Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Jedes Jahr erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Neben Herz- und Krebserkrankungen gehören Schlaganfälle zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und sind die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall - auch Hirnschlag, Hirninfarkt oder Apoplex genannt - ist eine akute, schlagartig auftretende Schädigung des Gehirns. Durch eine gestörte Durchblutung oder durch eine Hirnblutung werden Nervenzellen im betreffenden Areal nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wenn die Sauerstoffversorgung länger stoppt, kommt es zu Funktionsausfällen und zum Absterben von Hirnzellen. Auf diese Weise können teils bleibende Schäden am Gehirn entstehen, beispielsweise Lähmungen oder Sprachstörungen, je nachdem, in welchem Teil des Gehirns die Störungen auftreten. Wenn lebenswichtige Hirnbereiche betroffen sind, kann ein Schlaganfall auch zum Tod führen. Bei einem leichten Schlaganfall sind die Ausfallerscheinungen geringer und bilden sich weitestgehend wieder zurück.
Bei Personen, die bereits einen Schlaganfall hatten, ist das Risiko, einen weiteren zu erleiden, deutlich erhöht. Jede beziehungsweise jeder Fünfte erleidet innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall einen weiteren.
Ursachen für einen Schlaganfall
Die häufigste Ursache eines Schlaganfalls ist ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopft. Ein solcher durch ein verstopftes Blutgefäß verursachter Schlaganfall, heißt ischämischer Schlaganfall. Blutgerinnsel können im Gehirn selbst entstehen oder aus anderen Teilen des Körpers dorthin geschwemmt werden. Ein Blutgerinnsel kann sich beispielsweise durch Entzündungen in der Wand eines Blutgefäßes bilden. Zu den Risikofaktoren für die Bildung von Blutgerinnseln zählen aber auch bestimmte Erkrankungen wie Bluthochdruck und anhaltendes Vorhofflimmern, eine Herzerkrankung. Einige Menschen haben auch eine genetische Veranlagung dafür, dass sich Blutgerinnsel bilden. Ein weiterer Mechanismus ist eine starke Gefäßverengung oder ein Verschluss durch starke Ablagerungen, die als Arteriosklerose bekannt ist. In beiden Fällen ist die Durchblutung gestört.
Daneben gibt es eine weitere, aber seltenere Form des Schlaganfalls. Dabei platzt ein Blutgefäß im Gehirn und das Blut tritt ins Hirngewebe aus. In der Folge wird das Hirnareal, das von dem Blutgefäß versorgt wird, unzureichend durchblutet. Gleichzeitig übt das austretende Blut Druck auf das umliegende Hirngewebe aus, was ebenfalls zu Schäden führen kann. Diese Form wird als hämorrhagischer Schlaganfall bezeichnet.
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Folgende Erkrankungen können in seltenen Fällen ebenfalls Ursache für einen Schlaganfall sein:
- Infektionen insbesondere im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder nach Schädeloperationen kann sich die Gerinnungsneigung erhöhen, wodurch sich schneller und mehr Gerinnsel bilden.
- Wenn Gefäßaussackungen oder Gefäßfehlbildungen platzen, lösen sie eine größere Blutung im oder in der Nähe des Gehirns aus, wodurch sich der Druck auf die Gehirnmasse erhöht.
- Entzündungen des zentralen Nervensystems sowie der kleinen oder der mittleren Arterien können Gefäßverschlüsse fördern.
- Blutungen durch innere Gefäßverletzungen nach Gewalteinwirkung auf den Kopf beziehungsweise Hals oder durch starkes Husten oder Niesen können den Druck auf die Gefäße steigen lassen.
Seltene Schlaganfallursachen
„Seltene Schlaganfallursachen liegen bei mindesten fünf Prozent der betroffenen Schlaganfallpatienten vor. Bei jungen Patienten unter 45 Jahren ist der Anteil deutlich höher. Hier sind es eigentlich schon häufige Ursachen“, sagte Prof. Dr. Tobias Engelhorn, leitender Oberarzt und stellvertretender Institutsdirektor der Neuroradiologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen.
Bei seltenen Schlaganfallursachen kann es sich um Dissektionen, Vaskulitiden, nicht-vaskulitische Vaskulopathien, Infektionskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen oder Malignome handeln. „Die häufigste Gruppe, gerade bei jüngeren Patienten unter 45 Jahren, ist die Dissektion hirnversorgender Arterien. Sie ist vielfach mit einer fibromuskulären Dysplasie (FMD) assoziiert (15 Prozent). Radiologen sollten also genau auf die Beteiligung der Nierenarterien schauen“, erklärte Engelhorn. Genetische Vorbelastungen wie das Ehlers-Danlos- oder Mahlers-Syndrom oder die osteogeneis imperfecta sind ebenfalls Risikofaktoren für eine Dissektion. „Exogen kann es durch Trauma, Husten oder Infektionen auftreten“, ergänzte der Facharzt für Radiologie.
CADASIL (Cerebral Autosomal Dominant Arteriopathy with Subcortical Infarcts and Leukoencephalopathy) ist eine erbliche zerebrovaskuläre Erkrankung. Sie beginnt im mittleren Erwachsenenalter mit rezidivierenden subkortikalen ischämischen Schlaganfällen und kognitiven Defiziten. „CADASIL ist eine hereditäre Mikroangiopathie, also Ablagerung von osmiophilem Material an glatter Muskulatur (Mutation im NOTCH3-Gen auf dem kurzen Arm des Chromosom 19)“, erklärte Engelhorn. Die Folge der Erbkrankheit sind Kleingefäßverschlüsse oder hochgradige Stenosen und familiär gehäufte Schlaganfälle in jungen Jahren.
Als weitere Ursache für eine nicht-entzündliche Vaskulopathien stellte Engelhorn die Moyamoya-Erkrankung (Nishimoto-Syndrom) vor. Bei Moyamoya (japanisch für „Wölkchen“) spielen die Gene eine wichtige Rolle für die Erkrankung, die in Ostasien deutlich häufiger vorkommt als in Europa vor. Dabei handelt es sich um eine seltene Erkrankung der Hirngefäße, bei der es zu einer langsam fortschreitenden Verengung oder einem Verschluss des Endabschnitts der inneren Halsschlagader im Bereich des Gehirns und der angrenzenden Hirngefäße kommt.
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Aus der großen Gruppe der nicht-vaskulitischen Vaskulopathien stellte Engelhorn drei Syndrome vor: Das reversible zerebrale Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) ist eine seltene zerebrovaskuläre Störung mit oder ohne fokale neurologische Defizite oder Krampfanfälle. Charakteristisch für die Erkrankung sind donnerschlagartige Kopfschmerzen und eine reversible segmentale und multifokale Vasokonstriktion der zerebralen Arterien.
Juveniler Schlaganfall
Die weit verbreitete Meinung, ein Schlaganfall trete nur bei Älteren auf, stimmt so nicht. „Ein erheblicher Anteil der Schlaganfälle betrifft Menschen unter 50 beziehungsweise 55 Jahren“, erklärt Wolf-Rüdiger Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Krankenhaus Bielefeld-Bethel und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. „Man spricht hier von juvenilen Schlaganfällen.“ Meldungen aus den USA weisen darauf hin, dass die Zahl der jungen Schlaganfall-Patienten seit 20 Jahren kontinuierlich steigt. In Deutschland sind jährlich rund 30 000 Menschen davon betroffen. Sie stehen mitten im Berufsleben, planen ihre Karriere oder gründen eine Familie. Die Auswirkungen sind gravierend, denn häufig leiden die Betroffenen anschließend an chronischen Problemen wie Lähmungen und Sprachstörungen. Ungefähr 33 Prozent der Patienten bleiben nach einem juvenilen Schlaganfall dauerhaft arbeitsunfähig, 27 Prozent der Betroffenen wechseln die Arbeit und nur rund 40 Prozent können an den ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren - oft nach langer Rehabilitationszeit.
Ein Schlaganfall - egal ob bei Jung oder Alt - wird durch eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn hervorgerufen. Eine Ausnahme stellen die Fälle dar, bei denen es zu einer Blutung im Gehirn kommt. Meist verstopft ein Blutgerinnsel eine Arterie im Gehirn beziehungsweise am Hals oder ein Blutgefäß wird aufgrund von Ablagerungen oder Wandbeschädigungen so verengt, dass kein Blut mehr hindurchströmen kann. Durch die Blockade des Blutflusses wird die dahinterliegende Hirnregion nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt: Sie nimmt Schaden oder stirbt sogar ab. „Dies äußert sich mit neurologischen Symptomen, die ganz plötzlich auftreten“, erläutert Schäbitz, „so zum Beispiel mit halbseitigen Lähmungen der Gesichtsmuskulatur oder einem eingeschränkten Gesichtsfeld.“ Wird der Schlaganfall gleich erkannt und der Patient schnell in ein Krankenhaus eingeliefert, können die Ärzte mit verschiedenen Methoden den Blutdurchfluss wieder herstellen und so Schlimmeres verhindern.
Die Ursachen für einen juvenilen Schlaganfall sind prinzipiell die gleichen wie bei dem älterer Patienten, sie sind aber anders gewichtet. Im Gegensatz zum klassischen Schlaganfall haben sogenannte Gefäßdissektionen einen recht großen Anteil. Dabei reißt die innere Gefäßwand auf, was zu Einblutungen zwischen den Wandschichten führt. Auslöser kann schon eine heftige Hustenattacke oder eine abrupte Kopfbewegung sein. Das Gefäßinnere wird im schlimmsten Fall bis zum totalen Verschluss verengt. Bei Älteren sind derartige Gefäßverletzungen relativ selten. Ebenfalls bei jungen Schlaganfallpatienten häufig zu beobachten sind Gerinnsel, die aus Strukturveränderungen des Herzens herrühren. Dies kann beispielsweise ein Herzklappenfehler oder eine angeborene Öffnung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens sein, ein sogenanntes offenes Foramen ovale. Normalerweise schließt sich dieser Durchgang in den ersten Lebenswochen, bei rund einem Viertel aller Menschen bleibt er bestehen, oft ohne dass sie davon wissen. Unter Druck, beim Niesen etwa, kann er sich öffnen, wodurch Gerinnsel in die falsche Herzkammer geraten können und von dort direkt ins Gehirn geschwemmt werden. „Bei einem nicht unerheblichen Anteil der juvenilen Schlaganfälle wird jedoch trotz sorgfältigster Abklärung keine Ursache gefunden“, sagt Wolf-Rüdiger Schäbitz. „Die Ursachensuche ist besonders wichtig, denn dann kann man mit speziellen blutverdünnenden Medikamenten, die je nach dem Auslöser variieren, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall minimieren.“
Das vermehrte Auftreten von juvenilen Schlaganfällen führen Schäbitz und seine Kollegen auf den Anstieg von typischen Risikofaktoren für die Gefäße zurück. Dazu zählen beispielsweise ein hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht. „Durch eine ungesunde Lebensweise werden die Blutgefäße zusehends starrer. Ein plötzlich auftretender hoher Blutdruck wird dann nicht mehr abgefedert, wie das bei elastischen Gefäßen der Fall ist“, erklärt der Neurologe. Dazu passt auch eine aktuelle Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums, wonach Frauen mit Diabetes ein um 50 Prozent höheres Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden, als Frauen ohne Diabetes.
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Schlaganfall erkennen: Symptome
Es gibt zahlreiche Anzeichen, die auf einen Schlaganfall hindeuten. Die Symptome treten - wie der Name sagt - schlagartig auf:
- Plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen: Hiervon ist überwiegend nur eine Körperseite betroffen. Eine Hand, Arm und/oder Bein lassen sich nicht mehr richtig bewegen, kribbeln oder fühlen sich taub an. Charakteristisch für einen Schlaganfall kann auch ein herunterhängender Mundwinkel sein.
- Sprachstörungen: Die Betroffenen finden plötzlich nicht mehr die richtigen Wörter, reden abgehackt, nuscheln oder lallen. Mitunter verstehen sie nicht, was gesagt wird, obwohl sie es hören.
- Sehstörungen: Die Person nimmt Dinge auf einer Körperseite schlechter oder nicht mehr wahr. Andere sehen doppelt oder verschwommen. Wenn sie nach etwas greifen wollen, greifen sie daneben.
- Schwindel und Gangunsicherheit: Die Betroffenen haben das Gefühl, dass sich alles dreht oder schwankt wie auf einem Schiff. Sie haben Probleme, das Gleichgewicht zu halten.
- Starke Kopfschmerzen: Die Schmerzen treten plötzlich auf und sind ungewohnt heftig.
FAST steht für die englischen Begriffe Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).
- Face: Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Wenn ein Mundwinkel oder Augenlid herabhängt oder Speichel unkontrolliert aus dem Mund fließt, ist das ein Anzeichen für die typischen halbseitigen Lähmungserscheinungen.
- Arms: Bitten Sie die Person, die Arme mit den Handflächen nach oben und nach vorne zu strecken. Gelingt dies bei einem Arm nicht oder dreht sich der Arm nach innen, ist dies ein Anzeichen für eine Lähmungserscheinung. Sie können die Person auch bitten, im Stehen ein Bein anzuheben und oben zu halten. Bei Gleichgewichtsstörungen, die für einen Schlaganfall typisch sind, wird dies nicht möglich sein.
- Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Falls es ihr gar nicht, nur lallend oder abgehackt gelingt, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf einen Schlaganfall.
- Time: Verlieren Sie keine Zeit. Rufen Sie die 112.
Stroke Mimics
Im zweiten Abschnitt seines Vortrages berichtete Engelhorn über sogenannte Stroke Mimics. Bei einem Stroke Mimic handelt es sich um eine „Symptompräsentation, die als Schlaganfall fehldiagnostiziert wird und eine andere nicht-ischämische Genese hat“, erklärte der Experte. Davon zu unterscheiden seien die Stroke-Chamäleons, unter denen man klinische Erscheinungsbilder versteht, die initial fälschlicherweise nicht als Schlaganfall identifiziert wurden. In der Literatur schwanken die Raten der falsch positiven Schlaganfall-Diagnosen zwischen 15 und 60 Prozent. Da der Behandlungserfolg bei einem Schlaganfall zeitabhängig ist, besteht ein großer Druck zur raschen Therapieentscheidung. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose, so Engelhorn. Daher sollte das behandelnde Notfallteam auch andere Indikationen im Hinterkopf haben, die zu neurologischen Defiziten führen können. Dazu gehören epileptische Anfälle, Migräne, Gehirntumore, Demenz, Sepsis oder auch metabolische Ursachen (z. B. hepatische Wernickeenzephalopathie oder Elektrolytstörung).
Erste Hilfe bei einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Je länger die betroffenen Gehirnareale ohne Sauerstoffversorgung sind, desto größer ist das Risiko für dauerhafte Schäden. Deswegen sollte sofort der Rettungsdienst (112) gerufen werden, wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht.
Betroffene können bei einem Schlaganfall oft nur eingeschränkte oder gar keine Auskunft geben. Die Begleitperson, die den Notarzt oder die Notärztin verständigt hat, spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Beschreibung der Symptome.
Diese Informationen sind für die Ärztin oder den Arzt wichtig
- Wann haben die Symptome begonnen?
- Welche Symptome sind aufgetreten und wie haben sie sich entwickelt?
- Was hat die Person gerade gemacht?
- Welche Medikamente nimmt die Person zurzeit ein?
- Sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere ein Vorhofflimmern, bekannt?
- Hatte die Person früher bereits ähnliche Beschwerden oder einen Schlaganfall?
Bis der Rettungsdienst eintrifft, können Sie der betroffenen Person auf folgende Weise helfen
- Bleiben Sie bei der betroffenen Person und beruhigen Sie sie, falls nötig.
- Lockern Sie möglicherweise beengende Kleidung. Eventuell ist es hilfreich, das Fenster zu öffnen.
- Wenn die Person bei Bewusstsein ist, kann der Oberkörper etwas höher gelagert werden.
- Ist die Person bewusstlos, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, um die Atemwege freizuhalten.
- Überwachen Sie Atmung und Puls. Falls nötig, beginnen Sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
- Auf keinen Fall sollte die Person etwas essen, trinken oder Medikamente einnehmen. Durch einen Schlaganfall kann es zu Schluckstörungen kommen, wodurch Fremdkörper in die Lunge gelangen könnten.
Akutbehandlung im Krankenhaus
Im Krankenhaus werden Maßnahmen eingeleitet, um bei einem ischämischen Schlaganfall die Durchblutung des betroffenen Gehirnareals wieder herzustellen und bei einem hämorrhagischen Schlaganfall, also einer Hirnblutung, die Ursache und die Folgen in den Griff zu bekommen. Dies ist jedoch oft nur in den ersten Stunden nach dem Ereignis möglich, weshalb rasches Handeln so wichtig ist.
Mittels Computer- oder Magnetresonanztomografie mit Gefäßdarstellung können Ärzte und Ärztinnen das Ausmaß und die Ursache des Schlaganfalls erkennen - also ob ein Gerinnsel oder eine Blutung vorliegt. Danach richten sich die Behandlung und das weitere Vorgehen. Bei einem verschlossenen Gefäß im Gehirn wird durch Medikamente (Thrombolyse) und über einen Katheter (Thrombektomie) das Gerinnsel aus dem Blutgefäß gelöst. Bei einigen Unterformen der Hirnblutung besteht die Möglichkeit, die Blutung zu stoppen.
Bildgebende Diagnose
Kommt ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall in die Notaufnahme, so wird standardmäßig zunächst eine native Computertomografie (CT) des Kopfes angefertigt, um zu schauen, ob ein Infarkt vorliegt und eine Blutung auszuschließen. „Das ist ganz entscheidend für eine Indikationsstellung. Liegt in der nativen CT keine Blutung vor, erfolgt im zweiten Schritt eine CT-Angiografie, um die Durchgängigkeit der Gefäße zu beurteilen. Nur wenn ein großes Gefäß verschlossen ist, eignet es sich für eine mechanische Rekanalisation. Anschließend wird eine CT-Perfusion durchgeführt, um Informationen zur Hämodynamik des Hirngewebes und der Gefäße zu erhalten. Anstelle einer CT kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) angeordnet werden. „Bei der akuten multimodalen MRT-Diagnostik fahren wir eine diffusionsgewichtete Bildgebung, um zu schauen, ob Ischämien vorliegen“, sagte Hanning. Die sehr sensitive Sequenz ist wichtig, um Blutungen auszuschließen. „Zusätzlich fahren wir noch eine Gefäßbildgebung, eine TOF-Angiografie ohne Kontrastmittel, und dann noch eine kontrastmittelgestützte Angiografie.
Schlaganfall oder TIA?
Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Symptome verschwinden aber nach wenigen Minuten und innerhalb von 24 Stunden wieder. Eine TIA kann einem Schlaganfall vorausgehen. Meist wird eine TIA ebenfalls durch ein verstopftes Blutgefäß verursacht und äußert sich durch die gleichen Symptome wie ein Schlaganfall.
Im Unterschied zum Schlaganfall löst sich das Gerinnsel schnell wieder auf und es kommt zu keinen bleibenden Schäden. Da sich eine transitorische ischämische Attacke in ihren Symptomen nicht von einem Schlaganfall mit dauerhafter Durchblutungsstörung unterscheidet, sollte bei entsprechenden Symptomen immer der Rettungsdienst gerufen werden, auch wenn diese bereits wieder vorübergegangen sind.
Stiller Schlaganfall
Nicht bei jedem Schlaganfall treten offensichtliche Symptome auf. Es handelt sich dann um einen stillen beziehungsweise stummen Schlaganfall. Beispielsweise kann sich der Hirnschlag im Schlaf ereignen und die Symptome können beim Aufwachen bereits abgeklungen sein. Oder der Schlaganfall betrifft eine Gehirnregion, in der Funktionen liegen, deren Ausfall weniger auffällig sind.
Erst wenn viele kleine stille Infarkte aufgetreten sind, bemerken die Betroffenen die Beeinträchtigungen.
Hirnvenenthrombosen
Prof. Steinbrecher: Hirnvenenthrombosen sind Blutgerinnsel in den Blutgefäßen, die das Blut aus dem Gehirn in Richtung Herz transportieren. Da die größeren Hirnvenen als Sinus bezeichnet werden spricht man auch von Sinusthrombosen oder Sinusvenenthrombosen. Prof. Steinbrecher: Sinusvenenthrombosen sind eine eher seltene Hirngefäßerkrankung. Frauen erkranken häufiger, was vermutlich hormonelle Gründe hat. Sicher ist, dass die Einnahme der Pille das Risiko erhöht. In Kombination mit dem Rauchen wird das Risiko zusätzlich erhöht. Prof. Steinbrecher: Mechanisch betrachtet führt die Thrombose zu einer Abflussstörung des Blutes - das Blut kann demnach nicht mehr richtig aus dem Schädelinneren abfließen. Dieser erhöhte Hirndruck führt zu Kopfschmerzen, die das häufigste Erstsymptom sind. Ein anderes häufiges Symptom sind epileptische Anfälle. Durch den Stau des Blutes kann es zu Blutungen im Gehirn kommen. Diese können dann, wie andere Hirnblutungen auch, zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sehstörungen führen.
Prof. Steinbrecher: Eine Vorsorgeuntersuchung gibt es nicht. Sie ist aufgrund der Seltenheit der Erkrankung nicht erforderlich. Ein Warnsymptom sind zum Beispiel starke Kopfschmerzen bei Menschen die sonst keine Kopfschmerzen haben. Diese verschwinden nach einigen Tagen nicht einfach wieder. Anhaltende Kopfschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben, die nicht immer gefährlich sind. Es sollte jedoch untersucht werden. Prof. Steinbrecher: Wird eine solche Thrombose diagnostiziert, muss ähnlich wie bei einer tiefen Beinvenenthrombose eine Blutverdünnung (Antikoagulation) durchgeführt werden. Darüber hinaus wird bezweckt, dass die körpereigenen Mechanismen zur Auflösung von Blutgerinnseln (Fibrinolyse) den Thrombus langsam wieder auflösen können. In den meisten Fällen lassen sich Sinusvenenthrombosen erfolgreich behandeln, häufig mit vollständiger Wiederherstellung.
Rehabilitation und Prävention
Nach einem überstandenen Schlaganfall müssen zwei Drittel der Betroffenen mit Beeinträchtigungen rechnen. „Gerade in der jungen Altersgruppe finden dadurch häufig gravierende Veränderungen des Lebenslaufes statt - anders als im fortgeschrittenen Alter“, meint Schäbitz. Dennoch sind die Reha-Behandlungen bei jüngeren Patienten oft aussichtsreicher. „Das Gehirn ist noch plastischer. Ein Teil der ausgefallenen Funktionen kann durch andere Gehirnareale übernommen werden. Im Alter wird dies immer schwieriger.“
Neben einer medikamentösen Behandlung und der regelmäßigen Selbstmessung des Blutdrucks können Betroffene selbst durch einen Wandel des Lebensstils dazu beitragen, zukünftig Hirnblutungen zu verhindern.
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