Rippen reichen bis zum Kreuzbein. Die Extremitäten sind prinzipiell wie die des Menschen aufgebaut, aber die Finger und Fußzehen bilden Greifzangen. Die Haut besteht aus Ober-, Leder- und Unterhaut, wobei die Oberhaut die typischen Schuppen bildet.

Kämme und Hörner

Viele Chamäleons tragen Kämme und Hörner am Kopf, die zur Kommunikation dienen. Occipitallappen sind lappige Anhängsel hinter dem Kopf, die bei Bedrohung aufgestellt werden können. Nasenfortsätze können knöchern oder dermal sein.

Innere Organe

Chamäleons haben eine lange Luftröhre mit unvollständig geschlossenen Knorpelspangen. Einige Arten haben zusätzliche Luftsäcke im Bereich des Kehlsacks. Die Lunge ist sackartig mit zahlreichen fingerförmigen Ausbuchtungen. Das Herz hat zwei getrennte Vorhöfe, aber nur eine Kammer. Die Leber besteht aus zwei länglichen Lappen, und es gibt eine Gallenblase.

Verhalten im Terrarium

Das Verhalten von Chamäleons im Terrarium kann Aufschluss über ihr Wohlbefinden geben.

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Anzeichen von Unbehagen

Wenn Chamäleons ständig an den Scheiben kratzen oder versuchen, aus dem Terrarium zu gelangen, kann dies auf falsche klimatische Bedingungen oder den Wunsch nach mehr Freiraum hindeuten. Es ist wichtig, die Eckdaten des Terrariums zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie den Bedürfnissen des Tieres entsprechen.

Koten beim Herausnehmen

Einige Chamäleons koten, wenn sie aus dem Terrarium genommen werden, auch wenn sie freiwillig herauskommen. Dies könnte ein Zeichen von Stress sein.

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